Als wir in den
vergangenen Wochen Norwegen bereisten, machten wir vielen Cafés unsere Aufwartung und berichteten in Wort und Bild darüber. Bei manchen entstand so der
Eindruck, wir würden uns von kaum etwas anderem als Kuchen ernähren. Nun ja, nicht ganz,
Obst zählte auch zu unseren Vitaminquellen. Pur. Und in Kuchen.
In den Kuchentheken macht meist eine ganz spezielle Trias Appetit: Karottenkuchen (
gulrotkake) - Käsekuchen (
ostekake) - Schokokuchen (
sjokoladekake). Allein damit ist der geneigte Süßschnabel schon hervorragend bedient. Denn Karottenkuchen ist niemals gleich Karottenkuchen, der Käsekuchen kann durch verschiedene Obstsorten variiert werden, und Schokokuchen schmeckt ohnehin immer anders. Ein Paradies.
Zwischendurch brauchten wir Abwechslung. Etwas ganz Neues, Unbekanntes, Beeindruckendes? Auch das kein Problem, wie wir euch schon gezeigt haben und noch zeigen werden (der letzte Teil unserer kleinen Norwegen-Reihe folgt in den nächsten Tagen). Ob hausgemachter Daimkuchen - nicht der tiefgekühlte des großen Möbelhauses, der jetzt anders heißt - oder Apfelkuchen (
eplekake), ob norwegischer Nationalkuchen (
kvæfjordkake) oder Napoleonkuchen (
napoleonkake), wir landeten stets und zuverlässig im Kuchenhimmel.
Der soll auch nach unserer Rückkehr ab und an in den norwegischen Farben erstrahlen, und zwar nicht nur über uns. Ist das in eurem Sinne? Demnächst wird der Johannisbeer-Käsekuchen aus dem bezaubernden
Knaken Kafé in Kaupanger
nachgebastelt, am heutigen Sonntag kredenze ich jedoch eine andere typisch skandinavische Kuchenverführung:
Ostekake med blåbær - Heidelbeer-Käsekuchen.
Das Originalrezept (ohne Blaubeeren) entspringt dem Buch
"Ta kaka" (auf Deutsch etwa "Nimm Kuchen") von Heidi Brunstad
Øyehaug, Åse Kongsvik und Kari Støfringsdal, das sich schon seit unserer letzten Norwegen-Reise in meinem Besitz befindet. Beim Überfliegen des Registers kann man schon mal einen leichte Unterzuckerung spüren. Allerdings war ich bisher zu faul, mich durch den norwegischen Text zu arbeiten. Bisher.
Die Zutaten für eine Springform von 20 cm Durchmesser (heruntergerechnet, das Originalrezept ist ein reiner Käsekuchen und für eine 24-cm-Form ausgelegt)
:
Für den
Boden:
160 g Mehl (Type 550)
35 g Zucker
1/2 TL Backpulver
85 g Butter, Zimmertemperatur
(Das Ei des Originalrezeptes habe ich weggelassen.)
Für die
Füllung:
2 Eier
200 g Quark
200 g Schlagsahne
Saft einer halben Zitrone
3 gestrichene EL Zucker
150 bis 200 g Blaubeeren
Zuerst wird der Boden bereitet. Dazu die trockenen Zutaten mischen und mit der Butter in eine Schüssel geben. Mit den Händen zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Ggf. etwas kaltes Wasser zufügen, falls der Teig zu bröselig ist. Etwa eine Viertelstunde kühl stellen.
Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.
Die Springform mit dem Teig auskleiden, einen etwa 5 cm hohen Rand bilden. Mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten füllen. Etwa 15 Minuten blindbacken. Nach dem Herausnehmen etwas abkühlen lassen.
Den Backofen auf 175 Grad belassen.
Während der Boden vorbäckt, wird die Füllung angerührt. Dazu zunächst die Eier trennen. In einer Schüssel Quark und Schlagsahne mit dem Schneebesen zu einer homogenen Crème vermengen, danach die beiden Eigelbe, Zitronensaft und Zucker hinzugeben und alles wieder mit dem Schneebesen zu verrühren. Die beiden Eiweiße steif schlagen und vorsichtig unterheben. Auf den vorgebackenen Boden gießen bis etwas unter den Rand. Nun die gewaschenen Heidelbeeren in die Käsemasse geben. Im Backofen etwa 40 Minuten backen, bis der Kuchen goldgelb wird. Herausnehmen und vollständig erkalten lassen.
Eigentlich war ich erschrocken, als ich einen goldenen Kuchen aus dem Ofen zog. Aber er ist so genau richtig. Beim Schneiden mit dem Messer hört man ein leichtes Zischen, als würde man Schaum durchtrennen. Dabei ist die Masse gleichzeitig fluffig und kompakt, sehr leicht und schmelzig. Mmh!
So, und als ich das alles genauso gemacht hatte, blieb in meinem Becher Käsemasse übrig. Offenbar hatte ich den Kuchenrand nicht so hoch gezogen oder er war beim Blindbacken des Bodens wieder etwas geschrumpft. Wie dem auch sei, ich mochte diese fluffige Crème nicht wegschütten und grübelte kurz. Da auch Heidelbeeren übrig waren, dachte ich an kleine Küchlein.
Vielleicht ein Keksboden? Aber Kekse waren nicht im Haus. Mir fiel mein angebrochener Löffelbiskuit-Vorrat ein, der einfach nicht schrumpfen mochte. Dann geriet eine Müsli-Tüte in mein Blickfeld. Müsli + Löffelbiskuit = kerniger Boden? Ja, das könnte es werden. Und das wurde es dann auch. Kleine
Heidelbeer-Käsetartelettes mit kernigem Boden. (Ihr könnt natürlich auch andere Formen nehmen, bei mir musste es einfach schnell gehen.)
Die Zutaten für zwei Tartelette-Förmchen:
Für den
Boden:
5 Löffelbiskuits
3 bis 4 EL Nuss-Müsli (habe ich nach Augenmaß in den Zerkleinerer gefüllt)
ca. 15 g Butter, sehr weich oder besser geschmolzen (auch diese nach Augenmaß)
Für den
Belag:
den Rest der Käsemasse
2 Handvoll frische Heidelbeeren
Löffelbiskuits und Müsli in einen Zerkleinerer (oder Blender) geben. Erstere werden quasi pulverisiert, letzteres sollte grob gehäkselt werden. In einer Schüssel mit der Butter vermengen, danach die Masse auf den Böden der Tartelette-Förmchen verteilen und gut andrücken. Für etwa 15 Minuten zum Käsekuchen in den Ofen stellen.
Herausnehmen und zuerst die Heidelbeeren verteilen, dann vorsichtig die Käsefüllung darauf geben und glatt streichen. Wieder zum Käsekuchen in den Ofen stellen und solange backen, bis die Tartelettes oben goldgelb werden. Nach dem Herausnehmen vollständig erkalten lassen.
Tja, und welche Köstlichkeit ist nun leckerer? Schwere Frage, die ich nicht zu entscheiden vermag. Mir haben sie beide wunderbar gemundet. Der Müsli-Boden ist für mich eine kleine Entdeckung, ich habe mich natürlich schon mit Selbst-Schulterklopfen gelobt. Die Käseschicht (oder Quarkschicht?) passt hervorragend zu beiden Böden - und zu Blaubeeren sowieso.
Deshalb ein klares Unentschieden, schmatzt mit blauer Zunge
PS: Beide Kuchen erfüllen die Form-Norm beim
Kleine-Kuchen-Event der
Hedonistin, nur logisch, dass sie von beiden etwas abbekommt.