31. August 2012

Freitagstexter


Ein paar Tage in Paris, fernab von Blog und Internet und Mails. In Tegel landen, am liebsten direkt wieder in den Flieger steigen. Weltenbummeln! So muss es sich anfühlen. Aber nix da, daheim ist daheim und auch immer wieder schön.

Ich räume auf. Ungelesene Mails zuerst. Ich gucke im Blog nach dem Rechten. Alles wunderbar. Ich überfliege zu später Stunde kurz den Lesestoff der mir lieben Blogs und dann das: der Freitagstexter beim Salzkorn. Stimmt! Die Neugier groß, also schaue ich schnell mal in der Drôme vorbei, kritzele ein paar Zeilen und gehe zu Bett. Vergessen kann sehr entspannend sein.

Ein paar Tage später, oha, eine Mail vom Salzkorn. Gewonnen. Gewonnen? Icke? Tatsache. Große Freude. Auf dem Weg ins Büro fast die Litfasssäule umarmt, als ich so in Gedanken den Pokal empfing. Ein wenig Übermut tut bisweilen richtig gut. Trotz der Verantwortung, die nun auf meinen Schultern lastet:

Den Freitagstexter am 31. August 2012 ausrichten. Also heute.

Die Spielregeln:
Unten findet ihr ein Bild, das ihr mit einem spritzigen, witzigen, humorigen, spitzen, komischen, nachdenklichen oder hintergründigen Text versehen sollt. Erlaubt ist, was euch gefällt! Das kann sein ein Dialog, ein Reim, ein Gedicht, ein Satz, ein Wort, ein Monolog ...

Mehrfachkommentare sind zulässig und dringend erwünscht, denn dann schnellen eure Gewinnchancen steil in die Höhe - und unser aller Lesevergnügen im Huckepack gleich mit. Ihr solltet einen Blog besitzen oder euch ein Plätzchen in einem Blog reservieren, damit ihr - so ihr gewinnt - die Tradition des Freitagstexters in der nächsten Woche fortführen könnt.

Bis zum Dienstag, 4. September 2012 um 23.59 Uhr könnt ihr kommentieren, um in die Auswahl zu gelangen. Die Qual der Wahl haben nyhet und ich am Mittwoch, 5. September 2012, wenn wir Sieger und Platzierte küren und den Freitagstexter-Pokal überreichen. Damit verbunden ist die Ehre und die Verpflichtung, am folgenden Freitag, 7. September 2012 die nächste Freitagstexter-Woche zu veranstalten.

Hier endlich das Bild:

Bildquelle: Schokozwergsches Privat-Fotoarchiv

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, was euch so alles einfällt! Erwartungsfroh und ganz ungeduldig grüßt euch

29. August 2012

Beherzt: Rote-Bete-Salat mit Mozzarella und Walnüssen


Nach ein paar Tagen Pause gibt es heute wieder etwas zum Essen. Endlich. Rot steht dabei weiterhin hoch im Kurs. Rot wie Rote Bete. Rot wie die Liebe. Bevor Wissende aufmerken: Nein, das Schokoladeneis schmilzt immer noch außer Konkurrenz auf meiner Zunge dahin.

Denn in der Stadt der Liebe kreuzten zwar schöne Augen meinen Blick, kitzelten viele Lächeln mein Gesicht und bewegte sich der eine oder andere Handrücken nicht gerade erwünscht über meine geliebte Rückseite. Aber verliebt bin ich dennoch. Wieder ein bisschen mehr in Paris. Mein Herz als Kescher für die vielen Eindrücke. Die Kamera durfte nur selten heraus. Um einen kleinen Wildfang zu bändigen, und für dieses Rot:


Wer so ein Polaroid besitzt, bitte melden!

Wir haben uns völlig unbekannte Ecken erkundet. Wir standen vor vielen verschlossenen Türen: "Fermeture estivale" bis zur "Rentrée", och nee. Wir genossen die Ruhe. Wir stritten uns mit versnobbten Hundebesitzern. Wir wunderten uns, wie viel Berlin schon in Paris ist. Und ich fragte mich, wo das Rot leuchtet.

Zurück in Berlin auf jeden Fall auf meinem Teller. Diesmal befragte ich Tanja Dusys "Sommerküche", und heraus kam dieser Rote-Bete-Salat mit Mozzarella und Walnüssen. Am liebsten hätte ich schon auf halber Strecke aufgehört und voller Wonne die im Ofen mit Thymian gegarten Knollen auf meiner Zunge zergehen lassen. Ich habe mich allerdings zusammengerissen, lest selbst.


Die Zutaten für 2 bis 3 Portionen:
4 kleine Knollen Rote Bete
einige Zweige frischer Thymian
3 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1/4 TL Zucker
1/2 Kugel Mozzarella (ca. 65 g)
2 EL Walnusskerne
1 mittlere Möhre
3 Stängel roter Basilikum (grüner tut's natürlich auch)
1 TL Honig
1 bis 2 EL Aceto Balsamico Bianco
1 EL Walnussöl (wenn nicht vorhanden: Olivenöl)
Alufolie

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Rote-Bete-Knollen von Blättern und Wurzelwerk befreien, dann gründlich waschen und abschrubben. Nicht schälen. Thymianzweige waschen und gut trocken schütteln. Auf die Arbeitsfläche einen großen Bogen Alufolie legen, Knollen in die Mitte im Quadrat platzieren. Thymianzweige oben und dazwischen verteilen, dann 2 EL Olivenöl darüberträufeln alles mit Salz, Pfeffer und Zucker bestreuen. Jetzt die Alufolie zusammenfalten (ich habe zuerst die Ecken in der Mitte über den Knollen zusammengeführt, dann die Spalten gut verschlossen und zum Schluss die Ecken über der Mitte gut miteinander verdreht). Das Päckchen soll dicht verschlossen sein. Auf einem Rost auf mittlerer Schiene etwa 1 Stunde bis 1 Stunde 15 Minuten garen.

Nach einer Stunde mit der Rückseite eines Esslöffels vorsichtig auf eine Knolle drücken; wenn sie sanft nachgibt, sind die Knollen fertig. Andernfalls noch etwas länger garen. Herausnehmen und in der Alufolie abkühlen lassen, bis die Knollen lauwarm sind. (Ich habe die Folie sofort geöffnet und war überwältigt von den Aromen, die mir entgegendrangen. Wow! Muss ich wirklich weiterkochen?)

Während die Rote Bete abkühlt, wird der Mozzarella etwas abgetrocknet und in grobe Stücke geschnitten. Walnüsse grob hacken, ebenso die gewaschene und geschälte Möhre. Basilikum waschen, trocken schütteln und die Blätter von den Stängeln zupfen. In Streifen schneiden. In einer kleinen Schüssel Honig und Balsamico verrühren, danach das Walnussöl und den Rest des Olivenöls unterschlagen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nun vorsichtig die Folie öffnen und die Knollen herausnehmen. Sud nicht wegschütten, sondern in die Salatsauce gießen. Rote Bete in Spalten schneiden (ungefähr achteln) und in eine große Schüssel geben. Mozzarella, Walnüsse, Basilikum und Möhre hinzufügen, anschließend die Salatsauce zugeben und alles vorsichtig vermengen. Sofort auftafeln!

Auch nach einem Tag schmeckt der Salat sehr aromatisch und leicht. Allerdings werde ich beim nächsten Mal Fetakäse oder Ziegenkäse anstelle des Mozzarellas nehmen, denn seine etwas gummiartige Konsistenz war nicht so ganz mein Fall. Oder gleich zum Büffelmozzarella greifen!

Schrieb's und grüßt euch

PS: Zwar schon wieder Rote Bete, aber wenn dieser August nun einmal rot sieht ...

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

22. August 2012

Aromenrot: Rote-Bete-Fenchel-Gemüse mit Rosmarin und Zitrone


Rot.

Was für eine herrliche Farbe.

An mir. Bläst der Tag einmal Trübsal, hilft nur eines: Rot. Kleid, Schuhe oder Ohrringe? Ein bisschen Rouge? Nagellack? Egal, die Stimmung schwingt sich fast von allein wieder in gewohnte Höhen auf. Auf dieses Aphrodisiakum ist einfach immer Verlass.

Vor mir. Rot auf dem Teller? Immer gern gesehen. Vor allem die Herrlichkeit des Sommers lässt mich schwach werden. In meinem Studium hatte ich jedoch einmal eine Freundin, der erging es ganz anders. Davonlaufen mochte sie vor allem, was rot und essbar war. Sie konnte es nicht essen. Keine Tomaten. Keine Paprika. Keine Beeren. Keine roten Äpfel. Einziger Schönheitsfehler in dieser beliebig fortsetzbaren Aufzählung: Tomatensauce. Unerklärlich.

In mir. Himbeeren im Bauch. Erdbeeren tun's auch. Die Liebe zu den Beeren.

Mein derzeitiger Kochbuch-Favorit "Der echte Geschmack", aus dem ich schon zwei Rezepte vorgestellt habe, hat natürlich auch Rotes zu bieten. Auf dem Foto dort sieht es zwar nicht danach aus, aber das Rote-Bete-Fenchel-Gemüse mit Rosmarin und Zitrone ist eine einzige Aromenexplosion in Rot. Zwei Gemüse vereint, die ich sehr gern mag, dazu Rosmarin und Zitrone. Oh là là, ob das zusammengeht? Und wie.


Die Zutaten für 2 Portionen (ich habe die Mengen etwas an meine Geschmacksknospen angepasst und den Knoblauch aus dem Originalrezept weggelassen):
2 mittlere Rote-Bete-Knollen
1 mittelgroße Fenchelknolle
Olivenöl
1 kräftige Prise Chiliflocken
1 bis 2 TL Rosmarin, fein gehackt
1 TL Honig
abgeriebene Schale und Saft von einer kleinen halben Zitrone
Meersalz
Pfeffer, frisch gemahlen

Rote Bete putzen, waschen, dünn schälen, vierteln und und die Spalten dann noch einmal quer teilen (wem das noch zu dick ist, teilt, die Stücke noch ein weiteres Mal). Am besten dazu Einmalhandschuhe anziehen, die sich wunderbar abwaschen und noch mindestens ein weiteres Mal benutzen lassen. Und die eigenen Finger bleiben fleischfarben. Fenchelknollen von Spitzen und Wurzelansatz befreien, auch den Strunk herausschneiden, waschen, vierteln und diese Teile noch einmal quer in 2 bis 3 Stücke schneiden (je nach Größe).

In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen. Bei hoher Temperatur zuerst die Rote Bete hineingeben und etwa 5 Minuten braten. Dann den Fenchel zugeben, umrühren und weitere 10 Minuten braten. Immer wieder gut wenden. Das Gemüse soll gar und bissfest sein. Am Ende der Garzeit Chiliflocken, Rosmarin, Honig, Zitronenschale und Zitronensaft (lieber anfangs etwas weniger, damit es nicht zu sauer wird, und ggf. nachgießen) zugeben. Umrühren, mit Meersalz und Pfeffer abschmecken.

Sofort servieren.


So lobe ich mir Genuss in Rot.


PS: Längst vorgenommen, bisher nie geschafft. Aber jetzt sind wir dabei beim

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

19. August 2012

Sonntagsstippen: Kardemummabullar


Wenn wir in Norwegen mit dem Zug durch die Lande fuhren, deckten wir uns am Vorabend mit allem Notwendigen ein. Kaffee oder Tee? Hatten wir umsonst an Bord. Denn wer eine komfortablere Kategorie bucht, für den sind Heißgetränke inklusive. Auch die Pappbecher, was manch einen Mitreisenden dazu verleitet, sich gleich vorsorglich mit einer gesamten "Pappbecherstange" - schätzungsweise 30 Bechern - einzudecken. Sie könnten ja unterwegs ausgehen, und übrig gebliebene Becher machen sich natürlich hübsch auf der nächsten Sommerparty im eigenen Garten. Mit NSB-Logo.

Notwendig war die bissfeste Nahrung. Bei knapp 7 Stunden Fahrtrausch durch pittoreskes Küstenland oder atemberaubende Bergpanoramen bleibt der Hunger dennoch nicht aus. Zwar kann sich der holde Reisende auch im Zug verköstigen lassen, und die Speisekarte macht tatsächlich großen Appetit. Bis der Blick auf die Preise gelenkt wird. Im selben Augenblick bleibt einem die Spucke weg. Inständiges Hüsteln. Wagenradgroße Augen.

Bloß gut, dass wir uns eingedeckt haben, ruft es aus der bequemen Liegehaltung vom Nachbarsitz herauf. Äpfel. Bananen. Schokoladenbrötchen. Ach, und so einen Kardamomknoten kramt eine von uns auch noch aus dem Rucksack hervor. Am Abend zuvor bei Rimi gekauft, typisch skandinavisches Teilchen. Riecht nach Kardamom, sehr stark nach Kardamom. Na gut, beruhigen wir uns, der ist eben abgepackt, das muss anders schmecken als frisch aus dem Ofen gezogen. Ein Biss in den Knoten. Etwas darauf herumgekaut. Ganz schön viel Kardamom, findste nicht auch? Ja, schmeckt irgendwie nach ... Seife. Muss ich das aufessen?

Den nicht. Aber diese hier schon! Sie sind schön weich, schmecken ausgewogen nach Kardamom und sehen noch dazu richtig gut aus. Zudem sind sie der ideale Begleiter zum morgendlichen Stippen in den Kafe med mjölk, ein Happs, schon aufgegessen. Das Rezept für diese Kardemummabullar - Kardamomknoten stammt von Sara Wennerström, die in Schweden eine eigene Bäckerei betreibt. Allerdings habe ich die doch sehr großzügigen Zutatenmengen geviertelt.


Die Zutaten für etwa 20 kleine mundgerechte Knoten:
Für den Teig:
125 ml Milch, zimmerwarm + etwas Milch für die Glasur
12 g frische Hefe
300 g Weizenmehl (Type 405), ggf. plus ein paar EL
50 g Zucker
2 g Salz
1 gestrichener TL Kardamom, gemahlen (im Original grob gemahlener Kardamom, auf ein Viertel der Menge umgerechnet knapp 4 g)
50 g Butter, sehr weich

Für die Füllung:
50 g Butter, sehr weich
25 g Zucker
25 g brauner Zucker
1 bis 2 TL Kardamom, gemahlen

Hefe in der Milch rührend auflösen und etwa 10 Minuten stehen lassen. Mehl, Zucker, Salz und Kardamom in einer großen Schüssel mischen, dann Butter und Hefe-Milch zugeben. In einer Küchenmaschine 20 Minuten rühren lassen; wer wie ich die eigene Muskelkraft einsetzen muss, nimmt zunächst das Handrührgerät (Knethaken) und steigt, wenn der Teig sich so nicht mehr kneten lässt, auf Handarbeit um. Gut kneten, ggf. etwas Mehl zufügen, bis der Teig weich, elastisch und geschmeidig wird, aber nicht mehr klebt. Im Kühlschrank 30 Minuten ruhen lassen.

Nun die Füllung vorbereiten: Die sehr weiche Butter mit den beiden Zuckerarten gut verrühren. Danach den Teig auf einer bemehlten Arbeitsplatte zu einem Rechteck ausrollen, bis er etwa 5 mm dünn ist. Mit der Butter bestreichen, dabei einen schmalen Rand von 1 cm Breite frei lassen. Anschließend den gemahlenen Kardamom auf die Butter stäuben (am besten mit den Fingerspitzen und mit Schwung). Nun zweimal falten, dazu stellt ihr euch zwei Linien vor, die die Teigplatte in drei Drittel teilen: zunächst von der einen kurzen Seite aus an der ersten imaginären Linie nach innen falten, dann von der anderen kurzen Seite aus nach innen über denn bereits gefalteten Teil. Gut andrücken. Mit der Nudelrolle den Teig noch etwas ausrollen, austretende Füllung mit dem Finger auffangen und wegschlecken.

Den Teig mit einem scharfen Messer nun senkrecht zur breiten Kante in 2 cm breite Streifen schneiden. Einen Streifen oben und unten greifen, etwas in die Länge dehnen und dann in sich verzwirbeln, indem die eine Hand ihn festhält und die andere ihn gleichmäßig in eine Richtung um die eigene Achse dreht. Danach den gezwirbelten Streifen zu einer Schlinge, zu einem Knäuel drehen, ein Ende durch das Loch in der Mitte ziehen, festdrücken und dekorativ auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ablegen. So fortfahren, bis alles Streifen verformt sind. Abstand zwischen den Knoten lassen!

Backblech in eine Tüte packen und luftdicht verschließen. Bei Zimmertemperatur am besten über Nacht ruhen lassen, bis sich das Volumen der Teiglinge verdoppelt hat.

Danach geht es an den Endspurt. Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Backblech aus der Tüte ziehen und für 10 bis 15 Minuten auf mittlerer Schiene in den Ofen schieben. Sind die Kardamomknoten schön golden gebräunt, herausnehmen und sofort mit Milch bestreichen. Etwas abkühlen lassen und sofort zum Frühstück essen.


Schon wieder so ein phänomenaler Start in den Tag! Aufgebacken auf dem Toaster schmecken sie übrigens auch ganz prächtig, bekräftigt und grüßt

17. August 2012

Schokoladenersatz: Bunte-Tomaten-Apfel-Focaccia


Eines Samstags kehrte ich mit einem großen Beutel voller bunter Tomaten vom Markt heim. Schmecken besser als Schokolade, sagte die Marktfrau, machen aber nicht dick. Essen Se die doch abends uff'm Sofa, sin besser als Chips, gab sie mir noch auf den Weg. Es war schon eine recht große, prall gefüllte Tüte. Vielleicht habe ich ja auch etwas gestöhnt, was ich aus so vielen Tomaten bloß alles machen solle.

Sie hatte recht. Die Tomaten knusperten sich ziemlich schnell weg, einfach so nebenher. Der Beutel leerte sich merklich und ließ mich zweifeln, ob ich überhaupt noch zu einer anderen Verarbeitung kommen würde. Auch wenn sie der Schokolade natürlich nicht das Wasser zu reichen vermochten. Kann man eigentlich Tomaten mit Schokolade essen? Darüber dachte ich fortwährend nach und fand doch keine Antwort. Das Naheliegendste, den Selbsttest, musste ich auf später verschieben, mangels Schokolade im Hause. Kaum zu glauben.

Schließlich schlug ich das Buch "Der echte Geschmack" auf, von dem ich euch bereits kurz berichtete. Es blätterte sich geradezu magisch genau an der Stelle auf, die nicht gesucht, aber gebraucht hatte. Das Ergebnis war eine Bunte-Tomaten-Apfel-Focaccia. Sehr saftig durch den Apfel im Hefeteig, den ich ansonsten jedoch nicht herausgeschmeckt hatte. Vielleicht hätte ich einen aromatischen nehmen sollen? Im Originalrezept ist viel Knoblauch vorgesehen, für meinen Geschmack zu viel, denn die Tomaten gingen mit ihrem feinen, runden Geschmack etwas unter. Im Rezept habe ich das schon angepasst.


Die Zutaten (ich habe das Originalrezept halbiert):
Für den Teig:
15 g frische Hefe
1/2 TL Honig
150 g warmes Wasser
1 kleine Knoblauchzehe (im Original: 1 große oder 2 kleine Zehen auf die halbe Menge; war mir viel zu intensiv)
15 g Kapern
1 bis 2 EL Olivenöl
1/2 TL feines Meersalz
225 g Weizenmehl (Type 550), ggf. plus einige EL
70 g Apfel

Für den Belag:
300 bis 400 g vollreife bunte kleine Tomaten (im Original 350 g für die doppelte Menge, eindeutig zu wenig bei mir)
1/2 TL Koriandersamen, grob zerstoßen
2 bis 3 Frühlingszwiebeln
1 bis 2 EL Oregano, getrocknet (frischer ist besser, war jedoch leider nur in vertrocknetem Zustand verfügbar)
1 gute Prise Chiliflocken
Olivenöl
Fleur de Sel

Hefe, Honig und warmes Wasser in einer Schüssel verrühren und 5 bis 10 Minuten stehen lassen. Inzwischen Knoblauchzehe und Kapern fein hacken, Apfel waschen, entkernen und ungeschält in kleine Würfel schneiden. Hefemischung umrühren, Knoblauch, Kapern, Olivenöl, Meersalz und Mehl zufügen und etwa 5 Minuten zu einem glatten Teig verkneten. Ggf. etwas Mehl zufügen, wenn er zu klebrig ist. Dann die Apfelwürfel zugeben und den Teig kneten, bis er schön geschmeidig und weich ist.

Mit einem feuchten Küchentuch abdecken und bei Zimmertemperatur etwa 2 bis 3 Stunden gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat. (Ich heize dafür den Backofen auf niedrigster Wärmestufe vor, schalte auf halber Strecke aus und stelle den Teig in dieses heiße Hochsommerklima.)

Tomaten waschen und halbieren, Frühlingszwiebeln waschen und mit dem Grün in feine Ringe schneiden. Backpapier auf ein Backblech legen und den Teig mit den Händen ausbreiten. Er sollte etwa anderhalb Zentimeter dick und ungefähr rechteckig sein. Tomaten in den Teig drücken. Danach Frühlingszwiebeln verteilen, mit Koriander, Oregano und Chiliflocken bestreuen. Reichlich Olivenöl darüberträufeln (wirklich reichlich!). Bei Zimmertemperatur noch einmal gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat, was bei mir etwa anderthalb Stunden dauerte.

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Focaccia mit reichlich Fleur de Sel bestreuen und etwa 20 bis 25 Minuten backen, bis sie goldgelb ist.

Schmeckt wunderbar einfach so oder auch zu Gegrilltem. Am besten warm genießen! Viele Grüße,

15. August 2012

Wolkenreiten: Kirsch-Brioches


Kann man schöner in den Tag, in die neue Woche starten als auf einer Wolke sitzend? Einer Wolke aus würzigem Duft, süßer Frucht und weichem Gebäck?

Am Wochenende hatte es mich gepackt. Vor dem üblichen Marktgang kurz ins Regal geschaut, zwei Bücher herausgezogen und eilig gewälzt. Was könnte ich bloß kochen? Normalerweise kaufe ich ratlos ein, lasse mich vom Angebot verlocken und sehe mich dann mit dieser Frage konfrontiert. Backtechnisch geht da was, so spontan. Kochtechnisch nicht. Da bin ich Anfängerin und brauche noch ein Händchen, das mich leitet.

Ein besonders schönes ist in meinem Bücherregal verstaut und wurde von Zeit zu Zeit hervorgezogen. Um das eine oder andere Rezept anzusehen, mich an den Bildern zu laben und auch etwas auszuprobieren, wie mir beim Durchblättern auffiel. Immer ein voller Erfolg. Das Fotografieren hatte ich vor Begeisterung - oder Hunger? - schlichtweg vergessen, so dass das Topinambur-Apfel-Püree mit Bacon, die in Apfelsaft glasierten Backkartoffeln oder der getrocknete Rhabarber irgendwann noch einmal gemacht werden müssen. Hach, wie mich das freut!

Ehe ich es mir versah, waren sie notiert, die Zutaten für mehrere Köstlichkeiten aus "Der echte Geschmack - natürlich & saisonal kochen" von Kille Enna und Georg Schweisfurth (beide Namen bringen meine Phantasie auf Hochtouren). Ein tolles Buch! So viele Rezepte, die mich zum Kochen verführen. Mich, die ich dem doch so abhold war. Für die Stachelbeer-Kreationen kam ich zwar leider zu spät, für diese Kirsch-Brioches jedoch genau richtig. Ja, die sind gebacken und nicht gekocht, aber wartet's ab. Das erste Herzhafte scharrt schon mit den Hufen.


Die Zutaten für 4 Stück in Tartelette-Förmchen(ich habe das Originalrezept halbiert):
8 g frische Hefe
75 ml lauwarme Milch
40 g Rohrzucker (im Original für die doppelte Menge 50 g)
1 Ei (Größe M)
225 g Weizenmehl (Type 405), ggf. plus 2 bis 4 EL
1/2 TL Meersalz
1/2 TL Zimt, gemahlen (im Original wird für die doppelte Menge eine halbe Zimtstange frisch gemahlen)
eine gute Messerspitze Kardamom, gemahlen (im Original für die doppelte Menge 4 Kardamomkapseln frisch gemahlen)
3 Pimentkörner, frisch gemahlen
eine gute Messerspitze Muskatblüte, gemahlen (im Original für die die doppelte Menge 1/4 Muskatblüte fein gerieben)
eine Messerspitze Nelken, gemahlen (im Original für die doppelte Menge 8 Gewürznelken frisch gemahlen)
50 g Butter, geschmolzen
250 g frische Kirschen
etwas Milch zum Bestreichen

Die Brioches brauchen etwas Zeit.

In einer großen Schüssel Hefe und Rohrzucker in Milch auflösen und 5 bis 10 Minuten gehen lassen, danach kurz verrühren und das Ei einarbeiten. In der Zwischenzeit Mehl, Meersalz und Gewürze vermengen und zu Hefe-Ei-Mischung geben. Mit dem Handrührgerät (Knethaken) oder der Küchenmaschine verkneten. Die flüssige, aber nicht mehr heiße Butter zugeben und kneten (lassen), bis der Teig weich, glatt und nicht mehr klebrig ist. Ggf. noch etwas Mehl zufügen. Schüssel mit einem feuchten Küchentuch abdecken und gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat. Ich wärme immer den Backofen etwas vor, schalte ihn jedoch auf halber Strecke aus (er darf nur einem gut heißen mitteleuropäischen Sommer ähneln!) und stelle dann die abgedeckte Schüssel hinein. Nun sich 2 bis 3 Stunden anderweitig beschäftigen.

Kirschen waschen, halbieren und entsteinen. Im Original kommen sie mit Steinen in die Brioches, aber ich mag mir nicht bei einem herzhaften (i.e. gierigen) Biss die Zähne anstoßen.

Die Förmchen ggf. einfetten. Teig aus der Schüssel nehmen, vierteln und auf den Böden der Formen ausbreiten. Kirschen verteilen und hineindrücken. Wer mag, streut noch etwas Rohrzucker darüber, habe ich jedoch weggelassen. Förmchen auf ein Brett oder in eine Bratpfanne stellen und diese mit einer Plastiktüte o.ä. abdecken. Ich habe die Bratpfanne genommen, weil der Rand höher ist als die Förmchen und dadurch die Mülltüte (alle anderen waren zu klein) nicht auf dem Teig auflag. Gut verschließen und mehrere Stunden (am besten über Nacht) gehen lassen, bis sich das Volumen des Teigs wieder verdoppelt hat.

Danach den Backofen auf 190 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Brioches etwas 20 bis 25 Minuten auf mittlerer Schiene backen, bis sie goldbraun sind. Herausnehmen, direkt aus der Form lösen und mit Milch bestreichen. Noch warm genießen.


Was für ein Start in den Tag! Eine habe ich pur gegessen, eine andere aufgeschnitten und mit gesalzener Butter bestrichen. Göttlich! Gibt es ganz bald wieder. Viele Grüße,

12. August 2012

Kuchenbastelsonntag: Rote-Johannisbeer-Käsekuchen


Erinnert ihr euch? Im vorvorletzten Beitrag hatte ich euch das wunderhübsche Knaken Kafé in Kaupanger (Norwegen) vorgestellt. Darin ein Foto eines köstlichen Johannisbeer-Käsekuchens, den wir uns, einem üppigen Mahl zum Trotz, einverleiben mussten. Oh Du süßer Kuchenzwang!

Nun habe ich, natürlich nur auf Wunsch einer einzelnen Leserin, diesen Kuchen nachgebastelt. Ich musste mich gar nicht lange darum bitten. Vielmehr sehnte ich mich nach einem Stückchen erlebter Urlaubsglückseligkeit, und was könnte schneller Erfüllung bringen als ein Sonntagskuchen?! Deshalb habe ich gestern auf dem Markt frische Johannisbeeren gekauft, unterwegs dem Geschmack nachgespürt und entschieden: der Quarkanteil, der macht's. Heraus kam ein Rote-Johannisbeer-Käsekuchen. Wie das Original! Sagt voller Nachdruck zumindest das Gaumen-Gedächtnis.

Übrigens, zu Hause sprachen wir nicht vom Käsekuchen, sondern aßen stets nur Quarkkuchen. Wann immer ich irgendwo "Käsekuchen" las, war ich irritiert. Die essen Kuchen mit Käse? Oder machen die Kuchen AUS Käse? Edamer? Gouda? Oder womöglich Bergkäse? Das kann doch gar nicht schmecken! Komische Leute. Noch heute zögere ich immer wieder. Käsekuchen? Quarkkuchen? Wikipedia hat mich aufgeklärt - alles eine Frage der Heimat. Gängig ist wohl "Käsekuchen", aber in der einen oder anderen Ecke Mitteldeutschlands kommt derselbe als Quarkkuchen auf den Tisch. Na bitte. In meinem Sprachschatz hat sich inzwischen das frühere Fremdwort heimisch niedergelassen und fühlt sich dort ganz wohl.


Die Zutaten für eine Springform von 20 cm Durchmesser:
Für den Boden:
200 g Mehl (Type 405)
1 Prise Salz
50 g Zucker
100 g Butter, sehr kalt und in Würfel geschnitten
1 Ei (Größe M)
ggf. etwas kaltes Wasser

Für die Füllung:
350 g Quark (ich habe Magerquark genommen)
3 gestrichene EL Zucker
1 Ei (Größe M)
etwas Milch
Saft einer halben Zitrone
150 bis 200 g frische rote Johannisbeeren

Zuerst den Boden bereiten. Mehl, Salz und Zucker mischen. Die Butterwürfel zugeben und alles zwischen zwei Handflächen zerreiben, bis die Masse sandig ist. Das Ei in einem Schälchen verquirlen, zur Sandmasse geben und zügig zu einem formbaren Teig verkneten. Ggf. etwas kaltes Wasser zugeben, falls der Teig zu bröselig ist. Zu einer Kugel formen und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Danach etwas kneten und die Springform auskleiden, dabei einen etwa 5 cm hohen Rand bilden. Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen und für 30 Minuten in den Tiefkühlschrank.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen. Den Teig mit Backpapier belegen, Hülsenfrüchte einfüllen und etwa 20 Minuten auf einer unteren Schiene blindbacken.

In der Zwischenzeit die Quark, Zucker, Ei und Zitronensaft verrühren, etwas Milch zugeben, damit die Masse schön cremig wird. Johannisbeeren waschen und von den Rispen zupfen.

Ist der Boden vorgebacken, Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen und die Quarkmasse einfüllen. Glatt streichen. Johannisbeeren verteilen und etwas mit der Rückseite des Löffels in die Quarkmasse drücken. Bei 175 Grad Ober-/Unterhitze auf mittlerer Schiene etwa 45 Minuten backen, bis die Masse stockt (sie fühlt sich federnd an, wenn man mit dem Finger vorsichtig darauf drückt).

Herausnehmen und vollständig erkalten lassen. Und dann: Anschnitt!


So schaut er euch dann vom Teller aus an. Wer kann diesem Anblick widerstehen? Ich nicht und habe mich Hals über Kopf verliebt, schwärmt und grüßt


PS: Und ihr ahnt es schon, wieder ein klarer Fall für die Kleinen Kuchen der Hedonistin. Wohl bekomm's!

10. August 2012

Angestoßen: scharfe Rote-Linsen-Couscous-Puffer


Jetzt kocht sie auch noch.

Ich und das Kochen, wir waren nicht füreinander geschaffen. Kochverrückte Familienangehörige? Fehlanzeige. Kochfieber? Fehlanzeige. Kochen war Mittel zum Zweck. Kochen war eine Pflicht. Es fehlte die Zeit, auf kulinarische Entdeckungsreise zu gehen. Deshalb packte ich, als ich mein Bündel schnürte und in die weite Welt hinauszog, keine Kochlust mit ein. Zu entdecken gab es zunächst allerhand anderes, zuvörderst sich selbst.

Daran sollte sich lange nichts ändern. In WGs und Studentenwohnheimen wurde eher pragmatisch geköchelt. Nudeln mit Soße oder Soße mit Nudeln? Egal. Hauptsache magenfüllend, ruckzuck und nicht zu kostenintensiv. Wie geht noch mal ein Spiegelei? Gut, dass mancher nah zum Hotel Mama wohnte, so gab es hin und wieder Hausmannskost für alle. Weiteres nicht zu unterschätzendes Plus karger Kost: weniger Kochutensilien wurden benutzt und konnten anschließend ungespült vor sich hin schimmeln.

Ich und das Essen, wir fanden zueinander. Hier in Berlin. Anfangs berichtete ich noch voller Stolz von meinen kulinarischen Entdeckungen, erntete jedoch Unverständnis. Das Geld, das ich in den auswärtigen kulinarischen Genuss investierte, könnte ich doch für etwas Anderes ausgeben. Oder sparen. Ich habe mich nicht daran gehalten.

Dennoch erlebte das Kochen in meinen eigenen vier Wänden Konjunkturen und Rezessionen. War ich einer Beziehung, kochte ich gern. War ich es nicht, lag es brach. Wann immer ich den Kochlöffel schwang, um einen Teller zu füllen, war mein Appetit gestillt, bevor der Löffel ausgewirbelt hatte. Nun könnte man folgerichtig darauf schließen, ich kochte nur gern, wenn ich a) jemanden beeindrucken oder b) jemanden rumkriegen wollte. Schon möglich, aber da wäre noch Variante c), die mir am besten gefällt und das Bild des "kochenden Vamps", das bei euch vielleicht aufblitzte, wieder dämpft: Kochen war ganz schlicht vor allem der Anlass, für manch einen der Zwang zur Zweisamkeit.

Nun bin ich weder zweisam noch einsam, und trotzdem koche ich. Immer häufiger. Hui! Sind wir also doch füreinander geschaffen? Diese scharfen Rote-Linsen-Couscous-Puffer machten sich jedenfalls ganz hervorragend auf meinem Teller und in meinem Bäuchle. Ein grüner Salat dazu, lecker.


Zutaten für 6 Stück:
1 große Frühlingszwiebel (oder eine halbe Zwiebel)
1 kleine Chilischote
Öl
5 EL rote Linsen
4 EL Couscous
300 ml Gemüsebrühe (evl. etwas mehr zugeben)
Salz
Pfeffer
1/4 TL Kreuzkümmel
1/4 TL Kurkuma
1 Messerspitze Koriander, gemahlen
1 Ei (Größe M)
3 bis 4 EL Mehl

Frühlingszwiebel und Chilischote fein hacken und in etwas Öl kurz anbraten. Linsen zugeben und unter Rühren etwa 2 bis 3 Minuten anschwitzen. Gemüsebrühe aufgießen, Couscous einrühren und bei schwacher Hitze ziehen lassen, bis die Linsen bissfest, aber noch nicht zerfallen sind. In eine Schüssel füllen. Abkühlen lassen, bis die Masse lauwarm ist.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Gewürze unterrühren. Ein Ei einarbeiten und nach und nach das Mehl zugeben, bis die Masse bindet und trotzdem glitschig bleibt. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen. Mit Esslöffeln Portionen abstechen, in die Pfanne geben und vorsichtig flach drücken. Die Puffer sollen etwa 1 cm dick sein. 3 Minuten auf der einen Seite braten, dann wenden und nochmals 3 Minuten braten. Mit Küchenpapier abtupfen und noch warm genießen.

Geht alles ganz flott, frohlockt

5. August 2012

Was vom Urlaub übrig bleibt: Ostekake med blåbær und ein kleines Extra-Törtchen


Als wir in den vergangenen Wochen Norwegen bereisten, machten wir vielen Cafés unsere Aufwartung und berichteten in Wort und Bild darüber. Bei manchen entstand so der Eindruck, wir würden uns von kaum etwas anderem als Kuchen ernähren. Nun ja, nicht ganz, Obst zählte auch zu unseren Vitaminquellen. Pur. Und in Kuchen.

In den Kuchentheken macht meist eine ganz spezielle Trias Appetit: Karottenkuchen (gulrotkake) - Käsekuchen (ostekake) - Schokokuchen (sjokoladekake). Allein damit ist der geneigte Süßschnabel schon hervorragend bedient. Denn Karottenkuchen ist niemals gleich Karottenkuchen, der Käsekuchen kann durch verschiedene Obstsorten variiert werden, und Schokokuchen schmeckt ohnehin immer anders. Ein Paradies.

Zwischendurch brauchten wir Abwechslung. Etwas ganz Neues, Unbekanntes, Beeindruckendes? Auch das kein Problem, wie wir euch schon gezeigt haben und noch zeigen werden (der letzte Teil unserer kleinen Norwegen-Reihe folgt in den nächsten Tagen). Ob hausgemachter Daimkuchen - nicht der tiefgekühlte des großen Möbelhauses, der jetzt anders heißt - oder Apfelkuchen (eplekake), ob norwegischer Nationalkuchen (kvæfjordkake) oder Napoleonkuchen (napoleonkake), wir landeten stets und zuverlässig im Kuchenhimmel.

Der soll auch nach unserer Rückkehr ab und an in den norwegischen Farben erstrahlen, und zwar nicht nur über uns. Ist das in eurem Sinne? Demnächst wird der Johannisbeer-Käsekuchen aus dem bezaubernden Knaken Kafé in Kaupanger nachgebastelt, am heutigen Sonntag kredenze ich jedoch eine andere typisch skandinavische Kuchenverführung: Ostekake med blåbær - Heidelbeer-Käsekuchen.

Das Originalrezept (ohne Blaubeeren) entspringt dem Buch "Ta kaka" (auf Deutsch etwa "Nimm Kuchen") von Heidi Brunstad Øyehaug, Åse Kongsvik und Kari Støfringsdal, das sich schon seit unserer letzten Norwegen-Reise in meinem Besitz befindet. Beim Überfliegen des Registers kann man schon mal einen leichte Unterzuckerung spüren. Allerdings war ich bisher zu faul, mich durch den norwegischen Text zu arbeiten. Bisher.


Die Zutaten für eine Springform von 20 cm Durchmesser (heruntergerechnet, das Originalrezept ist ein reiner Käsekuchen und für eine 24-cm-Form ausgelegt):
Für den Boden:
160 g Mehl (Type 550)
35 g Zucker
1/2 TL Backpulver
85 g Butter, Zimmertemperatur
(Das Ei des Originalrezeptes habe ich weggelassen.)

Für die Füllung:
2 Eier
200 g Quark
200 g Schlagsahne
Saft einer halben Zitrone
3 gestrichene EL Zucker
150 bis 200 g Blaubeeren

Zuerst wird der Boden bereitet. Dazu die trockenen Zutaten mischen und mit der Butter in eine Schüssel geben. Mit den Händen zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Ggf. etwas kaltes Wasser zufügen, falls der Teig zu bröselig ist. Etwa eine Viertelstunde kühl stellen.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Die Springform mit dem Teig auskleiden, einen etwa 5 cm hohen Rand bilden. Mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten füllen. Etwa 15 Minuten blindbacken. Nach dem Herausnehmen etwas abkühlen lassen.

Den Backofen auf 175 Grad belassen.

Während der Boden vorbäckt, wird die Füllung angerührt. Dazu zunächst die Eier trennen. In einer Schüssel Quark und Schlagsahne mit dem Schneebesen zu einer homogenen Crème vermengen, danach die beiden Eigelbe, Zitronensaft und Zucker hinzugeben und alles wieder mit dem Schneebesen zu verrühren. Die beiden Eiweiße steif schlagen und vorsichtig unterheben. Auf den vorgebackenen Boden gießen bis etwas unter den Rand. Nun die gewaschenen Heidelbeeren in die Käsemasse geben. Im Backofen etwa 40 Minuten backen, bis der Kuchen goldgelb wird. Herausnehmen und vollständig erkalten lassen.

Eigentlich war ich erschrocken, als ich einen goldenen Kuchen aus dem Ofen zog. Aber er ist so genau richtig. Beim Schneiden mit dem Messer hört man ein leichtes Zischen, als würde man Schaum durchtrennen. Dabei ist die Masse gleichzeitig fluffig und kompakt, sehr leicht und schmelzig. Mmh!


So, und als ich das alles genauso gemacht hatte, blieb in meinem Becher Käsemasse übrig. Offenbar hatte ich den Kuchenrand nicht so hoch gezogen oder er war beim Blindbacken des Bodens wieder etwas geschrumpft. Wie dem auch sei, ich mochte diese fluffige Crème nicht wegschütten und grübelte kurz. Da auch Heidelbeeren übrig waren, dachte ich an kleine Küchlein.

Vielleicht ein Keksboden? Aber Kekse waren nicht im Haus. Mir fiel mein angebrochener Löffelbiskuit-Vorrat ein, der einfach nicht schrumpfen mochte. Dann geriet eine Müsli-Tüte in mein Blickfeld. Müsli + Löffelbiskuit = kerniger Boden? Ja, das könnte es werden. Und das wurde es dann auch. Kleine Heidelbeer-Käsetartelettes mit kernigem Boden. (Ihr könnt natürlich auch andere Formen nehmen, bei mir musste es einfach schnell gehen.)


Die Zutaten für zwei Tartelette-Förmchen:
Für den Boden:
5 Löffelbiskuits
3 bis 4 EL Nuss-Müsli (habe ich nach Augenmaß in den Zerkleinerer gefüllt)
ca. 15 g Butter, sehr weich oder besser geschmolzen (auch diese nach Augenmaß)

Für den Belag:
den Rest der Käsemasse
2 Handvoll frische Heidelbeeren

Löffelbiskuits und Müsli in einen Zerkleinerer (oder Blender) geben. Erstere werden quasi pulverisiert, letzteres sollte grob gehäkselt werden. In einer Schüssel mit der Butter vermengen, danach die Masse auf den Böden der Tartelette-Förmchen verteilen und gut andrücken. Für etwa 15 Minuten zum Käsekuchen in den Ofen stellen.

Herausnehmen und zuerst die Heidelbeeren verteilen, dann vorsichtig die Käsefüllung darauf geben und glatt streichen. Wieder zum Käsekuchen in den Ofen stellen und solange backen, bis die Tartelettes oben goldgelb werden. Nach dem Herausnehmen vollständig erkalten lassen.


Tja, und welche Köstlichkeit ist nun leckerer? Schwere Frage, die ich nicht zu entscheiden vermag. Mir haben sie beide wunderbar gemundet. Der Müsli-Boden ist für mich eine kleine Entdeckung, ich habe mich natürlich schon mit Selbst-Schulterklopfen gelobt. Die Käseschicht (oder Quarkschicht?) passt hervorragend zu beiden Böden - und zu Blaubeeren sowieso.

Deshalb ein klares Unentschieden, schmatzt mit blauer Zunge


PS: Beide Kuchen erfüllen die Form-Norm beim Kleine-Kuchen-Event der Hedonistin, nur logisch, dass sie von beiden etwas abbekommt.

2. August 2012

Ruhe-Insel: Knaken Kafé in Kaupanger (Norwegen)


Kaupanger. Nein, Koipanger. Oder Keupanger? Besser Chöipanger? Gar Tchöpanger? Auf dem Weg zur Busstation haben wir uns einen Knoten in die Zunge gedreht.

Die Tücken der norwegischen Sprache! Bokmål ist die Variante, die von den meisten Norwegern gesprochen wird. Allerdings wohnen die nicht im Sognefjord, wo Nynorsk verbreitet ist. Und das bringt einige Besonderheiten mit sich. In der Schreibweise und eben auch in der Aussprache.

Der Busfahrer allerdings verstand uns auf Anhieb. Wir waren wohl nicht die ersten Touristen, die in Kaupanger die drittälteste Stabkirche des Landes besichtigen wollten. Aber vielleicht waren wir die ersten, die er an der Schwelle abgesetzt und dafür einen Umweg in Kauf genommen hätte?! Etwas Charme, leicht verkorkste Aussprache, alles geritzt. Wir sind dann doch zu Fuß hingewandert. Wäre zu schade, den geballten Zorn der übrigen Mitfahrer auf ihn zu lenken, nur weil er dem Augenaufschlag zweier Berlinerinnen erlegen ist.


Von der Bushaltestelle aus geht es immer bergab nach Kaupanger hinein. Knapp 900 Einwohner hat der Ort, gefühlt weniger als die Hälfte. Plötzlich taucht inmitten des Grüns der Wälder und Wiesen die Kirche auf. Mächtig scheint sie emporzuragen. Ein Trugschluss, der sich offenbart, sobald man vor ihr steht. Es riecht nach Holz, in der Ferne blökt ein Lämmchen nach seinen Eltern, die auf der anderen Seite des Baches friedlich grasen. Hinter den Wäldern die Amla-Bucht, umgeben von den stolzen Bergen des Fjords.

Von dieser Idylle muss man sich kurz losreisen. Tickets. Die bekommt man im Knaken Kafé, das nur 100 Meter entfernt in einem typischen norwegischen Holzhaus liegt. Wer einmal eingetreten ist, der wird auf jeden Fall wiederkommen wollen. Was wir nach der Besichtigung der Stabkirche und einem kurzen Besuch im Fjordmuseum taten. Eine ganz besondere Empfehlung!



Das Café gehört zu einem Bauernhof. Er ist kulturelle Begegnungsstätte und zugleich das Zuhause des jungen Archäologen-Ehepaares Trude K. und Christoffer Knagenhjelm. In elfter Generation. Die beiden wollen den geschichtlichen Schatz Kaupangers "heben" und gehen dafür moderne Wege. Ein Kulturpfad. Archäologische Führungen. Veranstaltungen. Alles in der Abgeschiedenheit Kaupangers. Und eben diese Ruhe-Insel, das Café.

Wir waren mächtig hungrig nach unseren Fußmärschen. Herzhaft, danach war uns zuerst. Süß sollte es später werden, denn kein Café-Besuch ohne Kuchen. Etwas anderes hättet ihr auch nicht von uns erwartet, stimmt's oder haben wir recht? Also verspeiste nyhet voller Wonne den Knakenburger, einen Wild-Burger aus hausgemachtem Brot, dazu Tomatenchutney. Gemüse und frittierte Kartoffeln komplettierten den Genuss.


Schokozwerg ließ sich zu Kräuter-Eierkuchen verführen, gefüllt mit gedörrtem Lammfleisch, Pilzen und Gemüse. Die Küchenchefin verließ kurz ihre Wirkungsstätte und kehrte mit einem Bund frisch geschnittener Kräuter zurück. Ach, was war das köstlich! Wir stibitzten uns gegenseitig nicht nur einen Probierhappen von den Tellern.


Danach waren wir eigentlich satt. Satter. Am sattesten. Aber diese Kuchen! Aufgereiht auf dem Tresen, schienen sie nach uns zu rufen. Hausgemacht, keine Frage. Widerstand zwecklos. Na gut, ein Stück mochten wir uns teilen. Bloß welches? Apfelkuchen oder Schokoladenkuchen oder Käsekuchen? Während wir miteinander verhandelten, ließen wir unsere Blicke schweifen. Von unserem gemütlichen Oma-Sofa am Fenster, aus dem uns das Aufstehen so schwerfiel. Tief und weich, etwas mondän, aber den Zahn der vergangenen Zeiten nicht verleugnend. Wer drin sitzt, scheint festzukleben.



Schließlich hatten wir uns entschieden. Käsetarte mit roten Johannisbeeren, die sollte, die musste es sein. Nicht viel war übriggeblieben, offenbar hatten auch andere Gäste sie schon zu schätzen gewusst. Wir bekamen den stattlichen Rest. Ganz schön groß, so EIN Stück. Erinnert ihr euch an Asterix und Obelix bei Kleopatra, wie sie den (vergifteten) Kuchen aufteilen? "Jeder nur ein Stück!" Und Obelix schiebt sich drei Viertel des Backwerks in seinen blau-weiß gestreiften Bauch.


Etwas linienschonender ging es bei uns zu. Schwesterlich geteilt, gab es keinen Grund für Tränen oder Zwistigkeiten. Im Gegenteil, der perfekte Abschluss unseres Abstechers auf diese kleine "Insel der Seligen"! Ob es noch Johannisbeeren bei unserer Rückkehr geben würde, fragten wir uns allerdings etwas besorgt. (Gibt es!)


Beseelt und angemessen gekräftigt traten wir die Rückwanderung an. Stetig bergauf, unterwegs die ersten Walderdbeeren sichtend, stapften wir fort. Um irgendwann einmal wiederzukehren? Wer weiß, es gibt schließlich noch einiges zu entdecken im Sognefjord und um Kaupanger herum.

Erst einmal seid ihr dran, dieses Kleinod zu entdecken, ermuntern euch mit vielen Grüßen

und

PS: Die Homepage des Cafés ist noch im Entstehen, wie uns scheint.