Während sich zu Hause alle vor der Hitze flüchteten, warfen wir jeden Tag kritische, bisweilen ängstliche Blicke auf den norwegischen Wetterbericht. Ob wir auch etwas von der Sonne abbekommen würden? Och bitte bitte! Am (Auf-)Essen sollte es jedenfalls nicht scheitern. Und wir waren ganz bescheiden, forderten keine hochsommerlichen Temperaturen. Schokozwerg hätte nichts dagegen gehabt, aber nyhet muss irgendwelche undefinierbaren Beziehungen zum Wetterfrosch besitzen. Heiß wurde uns nicht.
Wir beide im Sognefjord. Per Bus waren wir von Bergen nach Sogndal kutschiert, und wie auf unseren anderen Busfahrten auch drückten wir uns die Nasen platt. Seufzen. Durchatmen. Lechzen. Stöhnen. Bedauern. Juchzen. Der vorsichtige Versuch, den Busfahrer zu einigen spontanen Fotostopps zu überreden, scheiterte mit seinem lauten Lachen. Naja, hier konnte unser Charme leider nicht verfangen. (Wiederkommen.)
In unserem kleinen Zimmer der Jugendherberge schauten wir also tagtäglich in den Wetterbericht. Und langsam wuchs in uns die Erkenntnis: Alles, was weiter als 3 Stunden in der Zukunft lag, blieb unsicher. Insgesamt hatten wir Glück - es wurde nicht so schlimm, wie es uns anfangs entgegenprangte.
In einem Extra-Post berichten wir euch über unseren ersten Ausflug, denn unsere Kaffee-und-Kuchen-Einkehr verdient besondere Aufmerksamkeit. Danach kam der - einzige - Tag, an dem der Himmel seine Schleusen öffnete und sie nicht mehr schließen mochte. Regen-Prophezeiung erfüllt. Von unserem Ausflug in das Bücherdorf Fjærland konnte er uns trotzdem nicht abhalten.
Ein winziger Ort. Dreihundert Einwohner. Hunderte tausende Bücher. Das Verhältnis Einwohner zu Büchern ist ... beneidenswert! Bücher über Bücher. Zu Bücherregalen umfunktionierte Bushaltestellen, von denen
In einem Antiquariat erstand nyhet historische Fachliteratur, die bei Kaffee und Kuchen im hübschen Buchcafé, der Kaffistova, begutachtet wurde. Zwischendurch stöberten wir immer wieder in den Regalen, denn ein literarischer Schwerpunkt des Cafés war die kulinarische Literatur. Wer hätte das gedacht?!
Schokokuchen und ...
... Eplekake (Apfelkuchen) passten zu diesem sympathischen Ort. Selbstgemacht. Ohne Schnickschnack. In einen Kaufrausch versetzten sie uns nicht, leider, dann wäre auch dieses eine alte norwegische Backbuch in Schokozwergs Besitz gelangt. Mist. Das wäre bei Sonnenschein nicht passiert.
Neben Büchern kann der geneigte Tourist auch Andenken der traditionellen Art erwerben. Ebenfalls selbstgemacht, aus Wolle, aus Holz, aus Glas. Und voller Liebreiz, den die Massensouvenirs vermissen lassen.
Norwegens älteste Stabkirche steht in Urnes. UNESCO-Weltkulturerbe seit 1979, das mit einer Fähre erreichbar ist. Dann noch einen kleinen Anstieg überwunden, von nichts kommt schließlich nichts. Und schwupps standen wir vor diesem im wahrsten Wortsinne kleinen Juwel norwegischer Geschichte.
Holz in seiner reinsten Form. Alles. Das Innere kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden, die jedem zu empfehlen ist. Denn sonst würden ihm die barocken Umgestaltungen entgehen, die den Kirchenraum prägen und trotzdem den mittelalterlichen Charakter heute noch erkennen lassen. Ein zauberhafter Ort.
Voller Zauber auch die originalen Holzschnitzereien an der Außenfassade. Von 2008 bis 2010 wurde die Kirche zuletzt restauriert und erstrahlt deshalb heute in erfrischtem, aber nicht zu frischem Glanze.
Auf dem Weg zurück zur Fähre folgten wir allein unserer Nase. Und die führte uns fachmännisch direkt zu einem kleinen Stand. Ein Plastiktisch mit Sonnenschirm. Roter Sommergenuss in Erdbeer- und Himbeertönen. Keine Menschenseele weit und breit. Ein Schild: 25 Kr. Wir fütterten die Geldkassette und entführten den Sommer:
In Solvorn, wo die Fähre nach Urnes ablegt und ankommt, legten wir einen kleinen Zwischenstopp im Linahagen Kafé ein. Unser süßer Zahn rief laut und deutlich vernehmbar. Kein Wunder, an so einem besonderen Tag.
Ist das ein Geburtstagskuchen?
Oder das?
Warum lange nachdenken. Wir verspeisten einfach beide. Doch genau richtig an Schokozwergs Ehrentag, oder?
Kulinarisch befanden wir uns in einer Wüste. Hamburger, Pizza, Pasta? Überließen wir den Einheimischen. Rentier, Lachs, Elch? Waren verreist. Also richteten wir das abendliche Mahl einfach selbst an. Auf ein Glas Champagner mussten wir allerdings verzichten - wir standen zu spät (18 Uhr!) vor dem Vinmonopolet. Ach ja, die landestypische Besonderheit. Denn in den Supermärkten gibt es a) nur alkoholische Getränke bis 4,75 Volumen-Prozent und b) auch nur bis 20 Uhr. Alles mit mehr "Schwung" darf allein vom nationalen und zu 100 Prozent staatlichen Alkoholmonopolisten verkauft werden. Und der machte rechtzeitig Feierabend.
Im Nachhinein betrachtet, brachte er uns gar nicht um ein Vergnügen, im Gegenteil, er bescherte uns eine neue Bekanntschaft: Cider nach norwegischer Art mit Birnen- oder Brombeerengeschmack. Auf diesen Geschmack gekommen, kosteten wir uns inzwischen durch ein paar Sorten - die oben abgebildete ist mit großem Abstand die beste.
Einen "Ruhetag" nutzten wir dazu, uns ausgiebig in Sogndal umzusehen. Wirklich zeigenswert ist nur dies:
Die leichte Schlagseite muss an der Sahne liegen, anderes Hochprozentiges war nämlich nicht herauszuschmecken.
Die Kuchenstückchen sind hierzulande meistens so schmal (ausgenommen wahrscheinlich Geburtstagskuchen ...), was den Genuss des Himbeerkuchens und des Schokoladenkuchens mit der nach nyhets Fazit weltbesten Schokoladencrème jedoch kaum zu trüben vermochte.
Da nun auch das Wetter mitspielte, beschlossen wir, die Kalorien wieder abzuwandern. Beeren begleiteten unseren Weg. Walderdbeeren mussten wir fast mit der Lupe suchen, so klein wie auf dem ersten Bild dieses Beitrags waren sie tatsächlich. Himbeeren konnten wir hingegen nicht übersehen, sie fielen uns nicht nur ins Auge, sondern geradewegs in die Hände. Der Weg in den Mund war dann natürlich nicht mehr weit.
Ziel unserer Wanderung war De Heibergske Samlinger - Sogn Folkemuseum. Zahlreich sind sie in Norwegen zu finden, diese besonders bei Familien beliebten Freilichtmuseen, und jederzeit einen Ausflug wert. Hier begeisterten Bauernhöfe die Kleinen und Blumen die Großen.
Inzwischen sind wir aus der Natur in die Stadt weitergezogen. Welche das ist, verraten wir euch auf unserem nächsten Zwischenstopp.
Genießt den Sommer, ha det og vi sees!

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