28. Februar 2012

Kleiner Reis-Snack: Onigiri mit Ei und Umeboshi



Schon lange wollte ich mir Onigiri machen, vor allem die mit Pflaume. Aber ich denke nie daran, diese eingelegten Pflaumen auch zu kaufen oder überhaupt in einen Asia-Supermarkt zu fahren. Als ich heute aus der Sprachschule kam, sah ich allerdings einen "Go Asia"-Laden auf meinem Weg. Hier wanderten nicht nur die Pflaumen, sondern auch allerlei anderer Kram in meinen Beutel. Darunter auch ein Glückskeks: "Es läuft wie geschmiert. Erfolgsphase!"

Passend zur aktuell eingeschlagenen japanischen Richtung (siehe Matcha-Tarte) kommt heute also ein kleines und schnelles Rezept für Onigiri. Wer gern und oft japanisch kocht, hat die Zutaten definitiv auch alle im Haus!

Für 4-5 Onigiri (das sind ca. 2 Portionen!) braucht man in etwa:

200 g Sushireis (Milchreis geht auch super)
200 ml Wasser

1 Blatt Nori

für die Onigiri mit süßem Ei:
1/2 bis 1 TL Zucker
1/4 TL Salz
1 Ei

für die Onigiri mit Umeboshi:
2 Umeboshi (sauer eingelegte Pflaumen)
1 TL Mirin
1 TL Sesam (schwarz oder normal)
etwas Zucker, mir sind die Pflaumen sonst zu sauer

Den Reis vor dem Kochen 3x durchspülen, d.h. im Wasser schwenken und abspülen, bis das Wasser klar ist. Mit den 200 ml Wasser im Topf aufkochen, bis der Reis schaumig hochkocht. 5 Minuten auf kleinster Flamme köcheln lassen und danach abschalten und weitere 10 Minuten auf dem Herd ziehen lassen. STETS!! den Deckel drauf lassen, am besten einen Glasdeckel nehmen, damit man sieht, wann der Reis kocht. Auskühlen lassen und ein wenig durchrühren, bis der Reis handwarm ist.

Ei mit Zucker und Salz verquirlen und mit Öl in der Pfanne zu feinem Rührei verarbeiten. Mit der Hälfte vom Reis mischen.

Umeboshi mit der Gabel zerdrücken (ggf. die Steine herauspuhlen), mit dem Sesam, dem Mirin und dem Zucker zu einer homogenen Masse verrühren.

Noriblatt in Streifen schneiden.

Hände anfeuchten und mit etwas Salz bestreuen. Aus dem Ei-Reis-Gemisch Onigiri formen (Reis gut zusammendrücken!) und mit einem Noristreifen umwickeln. Für die Onigiri mit Umeboshi erst etwas Reis in die Hand geben und eine Delle in die Mitte drücken. Hier die Pflaumenmasse hineingeben, den zweiten Teil des Reises darüber geben und ein Onigiri formen. Zum Schluss den Noristreifen umwickeln. Ich finde, dass beide Varianten sich hervorragend ergänzen. Die Pflaumen-Onigiri sind schön säuerlich und fruchtig, die Ei-Onigiri sind süßlich und deftig.


Den Preis für das schönste Onigiri gewinne ich wohl nicht, aber lecker sind sie allemal! Guten Appetit wünscht


26. Februar 2012

Auf der Welle mitgeritten: Matcha-Himbeer-Tarte


Eigentlich habe ich keine Zeit zum Backen. Aber wenn eine Idee den Kopf durchstreift, dann klopft sie solange an die Tür, bis ich sie hinauslassen muss. Ein wenig habe ich recherchiert und nur vage Hinweise gefunden. Ob Matcha, das ich vorher noch nie probiert hatte, denn mit Himbeeren, meinen Sommerfrüchten schlechthin, harmonieren würde, blieb mir bis zum Verkosten der Tarte ein Geheimnis.

Klar, grünen Tee kenne ich, trinke ich und verarbeitete ich bereits in einer köstlichen Panna Cotta. Mit den Gefahren - zu viel, zu bitter - hatte ich also bereits Bekanntschaft gemacht. Matcha allerdings, gerade schwer angesagt in den heimischen Backstuben und Pâtisserien, war mir in Reinform noch nicht untergekommen. Was reizte mich? Die Farbe, natüüüüürlich. Also ab in den nächsten Asia-Supermarkt - und heraus kam ich mit hängendem Gesicht. Ausverkauft. Das gleiche in Teeläden und bei Feinkosthändlern. Ein Trauerspiel, das ich allein auf das Backen schob. Bis ich im Teegeschäft meines Vertrauens erfuhr, dass es nicht allein daran liegt. Matcha Latte mit oder ohne Chai, das seien die anderen Verdächtigen. War doch glatt an mir vorbeigerauscht.

Immerhin kam ich mit dem gewünschten Döschen Grünteepulver heraus und freute mich, aktiv werden zu können. Tapioka-Perlen hatte ich vor einem Jahr in einer Tarte untergebracht und sollten endlich wieder zum Einsatz kommen. Und schon die nächste Desillusionierung: Matcha und Tapioka, das Duo im derzeit hier in Berlin überall angesagten Matcha Bubble Tea. Da war wieder jemand schneller. Was soll's. Ich kann mich doch auch mal im Wellenreiten üben und vom Trend mitreißen lassen. Deshalb gibt es heute eine Matcha-Himbeer-Tarte (facon Bubble Tea?).


Die Zutaten für eine Tarte mit 20 cm Durchmesser:
Für den Boden:
225 g Mehl
75 g Zucker
1 Prise Salz
100 g Butter, sehr kalt und in kleine Stücke geschnitten
1 Ei (Größe M), verquirlt

Für den Himbeerspiegel:
etwa 250 g Himbeeren, frisch oder angetaut
2 EL Zucker
2 TL Agar-Agar

Für die Matcha-Crème:
500 ml Vollmilch + etwas zimmerwarme Milch für das Matcha-Pulver
3 EL Zucker
70 bis 80 g Tapioka-Perlen, auch bekannt als (Perl)Sago (kleine oder große oder eine Mischung), entweder vor der Verarbeitung in kaltem Wasser eingeweicht oder trocken
3 gestrichene TL Matcha-Pulver

Zunächst Mehl, Zucker und Salz mischen. Danach die Butterstücke zugeben und mit den Fingerspitzen zu einer sandigen, bröseligen Masse verarbeiten. Danach das verquirlte Ei zufügen und alles zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Im Kühlschrank mindestens 1 Stunden ruhen lassen.

Herausnehmen, kurz kneten und zu einem größeren Diskus formen (der Teig lässt sich nicht gut ausrollen). Die Form auskleiden, indem der Teig mit den Fingern ausgebreitet wird. Der Rand sollte etwa 4 cm hoch sein. Nach dieser etwas friemeligen Arbeit den Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen. Die Form für 30 Minuten in den Gefrierschrank stellen.

Inzwischen den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. In den gefrorenen Teig Backpapier legen, mit Hülsenfrüchten bis an den Rand füllen und etwa 30 Minuten blindbacken. Papier und Hülsenfrüchte entfernen und noch etwa 10 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und vollständig erkalten lassen.

Jetzt geht es an die inneren Werte.
Die Himbeeren mit dem Zucker in einem kleinen Topf zum Kochen bringen und sieden lassen, bis sie zerfallen sind und sich viel Saft gebildet hat. Durch ein feines Sieb passieren, den aufgefangenen Saft wieder in den Topf geben, zusammen mit dem Agar-Agar aufkochen und etwa 3 Minuten köcheln. Vom Herd nehmen und etwas erkalten lassen. Anschließend den Boden der Tarte gut bedecken. In den Kühlschrank stellen und vollständig abkühlen.

Für die Matcha-Crème die Milch in einem Topf mit dem Zucker zum Kochen bringen. Sind die Tapioka-Perlen nicht eingeweicht, werden zuerst die großen Perlen in die Milch gegeben und so lange gekocht, bis nur noch ihr innerster Kern hart ist (das sieht man daran, dass er weiß ist). Danach werden die kleinen zugegeben und alles zusammen unter ständigem Umrühren geköchelt. Das Umrühren ist sehr wichtig, da die Crème sonst am Topfboden anpappt und verbrennt. Insgesamt dauert das schon etwa 45 Minuten, ggf. muss zwischendurch etwas Wasser hineingegossen werden, da die Masse spürbar eindickt. Vom Herd nehmen.

Wer die Perlen vor der Verarbeitung in kaltem Wasser eingeweicht hat, gibt alle Größen gleichzeitig in die kochende Milch. Auch hier gilt, stetiges Umrühren verhindert das Anbrennen. Gekocht werden muss in diesem Fall nur, bis die Masse eindickt. Von der Herdplatte nehmen.

(Ich habe eine Mischung aus kleinen und großen Perlen verwendet und sie nicht eingeweicht. Das werde ich beim nächsten Mal anders machen: nur eine Größe und vorher einweichen. Denn die großen Tapioka-Perlen wurden nicht richtig weich, ich hätte sie in der Milch noch länger kochen müssen, von der dann aber kaum noch etwas übrig geblieben wäre. Hingegen sind die kleinen Perlen perfekt.)

Nun geht es für beide Varianten wie folgt weiter: In einer kleinen Schüssel das Matcha-Pulver in zimmerwarme Milch einrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. (Auch da bin ich im Nachhinein schlauer, ich hatte das nämlich nicht gemacht, deshalb die kleinen grünen Punkte in meiner Crème.) Den Topf zurück auf die Herdplatte stellen und diese Matcha-Milch gut in die Tapioka-Crème einrühren. Sie wird nun grün. Etwa 5 bis 10 Minuten unter Rühren abkühlen, danach vorsichtig auf den Himbeerspiegel in der Tarteform geben. Glatt streichen und im Kühlschrank vollständig auskühlen lassen.

Tja, und nun verzieren. Eigentlich hatte ich frische Himbeeren geplant, auch wenn das, tststs, keine Saisonfrucht ist. Die Preise auf dem Markt haben mich dann allerdings dermaßen abgeschreckt, dass ich die restlichen tiefgekühlten Beeren mit etwas Zucker aufgekocht, passiert und mit Limettensaft zu einem festeren Gelee verarbeitet habe. Und das landete als Punkte auf der Tarte.

Mit der Optik bin ich zwar nicht zufrieden, meine Kreativhosen waren wohl in der Waschmaschine. Allerdings ...


... finde ich die Kombination absolut großartig! Den grünen Tee schmeckt man sehr gut heraus, ohne dass er die anderen Aromen ins Abseits drängt. Mit der Himbeere, die, ich kann es nicht oft genug betonen, meine Lieblingsfrucht ist, harmoniert er ganz wunderbar. Dazu die cremige Milch und diese kleinen Tapioka-Perlen, eine kleine genussvolle Sonntags-Spielerei für meinen Gaumen. Ich muss mich selbst loben, das war die viele Arbeit und Ausdauer wert.

Immer wieder sonntags schieben wir ein virtuelles Stück hinüber zur Initiative Sonntagssüß, die, man glaubt es kaum, heute ihr einjähriges Jubiläum feiert. Schnell ist die Zeit vergangen, unzählige Kuchen, Tartes, Törtchen, Torten, Kekse, Desserts, Gebäcke, Waffeln und andere mehr oder weniger wilde Kreationen wurden an den letzten 52 Wochenenden aufgetischt.

Ein Streifzug durch die einzelnen Pinboards ist aufregender als jedes ratlose Überlegen vor der üppigen Tortentheke eines angesagten Oma-Cafés. Dieses Kribbeln, dieses Von-einem-Fuß-auf-den-anderen-hüpfen, diese allsonntägliche Ungeduld, dieses Süß-Entzugsgefühl, dieses Ich-kann-mich-nicht-entscheiden verdanken wir Julie, Katrin und Nina. Danke an die drei Mädels mit den Häubchen, die das appetitliche Angebot zusammenstellen und so verführerisch präsentieren. Danke dafür, dass an jedem Sonntag geöffnet ist und alle dem Süßen holden auf ihre Kosten kommen. Danke, dass unser süßer Horizont erweitert wird und wir neue Blogs kennenlernen dürfen. Danke für diese zauberhafte Idee!

22. Februar 2012

Nicht zu viel versprochen: Joghurtbrot ganz fix und flott


Letztens vernahm ich im Supermarkt ein Flüstern. Nimm. Mich. Mit. Sofort. Das passiert mir nicht oft, ich schaute mich irritiert um. Woher könnte das wohl gekommen sein. Der dort hinten am Käsestand? Also bitte! Oder der mit der Nase in den Zitrusfrüchten? Mit einer Frau im Arm sicher kaum. Was ist mit dem am Süßigkeitenregal? Der reicht gerade seinen Kindern einen Lolli. Nein, die Herrschaften um mich herum waren mit sich selbst beschäftigt, von denen konnte der Lockruf nicht gekommen sein. Ich warf meine Haare in den Nacken und wollte gerade weitergehen. Da. Schon wieder.

Etwa doch dieses Blatt vor mir? Eigentlich kann ich mich mit diesen Futtern-und-Schlürfen-Journalen nicht so recht anfreunden (abgesehen von Plätzchen-Sonderausgaben), es musste sich also verguckt haben. Und warum blinzelt es mich dann so aufreizend an? Ich sah genauer hin, ein zweiter Blick schadet bekanntlich nicht. Was entdeckte ich?

"Ein Stück vom Glück". Oh ja, bei dem Anblick, der sich mir darbot, wollte ich das sofort glauben. Dieses Brot auf der Titelseite der "Schrot&Korn" (Ausgabe 02/2012) verhieß Brotglück pur. Das Heft wanderte also mit mir nach Hause, und nach kurzem Rezeptestudium war klar: das schnelle Joghurtbrot würde meine längere Brotbackpause beenden.


Die Zutaten:
500 g Weizenvollkornmehl (Original: Dinkelmehl, das hatte ich jedoch nicht vorrätig)
1/2 TL Natron (das waren bei mir 3 Natron-Tabletten, im Mörser zerstoßen)
1 Päckchen Backpulver
2 gestrichene TL Salz
150 g Saatenmischung (meine war von Alnatura)
2 EL Hirse
200 g Möhren, ungeschält gewogen
350 g Vollmilch-Joghurt
1 Ei (Größe M)

So schnell habe ich bisher noch kein köstliches Brot zusammengerührt und gebacken:
Zuerst Mehl, Natron, Backpulver, Salz, 100 g der Saatenmischung und 1 EL Hirse in einer Schüssel vermengen. In einer zweiten Schüssel das Ei verquirlen und mit dem Joghurt gut verrühren. Die Möhren schälen, grob raspeln und in die Joghurt-Ei-Masse mischen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die Joghurt-Möhren-Mischung nun zur Mehlmischung geben. Zum Handmixer (Knethaken) greifen und alles mischen, bis die trockenen Bestandteile gut feucht sind. Danach mit den Händen weiterkneten, bis ein formbarer Teig entsteht, aus dem ein länglicher Laib gebildet wird. Mit Wasser befeuchten und den Rest aus Saatenmischung und Hirse darauf verteilen, ggf. etwas andrücken. Auf dem mit Backpapier ausgelegten Blech auf der zweiten Schiene von unten 40 bis 45 Minuten backen.

Nach dem Herausnehmen abkühlen lassen. Ich muss Brot immer noch warm probieren und habe es deshalb bald angeschnitten.


Die Konsistenz ist, wie bei Vollkornbroten üblich, etwas bröselig und dennoch angenehmen feucht. Das Brot hält sich problemlos mehrere Tage, ohne auszutrocknen. Im Gegenteil, es ist wunderbar saftig, kernig und - gesund.

19. Februar 2012

Aufessen statt Abspülen: Knuspermüsli-Schälchen


Müsli esse ich nicht gern. Nicht wirklich.

Erstens. Ich habe keine Geduld. So lange zu warten, bis alles schön eingeweicht ist, treibt mich hungrig direkt an die Keksdose. Auf den Punkt klappt das sowieso nie. Die einen Zutaten sind gerade richtig in ihrer Konsistenz, andere noch nicht, während Dritte schon zerfallen und eine Ahnung ihrer selbst sind.

Zweitens. Ich fühle mich nach einem Müsli immer vollgestopft. Gut, das soll so sein, sagen die Müsli-Frühstücker. Mir rumort danach häufig der Magen. Lieber ist mir, dass ich beschäftigt bin, nicht jedoch etwas in mir.

Drittens. Ich kann mich mit vielen fertigen Müslis nicht anfreunden. Oft sind die Fruchtpartikel knochenhart und gefährden meine Zahngesundheit. Und wenn ich ein Nuss-Müsli kaufe, muss ich bisweilen den ersten Bestandteil des Namens mit der Lupe suchen. Nicht auf der Packung, da prangt er einem natürlich entgegen.

Viertens. Ich werde mit der staubig-feuchten Kombination nicht warm. Es knirscht zwischen meinen Kauflächen, zwischen den Zähnen nisten sich Flocken ein, die aller Milch zum Trotz schön fest geblieben sind. Länger warten? Damit wäre ich wieder beim ersten Punkt angelangt.

Zugegeben.
Ich könnte mein Timing bei der Zubereitung verbessern.
Ich könnte weniger Müsli auf einmal essen.
Ich könnte mein Müsli selber mischen.
Ich könnte die Milch erwärmen.
Vielleicht will ich Müsli gar nicht mögen?!

Als ich meine Vorräte inspizierte, fiel auch eine angefangene Müsli-Tüte in meine Hände. Die muss natürlich weg. Das Vorhaben "Vernichtung angebrochener Vorräte" geht also in die nächste Runde. Dass dabei auch Haferflocken aufgebraucht wurden, aus denen ich gern Porridge anrühre (ja, den esse ich gern!), macht rein gar nichts. Ein guter Grund, frische nachzukaufen. Und ein neues Projekt zu starten ...

Vor gar nicht langer Zeit war mir diese hübsche Idee untergekommen. Heute schließlich stehen sie auf dem sonntäglichen Frühstückstisch: kleine feine Knuspermüsli-Schälchen. Knackig. Fruchtig. Herb. Süß. Klebrig. Lecker.


Die Zutaten für 12 Schälchen:
75 g flüssiger Honig
75 g Zuckerrübensirup
75 g Rohrzucker
75 g Butter
1 TL Zimt, gemahlen
1/4 TL Nelken, gemahlen
1/2 TL Anis, gemahlen
1/4 TL Kardamom, gemahlen
1 TL Vanilleessenz (alternativ das Mark einer Vanilleschote)
50 g getrocknete Cranberries (alternativ andere gehackte Trockenfrüchte nach Belieben)
200 g Haferflocken
150 g Müsli (in meinem sind neben gehackten Trockenfrüchten auch Nüsse enthalten)

Zunächst Honig, Zuckerrübensirup, Rohrzucker, Butter und Gewürze in einen Topf geben und auf mittlerer Stufe erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist und sich alle Zutaten miteinander verbunden haben. Gut umrühren. Von der Herdplatte nehmen und die Vanille unterrühren.

In einer Schüssel Cranberries, Haferflocken und Müsli vermengen. Die Honig-Butter-Masse hineingießen und alles gut verrühren, bis alle Zutaten feucht und klebrig sind, ggf. noch etwas Müsli oder Haferflocken nachlegen. Im Kühlschrank 30 Minuten abkühlen lassen. Keine Sorge, die Mischung wird nicht fest, nur etwas kompakter.

Nach der Kühlzeit wird gebastelt. Ggf. die Muffinförmchen fetten, ich mache das bei meiner Anti-Haftform nicht. In die erste Mulde so viel von der Knuspermüsli-Mischung geben, dass sie zu drei Vierteln locker gefüllt ist. Mit der Rückseite des Teelöffels zunächst den Boden und danach rundherum den Rand festdrücken, der ruhig leicht über den Abschluss hinausragen darf. Falls es sehr klebt, den Löffel zwischendurch in Wasser tauchen. So mit allen anderen Muffinformen verfahren. Es sollen keine Löcher bleiben, besser die Masse etwas dicker auftragen.

Den Backofen auf 170 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und vorübergehend die Form in den Kühlschrank stellen. Etwa 15 bis 20 Minuten backen, bis der obere Rand leicht gebräunt ist. Herausnehmen und in der Form vollständig erkalten lassen. Dabei werden die Körbchen fest. Mit einem schmalen Messer vorsichtig zwischen Muffinrand und Knuspermüsli-Schälchen gleiten und diese lösen.

Jetzt können sie gefüllt werden. Mit Joghurt, mit Quark, mit Obstsalat, was euch so alles einfällt. (Ich habe ganz schlicht etwas Quark mit griechischem Joghurt, Vanilleessenz und Vanillezucker angerührt.) Und nicht vergessen, ausnahmsweise darf auch das Müsli-Schälchen aufgegessen werden!

Weitere sonntagssüße Tafelfreuden versammeln sich hier. Zum Bestaunen, Sammeln und Nachmachen. 

Ob es doch noch etwas wird mit mir und dem Müsli? Habt ihr eine Lieblings-Müsli-Mischung? Verratet ihr sie mir?

17. Februar 2012

Kleine Berge mit Biss: indische Kardamom-Safran-Kekse


Wann ist eure Wohnung picobello top in Schuss? Wenn Besuch kommt? Wenn die Eltern hereinschneien? Wenn es in den Urlaub geht? Wenn man das Chaos nicht mehr erträgt? Wenn ihr euch verliebt habt und der Schwarm das erste Mal in euer trautes Heim kommt? Wenn eine Liebe erlischt und das Leben aufgeräumt wird, um weiterleben zu können? Grundsätzlich immer?

Der Beantwortung dieser Fragen enthalte ich mich. Immer aufgeräumt war mein Zuhause, wenn ich im Prüfungsstress war oder - noch viel gewichtiger - wenn ich eine größere Heimarbeit verfassen musste. Klassische Vermeidungsstrategie. Anstatt sich auf den Hosenboden zu setzen und endlich Gedanken zu Papier tröpfeln zu lassen, suchte ich mir gern Ablenkungen. Mit charmanten Rechtfertigungen à la "Wenn aufgeräumt ist, dann kann ich beruhigt lernen", "Wenn aufgeräumt ist, ärgere ich mich nicht über die Unordnung und kann entspannt arbeiten", "Wenn aufgeräumt ist, dann habe ich Zeit (!) zum Schreiben". Gar nicht so verkehrt, die hatte ich nun tatsächlich. Nur eben nicht mehr so viel, um stressfrei voranzukommen. Immerhin konnten mich die keck auffordernden Blicke der Flusenmäuse nicht mehr kirre machen, und die Suche nach neuen ablenkenden Versuchungen endete schließlich doch dort, wo ich eigentlich hinsollte: am Schreibtisch.

Genau dort entdeckte ich kürzlich ein Rezept, das meinem derzeitigen Projekt "Reduzierung der angebrochenen Vorräte" entgegenkommen sollte. Vor längerer Zeit hatte ich für einen nepalesischen Kochabend des GourmetTrios eine Tüte Kichererbsenmehl gekauft. Unverzichtbar für süße Kichererbsenbällchen, aber eben nicht aufgebraucht. Gut, das ist es auch nach den indischen Kardamom-Safran-Keksen nicht. Aber alt wird es keinesfalls werden, die nächste Keksladung steht an. (Das Originalrezept habe ich etwas abgewandelt, allein schon wegen der dort angegebenen Maßeinheiten.)


Die Zutaten für etwa 30 Stück:
150 g Mehl (Type 405)
100 g Kichererbsenmehl
50 g Weizengrieß
100 g Puderzucker
1/2 bis 1 TL Kardamom, gemahlen
5 Safranfäden
1 TL warme Milch
100 bis 150 g Ghee (falls nicht erhältlich, "gheet" auch normale Butter), geschmolzen
ca. 30 Mandeln oder andere Nüsse für die Dekoration

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

In der warmen Milch die Safranfäden einlegen, mit einem Löffel etwas zerfasern, gut umrühren. Ghee (oder Butter) schmelzen. Die trockenen Zutaten vermischen, danach 2/3 der Butter und die Safran-Milch zufügen und gut mischen. Falls die Masse keine Anstalten macht sich zu verbinden, noch mehr geschmolzene Butter hineingießen. Kneten. Die Masse bleibt ziemlich bröselig, lässt sich aber mit der entsprechenden Buttermenge zu Bällchen drücken. Auf ein gefettetes Blech setzen. Wer mag, drückt die Kugeln flach. Jeweils eine Mandel in die Mitte drücken und etwa 15 bis 20 Minuten backen. Die Kekse sollten nicht bräunen und im Idealfall noch etwas weich sein, beim Abkühlen härten sie aus.

Ich habe die Kekse von passionierten Indien-Reisenden testen lassen, und auch nyhet schloss sich deren Urteil an: Lecker, wann machst du die wieder? Jetzt? Kichererbsenmehl ist noch da.

15. Februar 2012

Für Kältegeplagte und Zahnlose: Fenchelcremesuppe mit Lachs


Blitzeisschlittern. Pinguinwatschelgang. Haarschopfeinfangen. Die angesagten Disziplinen des heutigen Morgens. Auf der Spree ein paar wenige Eisschollen, auf dem von einem Schiffchen aufgewirbelten Wasser lustig hin und her hüpfend. Möwen obenauf ruhend. Möwen im Wasser badend. Was die sich wohl gedacht haben, als wir Menschlinge zielstrebig an ihnen vorüberschlichen, den Blick krampfhaft auf den Boden gerichtet. Bloß kein falscher Schritt!

Pittoresker war der Anblick jedoch am Montagmorgen. Die Ufer ruhig, kein Jogger weit und breit, der das winterliche Grau durchschnitt. Der Flusslauf rissig. Viele viele kleine Schollen, dicht an dicht. Auf jeder ein gefiederter Bewohner. Möwen, Schwäne, Gänse, Reiher. Alle schaukelten sich gemütlich, so schien es, die Spree hinab. Ein lustige Gesellschaft. Beneidenswert? Wer weiß.

Was für ein schmunzeliger Start in die neue Woche. Natürlich ärgerte ich mich sofort, dass die Kamera zu Hause lag. Zu gern hätte ich diesen Anblick eingefangen. So reiht er sich nun in mir ein in eine lange Reihe verinnerlichter Impressionen, und wer weiß, dieser Winter ist noch längst nicht vorüber. Zumindest in den hiesigen Gefilden. Vielleicht habe ich ja doch noch einmal so eine Gelegenheit. Und dann mit Klick.

Bis zum Frühlingsanfang ist sicher auch noch oft Gelegenheit, mich an meiner Fenchelcremesuppe mit Lachs und Apfel-Meerrettich aufzuwärmen. Einer meiner winterlichen Suppenfavoriten. Schnell zubereitet, genauso schnell aufgegessen und noch schneller nachgekocht. Ein Fest!



Die Zutaten für 2 Portionen:
2 mittelgroße Fenchelknollen
2 bis 3 EL Butter
1 bis 2 EL Sahne oder Schmand
Salz
Pfeffer
1/2 TL Anis (alternativ: 1 EL Pastis)
je Portion 2 bis 3 Scheiben Graved Lachs
1 kleiner Apfel, entkernt und geschält, dann gerieben
2 TL Meerrettich (meiner war Tafelmeerrettich aus dem Glas)

Fenchel waschen und putzen, in Viertel und diese dann in 2 cm breite Streifen schneiden. In einem Topf die Butter erhitzen, den Fenchel hineinwerfen und etwa 2 Minuten in der Butter schwenken. 4 EL Wasser zugeben, auf eine mittlere Hitze herunterschalten und etwa 20 Minuten leise köcheln lassen. Ab und an umrühren.

Ist der Fenchel schön glasig, wird er püriert, ggf. mit noch etwas Wasser. Das verkneife ich mir jedoch meistens. Manchmal püriere ich den Fenchel sehr fein, diesmal mochte ich das Süppchen etwas gröber. Sahne oder Schmand einrühren, danach Salz, Pfeffer und Anis. Noch einmal etwas erhitzen, dann mit Lachs (meiner diesmal ist hausgemachter Graved Lachs 1. Versuch) und dem mit geriebenem Apfel vermischten Meerrettich anrichten.

Meine Lieblingsfenchelsuppe. Sieht zwar ein bisschen wie ein Gericht für Zahnspangenträger aus, aber ... habe ich genau damals für mich entdeckt und in die bissige Zeit hinübergerettet.

12. Februar 2012

Sommerintermezzo: Grapefruit-Lavendel-Tarte


Ein Blick nach draußen. Oh, so ein schöner blauer Himmel. Die Sonne strahlt, wir strahlen mit. Ein Schritt vor die Tür. Brrr, ist das kalt. Ach ja, da liegt ja Schnee, den hatte schon doch schon verdrängt. Schnell den Schal noch einmal gerichtet. Den Reißverschluss bis zum Anschlag hochgezogen. In die hintersten Ecken der Kapuze zurückgezogen.

Was hilft gegen Kälte? Warme Gedanken, musste ich mir letztens anhören. Also dachte ich nach. Ungefähr so: Ein warmer Kaffeebecher, was für ein Handwärmer. Schmetterlinge. Am Kaminfeuer zu sitzen ist besser als jede Standheizung. Vogelzwitschern. In Filzschuhen einen Grog auf dem Weihnachtsmarkt trinken. Gänseblümchenwiese. Durch den Park gejoggt, danach Zieleinlauf direkt in der Sauna. Farbrausch. Wenn ich nach Hause komme, erwartet mich eine warme Wohnung. Augenzusammenkneifen. Ob meine rote Frostnase warm würde, wenn man sie anhauchte. Milcheis. Vielleicht sollte ich mit dem Stricken beginnen, dicke Wollsachen kann man nie genug haben. Meine Sommersprossen. Sonnenschein. Lichtflirren. Hunde mit Strickcapes sehen belustigend menschlich aus. Granità. Picknickdecke. Füße im See. Sonnenbrille im Haar. Strickjacke, ach was. Sand unter den Fingernägeln. Sommer.

Am Ende meiner Gedankenkette angekommen, stand ich wieder vor meiner Haustür. Wohin hatten mich die warmen Gedanken nun gebracht? Unbeschreibliches Verlangen wonach wohl, hm? Immerhin hatte ich vergessen, dass mir kalt war. So geht das also mit den warmen Gedanken. Da der Sommer bekanntlich gerade nicht hier ist, muss er eben herkommen. Verkleidet - wir befinden uns schließlich kurz vor den tollen Tagen, auch wenn die rheinischen Jecken über die Berliner allenfalls hüsteln - als Grapefruit-Lavendel-Tarte. Eine Kombination, die ich schon als Eis geschleckt hatte. Damals, im Sommer.


Die Zutaten für eine Tarteform mit 30 cm Durchmesser:
Für den Boden:
250 g Mehl (Type 405)
125 g Puderzucker
100 g Butter, zimmerwarm
1 bis 2 EL frischer Lavendel, gehackt (mangels Blüten habe ich die Blättchen verwendet)
1 Ei

Für den Belag:
2 Grapefruits (ich könnte mir auch weiße oder eine Mischung vorstellen)
1 EL frischer Lavendel, fein gehackt (wieder die Blättchen)
2 EL Zucker
1 TL Lavendelhonig
100 g Schmand
50 ml Sahne
1 bis 2 EL Weizengrieß
1 Ei

Zunächst wird der Teig für den Boden geknetet. Dazu werden die Zutaten in einer Schlüssel zügig zu einem homogenen Teig geknetet, der zur Kugel geformt im Kühlschrank eine Stunde abgedeckt ruht.

Danach ausrollen und die Tarteform damit auskleiden. Das ist ein Arbeitsschritt, den ich nicht mag (oder nicht so gut beherrsche), jedenfalls drücke ich den Teig in der Form mit den Händen breit und rolle ihn dann mit einer Patisserie-Rolle aus. Mit der Gabel den Boden einstechen und für 30 Minuten ab in den Tiefkühlschrank.

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den gefrorenen Teig in der Tarteform mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten füllen. Etwa 20 bis 25 Minuten blindbacken, bis die Ränder fest und der Boden goldgeld und ruhig noch weich ist.

In der Zwischenzeit die Grapefruits filettieren, dabei den Saft sorgfältig auffangen. Diesen mit dem Lavendelhonig und dem fein gehackten Lavendel aufkochen und einreduzieren lassen, bis 2 EL Saft übrig sind. Schmand, Sahne, Grieß, Ei und den Zucker zu einer geschmeidigen Creme verrühren, zum Schluss den Grapefruit-Lavendel-Sirup zufügen.

Nun müsste der Boden fertig sein. Aus dem Backofen herausnehmen, diesen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze herunterschalten, Hülsenfrüchte entfernen und das Backpapier vorsichtig abziehen. Den Boden mit der Crème bestreichen, danach die Grapefruit-Filets dekorativ anordnen. Im Ofen etwa 30 bis 40 Minuten backen. Herausnehmen, abkühlen lassen und genießen.


Wir hatten den Sommer auf der Zunge. Was für ein Vorgeschmack! So sonnig-warm gestimmt, schieben wir ein großes Stück rüber zu all' den Sonntagssüßen, hier werden ihre Sonntagsgenüsse angeheftet.

8. Februar 2012

An kalten Tagen wie diesen: Linseneintopf mit Chorizo


Neben dem ganzen Süßkram muss es auch mal etwas Gesundes sein. Und an diesen kalten Tagen komme ich an Suppen und Eintöpfen nicht vorüber, sie sind meine erklärten Lieblinge. Als vor Jahren der Trend zu Suppenimbissen, Suppenbörsen und Suppenstationen die Stadt mit in Suppentöpfen Rührenden und Suppenschüsseln Haltenden überflutete, war ich ausnahmsweise mal nicht skeptisch. Im Gegenteil, endlich mal etwas für mich.

Wir bevölkerten in der Mittagspause regelmäßig die umliegenden Lokale und löffelten uns durch wirklich sehr abwechslungsreiche und wechselfreudige Mittagsangebote. Da ging mir das Herz auf, und ich musste mich den Rest des Tages mal nicht mit einem Klumpen im Magen herumschlagen. (Kohlsuppen umging ich aus diesem Grund geflissentlich, die Stimmung in Meetings entspannt sich zwar, wenn sich ein verdauender Magen meldet, nicht jedoch für dessen Inhaber.)

Besonders mag ich Linsen. Die ersten selbstgemachten kamen bei mir zusammen mit den ersten selbstgemachten Spätzle auf den Tisch. Erstere noch Pi mal Daumen, trotzdem ein Gedicht, letztere nach Anleitung und ebenfalls mit lyrischen Hymnen bedacht (als Nicht-Schwäbin darf ich die Spätzlepresse verwenden, wurde mir bestätigt). So etwas ist immer Ansporn. Während die Spätzle auf ihre x-te Wiederholung noch warten müssen, haben es die Linsen in Suppenform in den letzten Wochen mehrmals auf unsere Teller geschafft. Vor allem der (die?) Fakes nach einem Rezept von Rock the kitchen hatte es mir so angetan, dass er (sie?) schon vier oder fünf Mal nachgekocht wurde. Und Juliane von Schöner Tag noch! machte mir mächtig Appetit auf Chorizo. Warum nicht beides kombinieren?

Ich fand ein Rezept von Tim Mälzer, das sich ganz gut anließ. Normalerweise habe ich es nicht so mit den ganzen Fernsehköchen, diese Hyperei stößt mich eher ab. Aber das Rezept klang zu gut, als dass mich das jetzt noch zurückhalten konnte. Hier also eine weitere Linsensuppe auf diesem Planeten, einen Linseneintopf mit Chorizo ungefähr nach dem Fernsehkoch.


Die Zutaten für 4 Portionen:
1 mittelgroße Schalotte
2 Möhren
1 Stück Petersilienwurzel
2 Kartoffeln
5 EL Butter
200 g braune Linsen
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 bis 2 EL Thymian, getrocknet
150 bis 200 g Chorizo
2 Strauchtomaten
2 EL trockener Rotwein
2 EL Rotweinessig
2 EL Balsamico-Essig
1 TL Senf à l'ancienne (der mit den Senfkörnern)
1 Bund Schnittlauch

Gemüse und Zwiebeln fein hacken, Linsen abspülen. Etwas Butter in den Suppentopf geben und die Zwiebeln anschwitzen. Danach Möhren, Petersilienwurzel und Kartoffeln zugeben und etwa 3 Minuten anbraten. Mit 1 Liter Wasser auffüllen, die Linsen hineingeben und zum Kochen bringen. Salzen, pfeffern und den Thymian zugeben.

Nach dem Aufkochen auf mittlere Hitze herunterschalten und etwa 40 Minuten sanft köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Chorizo schräg in Scheiben schneiden und in einer Pfanne ohne zusätzliches Fett anbraten. Herausnehmen und auf einem Stück Küchenpapier abtropfen lassen. In der benutzten Pfanne das dort haften gebliebene Chorizo-Fett nutzen und die in breite Scheiben geschnittenen Tomaten sanft anzubraten. Ich habe nun Wurst und Tomaten 5 Minuten vor Ende der Kochzeit in den Eintopf gegeben.

Hat er fertig geköchelt, Senf, Rotwein und die Essige einrühren. Etwas Butter hinzugeben, noch einmal umrühren und final abschmecken. Mit Schnittlauch bestreut servieren.

Und wie so oft gilt: nach dem zweiten Erhitzen schmeckt er noch besser. Wohl bekomm's!

6. Februar 2012

Besonderes ganz fein: Crèpes-Kuchen mit Waldbeeren


Nachdem ich in dieser Woche mit massivem Süß-Überdruss zu kämpfen hatte, scheint er sich ein wenig gelegt zu haben. Pünktlich zum Wochenende. Zur sonntäglichen Kuchentafel.

Ich bin erleichtert. Was wäre mein Leben ohne Süß? Ich müsste den CharlottenBlog verlassen, die Erdbeertapete von der Wand reißen, die Vorratsschublade ausräumen und meine heiß geliebte große rote Keksdose neu beschriften. Die Bonboniere, für einen spottigen Preis auf dem Flohmarkt erhandelt, wäre meistbietend (!) abzugeben, mit ihr ungezählte Kuchenteller und Tortenplatten. Ganz zu schweigen vom Bücherregal in der Küche. Es käme aus dem Gähnen nicht mehr heraus, so leer, wie es vor sich hin stieren müsste. Und meine süßen Mitesser? Die müsstet ihr fragen, ich traute es mich nicht.

Kurzum. Unvorstellbar. Also gab es etwas Ingwer, gekoppelt an Nüsse und Schokolade eine gute Nervennahrung, frisches Obst zuhauf und Meerrettich im Salatdressing, damit den süßen Empfindungen mal wieder so richtig Feuer unterm Hintern gemacht würde. Naja, die Therapie scheint anzuschlagen, es wird langsam besser. Wie bei jeder Krankheit, deren Ursache man kennt und vermeiden kann, ist nun der Patient gefordert. Also auch ich. Süße Überdosis, so schnell nicht wieder. Zum Glück ist bis Dezember noch genug Zeit, sich des Vorsatzes nicht mehr zu erinnern.

Mich packte wieder die Backlust, und etwas ganz Konkretes schwebte mir vor. In Frankreich wurde am 2. Februar "La Chandeleur" gefeiert, das "Fest der Kerzen" (fête des chandelles; la chandelle = die Kerze), bei uns bekannt als Mariä Lichtmess. Nun ja, nicht in Berlin, da gibt es nichts zu feiern. Ein dem Ursprunge nach heidnisches Fest, das Eingang in die christlichen Traditionen gefunden hat. Warum ich das hier schreibe? Weil die Franzosen soooo religiös auch wieder nicht sind, sondern mit La Chandeleur vor allem eines verbinden: Crèpes.

Bei Groß und Klein sehr beliebt. Bei nyhet und Schokozwerg ebenfalls. In der Zeit vor dem Fest steigt das Aufkommen an Crèpe-Rezepten in den französischen Blogs erheblich an, man wird geradezu von virtuellen Crèpes überschwemmt. Aus der Rezepteflut habe ich mir das von Un déjeuner de soleil herausgepickt und daraus unseren Gâteau de crèpes aux fruits rouges gemacht, unseren Crèpes-Kuchen mit Waldbeeren. Zu spät zwar für La Chandeleur, aber genau richtig für das Sonntagssüß dieser Woche.


Die Zutaten:
Für die Crèpes:
225 g Mehl Type 550
3 Eier, zusammen ohne Schale etwa 160 bis 170 g (ich habe 2x Größe M und 1x Größe L genommen, passte perfekt)
500 ml Vollmilch (man kann auch 150 ml durch (Mineral-)Wasser ersetzen)
1/2 TL feines Salz
40 g Zucker
2 EL Rum (alternativ 2 EL Bier oder 1 Messerspitze Backpulver)
30 bis 40 g Butter

Für die Waldbeeren-Füllung:
700 g tiefgefrorene Beeren (ich habe 375 g Bio-Beerenmischung genommen und etwa 300 g Erdbeeren), am Vortag herausnehmen und auftauen lassen
3 bis 4 EL Rohrzucker
4 TL Agar-Agar

Der Teig wird am Vortag bereitet:
Butter schmelzen und leicht bräunen. Zur Seite stellen. In einer großen Schüssel Eier mit Zucker und Salz mit dem Handmixer rühren, bis die Masse hell und schaumig wird. Milch und Mehl abwechselnd zugeben und weiter mit dem Rührgerät rühren. Der Teig muss homogen, ohne Klümpchen und schön sämig werden, aber flüssig bleiben. Nun Butter und Rum zugeben, noch einmal gründlich vermengen. Abdecken und mindestens eine Stunde, besser aber über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Aus der Trickkiste: Joel Robuchon, französischer Sterne-"Koch des Jahrhunderts", nimmt lauwarme Milch, um die Ruhezeit zu umgehen. Ob es funktioniert? Wenn er das sagt ...

Am Backtag in eine flache Pfanne etwas Butter oder neutrales Speiseöl geben und erhitzen, aber nicht zu heiß (bei 6 Stufen meines Herdes habe ich auf Stufe 5 die Pfanne erhitzt und danach sofort auf Stufe 4 - die Crèpe-Stufe - heruntergeschaltet). Den Crèpe-Teig gut umrühren, mit der Schöpfkelle etwas Teig in die Pfanne geben, schwenkend verteilen und etwa eine halbe Minute backen lassen. Fertig zum Wenden ist der Crèpe in spe, wenn sich Blasen bilden und die Oberfläche gerade nicht mehr feucht ist. Auf der anderen Seite 15 bis 20 Sekunden garen lassen. Sie sollten nicht zu trocken bzw. gebräunt sein.

Auf einem Teller Küchenkrepp auslegen, das das Fett aufsaugen soll, und den ersten Crèpe daraufgleiten lassen. Küchenkrepp drüber und den nächsten Crèpe backen. Ich habe nur nach jedem 3. Crèpe die Pfanne neu gefettet. So fortfahren, bis der Teig verbraucht ist. Es sollten etwa 20 dünne Crèpes am Schluss auf dem Teller liegen. Auskühlen lassen.

Nun geht es an die Waldbeeren-Füllung:
Die aufgetauten Beeren mit ihrem Saft in einen Topf geben und gut pürieren. Den Rohrzucker unterrühren und erhitzen. Wenn es köchelt, den Agar-Agar einrühren und 2 bis 3 Minuten köcheln lassen. Abkühlen lassen.

Jetzt den Crèpes-Kuchen "zusammensetzen":
Auf der Servierplatte den ersten Crèpe platzieren, danach dünn mit dem Fruchtpüree bis knapp an den Rand bestreichen. Am Rand soll genauso viel Püree sein wie in der Mitte, sonst ähnelt der Kuchen am Ende mehr einem Maulwurfshügel als einer flachen Torte. Den nächsten Crèpe einmal falten und so von hinten nach vorn auf das Püree legen und die obere Hälfte nach vorn klappen. Leicht andrücken und mit Püree bestreichen. Auf diese Weise die Schichten nach oben aufbauen und immer wieder überprüfen, dass der Stapel gerade nach oben wächst, ggf. etwas korrigieren. Ist der letzte Crèpe gelegt, oben noch eine dekorative Fruchtschicht auftragen und den Kuchen 2 Stunden ruhen lassen. In der Zeit wird das Püree etwas fester, idealerweise bleibt es cremig.


Anschneiden und genießen. Wir sind noch immer verzaubert, schweben an diesem zarten Sonntagskuchen vorüber und lassen uns immer wieder verführen. Schneiden uns ein Stückchen ab, und noch eines ... Für alle, die Eierkuchen lieben. Für alle, die zu Eierkuchen "Pfannkuchen" sagen und sie lieben.

3. Februar 2012

Wider die Geschmacksverwirrung: schokoladige Nuss-Ingwer-Kekse


In mein Geschmacksempfinden ist der Wurm eingezogen!

Seit mir vor einigen Tagen nichts gelingen mochte, herrscht große Ratlosigkeit in meiner Backstube. Zwar bin ich durchaus fleißig, aber: Mir schmeckt es einfach nicht! Und das, obwohl mein tapferer Test-Esser nyhet immer wieder den Daumen hebt und nach einer Extraportion verlangt. Nachschlag? Wirklich? Mich trifft immer wieder ihr ratloser Blick. Schmeckt super, was hast du?

Keinen Appetit. Vorübergehend.

Möglicherweise habe ich eine Plätzchen-Überdosis erlitten, im Dezember. Nach langsamer Weihnachtsentwöhnung im Januar dann der Ausbruch. Absolute Süß-Geschmacksverwirrung. Na toll. Der Appetit ist da. Allerdings weniger auf das süße Zeugs, sondern auf etwas Frisches. Vielleicht liegt das am Kühlschrank vor der Tür. Also stopfe ich mich mit Obst voll, schwinge den Pürierstab und kreiere so merkwürdige Getränke wie Orange-Grapefruit-Lavendel. Schmeckt mir! Und ist furchtbar gesund.

Trotzdem. Ohne Süßes ist mir das Leben ein bisschen zu herb. Deshalb habe ich ein wenig gestöbert und bei Söta Saker ein Rezept gefunden, das mit Ingwer aufgepeppt meinen süßen Empfindungen einheizen soll: schokoladige Nuss-Ingwer-Kekse. Wider die Geschmacksverwirrung!


Die Zutaten:
100 g Butter, cremig weich
100 g Zucker
2 bis 3 EL ungesüßtes Kakaopulver
1 Ei
1 TL Vanillezucker
75 g Weizenmehl
1/2 TL Weinsteinbackpulver
50 g Mandeln, grob gehackt
50 g Haselnüsse, grob gehackt
30 g kandierter Ingwer, grob gehackt

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Butter und Zucker mit dem Handmixer schaumig schlagen. Kakaopulver, Ei und Vanillezucker zugeben. Mehl mit Backpulver mischen und in die Masse sieben. Alles gut miteinander vermengen. Zum Schluss Mandeln und Ingwer unterheben.

Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech streichen. Am besten als Rechteck mit ungefähr 5 mm Dicke, das ist wegen der groben Nüsse nicht ganz einfach, funktioniert aber. Etwa 20 bis 25 Minuten backen. Nach dem Herausnehmen leicht abkühlen lassen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Die Kekse können in einer Dose aufbewahrt werden, dann sind sie etwas weich. Ich habe sie offen stehen lassen. Ich mag's einfach knackig.

Habt ihr Ideen, wie ich meine süßen Geschmacksknospen wiederbeleben kann? Dann her damit.