Vor ein paar Wochen hatte ich mich zum ersten Mal getraut. Nein, nicht mit Ring, Reis, blauem Strumpfband und so.
Baklawa, die kleine süße Verführung aus dem Orient. Ich dachte immer, das ist so schwer selbst zu machen, dass ich es mir lieber bei den fachkundigen Süßschnäbeln kaufe. Aber irgendwann siegt bei mir die Neugier oder das Verlangen oder der Übermut, und ich schreite zur Tat.
Das Ergebnis war berückend! Einfach in der Herstellung, bezaubernd im Genuss. Seitdem lagern in meinem Tiefkühlschrank zwei Packungen Filoteig, man weiß ja nie, wann einen das Fieber packt. Ich fühlte mich herausgefordert: da geht noch mehr. Schließlich konnte Baklawa nicht die einzige orientalische Köstlichkeit sein, die meinen Gaumen, mein süßes Herz würde erobern können. Ich begab mich auf die Suche nach Anregungen und wurde wie so oft, fast möchte ich sagen, wie immer, auf dem französischen Büchermarkt fündig.
Zwei kleine Büchlein reihen sich nun in die stattliche Schar meiner Regalbewohner ein. Es scheint, als würden sie sich - ihrer kleinen Körpergröße zum Trotz - besonders ans Licht drängen. Der berüchtigte Napoleon-Effekt? Nun, als kleines Buch hat man es schon schwer, das kann ich gut verstehen. Da geht es den Büchern wie den Menschen. Also hatte ich schnell ein "Einsehen" (in Wahrheit war es wohl eher meine kulinarische Neugier, aber psst!) und ließ mich inspirieren. Natürlich fand ich jede Menge Nachbackenswertes, so dass ich mich kaum entscheiden konnte. Deshalb am besten immer schön der Reihe nach, los geht es heute mit feinen
Pistazien-Mandel-Tartelettes. Gefunden in
"Pâtisseries orientales" von Larousse, einem wahren Traum von Buch, und etwas an meine Zunge angepasst.
Die Zutaten für 4 Tartelette-Formen:
Für den
Boden (pâte brisée; im Buch wird von einem vorgefertigten Teig gesprochen, deshalb hier mein Rezept):
100 g Butter, zimmerwarm
150 g Mehl (Type 405)
1 Prise Salz
2 TL Puderzucker
etwas frisches kaltes Wasser
Für die
Füllung:
60 g Butter, sehr weich
1 Ei (Größe M)
30 g Puderzucker
20 g Zucker
1 bis 2 EL Orangenblütenwasser (Eau de fleur d'oranger)
100 g Mandeln, gemahlen (für eine helle Füllung zuerst den Mandeln die Haut abziehen und dann mahlen)
75 bis 100 g Pistazien, geschält und ungesalzen
Für die
Fertigstellung (kann man auch entbehren, wem es ohnehin schon orientalisch genug ist):
20 g Butter
2 bis 3 EL flüssigen Honig (ich habe Sommerblütenhonig genommen)
1 bis 2 EL Cointreau (alternativ Orangenblütenwasser)
Zuerst wird der Tarteboden vorbereitet. Dazu die Butter in kleine Stücke schneiden. In einer Schüssel Mehl, Salz und Puderzucker mischen. Butterwürfel zufügen und mit den Fingerspitzen zu einer sandigen Masse bröseln, bis keine Stückchen mehr sichtbar sind. Nun flott zu einem Teig verkneten, etwas Wasser zugeben, am besten Löffel für Löffel. Wenn der Teig zu flüssig wird, mit etwas Mehl abhelfen. Eifrig kneten. Teig zu einer Kugel formen und in Folie gehüllt mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
In der Ruhezeit die Füllung anrühren. Butter, Ei, Puderzucker, Zucker und Orangenblütenwasser in eine Schüssel geben und mit dem Handmixer zu einer glatten Masse rühren. Dann nach und nach die gemahlenen Mandeln einarbeiten, bis die Masse schön cremig und glatt ist.
Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
Teig aus dem Kühlschrank nehmen, kurz kneten. Ausrollen und die Tartelette-Formen auskleiden. Den Rand etwa 3 bis 4 cm hochziehen. Die Mandelcrème auf den Böden verteilen, mit Pistazien bedecken und ab in den Ofen für 30 bis 40 Minuten.
Etwa 10 Minuten vor Ende der Backzeit die "Glasur" kochen. Dazu Butter mit Honig und Cointreau in einem Topf schmelzen, kurz leicht köcheln lassen, umrühren und vom Herd nehmen. Die Tartelettes aus dem Ofen nehmen und noch heiß mit der "Glasur" beträufeln. Abkühlen lassen und dann ...
... an die Gabel, fertig, los! Ein wahr gewordener Traum, versichert euch
PS: Heute ist wieder ein süßer Sonntag. Deshalb findet ihr nicht nur diese Tartelettes, sondern auch andere süße Köstlichkeiten auf der
Tafel der Sonntagssüßen.
Diese wird heute in der Form zum letzten Mal zusammengestellt und danach nur noch auf Facebook gesammelt. Sehr überraschend und sehr schade für Nicht-Facebooker wie uns. Wir müssen uns deshalb die Alternative einmal anschauen. Trotz allem vielen Dank an die Drei von der süßen Sonntagstafel! Es war uns ein Vergnügen.
Und hier gibt es auch weiterhin sonntags süße Köstlichkeiten. Jawohl. Bleibt neugierig!