24. Oktober 2012

Labsal nach einem anstrengenden Tag: geschmorte Möhren mit Salbei-Sesam-Vinaigrette


Etwas ruhiger geht es zur Zeit hier zu, und ich fürchte, ein Weilchen dürfte das noch so bleiben. Tagsüber bin ich gut eingespannt, so gut, dass ich abends zu nicht wirklich viel zu gebrauchen bin. Ein schnelles Essen, ein kurzer Blick in die Zeitung, und wenn ich Glück habe, schlafe ich erst im Bett ein.

Darunter leiden nicht nur meine kulinarischen Aktivitäten unter der Woche, nein, auch am Wochenende fliegen weder Kochlöffel noch Backschüssel mit bekannter und geschätzter Verve durch die sehnsuchtsvolle Küchenluft. Das Prickeln, das gewisse Etwas, die Antennen dafür müssen sich gerade im Wartungsmodus befinden. Anders kann ich mir das nicht erklären. Und da auf Knopfdruck keine Kreativität zu erzeugen ist und ein entsprechendes Doping meines Wissens nicht existiert, befinde auch ich mich gerade im Stand-by-Modus.

Da kam Marichans Einladung an nyhet und mich zum Törtchen-Testessen gerade recht, um nicht aus der süßen Übung zu geraten. Nur waren wir diesmal auf der anderen Seite, der, die beglückt wird. Und wie! Durch die herzliche, warme Gastgeberin, fröhliche, sympathische Gäste und deliziöse schokoladige Törtchen. Die Fahrt ins für uns ferne Buch hatte sich bereits gelohnt, als ich über die Schwelle trat und sah, wie Marichan das tat, was wir Foodblogger alle tun: mit Inbrunst das Essen fotografieren, bevor sich alle darauf stürzen. Ein wohliger Sonntagnachmittag, an dem der Redestrom nur von den einzelnen Verkostungsrunden kurz unterbrochen wurde.

Unter der Woche muss es bei mir schnell gehen, und da die kluge Frau vorsorgt, trug ich am Wochenende violette und orangene Möhren vom Markt nach Hause. Im Hinterkopf das Rezept für geschmorte Möhren mit Salbei-Sesam-Vinaigrette. Das Original stammt wieder aus dem Buch "Der echte Geschmack", allerdings habe ich die Vinaigrette meinen Vorräten angepasst. Davon könnt ihr ruhig die doppelte Rezeptmenge anrühren - sie ist so köstlich und war mir eindeutig zu knapp bemessen.


Die Zutaten für 2 Portionen (als Hauptgericht für Hungrige etwas weniger):
600 g Möhren mit Grün, geschält (ich habe violette Beta-Möhren und normale Möhren genommen)
Olivenöl
Meersalz
Pfeffer

Für die Vinaigrette:
2 EL Apfelessig
2 EL dunkles Sesamöl (im Originalrezept Erdnussöl)
1 EL Sesam (fehlen im Original)
1 TL körniger Senf
2 TL Rohrzucker (Honig passt sicher auch prima)
2 TL frischer Salbei, fein gehackt (alternativ geht frischer Thymian)
1 gute Prise edelsüßes Paprikapulver
3 bis 4 kleine Gewürzgurken, fein gehackt
Meersalz
Pfeffer

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Möhren schälen, aber den Ansatz vom Grün stehen lassen. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die Möhren darin schwenken. Dann mitsamt dem Öl in eine Auflaufform füllen, salzen und pfeffern. Im Ofen je nach Dicke und Frische der Möhren 20 bis 40 Minuten backen. Deshalb empfehle ich dünne Möhren.

Inzwischen die Vinaigrette anrühren. Zuerst Apfelessig, Sesamöl, Senf und Rohrzucker vermengen. Salbei, Paprikapulver und Sesamkörner zugeben, alles gut verrühren. Dann die gehackten Gewürzgurken zugeben und umrühren, salzen, pfeffern.

Sind die Möhren fertig geschmort, werden sie sofort auf die Teller verteilt. Vinaigrette darüber geben. Fertig!

Genau der richtige leichte Genuss nach einem anstrengenden Tag, versichert euch mit den besten Grüßen

18. Oktober 2012

Bulettenliebe: Petersilienwurzel-Puffer mit Harissa-Joghurt


Vor langer langer Zeit trug sich fern der Heimat eine hübsche Episode zu. Ich war endgültig ausgeflogen und suchte den Sinn von "dit Janse" anderswo. Berlin spielte zwar in meiner Lebensplanung - die ich ohnehin in diesem Wortsinne nie gehabt hatte - überhaupt keine Rolle, dennoch konnte ich einer Leidenschaft fröhnen, die damals noch Leiden schuf und mich heute mit Vergnügen und Humor geradezu abfüllt. Sprache, Sprachwitz, Spracheigenarten.

Mit Freunden saß ich in einem Biergarten. Sommer um uns herum, über uns thronte der weiß-blaue Himmel. Mittagszeit an einem vergnüglichen Tag, wir waren erhitzt und hatten Hunger. Die Speisekarte rauf und runter gelesen, außer deftig nichts zu bekommen. Da das Portemonnaie keine großen Sprünge zuließ, schossen sich unsere Mägen also auf die einfacheren Klassiker ein. Schon rückte die Bedienung an und fragte forsch: Was wollts ihr bestellen?

Nacheinander ratterten alle ihre Wünsche herunter, bis die Reihe schließlich an mir war. "Ich nehme die Buletten mit Senf und ein Radler." Entgeistert schaute mich die etwas ältliche Dame in ihrem feschen knappen, um bei der Wahrheit zu bleiben, eindeutig zu knappen und zu kurzen Dirndl an. Ich schreckte etwas zurück. Stand das gar nicht auf der Karte? "Ist das etwa schon aus?", fragte ich etwas ängstlich. "Na!", knarzte es mir entgegen. "Bu-let-ten?? Mia san hier ned bei dera Saupreißn. Des hoaßt hier Fleischpflanzerl!" Perplex, als wäre ich gerade von einem dieser Wiesen-Gefährte überfahren worden, war ich nur noch in der Lage zu einem zustimmenden "Ah gut, dann nehme ich eben die."

Mittlerweile bin ich von mehr Saupreißn umgeben, als die Bedienung sich wohl jemals vorstellen könnte. Ob Bulette oder Fleischpflanzerl, ob Puffer oder Happen, auf meinem Teller sind sie in welcher Sprache auch immer gern gesehen. Meist ohne Fleisch, aber der Vielfalt sind ja keine Grenzen gesetzt, wie man an dem einen oder anderen Buletten-ähnlichen Rezept ablesen kann. Als ich wagemutig auf dem Markt Petersilienwurzeln eingekauft hatte und mich nun mit der Frage konfrontiert sah, was ich damit bloß anstellen solle, habe ich etwas recherchiert und dieses Rezept bei Essen&Trinken für Petersilienwurzel-Puffer mit Harissa-Joghurt gefunden. Ich habe etwas weniger Joghurt in einem anderen Mischverhältnis angerührt und in den Puffern, die anfangs partout nicht zusammenhalten wollten, ein Ei mehr versenkt.


Die Zutaten für etwa 20 Puffer:
1 mittelgroße Schalotte
Olivenöl
100 g Bulgur
250 ml Gemüsebrühe
250 g Petersilienwurzel, ungeschält gewogen
1/2 Bund glatte Petersilie
ggf. etwas Kurkuma
2 Eier (Größe M)
50 g Mehl
1 EL Speisestärke
100 g Vollmilchjoghurt
1 bis 2 TL Harissa
Salz
Pfeffer

Zuerst die Schalotte schälen und fein würfeln, dann in Olivenöl anschwitzen. Den Bulgur zugeben, etwas mitdünsten und dann mit der Gemüsebrühe ablöschen. Etwa 20 Minuten ausquellen lassen, dabei auf mittlere Hitze herunterschalten. Ggf. etwas Gemüsebrühe (oder Wasser) nachgießen. In ein Sieb geben, abtropfen und auskühlen lassen.

Joghurt mit Harissa verquirlen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

In der Zwischenzeit die Petersilienwurzeln schälen und fein hacken oder reiben. Petersilie waschen, trocken schütteln und die Blätter von den Stängeln zupfen. Grob hacken. Mit den Petersilienwurzeln in eine Schüssel geben, Bulgur zufügen und mit den beiden Eiern gut vermischen. Mehl und Speisestärke mischen und zufügen, salzen und pfeffern. Alles gut mit einer Gabel verrühren.

In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen, dann mit zwei Esslöffeln Portionen der Petersilienwurzelmasse abstechen, in die Pfanne geben und vorsichtig flachdrücken. Etwa 3 Minuten anbraten, dann wenden und weitere 3 Minuten braten. Die Puffer müssten fertig sein. Herausnehmen und auf einem Stück Küchenpapier ablegen. Abtupfen und noch warm mit dem Harissa-Joghurt servieren.


Die leichte Süße der Petersilienwurzel und der scharfe Harissa-Joghurt spielen auf der Zunge miteinander. Zwei Entdeckungen, die jede für sich oder beide gemeinsam wieder Runden über meinen Tisch werden drehen dürfen.

Freut sich und grüßt

14. Oktober 2012

Europäischer Schmelz: Schokoladentarte mit Kaffee und Pekannüssen


Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, ist es nicht nur dunkel und kalt und ungemütlich. An letzterem ist vor allem die Sonne schuld, die sich jetzt so schnell vom Acker macht. Momentan verzehre ich mich nicht so sehr nach meinem elektronischen Verbindungsgerät in die Welt da draußen. Das habe ich tagsüber schon genug angefunkelt. Ganz analoge Abende, die genieße ich derzeit so sehr wie selten.

Kein Wunder also, dass meine Leseliste nicht kleiner wird. Ich traue mich fast schon nicht mehr, in meine gesammelten Blog-Nachrichten zu schauen. Da könnte, ja da wird wieder einiges hinzugekommen sein. Ab und an schaffe ich es doch und lese weg was geht, bis mir die Äuglein zufallen. Hier ein Kommentärchen, da einen Link gesetzt. Manchmal ist das Thema dann doch so interessant, dass ich meinen Senf ausführlicher hinterlassen muss. Und schwupp ruft die Nachtruhe.

Dann träume ich sogar von Nobelpreisträgern. Ich sitze mit der Europäischen Union an einem Tisch, reiche eine Tafel Schokolade nach der anderen im Kreis herum und wundere mich, woher bloß dieser nicht versiegende Nachschub stammt. Eine Tafel nach der anderen reiße ich geräuschvoll auf, breche sie an und muss mir natürlich das Probierstück gönnen. Mit der Schokolade ist schließlich wie mit Wein nicht zu spaßen. Und während die Europäische Union und ich so schlemmen, unterhalten wir uns mit schokoladigen Mündern über die Dinge des Lebens. Nein, Geld spielt in diesem Fall keine Rolle. Eher all das, was ich als positiv und schätzenswert empfinde, nicht gerade wenig (wer jetzt fragt, ob ich mich als Europäerin sehe, JA!). Muss wohl an der Schokolade und ihren Nebenwirkungen liegen, dass nur die schönen Seiten zur Sprache kommen.

Am nächsten Morgen frage ich mich, warum ich denn nun ausgerechnet diesen Traum geträumt habe. Ganz einfach. Ich hatte diesen Artikel über den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Nobelpreisträger eines Landes und dem dortigen Schokoladenkonsum gelesen. Wie gut, dass da meine Schokoladentarte mit Kaffee und Pekannüssen schon gedanklich in Arbeit war. Sie musste nur noch in die Realität umgesetzt werden.


Die Zutaten für eine Springform von 20 cm Durchmesser:
Für den Boden:
150 g Mehl
30 g Rohrzucker
1 Prise Salz
50 g Pekannüsse, gemahlen
90 g Butter, kalt

Für die Füllung:
150 g dunkle Schokolade (60% Kakaogehalt)
100 g Sahne
1 Kaffeelöffel gemahlener Kaffee
2 EL Rohrzucker
150 g Crème fraîche

200 g weiße Schokolade
100 g Sahne

Mehl, Rohrzucker, Salz und gemahlene Pekannüsse mischen. Butter in kleine Würfel schneiden, zur Mehlmischung geben und alles zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Klebt er, noch etwas Mehl zugeben. Ist er zu trocken, mit etwas Butter oder kaltem Wasser geschmeidig machen. Im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen. Danach ausrollen (ich drücke den Teig immer direkt in der Form zurecht) und die Springform auskleiden, einen etwa 5 cm hohen Rand bilden. Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen. Form eine halbe Stunde im Gefrierschrank lagern.

Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen. Den gefrorenen Boden mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten füllen. Etwa 20 Minuten auf mittlerer Schiene blindbacken, dann die Füllung herausnehmen und den Boden noch etwa 10 bis 15 Minuten nachbacken. Er soll keine Farbe annehmen und sich noch weich, aber nicht roh anfühlen. Vollständig auskühlen lassen.

Jetzt geht es an die Füllungen. Dunkle Schokolade in grobe Stücke hacken und in eine nicht zu kleine Schüssel geben. Dann 100 g Sahne mit Kaffee und Zucker erhitzen, aber nicht kochen. Etwas ziehen lassen und durch ein feiner Sieb abseihen. Falls die Sahne zu sehr abgekühlt ist, wieder erhitzen, bis sie dampft, aber nicht kocht. Zur dunklen Schokolade gießen und mit einem Schneebesen eifrig umrühren, bis die Schokolade komplett geschmolzen ist. Nun die Crème fraîche einarbeiten, bis die Masse ohne Klümpchen und geschmeidig ist. In den abgekühlten Boden füllen, glattstreichen und erkalten lassen (am besten im Kühlschrank). Kurz bevor die weiße Schokoladenschicht eingefüllt wird, aus dem Kühlschrank nehmen und auf der Oberfläche mit den Zinken der Gabel kreuz und quer sanft Rillen ziehen. Nicht eindrücken!

Für die helle Schicht die weiße Schokolade in grobe Stücke brechen. Die zweiten 100 g Sahne erhitzen, aber nicht kochen. Zur Schokolade gießen und mit dem Schneebesen verrühren, bis die Schokolade vollständig geschmolzen und eine cremige Masse ohne Klümpchen entstanden ist. Etwas abkühlen lassen und auf die braune Schokoladenschicht gießen. Im Kühlschrank fest werden lassen.

Wer bis hierhin durchgehalten hat ohne zu naschen, der ist standhaft. Respekt! Jetzt aber mal ran die Tarte! Nicht gerade ein Leichtgewicht, weshalb von der kleinen Form durchaus auch mehr als vier Schokoholics glücklich werden können.


Und wie der Zufall es so will, feiert Sybille heute den ersten Geburtstag ihres Blogs "tomatenblüte". Herzlichen Glückwunsch und auf unendlich viele weitere Gelegenheiten, mit Dir feine Köstlichkeiten auszutauschen! Nicht nur zum Ehrentag. Viele Grüße,


PS: Dieser Kuchen ist wieder klein genug, um ihn zu den "Kleinen Kuchen" der Hedonistin dazuzustellen.

8. Oktober 2012

Alles auf Anfang: Feigen-Walnuss-Konfitüre mit Muskat und Zimt


Alles neu macht der Oktober. Und mopst die Zeit.

Alles zurück auf Anfang. So dürfte das Motto meines Herbstes lauten. Ein Abschnitt ist zu Ende gegangen, und obwohl der neue oberflächlich betrachtet dem auf's Haar gleichen könnte, den ich für das Studium aufgegeben hatte, ist er doch ganz anders. Und viel besser, wenn ich das so mit meinem Optimismus nach wenigen Tagen sagen kann.

Etwas Neues, das motiviert, das neu fordert, das frischen Wind bringt. Veränderungen lohnen sich, auch wenn sie bedeuten, sich dafür von alten Zöpfen, lieb Gewonnenem oder bequem Gewordenem zu lösen. Der Stolperschritt im Trott der Gewohnheit. Das Heraushüpfen aus dem Eingefahrenen. Als ich immer klarer sah, was ich lange nicht sehen wollte, stieg auch in mir Wehmut hoch. Nun soll das vorbei sein, das süße Leben? Die Zeit des Studiums war spannend und entlastend zugleich. Heraus aus dem Davor voller Stress und gewachsener Unzufriedenheit, auf der Suche nach dem Bald. Ausprobiert, entdeckt, verworfen, verinnerlicht. Interessant, wie anders sich etwas anfühlt, wie groß der Gewinn erscheint, wie ehrlich das Selbst ist, wenn ... man loslässt.

Dann merkt man auch, wie viel Raum doch da ist für all das, was ist und sein kann und sein wird. Irgendwo las ich, dass Übergänge in neue Phasen wie Nadelöhre sind. Das, was wirklich wichtig ist, passt hindurch und kommt mit. Alles andere bleibt zurück. Damit wir reisen mit leichtem Gepäck in die neue süße Zeit. Und in die bin ich gerade reingehüpft, einfach so, mit Schmackes.

Nun ja, ein süßes Gepäckstück muss natürlich mindestens mit, wenn ihr mich fragt. Das könnte - die Auswahl fällt mir besonders schwer - zum Beispiel diese Feigen-Walnuss-Konfitüre mit Muskat und Zimt sein. Das Rezept fand ich bei Valentinas Kochbuch und habe es ein wenig an meine Zubereitungsgewohnheiten angepasst. Zwar bin ich eher eine Verfechterin von Marmeladen ohne "Fremdkörper", aber hier bilden die Nüsse einen feinen haptischen Kontrast. Und passen problemlos durch das Nadelöhr.


Die Zutaten für 5 bis 6 mittelgroße Gläser:
1 kg Feigen, geputzt gewogen
200 g Walnüsse, grob gehackt
400 g feiner oder feinster Zucker
1/4 TL Muskat, gemahlen
1/4 bis 1/2 TL Zimt, gemahlen
1 Zitrone

Die Zubereitung erfolgt wieder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Tag 1:
Feigen waschen, trocken tupfen, Stielansätze entfernen. Achteln und dann noch einmal quer zerteilen. Walnüsse grob hacken und zusammen mit den Feigen und Zucker in einen Topf geben. Alles vorsichtig vermengen und bis zum ersten Aufwallen erhitzen. Sofort von der Herdplatte nehmen, abdecken (mit dem Topfdeckel oder Backpapier, das direkt auf die Oberfläche der Konfitüre in spe gestrichen wird). Über Nacht ruhen lassen.

Tag 2:
Im Kühlschrank einen Teller kalt stellen. Marmeladengläser ausspülen und feucht auf einem mit einem Geschirrtuch ausgelegten Backblech bei 100 Grad Ober-/Unterhitze in den Backofen stellen, bis die Konfitüre fertig gekocht ist. Dann sind sie getrocknet und sauber.

Zitronensaft, Muskat und Zimt zur Feigen-Walnuss-Mischung geben, unterrühren und alles in einem hohen Topf (Spritzgefahr!) zum Kochen bringen. Gut und ausdauernd umrühren. In den nächsten 8 bis 12 Minuten wird die Konsistenz dickflüssiger. Probe auf dem kalten Teller machen, aber nicht wundern, diese Konfitüre bleibt dickflüssig und reißt schwer vom Löffel, wird jedoch nicht fest. Soll sie auch gar nicht!

Wenn die Konsistenz zufrieden stellt, sofort in die sterilisierten Gläser füllen. Gut zuschrauben und kurz (nur kurz) auf den Kopf stellen, damit die Konfitüre nicht kleben bleibt. Auskühlen lassen.

Et voilà, fertig zum Genuss! Und jetzt fängt sie doch erst an, die Jahreszeit, in der mir diese schweren Konfitüren besonders gut in den anbrechenden Tag verhelfen. Lieber Dietmar, für das feine Rezept dankt Dir von Herzen


PS: So ein Neustart ist fordernd und knapst momentan auch etwas von der Zeit ab, die bisher für anderes reserviert war. Sie wird es wieder sein! Habt bitte etwas Geduld, falls der Rhythmus hier gerade etwas aus dem Takt gerät.

3. Oktober 2012

Pflaumenbett: bretonische Törtchen


Hat der letzte Beitrag für Sturzfluten in euren Mündern gesorgt? Wenn ja, gut so. Wenn nein, muss ich irgendetwas falsch gemacht haben. Oder es fehlte einfach noch an der richtigen Unterlage, auf der die herrlich würzigen Honigpflaumen zu euren Gaumen würden wandern können. Joghurt, Müsli, Quark, alles lecker, aber vielleicht auch ein wenig profan.

Dann kommt hier das richtige Accessoire. Am Anfang stand die Sucht. Wieder einmal. Die nach Dessertbüchern. Immer wenn ich die neuen Rezensionen bei Valentinas Kochbuch lese, muss ich mein Portemonnaie besonders gut im Auge behalten. Dass ich auch andere Zahlungsmittel besitze, versuche ich rigoros aus meinem Gedächtnis zu streichen. Und nyhet muss dafür sorgen, dass mir kein Buchladen in die Quere kommt. Denn sonst kann ich für nichts garantieren. Denn sonst ist es um mich geschehen.

So auch jetzt. Vorgestellt wurde Michel Roux' Buch "Süßes". Nein, nein, nein, ich hätte den Artikel in meinem Reader einfach nicht öffnen dürfen. Tat ich aber. Und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Atemlos sog ich jedes einzelne Wort in mich auf. Tage ohne Sinn nach Herzhaftem? Kenne ich. Süße Gelüste schnell oder geduldig stillen? Ich fühle mich sowas von angesprochen. Hinreißende bis dekadente Ergebnisse? Gott, ich kann nicht mehr vor Ungeduld. Herzflattern, Handschweiß, Hitzewallungen. Was andere von den Wechseljahren kennen, kann bei mir allein durch so eine Rezension ausgelöst werden. Klarer Fall.

Es gab kein Halten mehr. Natürlich erinnere ich mich, wie und womit ich dem Geldfluss Tür und Tor öffnen kann. Und den Weg in den nächsten Buchladen finde ich sogar nachts mit verbundenen Augen und Krückstock, das wäre doch gelacht. Bei der nächstbesten Gelegenheit flitzte ich in den Hort der Bücher und spazierte mit meinem Objekt der Begierde selig nach Hause. Unterwegs blätterte ich schon eifrig und hatte in Windeseile das erste Rezept ausfindig gemacht, das ich nachbacken und zu eben jenen Honigpflaumen probieren wollte: bretonische Törtchen.

Zu Hause angekommen habe ich - entgegen meiner Gewohnheit - Unmengen von kleinen Klebezetteln in diesem Buch verteilt ...


Die Zutaten für 4 Tartelettes (oder 6 Törtchen, die in Metallringen von 8 cm Durchmesser gebacken werden):
180 g gesalzene, weiche Butter (und etwas mehr für die Förmchen)
4 Eigelb
100 g Zucker (die 140 g aus dem Originalrezept erschienen mir zu viel, allerdings waren mir die Törtchen noch immer zu süß. Ich würde beim nächsten Mal 70 bis 80 g nehmen)
1 Prise Salz
2 TL flüssiger Honig
1 EL dunkler Rum
225 g Mehl (Type 550)
für die Glasur etwas Milch (im Buch wird ein in 2 TL Milch verquirltes Eigelb genommen)

In einer großen Schüssel Eigelbe mit Zucker und Salz schaumig rühren, am besten mit einem Handmixer. Nun in einer anderen Schüssel die Butter schaumig schlagen, dann Honig und Rum zufügen und gut einarbeiten. Mit einem Teigschaber in die Ei-Zucker-Mischung geben und alles gut miteinander vermengen, bevor das Mehl nach und nach untergemischt wird.

Den Backofen auf 170 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Die Förmchen buttern und den Teig gleichmäßig verteilen. Glatt streichen, mit Milch oder dem verquirlten Eigelb bestreichen und mit einer Gabel ein Gittermuster ritzen. Etwa 20 Minuten backen, je nach Größe der Form, bis die Törtchen schön goldbraun sind. Nach dem Herausnehmen ein wenig abkühlen lassen und sofort auftischen.


Ein paar Honigpflaumen auf die Törtchen setzen, mit Pflaumensud beträufeln. Schon wieder so ein guter Herbstgenuss! Süß und salzig in einem. Dazu Frucht und Gewürze. Lecker war's, sagt