
Zwar läutete nyhet mit ihrem gebratenen Spargel den Endspurt unserer Spargelsaison ein. Aba een'n hamwa noch.
Berliner Dialekt. Geliebt, gehasst, verspöttelt, belächelt. Manchmal einfältig, manchmal keck. Abgehoben oder intellektuell? Habe ich noch nicht erlebt. Eher das andere Extrem. Der Ton macht eben die Musike: Wenn der S-Bahn-Fahrer etwa erklärt, dass "ooch de annern Tür'n zum Einsteijen jedacht sinn". Oder die Bedienung im Café fragt, "womit könn'n wa Se denn beglück'n?" Beim Fußball "müss'n wa ölf Freunde sein, wa?" Auf dem Markt grüßt der Erdbeerhändler und fragt, "allet schicki?" Man hält sein Pläuschchen und zieht weiter. "Ick muss dann ma, tschüss, wa."
Als ich in Berlin sesshaft wurde, ließen sich mit mir Dialektfitzelchen aus verschiedenen Landstrichen hier nieder. Keiner dominant, von allem nur das Unterhaltsamste. Rätselraten. Wo kommst Du eigentlich her? Kannst Du überhaupt Dialekt? Klar kann ick dit. Kleine Kostprobe, erstaunte Blicke, große Augen. Der Amüsemang-Wert ist enorm. Bei anderen geht allerdings mehr, mein Repertoire ist doch relativ beschränkt. Trotzdem, ick mag ditte.
Das berlinerische Wort für Spargel hat erst spät den Einzug in meinen Fremdwortschatz gefunden: Schbarjel. Was vor allem daran lag, dass ich Spargel überhaupt nicht gern gegessen hatte. Der schmeckte mir nach "jar nüscht", war oft viel zu weich gekocht oder holzig. Und dann noch in Sauce Hollandaise ertränkt, die auch nyhet nicht mag. Der arme Spargel! Bis grüner immer populärer wurde. Ich fand Geschmack an ihm - und schließlich auch das Türchen, das mir den Weg zum weißen wies. Nichtsdestotrotz haben wir dieses Spargelrisotto mit Garnelen aus grünem Spargel gemacht. Weißer kommt dann in der nächsten Saison rein.
Die Zutaten für 3 Portionen:
350 g grüner Spargel
1 l Gemüsebrühe (ich bin noch nicht bis zur selbstgemachten vorgedrungen, deshalb Bio-Gemüsebrühpulver)
1 Schalotte
etwas Olivenöl
250 g Risotto-Reis
12 Garnelen
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
frische Petersilie
40 g Parmesan
Spargel waschen, die holzigen Enden wegschneiden und in etwa 1 cm kurze Stücke schnibbeln. Die Köpfe zur Seite legen. Schalotte in kleine Würfelchen schneiden. Gemüsebrühe ansetzen, dazu Wasser zum Kochen bringen und die Brühe (in der Regel 1 EL pro 1 l Wasser) einrühren. Vom Herd nehmen.
In einem großen Topf etwas Olivenöl erhitzen (Achtung, nicht auf höchster Stufe) und die Schalotten-Würfelchen glasig dünsten. Reis zugeben und etwa 2 bis 3 Minuten anschwitzen. Auf mittlere Hitze herunterschalten. Dann die erste Portion Brühe - am besten mit einer Schöpfkelle - zugeben und leicht köcheln lassen, bis der Reis sie aufgesogen hat. Dann die nächste Portion zugeben und immer so weiter, etwa die 12 bis 15 Minuten. Der Reis sollte noch etwas zu knackig sein, um ihn zu servieren. Das ist der richtige Zeitpunkt, die Spargelstücke zuzugeben. Wieder mit etwas Gemüsebrühe aufgießen, von der nun nur noch ein bis zwei Portionen übrig sein sollten. Etwa 7 bis 10 Minuten dauert es jetzt noch, am Ende sollte es schön schlotzig sein.
In der Zwischenzeit in einer Pfanne erst die Spargelköpfe und dann die Garnelen mit etwas Öl anbraten, wer mag, macht beides zusammen. Salzen und pfeffern und warmhalten. Petersilie fein hacken (die hatte ich komplett vergessen).
Das Risotto müsste nun so gut wie fertig sein. Parmesan unterrühren, salzen, pfeffern, Muskatnuss darüber reiben. Umrühren, fertig.
Auf die Teller verteilen, mit Spargelköpfen und Garnelen garnieren.
Nach dem ersten Aufwärmen war das Risotto noch köstlicher! Wir haben uns die Finger abgeschleckt. So ein Gemeinschaftswerk hat auch etwas, solange es nicht heißt: "De eene kocht un de an're isst, wa?" "Nee, so jeht dit nich."
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