30. Mai 2012

Sonntagsfrische: Bulgur-Kichererbsen-Salat mit Sauerkirschen und Pistazien


nyhet: "Ich habe da noch einen Champagner im Kühlschrank."
Oha. Bei dieser Ankündigung wurde ich hellhörig. Perlen auf meiner Zunge. Prickeln. Bitzeln. Kribbeln. Was will mir nyhet damit sagen?
nyhet: "Den würde ich gern mit dir und ein paar Mädels köpfen."
Ich Glückliche, ich darf auch ran.
nyhet: "Brunch oder Kaffeetrinken?" 
Ganz klar: pro Brunch.
nyhet: "Bei dir in der Wohnung."
Was?
nyhet: "Du hast mehr Platz."
Korrekt.
nyhet: "Aber mach dir bloß nicht zu viel Aufwand."
Jaja, sie kennt mich gut.
nyhet: "Und nicht zu viel Essen."
Ob sie damit auf eine Geburtstagsfeier vor ein paar Jahren anspielt?
nyhet: "Wir bringen auch etwas mit."
Das klingt fair, blöd nur, dass uns nichts Zündendes einfiel. Bis auf Brötchen.
nyhet: "Sag an, was."
Nach langem Grübeln kamen wir immerhin auf Saft.
nyhet: "Ach, wenn du etwas mit Milch machst - zwei von uns vertragen keine Laktose."
In meinen Desserts ist oft Milch drin. Zeit für eigene Erfahrungen mit laktosefreien Produkten. (Das klappte ganz gut mit der Erdbeermousse-Tarte, aber etwas gewöhnungsbedürftig finde ich den Geschmack laktosefreier Milch und den klumpig-kompakten Fettdeckel laktosefreier Sahne schon.)

Fünf Mädels. Ein Champagner. Ein Pfingstsonntagsbrunch.

Da Sommer vorhergesagt war, schwebte mir etwas Sommerliches vor. Ein Blick ins Bücherregal, der Ideengeber herausgezerrt und bei einem Kaffee unter der Nachmittagssonne durchgeblättert. Da ich nicht zu der Fraktion gehöre, die sofort nach dem Bücherkauf bunte Merkzettel verteilt, entdecke ich ein kulinarisches Buch mit jedem Lesen neu. Als hätte ich es noch nie gesehen.

Tanja Dusys "Sommerküche" hat viele Fans gefunden. Das war mir bei Streifzügen durch die Blogwelt schnell aufgefallen. Nur logisch, dass dieses Buch den Weg auch in meine Sommerküche finden musste. Im Winter. Aber Bücher werden ja nicht schlecht, und jetzt durfte es sich bewähren. Vegetarisch sollte es sein, und am besten ein Salat. Bei einem Bulgur-Kichererbsen-Salat blieb ich hängen und kratzte mich am Kopf. Im Titel steht etwas von Schafskäse. Der taucht jedoch weder in der Zutatenliste noch im Text noch auf dem Bild auf. Noch einmal und noch einmal gelesen, nix.

Egal, denn der Bulgur-Kichererbsen-Salat mit Sauerkirschen und Pistazien kam ganz hervorragend an. Auch ohne Schafskäse. Kein Fitzelchen blieb übrig.


Die Zutaten für 6 Personen als Hauptspeise (sicher können auch 8 Personen glücklich werden, so ein Berg türmte sich in der Schüssel auf):
250 g Bulgur
1 Dose Kichererbsen (240 g Abtropfgewicht)
1 Salatgurke
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Rucola
1 Bund Petersilie, glatt
1/2 Bund Minze
3 bis 4 Stängel Estragon
60 g Pistazien, ungesalzen
100 g Sauerkirschen, getrocknet
Salz
Pfeffer
Saft einer Orange
Saft einer Zitrone
8 EL Olivenöl (meines war aus, deshalb habe ich Rapsöl genommen)

Einen halben Liter Wasser zum Kochen bringen. Salzen und den Bulgur hineingeben. Herunterschalten und 5 Minuten köcheln lassen. Den Topf vom Herd nehmen. Bulgur etwa 10 Minuten quellen lassen, dann in ein Sieb geben, abtropfen und erkalten lassen.

Kichererbsen in einem Sieb abtropfen lassen und mit kaltem Wasser abspülen. Gurke schälen, der Länge nach halbieren und mit einem Löffel die Kerne herausschaben. Jede Hälfte längs in vier Streifen schneiden und würfeln. Frühlingszwiebeln waschen, putzen und in feine Ringe schneiden. Rucola und die Kräuter waschen. Estragonblätter von den Stängeln zupfen und fein hacken. Grobe Stiele des Rucolas abschneiden, Petersilien- und Minzblätter von den Stielen zupfen, alles zusammen nicht zu grob hacken. Pistazien anrösten, bis sie fein duften. Abkühlen lassen und grob hacken. Sauerkirschen ebenfalls grob hacken.

Alle Zutaten in einer großen Schüssel vermengen. In einem kleinen Schüsselchen Orangen- und Zitronensaft mit dem Öl verrühren und über die Salatzutaten geben, gut umrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Kann sofort gegessen werden, schmeckt aber auch ganz hervorragend, wenn er eine Nacht durchgezogen hat. Dann ist allerdings die Versuchung größer, immer wieder ein Schüsselchen abzuzweigen, spricht aus Erfahrung

28. Mai 2012

Sonntagsglück: Erdbeermousse-Tarte mit ein paar Himbeeren


Fünf Mädels. Eine Tarte. Das ist der Rest. Vom ausgedehnten Brunch. Erdbeermousse-Tarte mit ein paar Himbeeren. So fein, so leicht, so sommerlich. Wie dieser Sonntag, wie unser Lachen, wie wir.


Die Zutaten für eine Tarteform von 26 cm Durchmesser:
Für den Boden:
250 g Mehl (Type 405)
100 g Zucker
1 Prise Salz
80 g Butter
1 Ei (Größe M)

Für die Füllung:
100 g Himbeeren (frisch oder aufgetaut)
100 g Erdbeeren + 300 g für die Dekoration (alle geputzt gewogen)
3 Blätter Gelatine
200 g Quark
3 EL Puderzucker
150 g Schlagsahne

Zuerst wird der Teig für den Boden vorbereitet. Dafür Mehl, Zucker und Salz in einer Schüssel mischen. Die in kleine Stücke geschnittene Butter zugeben. Die Masse flott zwischen den Handflächen zerreiben, damit sie sich zu einem bröseligen Sand verbindet. Das Ei verquirlen und zugeben. Alles zügig zu einem formbaren Teig verarbeiten. Im Kühlschrank etwa 1 Stunde ruhen lassen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen. Teig aus dem Kühlschrank nehmen, ausrollen und die Tarteform auskleiden. Mit einer Gabel den Boden einstechen, Backpapier auslegen und mit Hülsenfrüchten gut ausfüllen. Etwa 20 bis 25 Minuten blindbacken, danach die Füllung entfernen und etwa 10 Minuten backen. Der Boden soll hell bleiben und auf Druck ein wenig nachgeben, jedoch stumpf sein. Aus dem Ofen nehmen und vollständig erkalten lassen.

Inzwischen die Füllung vorbereiten. Himbeeren und 100 g der geputzten Erdbeeren pürieren. Wer die Kerne nicht mag, kann das Püree noch durch ein Sieb passieren. Zur Seite stellen. Quark und Puderzucker verrühren. Gelatine 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen und in einem Topf bei schwacher Hitze auflösen. Vom Herd nehmen. Mit dem Schneebesen 2 bis 3 EL des Fruchtpürees zügig unterrühren, danach den Rest des Pürees und den Quark einarbeiten. In den Kühlschrank stellen. Sobald die Masse zu gelieren beginnt (sie wird dickflüssiger), herausnehmen. Die kalte Schlagsahne steif schlagen und mit einem Teigspatel unter die Frucht-Quark-Masse heben.

Auf dem erkalteten Tarteboden die Erdbeeren verteilen. Vorsichtig die Mousse eingießen. Im Kühlschrank 3 Stunden fest werden lassen. Eine Viertelstunde vor dem Servieren herausnehmen und zusehen, dass man selbst noch ein Stück abbekommt.

Ganz leicht kam er daher, dieser Sommerkuchen. Mit einer Flasche Champagner. Und ebenso leicht ist er entschwunden. Mit euch, J., K., K. und T. Das war ein rundum heiterer, strahlender, fröhlicher Pfingstsonntags-Brunch! Freut sich schon auf das nächste Mal

25. Mai 2012

Charmant herumgekriegt: pikante Meldekraut-Tarte


Meine Marktentdeckung in diesem Frühjahr ist ein relativ kleiner Stand mit einem relativ üppigen Angebot. Auf den ersten Blick erschließt sich die Besonderheit nicht unbedingt, die ich zu erkennen meine. Es sind dort etwas andere Sorten als die, die die übrigen Händler verkaufen. Alles aus der Region, klar, und nicht unbedingt geläufig.

Violette Möhren, die ich schon zu einem köstlichen violetten Karottenkuchen verarbeitet habe. Kürzlich warf ich einen genauen Blick auf das Schild: Beta-Möhren. Die orangenen sind dann wohl die Alpha-Möhren. Würde passen, sie laufen ja auch vorneweg. Himbeerrhabarber, an diesem Stand gekauft, fand seine Erfüllung unter anderem Rhabarber-Waldmeister-Gelee. Die schöne Farbe kommt von innen. Und zuletzt: ein Kraut.

Ich kannte es vorher überhaupt nicht, ließ mich jedoch vom Verkäufer mit den schönen Augen bezirzen und kaufte einen Bund. Zuzubereiten wie Spinat. In vielen Gärten als Unkraut angesehen. Andere werfen es weg. Na, was habe ich mir da wohl eingehandelt. Und bezahle auch noch dafür!

Als ich mit meinen Sachen zu Hause angekommen war, erinnerte ich mich nicht einmal mehr seines Namens. Irgendwas mit M. Mistel? Nee. Mispel? Quatsch. So wandte ich mich hilfesuchend an nyhet. "Irgendwas wie Mäde." Mädesüß? Falsch. "Nein, melden oder so." Kleine Recherche. Wenige Treffer. Trotzdem erfolgreich. Meldekraut. Aha. Die Rezeptlage war sehr dürftig, Zeit, sie etwas aufzupeppen und um ein neues anzureichern. Um eine pikante Meldekraut-Tarte.


Die Zutaten für eine Tarte von 26 cm Durchmesser:
Für den Boden:
200 g Mehl (Type 405)
50 g Sesam
1 Prise Salz
100 g Butter
1 Ei (Größe M)

Für den Belag:
20 Stängel Meldekraut
200 g Sahne
50 g Ziegenfrischkäse
2 Eier (Größe M)
Salz
Pfeffer
ggf. Chili(flocken)
1/2 rote Pepperoni
8 Kirschtomaten

Für den Boden Mehl, Sesam und Salz mischen. In Würfel geschnittene Butter zugeben. Die Masse flott zwischen den Handflächen zerreiben, damit sie sich zu einem bröseligen Sand verbindet. Das Ei verquirlen und zugeben. Alles zügig zu einem formbaren Teig verarbeiten. Im Kühlschrank etwa 1 Stunde ruhen lassen.

Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Teig ausrollen und Form auskleiden. Boden mit der Gabel mehrmals einstechen. Mit Backpapier auskleiden, Hülsenfrüchte einfüllen und etwa 15 bis 20 Minuten blindbacken.

Inzwischen Meldekraut waschen, dann die Blätter und Blütenstände von den Stängeln zupfen und grob hacken. Sahne, Ziegenfrischkäse, Eier und Chili(flocken) vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eine halbe Pepperoni waschen, Kerne entfernen und in feine Ringe schneiden. Zur Sahnemasse geben. Kirschtomaten waschen und halbieren.

Boden aus dem Ofen nehmen, Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen. Meldekraut auf dem Boden verteilen, vorsichtig die Sahnemischung eingießen. Mit den Tomaten garnieren und etwa 30 Minuten backen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen und sofort servieren.


Auch wenn sie wie eine Spinat-Tarte aussieht - es ist Meldekraut. Das, wie wir fanden, sich anders als Spinat anfühlt. Die Blätter sind dicker und fester. Auch der Geschmack ist herber, nussiger als der von Spinat. Und schaffte es, einem nicht spinat-affinen Mitesser ein lautes "Lecker" zu entlocken. Na bitte! Experiment gelungen, resümiert

23. Mai 2012

Leider lecker: Erdbeertörtchen mit weißer Schokolade und Pistazien


Leider, wieso leider? Weil sie schon restlos aufgefuttert sind und ich beim besten Willen nichts rüberschieben kann. Sie waren leider sowas von lecker, diese Erdbeertörtchen mit weißer Schokolade und Pistazien.

Dabei war dies nicht unbedingt zu erwarten, hatte ich doch eine etwas andere Konstruktion geplant. Die ersten Erdbeeren sollten es gut haben. Die ersten, die ich in diesem Jahr erstanden habe. Krampfhaft zurückhalten musste ich mich nicht, Erfahrung macht in dieser Hinsicht klug. Was soll ich mit ollen Beeren, die gut aussehen, aber es an den inneren Werten mangeln lassen.

So flanierte ich wochenlang an den prallsten, rötesten, größten, idealsten, herzförmigsten, verführerischsten, entferntesten Erdbeeren vorüber. All das geflissentlich ignorierend. Bis die ersten warmen Sommertage auch uns hier erreicht hatten. Bis über den Erdbeeren aus dem Umland das Gewächshaus abgebaut wurde. Bis sie das gewisse Etwas hatten. Gerade richtig. Äußere Erscheinung und innere Werte, eins geworden.

Die ersten Beeren wurden sofort in frischem Joghurt versenkt. Mmhmm! Augenblicklich musste der Rhabarber beginnen, um seine Vormachtstellung zu fürchten. Aber bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft, warum nicht auch unter den Küchenakteuren? Geplant hatte ich ursprünglich, die Erdbeeren auf einer Pistazien-Crème zu betten. Grün wie das Erdbeerfeld. Mit roten Tupfen. So der Plan. Endstation Abfluss. Es ist ein Kreuz in letzter Zeit.

Guter Rat war teuer, die Vorräte im Kühlschrank begrenzt. Da fiel mir die bewährte Mousse au chocolat blanc ein, die nyhet in ihrem wunderbaren Himbeer-Schoko-Dessert mit weißer Schokoladenmousse kreiert hatte. Gerettet! Und wie!


Die Zutaten für 4 Tartelettes:
Für den Boden:
250 g Mehl (Type 405)
100 g Puderzucker
80 g Butter
1 Ei (Größe M)

Für die Füllung:
130 g weiße Schokolade
200 ml Schlagsahne
2 EL Pistazien, geschält und ungesalzen
300 g frische Erdbeeren

Mehl und Puderzucker für den Boden mischen. Die in kleine Stücke geschnittene Butter zugeben. Die Masse flott zwischen den Handflächen zerreiben, damit sie sich zu einem bröseligen Sand verbindet. Das Ei verquirlen und zugeben. Alles zügig zu einem formbaren Teig verarbeiten. Im Kühlschrank etwa 1 Stunde ruhen lassen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen. Teig aus dem Kühlschrank nehmen, vierteln, ausrollen und die Förmchen auskleiden. Mit einer Gabel die Böden einstechen, Backpapier auslegen und mit Hülsenfrüchten gut ausfüllen. Etwa 20 Minuten blindbacken, danach die Füllung entfernen und weitere 5 bis maximal 10 Minuten backen. Der Boden soll ein wenig nachgeben (und nicht so wie bei mir die Konsistenz eines Kekses bekommen). Aus dem Ofen nehmen und vollständig erkalten lassen.

Inzwischen die Füllung vorbereiten. Pistazien grob hacken. Schokolade über einem heißen Wasserbad schmelzen, danach etwas abkühlen lassen. In der Zeit die kalte Schlagsahne steif schlagen, danach peu à peu mit einem Teigspatel zügig unter die Schokolade heben. Die Masse soll cremig, aber nicht flüssig sein. Die Pistazien unter die Schokoladenmousse heben, die danach auf die Förmchen verteilt wird. Kalt stellen. Erdbeeren waschen und entweder in Scheiben schneiden oder halbieren oder vierteln oder ... wie ihr es am liebsten mögt. Auf die Förmchen verteilen, mit Pistaziensplittern bestreuen und etwa 2 Stunden kalt stellen.


Dann bei Sonnenschein auf dem Balkon oder der Terrasse einen gemütlichen Sitzplatz suchen, Kissen aufschütteln und zurechtrücken, Tartelette hinausbalancieren, nicht fallen lassen, hinsetzen, Gabel zücken - und ... und ... und ... Was für eine Wonne! Das is(s)t der Sommer, versichert euch

20. Mai 2012

Mein erster ... Rhabarberkuchen


Komischer Titel, nicht wahr? Bei dem Rhabarber-Andrang, der hier seit Wochen herrscht, soll ich noch nie einen Rhabarberkuchen gebacken haben? Suchfunktion her. Rhabarber und Kuchen eingetippt. Nee, da gab es doch schon welche!

Aber den hier noch nicht. Das ist der allererste Rhabarberkuchen überhaupt, den ich je gebacken hatte. Vor noch gar nicht so langer Zeit, als in mir die Backlust wiedererwachte, erinnerte ich mich mitten in der Rhabarbersaison an eine Kochsendung. Eigentlich sind die nicht so mein Ding. Diese aufgedrehte Hektik in der Küche, gepaart mit allerlei Trallala, das macht mich kirre. Zudem fühle ich mich mit meinem süßen Zahn nicht unbedingt als Teil der erwartungsfrohen Zielgruppe. Zumindest was das Zubereiten betrifft. (Beim guten Essen muss man mich nicht lange bitten, es sei denn, ein fabulöser Kuchen okkupiert gerade meinen Magen.)

Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer faszinierten mich dennoch, und ich blieb kleben. Es ging auf Ostern zu, und die beiden hauchten einer Kuchenidee nach der anderen Leben ein. Ich war erschüttert. Das kann ja richtig Spaß machen! In dem Moment sprang das Virus über, Mattscheiben und andere Hindernisse ignorierend. Ich wurde infiziert.

Und Schuld daran hat eben dieser Rhabarberkuchen. Natürlich hatte ich nichts notiert, und auch die Inkubationszeit des Backvirus hielt ein Weilchen an. Es brach aus. Wie lautete noch mal das Rezept dieses Kuchentraums? Fündig wurde ich, irgendwann. Immer wieder vergessen, dann erinnert. Das ist ein Auf und Ab. Bis ich mich ernsthaft auf die Suche begab und irgendwo das Rezept auftrieb. Wo auch immer. Etwas abgewandelt, steht es nun hier. In einen, in unseren Blog gemeißelt.


Die Zutaten für eine Springform mit 20 cm Durchmesser:
500 g Rhabarber, geschält und entfädelt gewogen
2 EL Zucker
100 g Butter, cremig weich
100 g brauner Zucker
2 Eier
2 EL Orangenlikör
abgeriebene Schale einer Zitrone
Prise Salz
100 g Mehl
1 TL Backpulver
30 g Stärke
Puderzucker

Den Rhabarber schälen und entfädeln. In 4 cm lange Stücke schneiden. Mit Zucker bestreut eine Stunde in einer Schüssel abgedeckt entwässern.

Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Währenddessen Butter und braunen Zucker mit dem Handmixer schlagen, die Eier zugeben und alles mixen, bis die Masse schön cremig ist. Orangenlikör, Zitronenschale und Salz zugeben. Mehl, Backpulver und Stärke gemeinsam in ein Sieb geben und in die Eiermasse sieben. Mit dem Handmixer rühren, bis die Masse homogen ist. In die gefettete Springform geben und glatt streichen.

Rhabarberstücke senkrecht und eng in den Teig stecken. Im Ofen etwa 50 Minuten backen. Stäbchenprobe machen. Bleibt kein Teig daran haften, ist der Kuchen fertig. Herausnehmen, abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.

Immer wieder ein Genuss! Feiner Zitronenhauch, dazu der Rhabarber. Das muss ich in jeder Rhabarbersaison haben, grüßt zum Wochenendausklang

18. Mai 2012

Rangeklotzt: Rhabarber-Pistazien-Tartelettes


Was den anderen der Bärlauch, ist mir der Rhabarber. Ich kann mich nicht zurückhalten, wenn ich vor den roten Stangen stehe. Mein Kopf wird geflutet von Törtchen-Ideen, Marmeladen-Gelüsten und Kuchen-Sehnsüchten. Zu gern würde ich auch mal etwas Herzhaftes mit Rhabarber versuchen. Aber dieses Gen gilt es wohl erst noch wachzukitzeln in mir.

Bis es soweit ist, müssen also die anderen Sachen rausgelassen werden. Also schleppe ich wieder und wieder sperrigen Rhabarber nach Hause. Die Kühlschranktür will kaum schließen, irgendetwas ist dem Rhabarber immer im Weg. Ich stopfe und stopfe und lehne mich dagegen. Das ist wie beim Kofferpacken. Verflixt, das - blö - de - Ding - muss - doch - zu - ge - hen! Warum hat der denn keine Schnallen? Draufsetzen? In diesem Fall leider keine wirkliche Hilfe. Also stemme ich die Fersen in den Fliesenboden, und plötzlich macht es Klick. Geschafft, die Tür ist zu.

Und nun? Ich wollte doch Törtchen backen. Also ... Tür wieder auf.

Kneten. Rühren. Schnibbeln. Ab in den Ofen. Spannung pur. Wird es dieses Mal gelingen, was als Idee in meinem Kopf herumspukte? Der letzte Versuch rief bei meiner eifrigsten und kritischsten Testesserin keine Begeisterung hervor. Geradezu vernichtend war ihr Urteil. Ob es mir dieses Mal besser ergehen würde? Am Ende standen Rhabarber-Pistazien-Tartelettes auf dem Tisch. Und fanden ratzfatz ihre Abnehmerin.


Die Zutaten für 4 Tartelettes:
Für den Boden:
200 g + 3 EL Mehl (Type 405)
100 g Puderzucker
100 g Butter
1 Ei (Größe M)

Für die Füllung:
1 Ei (Größe M)
50 g Butter, sehr weich
85 g Schlagsahne
50 g Zucker
100 g Pistazien, gemahlen
3 bis 4 Stangen Rhabarber

Mehl und Puderzucker für den Boden mischen. Die in kleine Stücke geschnittene Butter zugeben. Die Masse flott zwischen den Handflächen zerreiben, damit sie sich zu einem bröseligen Sand verbindet. Das Ei verquirlen und zugeben. Alles zügig zu einem formbaren Teig verarbeiten. Im Kühlschrank etwa 1 Stunde ruhen lassen.

Inzwischen kann die Füllung zubereitet werden. Ei mit der sehr weichen Butter, Schlagsahne und Zucker mit dem Handmixer vermengen, bis die Masse schön cremig ist. Gemahlene Pistazien untermischen. Rhabarber schälen, entfädeln und entweder in lange Streifen oder kleine, 1 bis 2 cm lange Stücke schräg schneiden.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen.
Teig aus dem Kühlschrank nehmen, vierteln, ausrollen und die Förmchen auskleiden. Rhabarberstücke auf den Böden verteilen. Die Pistazienmasse vorsichtig auf den Tartelettes verteilen und glatt streichen. Etwa 25 bis 30 Minuten auf mittlerer Schiene backen, bis die Masse oben gebräunt ist. Herausnehmen und abkühlen lassen. Mit Puderzucker bestäuben und anschneiden.

Überraschung! Pistazie und Rhabarber, eine ganz aparte Kombination, befand nicht nur ich. Denn die Tartelettes sind natürlich schon komplett aufgefuttert,
grinst und grüßt


PS: Vier Tartelettes sind gerade richtig, um eine kleine Kuchen-Fangemeinde zu verköstigen. Deshalb werden für die Hedonistin diese "Kleinen Kuchen" sofort nachgebacken.

13. Mai 2012

Heureka! Rhabarber-Waldmeister-Gelee


Heute gibt es einmal wieder wenig Text und dafür mehr Bilder. Aber bald, ganz bald wird es um meine Zeit wieder besser bestellt sein. Und ich selbst freue mich am meisten darauf!

Für meinen und nyhets süßen Zahn bleibt dennoch immer etwas Platz im Schreibplan. Deshalb habe ich mich noch einmal an ein Gelee gewagt, das ganz ohne Gelierzucker und andere künstliche Hilfen auskommt, sondern einzig und allein aus natürlichen Zutaten besteht - und trotzdem vom flüssigen Aggregatzustand in den festen wechselt. Ihr erinnert euch? Mein erster Versuch eines Rhabarber-Waldmeister-Gelees wollte nicht gelingen und erfreut sich nun seines Daseins als Sirup.

Aber so ein "Misserfolg" weckt gerade meine Experimentierlaune und meinen Forscherdrang. In meinen schlauen Büchern blätternd, lernte ich bei der Marmeladen-Königin schlechthin, Christine Ferber, wie es gelingen kann. Heureka! Gelungen!

Der Trick: Äpfel. Der Obertrick: Granny Smith.

Sonst niemals in meinem Einkaufskorb gewesen, ab sofort immer öfter. Denn für die Marmeladen- und Gelee-Produktion hat diese Sorte den unschätzbaren Vorteil, relativ arm an eigenem Aroma und dafür umso reicher an Pektin zu sein. Und genau das ist für ein gutes Gelee vonnöten. Wie es klappt, lest ihr unten.


Die Zutaten für etwa 6 bis 7 kleine Gläser:
500 bis 600 g Rhabarber, geschält gewogen (meine Sorte: Himbeer-Rhabarber)
500 g Äpfel "Granny Smith", entkernt gewogen (die Schale bitte nicht entfernen)
800 g feinster Zucker
2 kleine Zitronen
10 große Stängel frischer Waldmeister

Die Zubereitung erfolgt an 2 Tagen. Das kennt ihr ja schon von mir.

Tag 1: Rhabarber schälen, entfädeln und in 3 cm große Stücke schneiden, ggf. der Länge nach noch einmal halbieren. Äpfel waschen und entkernen. Nicht schälen! Achteln und zusammen mit dem Rhabarber in einen großen Topf geben. Den Saft der ersten Zitrone hinzufügen. Wasser aufgießen, bis die Früchte gerade so bedeckt sind. Zum Kochen bringen und bei niedriger Hitze etwa 30 Minuten köcheln lassen. Der Rhabarber zerfällt, die Apfelstücke werden sehr weich und zerfallen ggf. ebenfalls.

Vom Herd nehmen. Über eine große Schüssel ein Sieb legen. Darüber ein Mulltuch ausbreiten. Mit einer Schöpfkelle langsam die Rhabarber-Apfel-Masse in das Tuch geben, immer wieder umrühren und so nach und nach die Flüssigkeit filtern. Eine Weile stehen lassen. Ist die gesamte Flüssigkeit in die Schüssel gelangt, die klebrigen Obstreste entsorgen und den Saft ein zweites Mal filtern (das geht bedeutend schneller). Über Nacht zugedeckt an einem kühlen Ort stehen lassen.

Den Waldmeister pflücken und ebenfalls über Nacht liegen lassen. So konzentriert sich sein Aroma.

Tag 2: Einen Unterteller in den Kühlschrank für die Gelierprobe stellen. Gläser ausspülen und im Backofen bei 100 Grad einige Minuten sterilisieren. Ich nehme sie immer erst heraus, sobald Marmelade oder Gelee fertig sind.

Den Saft wiegen, er sollte ungefähr 1 kg ergeben. In einen großen Topf etwa 250 g des Saftes geben, Zucker, Saft der zweiten Zitrone und die Waldmeister-Stängel zufügen. Zum Kochen bringen und eifrig umrühren. Sprudelnd kochen lassen und den Schaum abschöpfen, vor allem am Rand des Topfes. Nach 10 Minuten ist der Saft deutlich konzentriert, er soll jedoch keine sirupartige Konsistenz haben.

Den restlichen Saft zugießen, wieder zum Kochen bringen und mindestens 10 Minuten kochen. Schaum abschöpfen. Immer wieder kosten, bis das Gelee in spe die richtige Balance aus Rhabarber und Waldmeister hat und die Kräuterstängel entfernen. Nach 10 Minuten die erste Gelierprobe machen, indem auf den kalten Unterteller ein, zwei Tropfen des Gelees gegeben werden. Ankippen. Wenn nichts verläuft, sondern der Tropfen leicht fest geworden ist, dann ist das Gelee fertig. Andernfalls weiterkochen und ggf. noch etwas Zitronensaft hinzufügen.

Mit einem Marmeladentrichter zügig die Gläser füllen. Gut verschließen und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Fertig!


Für süße Frühstücker wie mich ein Hochgenuss! Es hat genau die richtige Konsistenz und lässt sich gut verstreichen. Der Himbeerrhabarber verleiht ihm einen zarten Rot-Ton. Und das Aroma finde ich überwältigend! Ganz fein und elegant, wie ein Hauch, der über das Brötchen streicht und mich in einen sonnigen Tag hineinträgt.

Federleicht grüßt euch

10. Mai 2012

Es ist nicht so, wie es aussieht: violetter Karottenkuchen


Mmh, lecker, Schokoladenkuchen! Endlich macht sie mal wieder etwas mit Schokolade. Denkt ihr euch das gerade? Und fahrt euch mit der Zunge unbewusst über die Lippen? Ich fürchte, ihr habt zu früh frohlockt.

Es ist nicht so, wie es aussieht. Oft gehört in komplizierten Liebesfilmen, wo der eine den anderen ... na, ihr wisst schon. Die Augen vor Schrecken geweitet, erste Mitleidsgefühle steigen hoch. Und dann? Manchmal liege ich halb auf dem Sofa und halte mir den Bauch vor Lachen. Ja nee, ist schon klar. Wonach sieht es denn bitteschön aus?

Schokoladenkuchen. Sagt ihr. Violetter Karottenkuchen. Weiß ich. Auch wenn der zarte Blau-Violett-Stich auf den Bildern nicht zur Geltung kommen will, ihr müsst es mir einfach so glauben. Genau dieses Vertrauen hatte ich in den Händler mit den hübschen strahlenden Augen, der auf dem Markt allerhand ungewöhnliches Gemüse strahlend an die Frau brachte. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Violette Möhren, von ihnen hatte ich hie und da einmal gelesen. In Echt waren sie mir noch nicht untergekommen. Sie schmecken wie Möhren, versicherte mir der Händler. Als ich sie anbiss, zweifelte ich ein wenig. Ja schon, der Geschmack erinnert daran. Aber irgendwie auch nicht. Dann fiel mir ein, dass uns unser Farbgedächtnis gemeinsam mit unserer Geschmackserinnerung einen kleinen Strich durch die Rechnung macht, wenn das eine nicht zum anderen passt. Also dunkel eingefärbter Weißwein uns sehend nicht an Weißwein erinnert. Würden wir ihn hingegen blind probieren, schmeckten wir wieder Weißwein. Leider waren die Möhren aufgebraucht, bevor ich den Selbstversuch wagen konnte, wie schade!

Verarbeitet habe ich die violetten Karotten in einem Kuchen, für den ich das Rezept bei fleur du poirier gefunden hatte. Der violette Karottenkuchen schmeckt sehr weich und karamellig. Er ist saftig und hat diesen hübschen bläulich-violetten Farbstich. Allerdings ist die Teigmenge sehr üppig bemessen, wenn man sich einen durchschnittlich großen Gugelhupf in den Kopf gesetzt hat. Ich habe einen normalen Gugelhupf und vier Mini-Hupfe backen "müssen".


Die Zutaten für eine große Gugelhupfform:
250 g Mehl (Type 405)
1 TL Zimt
1/4 TL Nelken, gemahlen (werde ich beim nächsten Mal weglassen)
1 gehäufter TL Weinsteinbackpulver
1/2 TL Natron
100 g Pekannüsse, gehackt
4 Eier (Größe M)
200 g Rohrzucker (Original 225 g)
300 ml neutrales Pflanzenöl (ich habe Sonnenblumenöl genommen)
5 mittelgroße (violette) Karotten, fein gerieben
Puderzucker für die Dekoration (anstelle des Frostings im Originalrezept)

Mehl, Zimt, Nelken, Backpulver, Natron und die Nüsse in einer Schüssel mischen und beiseite stellen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Eier, Zucker und Pflanzenöl mit dem Handrührer mixen, bis die Masse beige und schön fluffig wird. Danach die fein geriebenen Karotten unterheben. Zum Schluss die Mehlmischung unterheben, bis alles feucht ist. In die eingefettete Gugelhupfform füllen und etwa 40 bis 45 Minuten backen. Stäbchenprobe. Herausnehmen und in der Form 5 bis 10 Minuten abkühlen lassen, dann stürzen.

Ob ihr solange wartet, bis der Kuchen vollständig erkaltet ist oder nicht, liegt ganz in eurem Verlangen. Ich hatte einen der Minis sofort verdrückt und musste mich doch schwer beherrschen, nicht direkt zum nächsten überzugehen. Sagt doch alles, oder?

6. Mai 2012

Eigentlich Gelee: Rhabarber-Waldmeister-Sirup


Eigentlich ... will ich eigentlich gar nicht sagen. Aber manchmal, eigentlich ganz plötzlich, rutscht es mir doch heraus. Blöd, eigentlich.

Es ist eigentlich schon einige Zeit her. In einem Rhetorikseminar hielt eigentlich jeder von uns einen kleinen freien Vortrag, der aufgezeichnet wurde. In ihrer Auswertung sprach die Trainerin eigentlich bei dem einen dies und bei dem anderen jenes an. Eine Besonderheit hob sie sich für ihr Gesamtresümee auf: das kleine große Eigentlich. Auch eigentlich unter den Pseudonymen halt, also, einfach, vielleicht bekannt. Mit dem so eigentlich geschärften Ohr schauten wir uns unsere Aufnahmen noch einmal an. Und Tatsache, eigentlich jeder hatte so etwas in petto.

Ab dem Zeitpunkt waren meine Sinne eigentlich geschärft. Sehen oder vielmehr hören lassen kann sich eigentlich das Ergebnis: eine eigentlich bewusstere Kommunikation, die gerade im beruflichen Kontext eigentlich nicht schaden kann. Und der Nachdruck, mit dem Wünsche, Bedürfnisse oder Argumente eigentlich ausgedrückt werden, ist doch eigentlich der größte Gewinn. Eigentlich.

Ich kenne kaum ein Wort, das so universell einsetzbar ist. Und ich kenne kaum ein Wort, das so vieles stark Ausgedrückte so gnadenlos abschwächt. Aber nicht muss, schließlich hat es auch eine Daseinsberechtigung. So auch hier und jetzt. Denn eigentlich sollte es ein Gelee werden. Nur leider weigerte es sich, seinen flüssigen Aggregatzustand zugunsten eines festen aufzugeben. Ich werde wohl einen weiteren Anlauf nehmen müssen, bis ich ohne Gelierzucker und andere Künstlichkeiten ein klares Rhabarbergelee auf die Beine gestellt haben werde. Nicht immer lässt sich jedoch aus etwas eigentlich Misslungenem noch etwas so Köstliches zaubern wie dieser Rhabarber-Waldmeister-Sirup. Völlig ohne Zauberstab, einfach nur über den Weg der Akzeptanz. Uneigentlich.


Die Zutaten für etwa 0,5 bis 0,75 Liter:
1 kg Rhabarber, geschält gewogen
750 g feinster Zucker
2 große Zitronen
10 Stängel frischer Waldmeister

Am Vortag den Rhabarber entfädeln und schälen, danach in 2 cm große Stücke schneiden. In einer Schüssel mit dem Zucker und dem Saft einer Zitrone mischen. Über Nacht an einem kühlen Plätzchen abgedeckt stehen lassen, damit der Rhabarber schön entwässert.

Den Waldmeister pflücken, denn leicht verwelkt ist er besonders aromatisch. Im Kühlschrank aufbewahren.

Am nächsten Tag den Rhabarber mit Saft und Zucker, der sich am Boden festgesetzt haben könnte, in einen großen Topf füllen. Aufkochen, bis die Fruchtstücke zerfallen. In eine große Schüssel den Waldmeister geben. Ein Sieb auf diese Schüssel legen und darin ein Mulltuch ausbreiten, dessen Ecken und Ränder an der Seite der Schüssel herunterhängen können. Den Rhabarber in das Tuch im Sieb geben und nur wenig mit einem Holzlöffel umrühren. Abtropfen lassen. Ab und an den Rhabarber vorsichtig wenden. Je weniger gerührt und gepresst wird, desto klarer bleibt der Saft. Stehen lassen, bis im Tuch nur noch klebrige Rhabarberreste sind und sich die Schüssel gut gefüllt hat. Hin und wieder kosten, damit das Waldmeister-Aroma nicht überhand nimmt. Dann die Stängel herausfischen.

Den Saft in einem Topf mit dem Saft der zweiten Zitrone erhitzen und köcheln lassen, bis er eindickt. In Flaschen oder Gläser füllen, abkühlen lassen.


Und dann könnt ihr doch eigentlich direkt das erste spritzige Sommergetränk mixen. Wie wäre es alternativ mit einem Milchshake? Oder ein Eis verwandeln?

Auch wenn es ganz anders geplant war, ist ein wundervoll aromatischer Sirup herausgekommen, der sofort in kleinen Rhabarber-Quark-Törtchen eingesetzt wurde. Und der Ideen gibt es noch so einige, frohlockt und grüßt

3. Mai 2012

Nicht nur für's Auge: Rhabarber-Quark-Törtchen mit Waldmeister


Dass ich Dinge kaufe, die ich nicht brauchen kann, passiert mir sehr selten. Bis nie. Und wenn, dann allenfalls auf dem samstäglichen Markt.

Es wäre ja nicht so, dass ich völlig überraschend aus heiterem Himmel dort aufkreuzen würde. In der Regel bin ich mit Freunden verabredet oder schlendere mit nyhet erst eine Marktsichtungsrunde und danach eine Einkaufskorbfüllrunde. Bloß, in den seltensten Fällen bewaffne ich mich vorher mit einer Liste der Notwendigkeiten. Einen Koch- oder Backplan zu entwerfen, das habe ich noch nicht ein Mal hinbekommen.

Was ich machen möchte, dafür schleppe ich immer Ideen mit mir herum. Nur dafür ist ein Wochenmarkt tödlich - ich sehe diese Farben und rieche diese Frische, schon ist es um mich geschehen. Am liebsten möchte ich alles auf einmal machen. Und das sofort. nyhet hatte es mir kürzlich vorgemacht, wie es besser geht. Lauter kleine Zutatenlisten für lauter leckere Sachen, akurat ins Handy getippt.

Gibt es für so etwas eine App? Mit kleinen Zutaten-Formularen? Die das Rezept entsprechend umwandeln? Neben dem geliebten Kalender hätte so etwas die große Chance, ein Renner in meinem Ideen-Tohuwabohu zu werden.

Aber dann wäre womöglich nicht das passiert, was mich erst zu diesen kleinen Küchlein gebracht hat. Waldmeister. Mein Auge kauft immer mit, und bei dieser Blattform konnte ich nicht Nein sagen. Ohne zu wissen, wofür ich dieses Kräutlein gebrauchen könnte, nahm ich es mit zu mir nach Hause. Der Grundstein dieser Rhabarber-Quark-Törtchen mit Waldmeister war gelegt.


Die Zutaten für 4 Törtchen:
Für den Boden:
100 g Biscuits roses de Reims (in Berlin bekommt man dieses feine rosafarbene Gebäck in den Galeries Lafayette)
50 g Butter

Für die Rhabarber-Schicht:
4 bis 5 kleine oder mittlere Stangen Rhabarber
2 EL Rhabarber-Waldmeister-Sirup (selbstgemacht - wie, erfahrt ihr im nächsten Beitrag)

Für die Quarkschicht:
100 ml Schlagsahne
3 EL Rhabarber-Waldmeister-Sirup
2 Blätter Gelatine
200 g Quark

Biscuits fein zerkleinern. Butter schmelzen und mit den Bröseln vermengen. Backofen auf 150 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Biscuit-Mischung in die Servierringe füllen und gut festdrücken. Etwa 15 Minuten auf mittlerer Schiene backen, danach in den Ringen abkühlen lassen.

Rhabarber entfädeln, schälen und in 3 cm lange Stücke schneiden. In einem Topf mit dem Sirup zum Kochen bringen, dabei immer gut umrühren. Beginnt der Rhabarber zu zerfallen, von der Herdplatte ziehen und abkühlen lassen. Gleichmäßig in die Servierringe verteilen.

Gelatine in kaltem Wasser 10 Minuten einweichen. Sahne mit dem Sirup in einem Topf erhitzen, aber nicht kochen. Gelatine ausdrücken und unter Rühren in der Sahne auflösen. In eine Schüssel füllen und etwas abkühlen lassen. Nach und nach den Quark unterrühren, bis keine Klümpchen mehr sichtbar sind. Im Kühlschrank etwa 30 Minuten kühlen, die Masse wird cremig, ab und zu nachsehen. Auf die Servierringe verteilen. Törtchen ggf. dekorieren (ich habe Waldmeister-Blättchen genommen) und im Kühlschrank 3 Stunden ruhen lassen, bis die Quarkmasse fest geworden ist.

Nicht nur optisch ein Genuss, wie ich finde. Aus der Crème schmeckt der Quark deutlich heraus, drückt den Genießer jedoch nicht tiefer in seinen Sitz. Und die Rhabarber-Waldmeister-Kombination ist meine erste kleine feine Neuentdeckung in diesem Frühling,
grüßt euch

1. Mai 2012

1. Mai, wir haben frei!


Oft gesehen, jetzt endlich auch bei uns! Süße Hände.

Allerdings sind die Köstlichkeiten nicht selbst gemacht. Denn Küche und Backofen, sie bleiben heute kalt. Wärme klopft ans Fenster. Die Sonne winkt uns zu und macht uns blinzeln. Hie und da ein Schäfchenwölkchen. Es grünt so grün. Klar, wir wollten raus! Ihr auch?

Ein kleines Rätsel zum Feiertag für euch:
Ordnet die beiden Becher den Autorinnen des CharlottenBlogs zu. Links Mango-Eis. Rechts Pistazien-Eis. In beiden Bechern unten drunter Limette-Basilikum, da waren wir uns einig. Na, isst Schokozwerg gelb und nyhet Pistazie? Oder umgekehrt?

Die erste richtige Antwort bekommt ... tatatataaa ... Nein, wir machen kein Gewinnspiel. Sondern freuen uns auf eure pfiffigen, witzigen, kreativen, ehrlichen Lösungsvorschläge. Her damit!


Wer heute in Wedding oder Kreuzberg, in Hohenschönhausen oder Mitte unterwegs ist, kann einiges erleben. In Charlottenburg und dem benachbarten Wilmersdorf erfreute man sich einfach eines sommerlichen Feiertages. So auch wir. Wir spazierten über den Flohmarkt am Fehrbelliner Platz, ohne Beute zu machen, und probierten dann im Preußenpark asiatische Köstlichkeiten der vielen dort picknickenden thailändischen Familien. Eine immer wieder faszinierende Tradition und eine echte Empfehlung von uns an Berlin-Besucher.

Wohl gesättigt schlenderten wir durch Straßen, die von Häusern im Baustil der neuen Sachlichkeit gesäumt werden, in Richtung Ludwigkirchplatz. Ein für Berlin ganz typischer Kiez. In der Mitte diese Kirche. Rundherum prachtvolle Altbauten, ab und an eine gefüllte Kriegslücke. Schöner geht immer, schlimmer aber auch. Und hier gefällt der Anblick.

An der Ecke unser vorläufiges Spaziergang-Etappenziel: der Eisladen "Sweet.2go" (Pfalzburger Straße 79, Wilmersdorf). Innen hell, weiße Wände, pinke und hellgrüne Dekoration dominiert. Wir steuern direkt auf die Eistheke zu, obgleich nebenan verschiedene hausgemachte Tartes und Kuchen locken. Für sie haben wir heute keinen Blick übrig. Uns leuchten in fröhlichen Farben hausgemachte kühle Verführungen wie Cassis oder Himbeere, Haselnuss oder Walnuss-Feige, Erdbeer-Minze oder Birne Helene an. Wir entscheiden uns für knalliges Gelb, pastelliges Grün-Beige und dezentes Grün.

Keine freien Sitzplätze draußen in der Sonne, also trugen uns unsere Füße weiter. Und während wir schleckten und lachten und quatschten, ging es dahin. Unser Eis. Aus den Bechern direkt in unsere sommerlich-frohlockenden Bäuche. Ob es uns geschmeckt hat? Seht selbst.


Also: hingehen! Und Süßes wegtragen.

Wir lassen den Tag ausklingen bei Gewitter vor unseren Fenstern und sonnigen Erinnerungen in uns. Viele Grüße von uns Schleckermäulchen
und