Als Kind gab es für mich nur den einen: Pflaumenkuchen. Mit knusprigen Streuseln, viel Zimt-Zucker und einem mäßig dicken Boden. Ob Blech oder Springform war mir egal. Hauptsache Streusel. Und Mürbteig, denn zuviel Teig unter den saftigen Pflaumen mochte ich auch nicht haben. Am aller aller allerliebsten mochte ich den Kuchen, sobald er aus dem Ofen kam. Die Küche duftete herrlich, und meine Mutter konnte es selbst kaum erwarten, den Pflaumenkuchen anzuschneiden.
Manchmal erwischte ich sie jedoch, wie sie sich einen großen gebräunten Streusel-Knubbel vom Kuchen pflückte und ihn sich hastig in den Mund schob. Ha, genau den wollte ich mir mopsen! Ich protestierte lauthals, und sie war ertappt. Dann lächelte sie ganz verschämt und versuchte, sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie doch glatt behauptete, sie müsse wissen, ob der Kuchen wirklich gar ist. Gar? Jajajaja. Sag's bloß nicht dem Papa! Aha, und wie willst du dir mein Schweigen erkaufen? Hm, wie wäre es mit einem Stück Pflaumenkuchen, extragroß. Ja, da ließe sich etwas machen. Mit extraviel Zimt-Zucker darauf. Ausgemacht, aufgetischt.
Las ich, dass Gleichjunge anderswo gerade fleißig Zwetschgendatschi verputzten, mutete mir das wie Babysprache an. Dafür war i-c-h ja schon viel zu groß. "Zwetschgen" konnte ich allerdings nicht identifizieren. Benutzt das ein Heimwerker? Kann man das essen? Oder tunken die irgendetwas Undefinierbares irgendwo hinein? Komische Sitten. Und Streusel machen die auch noch drauf? Nicht auszumalen.
Inzwischen weiß ich natürlich Bescheid und schätze die große Breite der Pflaumengebäcke. In diesem Herbst kamen Pflaumen jedoch auf eine andere, für mich neue Weise aus dem Ofen heraus: als gebackene Honigpflaumen. Mal wieder ein Rezept aus dem Buch "Der echte Geschmack" und mal wieder - na was wohl? - ein Volltreffer.
Die Zutaten für einige Portionen, die in einer rechteckigen Auflaufform (27 x 18 cm) zubereitet wurden:
700 g Pflaumen
8 Lorbeerblätter, frisch
6 Kardamomkapseln
Pfeffer, frisch gemahlen
150 bis 200 g flüssigen Honig (ich habe Sommerblütenhonig verwendet; die 300 g im Originalrezept waren mir definitiv zu viel)
Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
Pflaumen waschen, abtrocknen und Stiele entfernen. Die Steine bleiben drin! Lorbeerblätter auf dem Boden einer Auflaufform verteilen. Großzügig frischen Pfeffer darübermahlen. Kardamomkapseln anstoßen, Körner herauskratzen und in einem Mörser grob zerstoßen, danach über den Lorbeerblättern verteilen. Nun die Pflaumen aufrecht dicht an dicht in die Form stellen, sie sollen nicht umfallen können. Den Honig kreuz und quer über die Pflaumen geben, alle sollen gut benetzt werden.
Etwa 15 bis 20 Minuten auf mittlerer Schiene backen, bis die Pflaumen prall sind und auf leichten Druck nachgeben. Sie sollen allerdings nicht aufplatzen.
Und nun?
Ich habe einige Pflaumen noch warm genossen und war hin und weg. Diese
leichte Schärfe von Pfeffer und Kardamom wurde prima vom Honig
aufgefangen. Er hatte während des Backens für einen herrlichen Sud
gesorgt, so fruchtig, weich und würzig. Entsteint habe ich die Pflaumen immer erst dann, wenn ich sie gegessen habe. Denn die Steine verleihen zusätzlich zu all den anderen Aromen den Pflaumen noch einen Hauch von Mandel, allerdings erst nach ein, zwei Tagen.






























