30. September 2012

An kühlen Herbsttagen: gebackene Honigpflaumen


Herbstzeit ist Pflaumenzeit! Pflaumen esst ihr doch auch, oder? Nicht? Dann aber sicher Zwetschgen. Oder Zwetschken. Manch einer sagt Zwetsche, andere wiederum Quetschen. Im Grunde genommen meinen wir weitestgehend dasselbe. Oder zumindest das Gleiche.

Als Kind gab es für mich nur den einen: Pflaumenkuchen. Mit knusprigen Streuseln, viel Zimt-Zucker und einem mäßig dicken Boden. Ob Blech oder Springform war mir egal. Hauptsache Streusel. Und Mürbteig, denn zuviel Teig unter den saftigen Pflaumen mochte ich auch nicht haben. Am aller aller allerliebsten mochte ich den Kuchen, sobald er aus dem Ofen kam. Die Küche duftete herrlich, und meine Mutter konnte es selbst kaum erwarten, den Pflaumenkuchen anzuschneiden.

Manchmal erwischte ich sie jedoch, wie sie sich einen großen gebräunten Streusel-Knubbel vom Kuchen pflückte und ihn sich hastig in den Mund schob. Ha, genau den wollte ich mir mopsen! Ich protestierte lauthals, und sie war ertappt. Dann lächelte sie ganz verschämt und versuchte, sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie doch glatt behauptete, sie müsse wissen, ob der Kuchen wirklich gar ist. Gar? Jajajaja. Sag's bloß nicht dem Papa! Aha, und wie willst du dir mein Schweigen erkaufen? Hm, wie wäre es mit einem Stück Pflaumenkuchen, extragroß. Ja, da ließe sich etwas machen. Mit extraviel Zimt-Zucker darauf. Ausgemacht, aufgetischt.

Las ich, dass Gleichjunge anderswo gerade fleißig Zwetschgendatschi verputzten, mutete mir das wie Babysprache an. Dafür war i-c-h ja schon viel zu groß. "Zwetschgen" konnte ich allerdings nicht identifizieren. Benutzt das ein Heimwerker? Kann man das essen? Oder tunken die irgendetwas Undefinierbares irgendwo hinein? Komische Sitten. Und Streusel machen die auch noch drauf? Nicht auszumalen.

Inzwischen weiß ich natürlich Bescheid und schätze die große Breite der Pflaumengebäcke. In diesem Herbst kamen Pflaumen jedoch auf eine andere, für mich neue Weise aus dem Ofen heraus: als gebackene Honigpflaumen. Mal wieder ein Rezept aus dem Buch "Der echte Geschmack" und mal wieder - na was wohl? - ein Volltreffer.


Die Zutaten für einige Portionen, die in einer rechteckigen Auflaufform (27 x 18 cm) zubereitet wurden:
700 g Pflaumen
8 Lorbeerblätter, frisch
6 Kardamomkapseln
Pfeffer, frisch gemahlen
150 bis 200 g flüssigen Honig (ich habe Sommerblütenhonig verwendet; die 300 g im Originalrezept waren mir definitiv zu viel)

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Pflaumen waschen, abtrocknen und Stiele entfernen. Die Steine bleiben drin! Lorbeerblätter auf dem Boden einer Auflaufform verteilen. Großzügig frischen Pfeffer darübermahlen. Kardamomkapseln anstoßen, Körner herauskratzen und in einem Mörser grob zerstoßen, danach über den Lorbeerblättern verteilen. Nun die Pflaumen aufrecht dicht an dicht in die Form stellen, sie sollen nicht umfallen können. Den Honig kreuz und quer über die Pflaumen geben, alle sollen gut benetzt werden.

Etwa 15 bis 20 Minuten auf mittlerer Schiene backen, bis die Pflaumen prall sind und auf leichten Druck nachgeben. Sie sollen allerdings nicht aufplatzen.

Und nun?


Ich habe einige Pflaumen noch warm genossen und war hin und weg. Diese leichte Schärfe von Pfeffer und Kardamom wurde prima vom Honig aufgefangen. Er hatte während des Backens für einen herrlichen Sud gesorgt, so fruchtig, weich und würzig. Entsteint habe ich die Pflaumen immer erst dann, wenn ich sie gegessen habe. Denn die Steine verleihen zusätzlich zu all den anderen Aromen den Pflaumen noch einen Hauch von Mandel, allerdings erst nach ein, zwei Tagen.

Und wozu esse ich diese Honigpflaumen? Zu Müsli, im Joghurt, einfach so pur und zu ... das verrate ich euch im nächsten Beitrag. Einen schönen Septemberausklang wünscht euch

25. September 2012

Plopp: Bunte-Tomaten-Tarte


Parallelität der Ruhe. Ruhig war es in den vergangenen Tagen hier. Und ebenso ruhig ging es in meiner Küche zu.

Keine Zeit für süße Experimente. Gekocht wurde, was satt machte, ohne übermäßig zu sättigen. Damit der Kopf hungrig blieb auf Wissen. Einiges musste er neu aufnehmen, anderes aus hinteren Ecken hervorkramen. Denn eine Herausforderung stand an, die letzte Prüfung. Verteidigen, was enthusiastisch zu Papier geflossen war. Aber die Abende wurden nicht immer von Zuversicht und Schaffenskraft erhellt. Nein, manchmal sah ich nur das Dunkel. Den Zeitdruck. Die Zweifel. Das Grübeln. Die Suche nach den Wegen zum Ziel. Dann stockte der Gedankenfluss, bäumte sich vor den Hindernissen auf. Was tun?

Aufstehen. In die Küche gehen. Mit Händen statt Gedanken arbeiten. Wegräumen, was blockierte. Ich erkannte Wege, manchmal so viele, manchmal genau den einen. Sie führten mich zu einem Werk. Meinem Werk. Ich gab es aus der Hand, um es später wieder zu mir zurückzuholen.

Und dieser Zeitpunkt war nun gekommen. Ein erster Blick hinein, nach Wochen, in denen ich es nicht aufzublättern wagte. Ein übersehener Fehler? Ein wirrer Gedanke? Oh nein, den mochte ich nicht zu früh entdecken. Und ich fand schließlich - nichts. Lesen und überfliegen. Denken und durchdringen. Auffrischen und neu lernen. Die letzten Tage vor der Stunde X waren aufwühlend und abkühlend zugleich. Keine Nerven für kulinarische Experimente. Nur Nahrung für die Nerven bevölkerte Tisch und Bauch.

Schließlich war es soweit. Während ich sprach, umarmte mein Inneres mein Werk, hielt es, hielt mich fest. Und mit mir dabei ein großer Schuss Optimismus, eine Prise Spaß und eine fette Portion Mut. Alles leidenschaftlich miteinander vermengen, nur nicht zu stürmisch umrühren und auf gar keinen Fall zum Kochen bringen. Aufgeregte Gelassenheit. Und am Ende: ein helles, trockenes, süffiges, spritziges, perlendes Plopp. Geschafft!

Plopp macht es - neben innigem Mmmmmh - übrigens auch, wenn ein Stück dieser Bunten-Tomaten-Tarte im Mund verschwindet. Schuld daran sind die kleinen roten, gelben und orangen Tomaten, die unzerteilt versenkt werden. Beim Schneiden, beim Beißen, beim Kauen, immer wieder Plopp. Obacht. Unter Umständen eine heiße Angelegenheit.


Die Zutaten für eine Tarte von 20 cm Durchmesser:
Für den Boden:
180 g Weizenmehl (Type 550)
1 Prise Salz
100 g Butter, sehr kalt und in kleine Stückchen geschnitten
1 Ei (Größe M)
ggf. frisches kaltes Wasser

Für die Füllung:
2 mittelgroße Zwiebeln
Olivenöl
4 frische Lorbeerblätter, fein gehackt (gibt es z.B. bei Karstadt in der Lebensmittelabteilung; alternativ getrocknete nehmen, aber nicht hacken)
1/4 TL Nelken, gemahlen
6 Pimentkörner, frisch und fein gemörsert
1 gute Prise Chiliflocken
1/4 bis 1/2 TL Zimt, gemahlen
Meersalz
Pfeffer, frisch gemahlen
ca. 600 bis 700 g vollreife Kirschtomaten, am besten eine Mischung aus roten, gelben und orangen (einfarbig geht natürlich auch)
1 Ei (Größe M)
150 g griechischer Joghurt
75 g Parmesan, frisch gerieben

Zuerst den Boden präparieren. Dazu das gesiebte Mehl mit dem Salz mischen, dann die Butter hineingeben. Mit den Handflächen zügig zu einer sandigen Masse reiben. Die Butter sollte nicht zu warm werden. Ei in einer Schüssel verquirlen, zum Mehl fügen und alles zügig zu einem homogenen Teig verarbeiten. Wenn er klebt, noch etwas Mehl unterkneten. Wenn er bröselig ist, einen Schluck Wasser hineingießen. Dann für mindestens eine Stunde abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Nach der Ruhephase ausrollen und die Form auskleiden. Einen etwa 4 bis 5 cm hohen Rand bilden. Den Boden mit einer Gabel mehrmals stechen und im Gefrierschrank mindestens 30 Minuten gut durchfrieren. Danach mit Backpapier auskleiden, Hülsenfrüchte bis an den Rand einfüllen und etwa 15 Minuten vorbacken.

In der Zwischenzeit Zwiebeln schälen und fein hacken. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen, dann Zwiebeln zusammen mit Lorbeerblättern und Gewürzen etwa 5 Minuten braten. Immer wieder wenden. Mit Meersalz und Pfeffer abschmecken und, falls getrocknete Lorbeerblätter verwendet wurden, diese jetzt entfernen. Die Kirschtomaten waschen und trocknen. In einer Schüssel das Ei verquirlen, Joghurt und Parmesan unterrühren.

Den vorgebackenen Teig aus dem Ofen nehmen, Hülsenfrüchte und Backpapier entfernen, die Temperatur so eingestellt lassen. Kirschtomaten dicht an dicht nebeneinander auf dem Boden verteilen, Zwiebeln verteilen und die Ei-Joghurt-Mischung bis kurz unter den Teigrand eingießen. Etwa 25 bis 30 Minuten backen, bis die Oberfläche golden und die Masse gestockt ist.

Herausnehmen und leicht abkühlen lassen. Sofort servieren. (Auch später kalt sehr lecker, falls es ein Später gibt.) Ich war beim ersten Mal sofort verzaubert! Die in den Gewürzen angebratenen Zwiebeln sind der Hit und verleihen der Tarte ein ganz besonderes Aroma. Nicht überbetont, aber die Tomaten kommen besonders gut und würzig zur Geltung.


Das Originalrezept findet ihr im Buch "Der echte Geschmack" (der Link führt euch zur Rezension bei Valentinas Kochbuch), aus dem ich bereits die Kirsch-Brioches, das Rote-Bete-Fenchel-Gemüse und die Bunte-Tomaten-Apfel-Focaccia hier vorgestellt habe. Ein Dauerbrenner, wie ihr seht! Fortsetzung folgt.

Diese Tarte stand binnen kürzester Zeit mehrere Male auf dem Tisch, ein Ende ist nicht absehbar, versichert euch

18. September 2012

Zwischenruf: gebackene Walnüsse, ein Geburtstag und eine Abstimmung


Würdet ihr meine Küche kennen, dann wüsstet ihr: Eine knallrote KitchenAid wäre das i-Tüpfelchen! Sie machte sich nicht nur schick neben dem knallroten Brotkasten, nein, auch die Erdbeeren würden sich ganz wohlig neben ihr räkeln. Und was das für die süßen Befindlichkeiten hier in diesem Blog bedeuten würde, brauche ich euch sicher nicht zu beschreiben ...

Zu Zorras Blogevent

Blog-Event LXXXI - Knacken & Backen und eine KitchenAid gewinnen! (Einsendeschluss 15. September 2012)

hatten wir zwei Beiträge eingereicht, die rustikale Mirabellen-Walnuss-Tarte mit Rosmarin, inzwischen von Stephi nachgebacken, für lecker befunden und verbloggt, und die zarten Pflaumen-Walnuss-Törtchen.

Seit heute und nur bis zum Donnerstag, 20. September läuft die Vorabstimmung. Unter den 3 Rezepten mit den meisten abgegebenen Stimmen wird dann das Prachtstück verlost.

Falls ihr unseren Köstlichkeiten eine - eure - Stimme geben wollt, dann geht es hier zum Abstimmungsformular ganz unten auf der Seite.

Besten Dank und knallrote Grüße von

und


PS: Natürlich sind da noch ganz viele andere tolle Rezepte, von denen wir schon das eine oder andere zum Nachmachen vorgemerkt haben.

16. September 2012

Fingersüß: Mini-Tartes mit Veilchencrème und Pistazien, mit dunkler Schokoladencrème und Heidelbeeren sowie mit gebrannter Zitronencrème


Auch heute habe ich keine Zeit für viele und große Worte. Eine abschließende Herausforderung in der kommenden Woche steht an, und die will gut vorbereitet werden.

Dennoch war das Café Schokozwerg an diesem Wochenende geöffnet, flexibel wie es ist jedoch an anderem Ort. Quasi als Wandercafé. Zu einer Wohnungseinweihungsfeier gab es dieses süße Fingerfood: bunte Mini-Tartes mit Veilchencrème und Pistazien, mit dunkler Schokoladencrème und Heidelbeeren sowie mit gebrannter Zitronencrème. Zwar bin ich wegen der Herausforderung nicht bis zum Schluss geblieben, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel, waren von den insgesamt 36 Stück jedoch nicht mehr viele übrig.

Nun lasse ich Bilder sprechen. Mit ein paar rezeptigen Untermalungen.

Die Zutaten für den Teig (ergibt 36 Stück, in der normalen Muffinform in 3 Durchgängen gebacken; aus der Hälfte könnt ihr auch eine Tarte von etwa 24 bis 26 cm Durchmesser machen):
400 g Mehl (Type 405)
50 g Mandeln, gemahlen
50 g Puderzucker
50 g Zucker
2 Prisen Salz
200 g Butter, kalt
2 Eier (Größe M)

Butter in kleine Würfel schneiden und bis zur Verarbeitung im Kühlschrank aufbewahren. Mehl, Mandeln, Puderzucker, Zucker und Salz mischen. Butter zufügen und alles mit den Händen (am besten mit den Handflächen) zügig zu einem sandigen Teig verarbeiten. Eier in einer Schüssel verquirlen, zum Mehl-Butter-Sand geben und schnell zu einem homogenen Teig verkneten. Wenn er zu bröselig ist, etwas kaltes Wasser zufügen. Ist er zu klebrig, noch etwas Mehl. Im Kühlschrank mindestens eine Stunde ruhen lassen.

Inzwischen für jede Muffinmulde einen Streifen aus Backpapier zuschneiden, der gut über den Rand hinausragt und ausreichend breit ist, um den kleinen Boden nach dem Backen unfallfrei aus der Form zu ziehen. Außerdem kleine Quadrate für das Blindbacken zuschneiden.

Den Backofen auf 160 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Teig nach der Kühlzeit dritteln. Ein Drittel zügig etwa 3 mm dünn ausrollen und mit einer Form (bei mir ein Servierring) von ca. 8 cm Durchmesser 12 Kreise ausstechen. Den restlichen Teig bis zur Verarbeitung im Kühlschrank aufbewahren. Einen Backpapierstreifen in die Form legen, danach den Teig hineinschieben und den Rand vorsichtig andrücken. Mit einem Backpapierquadrat auskleiden und mit Hülsenfrüchten für's Blindbacken füllen. So alle Mulden belegen. Etwa 15 bis 20 Minuten backen. Herausnehmen, Füllung entfernen, die kleinen Böden aus den Mulden ziehen und auf einem Gitter etwa 5 bis 10 Minuten nachbacken. Danach vollständig erkalten lassen. So mit dem restlichen Teig verfahren, bis alle Böden gebacken sind.

Und dann geht es an die Füllungen.


Die Zutaten für die Veilchencrème mit Pistazien (für 12 Mini-Tartes):
250 ml Vollmilch
25 g Stärkemehl
1 gehäufter TL Puderzucker
3 EL Veilchensirup (ich habe den Sirop à la Violette von Jardin d'Elen genommen, es gibt jedoch auch welchen z.B. von Monin)
1 bis 2 EL Rosenblütenwasser
30 g Pistazien

Milch in einen Topf geben. Stärkemehl und Puderzucker mit dem Schneebesen einrühren und die Milch erhitzen, dabei weiter umrühren. Sobald sie kocht, Veilchensirup und Rosenblütenwasser einrühren. Die Masse wird zügig dick, dann vom Herd nehmen und gut rühren. Abkühlen lassen und immer wieder mit dem Schneebesen verrühren, damit sich keine Klumpen bilden.

Pistazien in der Pfanne rösten, bis sie fein duften. Sie dürfen jedoch nicht braun werden. Erkalten lassen und grob hacken. 12 Mini-Tarte-Böden mit der Crème füllen und mit den Pistazien dekorieren. Fertig!


Sehr fein aromatisch sind sie und gingen sicher auch wegen der Farbe weg wie warme Semmeln.


Die Zutaten für die Schokoladencrème mit Heidelbeeren (für 12 Mini-Tartes):
100 g Schokolade mit 70 Prozent Kakaogehalt
50 g Schokolade mit 90 Prozent Kakaogehalt
150 g Schlagsahne
80 bis 100 g Heidelbeeren (Ich hätte lieber Himbeeren genommen, habe aber keine aromatischen Früchte bekommen. Wen wundert's, die Saison ist vorüber.)

Heidelbeeren waschen und verlesen. Dabei ein paar schöne Beeren für die Dekoration heraussuchen.

Schokolade grob hacken und in eine Schüssel füllen. Schlagsahne zum Kochen bringen und sofort über die Schokolade gießen. Mit dem Schneebesen umrühren, bis sich die Schokoladenstücken aufgelöst haben und eine sehr cremige Schokoladenmasse entstanden ist.

Heidelbeeren auf die 12 Mini-Tarte-Böden verteilen. Schokocrème verteilen und ggf. glattstreichen. Mit Beeren verzieren und erkalten lassen. Bei Bedarf mit Puderzucker bestäuben. Fertig!


Schön schokoladig, wie nicht nur ich es mag. Dazu die knackigen Beeren. Lecker!


Die Zutaten für die gebrannte Zitronencrème (für 12 Mini-Tartes):
4 unbehandelte Zitronen
80 g Zucker + Zucker zum Karamellisieren
1 EL Stärke
2 frische Eier (Größe M)

2 Zitronen waschen, trocknen und die Schale abreiben. Ggf. fein hacken. Danach alle 4 Zitronen auspressen, der Saft sollte etwa 150 ml ergeben. Zusammen mit Zitronenabrieb, Zucker und Stärke in einem Topf auf mittlerer Stufe erwärmen, aber keinesfalls kochen. Gut mit dem Schneebesen verrühren, damit sich der Zucker auflöst und die Stärke ohne Klümpchen verteilt.

In einer Schüssel die Eier gut verquirlen. Zitronenmasse von der Herdplatte nehmen und etwas abkühlen lassen, sie darf nur ein kleines bisschen dampfen (ist sie zu heiß, gerinnen die Eier). Die Eier mit dem Schneebesen kräftig rühren und zugleich in einem dünnen Strahl die Zitronenmasse einfließen lassen. Ist alles vermengt, zurück in den Topf geben und wiederum unter eifrigem Rühren zum Kochen bringen. Sobald die Masse cremig wird, vom Herd nehmen. Gleichmäßig auf die 12 restlichen Mini-Tarte-Böden verteilen und glattstreichen. Vollständig erkalten lassen.

Kurz vor dem Servieren ungefähr 1/4 bis 1/2 TL Zucker in die Mitte der Zitronencrème geben und mit einem Brenner karamellisieren. Ich nehme dazu mein klassisches Brenneisen, für das eine möglichst ebene Oberfläche notwendig ist. Fertig!


Schon schade, dass nichts übrig geblieben ist. So hätte ich mir den Sonntag etwas versüßen können. Andererseits eine große Freude, dass nichts übrig geblieben ist. Diese Abstimmung mit den Gaumen spricht Bände.

Einen schönen sonnigen und erholsamen Sonntag wünscht euch


PS: Weil es hier und heute zu einem Drittel Lila zugeht, reiche ich die Mini-Tartes mit Veilchencrème und Pistazien ein bei

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

12. September 2012

Folgt uns bei Facebook, Bloglovin, Pinterest & Co.!


Viele Mittel und Wege führen zu uns. Viele Mittel und Wege führen zum CharlottenBlog. Seit kurzem gibt es noch ein paar mehr.

Ihr seid das Salz in unserer Blogsuppe und das Zuckerhäubchen auf unseren Blogtörtchen! Ohne eure Kommentare wäre das Bloggen ganz schön einsam. Denn wer schreibt schon gern und voller Ausdauer in ein schwarzes Loch hinein. Jedes Mal, wenn es "pling" macht, freuen wir uns ein Loch in den Bauch. Oh, da hat jemand dem Blog geschrieben. Also, um genau zu sein, uns! Gerade nach einem neuen Beitrag klopfen unsere Herzen ein bisschen lauter, was der oder die eine vielleicht zauberhaft findet. Dem altgedienten Bloggerhasen könnte das jedoch ein Zeichen dafür sein, dass wir doch noch zum Bloggernachwuchs zählen.

Der Austausch macht's!

Und für den Austausch mit uns, mit dem CharlottenBlog gibt es nun einen neuen Weg: Facebook (klick). Lange überlegten wir, ob wir den Schritt dorthin wagen sollen. Nun sind wir ihn einfach gegangen. Noch ist das ganze Geschehen dort recht neu für uns, aber gemeinsam mit euch wird es dort bald sicher sehr rege zugehen.

Eine weitere neue Möglichkeit, unserem Speisenreigen auf den Fersen zu bleiben: Bloglovin (klick). Wir sind dort schon seit längerem beheimatet und haben es sehr zu schätzen gelernt. Mittlerweile lesen wir die von uns abonnierten Blogs nur noch über Bloglovin, das nach unserer Erfahrung einen hervorragenden Service und bisher störungsfreien Reader anbietet.

Manch einer lässt sich am liebsten zuerst vom Anblick einer Köstlichkeit betören, bevor er liest, was unserem Kopf entsprudelt, unserem Backofen entstiegen und unserer Pfanne entsprungen ist. Statt unter großen Mühen ein bebildertes Register selbst auf die Beine zu stellen, nutzen wir nun Pinterest (klick).

Natürlich stehen euch die bekannten Mittel und Wege - Google Friends Connect, der E-Mail-Newsletter, das Abonnement des Feeds und viele mehr - weiterhin offen. Ihr findet sie gemeinsam mit den neuen in der rechten Spalte in der Rubrik "Wie ihr auf dem Laufenden bleibt".

Wollt ihr uns eine E-Mail schreiben? Kein Problem. Auf der Seite "Schreibt uns!" stehen für euch unsere E-Mail-Adresse und ein Kontaktformular bereit. Kommt alles bei uns an und wird garantiert beantwortet!

Kein Suchen mehr ...


 ... sondern einfach nur finden.

Wir freuen uns auf euch und hoffen, den einen oder die andere (auch) an unseren neuen Tummelplätzen treffen zu dürfen!


und

9. September 2012

Herbstfarben: Pflaume-Walnuss-Törtchen


Heute mache ich es mal wieder kurz. Der Sonntag war spätsommerlich und erfreute unsere Herzen. Nachdem das Wetter gestern eher zum Davonsehnen war. Trüb, regnerisch, frisch. Ein Vorgeschmack auf den Herbst. Brrr.

Nach ihm sieht es auch schon auf den Marktständen aus. Und das sind eigentlich keine schlechten Aussichten! Die ersten Pflaumen wurden flux erworben und verköstigt. Mmh, scheint so, als würde es eine gute Pflaumensaison geben. Der Sinn stand uns jedoch nicht nach einem klassischen Pflaumenkuchen. Dafür bleiben schließlich noch ein paar Wochen und einige herbstliche Wetterkapriolen Zeit.

Mir schwirrte im Kopf noch Zorras Walnuss-Aktion herum. Neben unserer rustikalen Tarte sollte doch noch etwas drin sein, das leicht schwebend und dennoch herb knackend einen Sonntagnachmittag versüßt. Ein bisschen getüftelt, et voilà: Pflaume-Walnuss-Törtchen. Erfüllt alle diese Kriterien.


Die Zutaten für 4 Törtchen von etwa 8 bis 10 cm Durchmesser (je nach Servierring):
Für den Biskuitteig:
30 g Butter
4 Eier (Größe M)
50 g Zucker
1 Prise Salz
80 g Mehl (Type 405)
5 EL Walnuss

Für die Pflaumensahne:
3 Blätter Gelatine (weiß)
15 Pflaumen
1 Messerspitze Muskatblüte (Macis), gemahlen
2 Messerspitzen Zimt, gemahlen
1 gehäufter EL Vanillezucker (am besten natürlich selbstgemacht)
150 ml Schlagsahne

Für den Walnusskrokant:
1 Handvoll Walnüsse
2 bis 3 EL Zucker

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Zuerst den Biskuitboden backen. Mehl sieben. 2 EL Walnüsse fein mahlen und mit dem Mehl gut vermengen. 1 EL Walnüsse grob hacken. Die Butter schmelzen und etwas abkühlen lassen. In einer Schüssel Eier mit Zucker und etwas Salz 5 bis 7 Minuten schlagen, bis die Masse weiß, zuckrig und fluffig ist. Weiterschlagen und die Butter langsam hineinfließen lassen. Mehl und gehackte Walnüsse hineingeben und mit dem Teigspatel unterheben. Teigmasse auf ein mit Backpapier belegtes Backblech gießen (am besten in einen Backrahmen) und vorsichtig glatt streichen. Etwa 10 bis 12 Minuten auf mittlerer Schiene backen, das Biskuit sollte möglichst keine Farbe annehmen. Herausnehmen und etwas abkühlen lassen. Solange er noch lauwarm ist, mit einem Servierring vier Kreise ausstechen. Auf einer Kuchenplatte die Servierringe platzieren und in jeden einen Biskuitkreis hineinsetzen. Vorsichtig bis an den Boden schieben.

Die Pflaumensahne ist schnell angerührt. Pflaumen waschen und halbieren, Kerne entfernen. Gelatine in kaltem Wasser 10 Minuten einweichen. 16 Pflaumenhälften fein pürieren, dann Zucker und Gewürze einrühren. Einige EL in einem Topf gut erwärmen, aber nicht zum Kochen bringen. Gelatineblätter ausdrücken und mit einem Schneebesen eifrig rührend in der warmen Pflaumenmasse auflösen. Nun von der restlichen Masse einen kräftigen Schluck unter starkem Rühren einarbeiten, dann nach und nach den Rest. Bis auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, falls durch das Unterrühren noch nicht geschehen. In der Zwischenzeit die Schlagsahne steif schlagen, dann mit einem Teigspatel unter das Pflaumenpüree heben.

In den Servierringen nun die restlichen Pflaumenhälften anordnen. Ich habe sie noch einmal quer halbiert und dann innen am Servierring aufgereiht. Mit einem Löffel die Pflaumensahne auf die einzelnen Ringe verteilen und glatt streichen. Im Kühlschrank etwa 2 Stunden fest werden lassen.

Kurz vor dem Servieren das Walnusskrokant zubereiten. Dazu in einer Pfanne den Zucker erhitzen, bis er sich verflüssigt. Die Temperatur etwas senken. Die Walnusshäften hineingeben und unter eifrigem Wenden karamellisieren lassen. Sie dürfen braun werden, aber nicht dunkelbraun oder schwarz (dann wären sie verbrannt und bitter, das ist schnell passiert). Auf einem Stück Backpapier erkalten lassen (man liest manchmal Küchenpapier, besser nicht, denn das klebt dann am Karamell fest). Je nach Gusto grob oder fein hacken und auf den Törtchen verteilen.


So schmeckt der Spätsommer. Und der kommende Herbst sieht gleich viel besser aus. Vom Geschmack ganz zu schweigen, grüßt euch


PS: Wie angekündigt bekommt auch Zorra ein Törtchen ab:

Blog-Event LXXXI - Knacken & Backen und eine KitchenAid gewinnen! (Einsendeschluss 15. September 2012)

Und weil die vier Törtchen zwei Genießer glücklich machen (jeder mit Törtchen-Nachschlag ...) oder auch vier (dann leider ohne Nachschlag), sitzt auch die Hedonistin mit uns an der Sonntagskaffeetafel:

Kleine Kuchen - Back-Event bei Low Budget Cooking

6. September 2012

Begegnungen: rustikale Mirabellen-Walnuss-Tarte mit Rosmarin


Messezeit. Es leuchtet rot.

In den vergangenen Tagen stolperten wir an großen S- und U-Bahn-Stationen und am Hauptbahnhof immer wieder über große rote Ballons. Mit "groß" meine ich wirklich groß. Übermenschengroß. Ein Glück, denn so konnte man gar nicht übersehen, dass die IFA ihre Pforten öffnete.

IFA? Internationale Funk-Ausstellung. Altmodisch allein dem Namen nach.

Jungs vor ihren Funkgeräten. Väter mit Kopfhörern, die irgendwelche unverständlichen Dinge in mächtige Mikros sprechen. Das "sehe" ich, wenn ich IFA höre. Dem ist natürlich heute überhaupt nicht mehr so. Wir Frauen kommen auch auf unsere Kosten! Damit meine ich nicht nur die Hausgeräte, die es erst seit ein paar Jahren zu bewundern gilt - und die natürlich auch das Männerherz begeistern ... (Ein netter Nebeneffekt: Es lässt sich prima durchfuttern auf der IFA, für einen Foodblogger natürlich essenziell!)

Nein, für uns Frauen gibt es Technik von morgen zu bestaunen. Wir wischen über Bildschirme und lassen andere putzen. Wir können mit den Handys spielen, die wir uns ganz bald kaufen wollen. Wir fachsimpeln über Fotografie und andere Leidenschaften. Wir setzen uns 3D-Brillen auf und verlieren uns in Raum und Zeit. Ein großer Technikspielplatz nur für uns allein. Und die paar Tausend anderen, überwiegend Männer, die sich mit uns durch die Hallen schieben und überall, aber auch überall stehen bleiben müssen.

Dann auf einmal vor uns eine Küchenzeile. Dahinter Stefan Marquard. Und die anderen Drei, die ihn schmuck einrahmen, die kennen wir doch? Die Augen weit aufgerissen. Tatsache. Juliane von Schöner Tag noch!, Zorra von 1x umrühren bitte und Annette von culinary pixel. It's showtime! Das große Blogger-Kochduell. Und wir dabei als Foodblogger-Groupies, was für ein Spaß. Über die Kocherei will ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, die Berichte findet ihr auf den Blogs der Mädels. Was hier aber unbedingt gesagt werden muss: Es war uns eine große Freude, euch Drei kennengelernt zu haben!

Und warum habe ich bei so einem vollen Wochenendprogramm eine rustikale Mirabellen-Walnuss-Tarte mit Rosmarin gebacken? Das muss an einem besonderen Menschen gelegen haben ...


Die Zutaten für eine Tarte von ungefähr 26 bis 28 cm Durchmesser:
Für den Teig:
100 g Walnüsse, gemahlen
180 g Mehl (Type 1050) + ggf. 1 bis 2 EL
Prise feines (Meer-)Salz
30 bis 50 g brauner Zucker
100 g Butter, kalt
1 Ei (Größe M), verquirlen
ggf. etwas kaltes Wasser

Für die Füllung:
400 bis 500 g reife, aber noch feste Mirabellen
2 große Zweige frischer Rosmarin
1 EL Zucker
eine Handvoll Walnüsse, grob hacken

Walnüsse, Mehl, Salz und braunen Zucker mischen (wer den Teig gut süß mag, nimmt mehr Zucker als 30 g). Die Butter direkt aus dem Kühlschrank genommen in kleine Würfel schneiden und in die Nuss-Mehl-Mischung geben. Zügig zu einem bröseligen Teig verarbeiten. Am Schluss das verquirlte Ei einarbeiten. Kneten, bis der Teig homogen ist. Ggf. noch etwas Mehl zufügen, wenn er zu klebrig ist oder etwas kaltes Wasser, wenn er zu bröselig bleibt. Im Kühlschrank mindestens 1 Stunde ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Mirabellen waschen, halbieren und den Stein entfernen. Von den Rosmarin-Zweigen die Nadeln zupfen und fein hacken. Mit dem Zucker mischen und zu den Mirabellen geben. Gut vermengen, abdecken und ziehen lassen, bis der Teig vorbereitet ist, mindestens eine halbe Stunde. Die Früchte verlieren in der Zeit Flüssigkeit, nehmen das Rosmarin-Aroma auf und durchnässen beim Backen nicht den Teig.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Nach der Ruhezeit den Teig kurz durchkneten und am besten direkt auf dem Backpapier zu einer großen Scheibe von etwa 35 cm Durchmesser ausrollen. Mirabellen abtropfen und in der Mitte direkt auf dem Teig verteilen, jedoch einen etwa 3 cm breiten Rand lassen. Sind alle Mirabellen verteilt, den Rand nach innen umklappen. Falls der Teig reißt, gut zusammendrücken, damit beim Backen nichts herauslaufen kann. Die grob gehackten Walnüsse verteilen. Ungefähr 40 Minuten auf mittlerer Schiene backen.

Nach dem Herausnehmen entweder ein bisschen oder ganz abkühlen lassen. Denn die Tarte schmeckt sowohl warm als auch kalt.


Habe ich zwar nicht probiert, ist mit Sicherheit auch ein Genuss: etwas (Rosmarin-)Sahne oder (Rosmarin-)Eis dazu? Diese Kombination aus wirklich rustikaler Tarte und Sahne oder Eis stelle ich mir sehr fein vor. Ein Widerspruch?

Mitnichten, versichert euch


PS: Die liebe Zorra wird 8. Naja, ihr Blog 1x umrühren bitte, um genau zu sein. Und sie wünscht sich "was mit Walnuss". Wir hätten hier etwas für ihre Feierlichkeiten!

Blog-Event LXXXI - Knacken & Backen und eine KitchenAid gewinnen! (Einsendeschluss 15. September 2012)

5. September 2012

Freitagstexter ... and the winner is ...


Am vergangenen Mittwoch überraschte mich das Salzkorn mit dem Freitagstexter-Pokal und der ehrenvollen Pflicht, die nächste Runde des fröhlichen Bild-Untertitelns auszurichten. Ab da warteten nyhet und ich gespannt auf eure Vorschläge.

Nun, da die Frist abgelaufen ist, haben wir die Köpfe zusammengesteckt und des Nächtens die halbe Nachbarschaft wachgekichert. Entschieden haben wir uns übrigens auch, und zwar wie folgt:

3. Platz
"Die hier präsentierte, neue Barfußmode konnte diesmal sogar höchst unwillige Konsumenten restlos überzeugen!"

2. Platz
"Derlei Frevel riefen geradezu zwingend die internationale Rechtschreibmafia auf den Plan. Hinterher war Achmed nur noch in der Lage, grobe Herrenstiefel zu polieren. Für zierliche Damenschuhe fehlte ihm das nötige Fingerspitzengefühl."

Und der geht an:
 bee
"Obwohl Pashupati schuhfrei war, wartete er stundenlang auf den Service."

Herzlichen Glückwunsch! Damit findet die nächste Runde des "Freitagstexters" am 7. September 2012 statt bei Zynæsthesie.

Noch eine zweite Auflösung an dieser Stelle. Das Foto ...


... habe ich vor einem Jahr in Kathmandu im Pashupatinath (!) geschossen, einem der bedeutendsten hinduistischen Tempel. Er gehört zudem zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Schild weist den Weg zu einer kostenlosen Schuh-Aufbewahrung, denn nichts, was aus Leder ist, darf in den engeren Tempelbezirk mit hineingenommen werden. Zumeist betrifft es eben Schuhe, aber auch Ledergürtel, Ledertaschen usw. können dort abgegeben werden.

Nun geht es aber wieder mit kulinarischen Genüssen weiter, in unserem nächsten Blogartikel. Bleibt neugierig!

und

2. September 2012

Ganz offiziell: Kvæfjordkake, der norwegische Nationalkuchen


Im September 2002 fand in Norwegen eine ganz besondere Wahl statt. Keine Parlamentswahl. Und Miss-Wahlen meine ich auch nicht, was ist daran noch besonderes. Viel besser: Gesucht wurde Norwegens Nationalkuchen.

Der norwegische Radiosender Nitimen rief im August 2002 seine Hörer auf, Kuchen vorzuschlagen, die um diesen ehrenvollen Titel konkurrieren sollten. Bis zum Stichtag gingen daraufhin stattliche 24 Backwerke ein. Nun schlug die große Stunde der "Nitimen-Kuchen-Jury". Sie wählte in mit Sicherheit zähen Verhandlungen und intensiven Verkostungsreihen 5 Kuchen für die Endausscheidung aus. Und dann hatten es die Hörer in ihrer Hand.

Man konnte seine Gabel kreisen lassen über Kvæfjordkuchen (Kvæfjordkake), Marzipankuchen (Marsipankake), Karottenkuchen (Gulrotkake), Kranzkuchen (Kransekake, vom Google-Dolmetscher interessanterweise mit "Mikrobiologie" (?) übersetzt ...) und Schokoladenkuchen (Sjokoladekake). Ich muss gestehen, mir wäre es trotz intensiven In-mich-Gehens, langer Grübelei und ausgiebiger sensorischer Prüfung schwergefallen, mich für einen zu entscheiden. In welchen hättet ihr voller Wonne, Neugier und Appetit die Gabel sausen lassen?

Eine Woche lang hatten die Hörer Zeit, per SMS ihre Stimmen abzugeben. Der Zieleinlauf war jedoch eindeutig, Fotoentscheid überflüssig. Mit großem Abstand vor seinen Verfolgern überquerte ER die Ziellinie: Der Kvæfjordkuchen gewann haushoch mit 69 Prozent aller abgegebenen Stimmen und darf sich seitdem mit dem Titel "Norwegischer Nationalkuchen" (Norges Nasjonalkake) schmücken. Auf Platz 2 mit 18 Prozent kam der Marzipankuchen und verwies den Kransekake mit 7 Prozent auf einen respektablen 3. Platz. Für den Schokoladenkuchen blieb mit 3 Prozent der Stimmen nur der undankbare 4. Platz. Sicherlich enttäuscht war der Karottenkuchen auf dem 5. und letzten Platz mit gerade einmal 1 Prozent Zustimmung. Als "Trendkaka" kann man da schon mal in eine tiefe Schwermut stürzen.

Während unserer Reise waren wir in einem Café auf den Gewinner aufmerksam geworden und mussten ihn natürlich probieren. Mächtig sieht er aus, und ein zu großes Stück kann man nicht auf einmal vertilgen. Aber ihr solltet ihn euch auf gar keinen Fall entgehen lassen, den Kvæfjordkake.

Seine interessante Geschichte muss ich euch jedoch noch erzählen. Anfang des 20. Jahrhunderts hieß er nämlich noch Königskuchen (Kongekake). In den frühen 1930er Jahren kaufte die Konditorin und "Café-Pionierin" Hulda Ottestad dieses Rezept für ihr feines "Café Alliance" in Harstad (Provinz Tromsø), das sie gemeinsam mit ihrer Schwester führte. Im Laufe der Zeit veränderte sie das Rezept, reduzierte die Mandeln, die damals sehr teuer waren. Und irgendwann trug der Kuchen den Namen Kvæfjordkake nach der Gemeinde, aus der Hulda Ottestad selbst stammte. Vom König zum Volk, was für ein Aufstieg.

Damit auch ihr auf Hulda Ottestads Spuren wandeln und nachvollziehen könnt, warum die Norweger so auf dieses Backwerk abfahren, gibt es hier das Rezept, adaptiert nach dem Buch "Norges Nasjonalretter" von Arne Brimi und Ardis Kaspersen.


Die Zutaten für etwa 10 bis 12 Portionen:
Für den Teig:
115 g Butter, sehr weich
80 g + 125 g Zucker
4 Eier (Größe M), getrennt
140 g Mehl (Type 405)
1 TL Backpulver
3 bis 5 EL Milch
1 TL Zitronensaft (oder Essig)
120 g Mandeln, grob gehackt

Für die Füllung:
4 Eigelbe (Größe M)
50 g Zucker
400 ml Vollmilch
1 TL Vanilleextrakt
1 TL Bittermandelaroma
1 TL bis 1 EL Stärke
200 ml Schlagsahne

Eine Backform oder ein Backblech von etwa 25 x 35 cm einfetten oder mit Backpapier auslegen. Die Eier für den Teig trennen, Eiweiße im Kühlschrank aufheben. Mehl und Backpulver mischen. In einer großen Schüssel Butter und 80 g Zucker mit dem Handmixer (Rührhaken) so lange schlagen, bis die Masse schaumig ist. Ein Eigelb nach dem anderen einarbeiten, dazwischen immer gut umrühren. Abwechselnd Mehlmischung und Milch unterrühren und weiter mit dem Handmixer rühren, bis die Masse fluffig ist. Mit einem Teigspatel in die Backform füllen und glatt streichen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

In einer weiteren Schüssel Eiweiße zusammen mit dem Zitronensaft schlagen, bis die Masse fast steif ist. Nun nach und nach 125 g Zucker einrieseln lassen und weiter kräftig schlagen, damit die Masse sehr steif wird. Wie eine Meringue. Die weiße Masse auf der Teigmasse verteilen und glatt streichen.

Mandeln grob hacken und am Schluss auf der Meringue verteilen. Im Ofen etwa 20 Minuten backen, bis der Teig oben bräunt. Herausnehmen und in der Form vollständig erkalten lassen.

In der Zwischenzeit die Füllung vorbereiten. Eigelbe und Zucker in eine Schüssel geben und schlagen, bis die Masse weiß ist. Die Milch erhitzen, sie soll jedoch keinesfalls kochen. Herunternehmen und etwas abkühlen lassen. Dann zum Schneebesen greifen und die Eigelbmasse eifrig rühren. Zunächst ein, zwei Schlucke von der sehr warmen Milch in die Eigelbmasse gießen und rühren, rühren, rühren. Danach die Eigelbmasse in einem Strahl zur Milch gießen und fortwährend rühren, damit die Eigelbe nicht stocken. Topf wieder auf die Herdplatte stellen und kontinuierlich umrühren. Leicht erhitzen, aber wiederum nicht zum Kochen bringen. Vanilleessenz zugeben, danach das Bittermandelaroma. Immer weiter rühren. Schließlich Stärke hineinstreuen und mit dem Schneebesen einarbeiten, damit keine Klümpchen bleiben. Rühren, bis die Masse cremig wird (das dauert etwa 3 bis 5 Minuten). Vollständig erkalten lassen, ab und an umrühren.

Vor dem Servieren die Sahne steif schlagen und unter die Crème heben. Dann den gebackenen Teig halbieren. Die eine Hälfte komplett mit der Crème gleichmäßig bedecken und abschließend die zweite Hälfte darauf legen. Etwas andrücken, fertig! In Stücke schneiden und alle vornehme Zurückhaltung fallen lassen.


Sieht der Kuchen nicht zum Anbeißen aus?


Ein Hoch auf die kulinarische Weltenbummelei, grüßt euch


PS: Sollte es jemals so eine Kuchenkür auch in unseren Gefilden geben, möchte ich bitte bitte Jurymitglied sein!!