Hin und wieder, und das kommt gar nicht so selten vor, stand ich in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen mit schräg gehaltenem Kopf vor dem Regal der Kochbücher. Mein Blick scannte einen Buchrücken nach dem anderen ab und verhakte sich plötzlich an der Buchstabenfolge "Mein Kräuterbuch". Das Kochbuch von Gabriele Kurz.
Ich fischte es heraus, auf einem Bein balancierend in die Höhe gereckt. Es kippte mir in die Arme und blätterte sich an einem Rezept auf, das mir ab sofort nicht mehr aus dem Kopf ging. Litschis auf Orangenblüten-Gelee und Vanillecreme. Das klang nach einem Fest der Sinne. Allerdings war mir nicht nach Tanzen zumute, als ich den Preis sah. Der war schon stolz, das Buch musste im Regal bleiben.
Dennoch ließ mich das Dessert nicht los. Ich war eingeladen und sollte das Dessert verantworten. Ich sah Litschis und Orangen und Creme vor meinem inneren Auge. Ich sah diese Köstlichkeit aus dem Kräuterbuch. Mein erneuter Gang in die Buchhandlung endete zwar ohne das inzwischen verkaufte Buch, dafür mit der wundervollen Lorbeer-Kardamom-Panna-Cotta.
Inzwischen habe ich es doch in meinen Bestand aufgenommen und mich an das Dessert meiner süßen Erinnerung gewagt. Im Großen und Ganzen. Die Litschis ließ ich weg, und auch die Vanillecreme setzte ich nicht um. Mich störte, dass im Originalrezept Puddingpulver verwendet wird. Auch wenn es Bio sein sollte, das möchte ich gern ohne fertige Pülverchen zubereiten. Zudem mag ich die Kombination Vanille und Orange nicht sooo gern, also disponierte ich um. Und rührte ein Orangenblüten-Gelee auf weißer Mousse au chocolat an.
Die Zutaten für 4 Portionen:
Für die weiße Mousse au chocolat:
50 g weiße Schokolade
100 ml Sahne
Für das Orangenblüten-Gelee:
4 Mandarinen
30 g Akazien-Honig (Original: 25 g)
1 gehäufter bis 2 gestrichene TL Agar-Agar (Original: 1 gestrichener TL)
1 EL Orangenblütenwasser (Eau de Fleur d'oranger; Original: 50 ml)
1 bis 2 EL getrocknete Orangenblüten (Original: 12 Blüten, wie man diese bei getrockneten abzählt, blieb mir unklar)
Zunächst wird die Mousse zubereitet:
In einer Schüssel über einem heißen Wasserbad die weiße Schokolade schmelzen. Herausnehmen und leicht abkühlen lassen. Währenddessen die Sahne sehr steif schlagen. Danach vorsichtig, aber zügig unter die geschmolzene Schokolade ziehen, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. In die Gläser füllen und im Kühlschrank etwa 2 Stunden fest werden lassen.
Am Ende der Kühlzeit der Mousse geht es dann an das Gelee:
Mandarinen auspressen und durch ein Sieb gießend den Saft auffangen. Sind es weniger als 200 ml (im Original 400 ml, ist aber zu viel), mit Wasser auffüllen. In einem Topf zusammen mit Honig und Agar-Agar rührend zum Kochen bringen. 2 Minuten köcheln lassen, dann von der Herdplatte ziehen und etwas abkühlen lassen. Orangenblütenwasser und getrocknete Orangenblüten einrühren. Im Kühlschrank soweit gelieren lassen, dass die Masse nicht mehr flüssig ist, aber noch gut in die Gläser verteilt werden kann. Das ist dann der nächste Schritt.
Fertig. Verzehrfertig.
Bei mir wurde das Gelee nicht fest, obwohl ich nur die Hälfte der Flüssigkeit und im Verhältnis die doppelte Menge Agar-Agar verwendet hatte. Ursprünglich hatte ich auch den Agar-Agar halbiert, da passierte gar nichts. Also habe ich die Masse wieder aufgekocht, das Geliermittel auf die Originalmenge erhöht. Nun gelierte das Orangenblüten-Gelee etwas an, aber so fest, wie ich es erwartete, wurde es nicht. Ich schlug das Buch mit einem zwiegespaltenen Eindruck zu und bin auf die anderen Rezepte umso gespannter.
Also, viel versprochen, nicht alles gehalten. Trotzdem geht dieses Dessert an die Sonntagssüß-Tafel, mit der kleinen Verbesserung steht ja dem Genuss nichts im Wege. An dem Board werden auch die anderen Köstlichkeiten von heute gesammelt.


