29. Januar 2012

Viel versprochen: Orangenblüten-Gelee auf weißer Mousse au chocolat


Hin und wieder, und das kommt gar nicht so selten vor, stand ich in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen mit schräg gehaltenem Kopf vor dem Regal der Kochbücher. Mein Blick scannte einen Buchrücken nach dem anderen ab und verhakte sich plötzlich an der Buchstabenfolge "Mein Kräuterbuch". Das Kochbuch von Gabriele Kurz.

Ich fischte es heraus, auf einem Bein balancierend in die Höhe gereckt. Es kippte mir in die Arme und blätterte sich an einem Rezept auf, das mir ab sofort nicht mehr aus dem Kopf ging. Litschis auf Orangenblüten-Gelee und Vanillecreme. Das klang nach einem Fest der Sinne. Allerdings war mir nicht nach Tanzen zumute, als ich den Preis sah. Der war schon stolz, das Buch musste im Regal bleiben.

Dennoch ließ mich das Dessert nicht los. Ich war eingeladen und sollte das Dessert verantworten. Ich sah Litschis und Orangen und Creme vor meinem inneren Auge. Ich sah diese Köstlichkeit aus dem Kräuterbuch. Mein erneuter Gang in die Buchhandlung endete zwar ohne das inzwischen verkaufte Buch, dafür mit der wundervollen Lorbeer-Kardamom-Panna-Cotta.

Inzwischen habe ich es doch in meinen Bestand aufgenommen und mich an das Dessert meiner süßen Erinnerung gewagt. Im Großen und Ganzen. Die Litschis ließ ich weg, und auch die Vanillecreme setzte ich nicht um. Mich störte, dass im Originalrezept Puddingpulver verwendet wird. Auch wenn es Bio sein sollte, das möchte ich gern ohne fertige Pülverchen zubereiten. Zudem mag ich die Kombination Vanille und Orange nicht sooo gern, also disponierte ich um. Und rührte ein Orangenblüten-Gelee auf weißer Mousse au chocolat an.


Die Zutaten für 4 Portionen:
Für die weiße Mousse au chocolat:
50 g weiße Schokolade
100 ml Sahne

Für das Orangenblüten-Gelee:
4 Mandarinen
30 g Akazien-Honig (Original: 25 g)
1 gehäufter bis 2 gestrichene TL Agar-Agar (Original: 1 gestrichener TL)
1 EL Orangenblütenwasser (Eau de Fleur d'oranger; Original: 50 ml)
1 bis 2 EL getrocknete Orangenblüten (Original: 12 Blüten, wie man diese bei getrockneten abzählt, blieb mir unklar)

Zunächst wird die Mousse zubereitet:
In einer Schüssel über einem heißen Wasserbad die weiße Schokolade schmelzen. Herausnehmen und leicht abkühlen lassen. Währenddessen die Sahne sehr steif schlagen. Danach vorsichtig, aber zügig unter die geschmolzene Schokolade ziehen, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. In die Gläser füllen und im Kühlschrank etwa 2 Stunden fest werden lassen.

Am Ende der Kühlzeit der Mousse geht es dann an das Gelee:
Mandarinen auspressen und durch ein Sieb gießend den Saft auffangen. Sind es weniger als 200 ml (im Original 400 ml, ist aber zu viel), mit Wasser auffüllen. In einem Topf zusammen mit Honig und Agar-Agar rührend zum Kochen bringen. 2 Minuten köcheln lassen, dann von der Herdplatte ziehen und etwas abkühlen lassen. Orangenblütenwasser und getrocknete Orangenblüten einrühren. Im Kühlschrank soweit gelieren lassen, dass die Masse nicht mehr flüssig ist, aber noch gut in die Gläser verteilt werden kann. Das ist dann der nächste Schritt.

Fertig. Verzehrfertig.

Bei mir wurde das Gelee nicht fest, obwohl ich nur die Hälfte der Flüssigkeit und im Verhältnis die doppelte Menge Agar-Agar verwendet hatte. Ursprünglich hatte ich auch den Agar-Agar halbiert, da passierte gar nichts. Also habe ich die Masse wieder aufgekocht, das Geliermittel auf die Originalmenge erhöht. Nun gelierte das Orangenblüten-Gelee etwas an, aber so fest, wie ich es erwartete, wurde es nicht. Ich schlug das Buch mit einem zwiegespaltenen Eindruck zu und bin auf die anderen Rezepte umso gespannter.

Also, viel versprochen, nicht alles gehalten. Trotzdem geht dieses Dessert an die Sonntagssüß-Tafel, mit der kleinen Verbesserung steht ja dem Genuss nichts im Wege. An dem Board werden auch die anderen Köstlichkeiten von heute gesammelt.



27. Januar 2012

Sonnige Tomaten-Tarte ... und alles wird doch noch süß


Es gibt Tage, da scheint nichts zu gelingen. So geschehen jüngst in meiner Küche.

Im Rezeptor der "Zeit online" strahlte mir ein Rezept entgegen, das zwei von mir sehr verehrte Gemüsesorten vereinigt. Rote Bete. Fenchel. nyhet zog beim Gedanken an diese Kombination sofort ein Gesicht, als hätte sie Zitrone im Mund und müsste sich Rote Bete noch hinzustopfen. Kurz: nicht begeistert, rein gar nicht. Da konnte die Zusatzinformation, das soll als Crumble zubereitet werden, auch nichts mehr reißen. Ach, was freute ich mich. Alles für mich ganz allein. Das wird ein Fest!

Wurde es auch. Für den Mülleimer. Ich hielt mich ziemlich genau an die Vorlage und wunderte mich noch, dass in den Streuselteig recht viel Zucker hinein sollte. Wenn schon, ich hatte Vertrauen. Schließlich schmeckt Rote Bete etwas süßlich, und Fenchel zu Apfel, Birne oder Zitrusfrüchten ist ein Gedicht. Ich probierte vom Teig, der sich auch auf fruchtigen Crumbles gut machen würde. Meine Skepsis ließ sich nicht verjagen. Was soll's. Als ich ihn aus dem Ofen zog, duftete der Crumble verführerisch. Einen Bissen erst mühevoll auf die Gabel geschoben und dann vorsichtig balancierend in den Mund bugsiert. Schütteln. Ja, also, Rote Bete und Fenchel zusammen, das passt. Aber bloß nicht diese Streusel! Leider hatte ich sie so geschickt verteilt, dass ich kein Stück Gemüse ohne dieses süße Grauen erhaschen konnte. Es ging nicht anders, dieser Crumble trat seinen einzig wahren letzten Gang an ...

Einen Tag später. Mit dem Holzlöffel rührte ich auf die altmodische Art und Weise einen Kuchen zusammen. Hauptakteure: Kaki und Haselnüsse. Angepriesen wurde er mir, diesen echten und einzigen und so ungewöhnlichen Herbstkuchen müsse ich unbedingt ausprobieren. Zwar ist der Herbst bereits vorüber, aber mit etwas gemahlener Nelke könnte ich daraus auch einen veritablen Winterkuchen zaubern. Gedacht, getan. Eifrig klackerte das Messer auf dem Schneidbrett. Einen feuchten Teig schnell zusammengerührt, das deutlich zu erschnuppernde Nelkenaroma ignoriert. Das passt schon. Als ich den Ofen öffnete und es nur noch nach Nelke roch, schwante mir Übles. Als ich den ersten Bissen tat, war aus dem Erahnen Gewissheit geworden. Ein Fall für den Mülleimer.

Völlig gefrustet tippte ich lahm eine Mail an nyhet. Vielleicht würde ich ja später noch einen "ganz, ganz einfachen Kuchen" backen, " ... damit ich auf der sicheren Seite bin". Dazu kam es nicht. Der süße Zahn machte Pause. Und ließ einem herzhaften Gelüst den Vortritt. Heraus kam eine supereinfache und superleckere Tomaten-Tarte mit Blätterteig. Danach wurde es wieder supersonnig. In mir.


Die Zutaten für eine Tarteform von 26 cm Durchmesser, nach einem Rezept von Papilles et Pupilles:
1 fertiger Blätterteig (meiner: Bio-Blätterteig von ca. 40 x 30 cm, schlummerte lange im Tiefkühlschrank und wartete auf einen Moment wie diesen)
2 EL Senf "Moutarde à l'ancienne" (der mit den ganzen Senfkörnern)
ca. 20 Cocktail-Tomaten
2 - 3 EL Olivenöl
2 EL Kräuter der Provence
Parmesan
Salz
Pfeffer

Blätterteig in die Form legen, überstehenden Teig abschneiden. Damit evl. den Rand etwas nachbessern, den Rest in Streifen schneiden und beiseite legen. Mit einer Gabel den Boden einstechen, danach darauf den Senf streichen.

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Tomaten waschen und in jeweils 3 Scheiben schneiden. Auf dem Boden verteilen, bis er ganz bedeckt ist. Olivenöl darüber träufeln, salzen, pfeffern und mit den getrockneten Kräutern bestreuen. Parmesan reiben und über den Tomaten verteilen. Die Blätterteig-Streifen zu einem Gitter auf die Tarte legen. Im Ofen etwa 20 bis 25 Minuten backen, bis der Blätterteig golden und blättrig ist. Herausnehmen, leicht abkühlen lassen und sofort verspeisen.

Ja, komplett aufessen. Er ist so lecker, dass man nicht wirklich auch nur ein Krümelchen übrig lassen kann, geschweige denn möchte.

Später endete der Tag doch noch süß. Denn nyhet und Schokozwerg saßen Seit' an Seit' in der Oper und lauschten andächtig wunderschönen Stimmen, dramatischen Arien und barocken Liebesgeschichten. Aus der Feder eines großen, mächtigen, widersprüchlichen und derzeit wieder viel diskutierten Geburtstagskindes.

22. Januar 2012

Genussgrenzen überschweben: Lorbeer-Kardamom-Panna-Cotta mit Blutorange und Litschi


Am Anfang stand eine Frage. Am Ende ein herrlich komischer, lustiger, übermütiger, trubeliger Abend. Wir wollten endlich gemeinsam kochen und uns nicht in einem der vielen Restaurants treffen. Unter der Woche immer gern. Aber irgendwie flitzt nach einem intensiven Arbeitstag immer die Zeit davon. An ihrem Rockzipfel Frische, Spritzigkeit und Durchhaltevermögen.

Was gibt es also Schöneres für Genussfreudige, als an einem Wochenende gemeinsam zu kochen und ausgedehnt zu tafeln? Offen gestanden, durchaus noch einiges anderes ... neben dem kulinarischen Zeitvertreib. So facettenreich, so vielgestaltig, so stimmungsvoll. Manch ein Genuss ist der Anfang von Unerwartetem, gibt lahmen Flügeln neuen Schwung, ist Ausdruck höchster Erfüllung. Er belebt und macht Appetit auf mehr. Der Weg in die besondere Abhängigkeit? Vom Genuss? Heißt das dann Genusssucht?

Wenn dem so ist, können meine Freunde und ich uns als kulinarisch genusssüchtig bezeichnen, ein bisschen wenigstens. Der dekadente Samstagabend war schnell gefunden. Machst du das Dessert? Die Frage an mich. Oh ja! Eine Idee ging mir nicht aus dem Kopf, aufgeschnappt bei Gisa. Ja, das musste funktionieren. Und der frische Kick? Ich ließ mich gedanklich treiben, gestattete meinem Gaumen traumwandlerische Spaziergänge durch Obstplantagen und ferne Wochenmärkte. Ja, das sollte passen. Heraus kam eine Lorbeer-Kardamom-Panna-Cotta mit Blutorangen und Litschi.


Die Zutaten für 4 Portionen:
Für die Panna Cotta:
350 g Schlagsahne
60 g Vanillezucker (unserer ist selbstgemacht)
1/2 TL Kardamomsamen
4 Lorbeerblätter
1 EL Orangenblütenwasser (Eau de fleur d'oranger)
3 Blätter Gelatine

Für die fruchtige Abrundung:
5 Bio-Blutorangen
Saft einer Orange
16 Litschis
3 EL Zucker
1/4 TL Kardamomsamen
Saft einer Zitrone

Zunächst wird die Panna Cotta zubereitet:
Kardamomsamen in einem Mörser zerstoßen, muss nicht ganz fein sein. Schlagsahne mit dem Vanillezucker, zerstoßenen Kardamom und den Lorbeerblättern kurz aufköcheln lassen. Danach von der Herdplatte nehmen und etwa 20 bis 30 Minuten ziehen lassen (je nach gewünschter Intensität des Aromas).

Die Blattgelatine 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Die Sahnemischung durch ein Sieb abseihen, die Lorbeerblätter abspülen und beiseite legen. Aromatisierte Sahne in den Topf geben, Orangenblütenwasser zugeben. Leicht erwärmen, aber nicht zum Kochen bringen. Mit einem Schneebesen nacheinander die Blattgelatine einrühren, sie löst sich sofort auf. 

Lorbeerblätter dekorativ in den Schälchen platzieren und Sahnemischung eingießen. 3 Stunden ruhen lassen, die Masse wird fest.

Dann geht es an das Obst:
Kardamom im Mörser grob zerstoßen. Eine Blutorange waschen, trocken reiben und die Schale fein abreiben. Danach diese Blutorange und die anderen 4 filettieren, dabei den Saft auffangen. Den Saft einer normalen Orange auspressen und zugeben, es sollten etwa 200 bis 250 ml Flüssigkeit sein.

Saft, abgeriebene Orangenschale und Kardamom in einen Topf geben und aufkochen lassen. In der Zwischenzeit in einer Pfanne den Zucker mit dem Zitronensaft schmelzen und bräunen lassen. Mit dem kochenden Orangensaft ablöschen und erkalten lassen.

Litschis vorsichtig aus ihrer Schale befreien und den Kern entfernen. Mit den Blutorangenfilets in eine Schüssel geben. Den Orangensaft aus der Pfanne durch ein Sieb über die Früchte gießen, gut umrühren und bis zum Servieren marinieren. Das kann ruhig ein, zwei Stündchen dauern. Je länger, desto aromatischer.


Probieren. Anrichten. Servieren. Und gespannt beobachten, was nun passiert. Kribbeln ...


Wir waren alle hin und weg. Ich hätte mich reinlegen mögen, zum Glück hatte ich noch eine Portion übrig. Nicht für mich als stille Reserve. Für die Fotos. Für das Sonntagssüß. Für nyhet und ihren feinen kritischen Genießergaumen. Für nyhets Sonntagssüß!

Meine lieben übermütigen Freunde, ob ich für euch wieder so einen Genuss zaubern darf? Fragt euer experimentierfreudiger
Schokozwerg

PS: Zwei Fliegen mit einem Dessert ... Noch mehr süße Sonntagsentdeckungen könnt ihr hier machen. Und weil's so schön ist, geht dieser süße Lorbeer-Genuss an Tobias zum

Kochevent- Mediterrane Kräuter und Gewürze - LORBEER - TOBIAS KOCHT! vom 1.01.2012 bis 1.02.2012

18. Januar 2012

Och guck mal, wie niedlich: Pflaumen-Mohn-Schnecken


Kürzlich lachten mich aus einigen Blogs diese kleinen Hefedinger an. Ein Déjà-vu? Ringelein. Wirbelwind. Sie erinnerten mich an den Chinois Alsacien, der im vergangenen Jahr unseren Frühstückstisch erobert hatte. Und daran, dass verspielt zu backen etwas Wundervolles ist. Saßen wir nicht alle dereinst im Sandkasten und füllten ganze Bäckerei-Regale mit unseren aparten Köstlichkeiten? Wen man ließ, der kostete sogar. Ein Glück, dass ich später lernen durfte, wie ein Sandkuchen wirklich schmecken muss.

Gut, die Spielfreude könnte durch die Herausforderung "Hefeteig" sofort getrübt sein. Wie oft saß ich schon vor der Teigschüssel und feuerte ihn an, doch endlich, endlich größer zu werden. Aber er benahm sich wie pubertierende Mädels. Wenn sie etwas sollen, wollen sie es ganz bestimmt nicht. Ungefähr genauso bockig wurde ich dann und verbannte schließlich den Hefeteig aus meiner Backstube. Der Blaubeerkuchen, der gab mir damals den Rest. Stur ignorierte ich den kompakten Hefeteig, zerrte ihn auf dem Blech in die Breite und zwang ihn in die Länge. Wutschnaubend die Heidelbeeren verteilt und alles krachend in den Ofen geschoben. Heraus kam Pamps. Hätte ich vorher wissen können. Vielleicht wollte ich meine Wut nur steigern, denn irgendjemand musste schließlich schuld sein.

Inzwischen haben wir uns miteinander versöhnt. Erfolgserlebnisse machen eben nachsichtig und überzuckern die Erinnerung. Wie diese Pflaumen-Mohn-Schnecken nach diesem Rezept. Vergessen ist süß. Eine kindliche Gabe?

Oh Schreck ...

Die Zutaten für eine Auflaufform oder Bratenwanne von etwa 40 x 24 cm:
500 g Weizenmehl (Type 405)
50 g weiche Butter
1 Päckchen Trockenhefe
300 ml Milch
1 Eigelb (Größe L)
4 TL Zucker
1 Prise Salz

Für die Füllung:
Pflaumenmus
Mohn

Zum Fertigbacken:
150 ml Milch (ggf. mit etwas Zucker süßen)
Butterflocken

So einfach ist Hefeteig selten: alle Zutaten zusammenmischen, bis der Teig ist und sich gut vom Schüsselrand löst. Mit einem Geschirrtuch bedecken und an einem warmen Ort gehen lassen. Das Teigvolumen soll sich verdoppeln, was bei mir etwa anderthalb Stunden dauerte. Ich wärme den Backofen immer leicht an und stelle die Schüssel hinein.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Form mit Backpapier auslegen oder einfetten.

Den Hefeteig aus der Schüssel lösen und einmal kurz durchkneten. Auf einer bemehlten Fläche zu einem Rechteck (ungefähr 30 x 50 cm) ausrollen. Mit Pflaumenmus bestreichen und großzügig Mohn darüberstreuen. An der Längsseite vorsichtig aufrollen und die "Wurst" in 3 cm dicke Stücke schneiden. Diese nebeneinander dicht an dicht in die Form setzen und 15 Minuten backen.

Die Form herausziehen, über dem Teig die Butterflocken verteilen. Danach die Milch darübergießen. Weitere 15 Minuten backen. Die Schnecken aus dem Ofen nehmen und die ersten noch warm genießen.

Und, wie findet ihr sie? Die Kombination aus Pflaumenmus und Mohn finde ich umwerfend. Seit Plätzchen-Elch und Ausstecher in Liebe zueinander entbrannten. Mir waren die Schnecken zu wenig süß, beim nächsten Mal tränke ich sie mit gezuckerter Milch.

15. Januar 2012

Kindheitserinnerung mit Knack und Zuckernäschen: Platzkuchen


In unseren Kindertagen wurde um einen bestimmten Kuchen immer großes Bohei gemacht, was uns natürlich mächtig beeindruckte. Der müsse erst bestellt werden. Der ist etwas ganz besonderes. Nicht für jeden Kuchen kann man so weit fahren. In unseren Köpfen stieg die Hochachtung für den Bäcker ins Unermessliche.

Dabei sah der Kuchen unserer Träume doch recht bescheiden aus. Groß, knackig, mit ganz viel zuckriger Butter und noch mehr Puderzucker. Berge und Täler durchzogen ihn. Mit der Zunge furchten wir durch die Rillen, um die süße Butter abzuschlecken. Erwischte eine von uns ein ungebuttertes Stück, war die Enttäuschung groß. Denn so überragend schmeckte der knackige Boden auch wieder nicht. Irgendwie lasch.

Ein Kuchen wie ein Spielplatz. Voller Überraschungen und Enttäuschungen. Nicht zu vergessen die Blasen. Bissen wir hinein, stieg immer ein kleines Puderzuckerwölkchen auf und legte sich uns auf die Wangen. Die Nase war längst mit einer Zuckerschneeschicht bedeckt.

Immer wieder ein großes Vergnügen, so ein Platzkuchen. Und so lächerlich einfach zu backen, dass unsere Hochachtung einen veritablen Dämpfer erlitt. Pfft, das war doch in Wahrheit nur künstliche Verknappung eines Objekts unserer kindlichen Sehnsucht. Ob unsere Eltern Schuld sind oder der Bäcker, ist bislang ungeklärt.


Die Zutaten für 4 Portionen:
3 Eigelb (Größe M oder L)
3 EL neutrales Speiseöl
3 EL Mehl
3 EL Rum (40%ig)

Für die Glasur:
50 g Butter
2 TL Vanillezucker
Puderzucker

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Eigelbe schlagen, bis sie blasser werden und die Masse an Volumen gewinnt. Nun das Öl zufügen und weiterschlagen, danach Mehl hineinsieben und den Rum eingießen und rühren, bis alles sich zu einer Masse verbunden hat und sich alle Klümpchen aufgelöst haben.

Teig auf das Backblech streichen. Im Ofen etwa 5 bis 10 Minuten backen. Die Tür geschlossen halten, denn jetzt bilden sich Berge und Täler, und die sollen ja nicht zusammenfallen.

Ist der Kuchen goldgelb und steht kurz vor der Bräunung (an den Rändern kann das passieren, tut dem Genuss aber keinen Abbruch), herausnehmen und abkühlen lassen.

Die Butter schmelzen und auf den erkalteten Kuchen streichen. Ruhig sehr großzügig, sie soll praktisch darauf stehen. Mit Vanillezucker bestreuen und die Butterschicht fest werden lassen. Kurz vor dem Servieren dick mit Puderzucker bestäuben.

Ein echter Kindergenuss, den Alkohol schmeckt man überhaupt nicht, er ist für die Gebirgsbildung jedoch unerlässlich. Warum? Wenn wir das wüssten. (Liest ein Chemiker mit? Eine Erläuterung würde uns brennend interessieren.)

Der ultimative Platzkuchen ist es noch nicht, aber ein wirklich guter erster Versuch. Könnt ihr uns Platzkuchen-Rezepte verraten? Darüber freuen sich


und


PS: Und weil heute Sonntag ist, mischen wir uns wieder unter all die anderen Sonntagssüßen. Hier gibt's die Köstlichkeiten aus den anderen Küchen zu bestaunen.

13. Januar 2012

Experimentelles Backen: Zitronenverbenen-Gugelhupf


Während der Weihnachtszeit haben nyhet und ich vielen unbekannten Plätzchenrezepten Leben eingehaucht. Für mich eine der Entdeckungen schlechthin: das Verbenen-Schokoladen-Gebäck. Vielleicht ist es mir auch deshalb so präsent, weil ich den Teig angerührt hatte und mich noch über den "ziemlich kräutrigen Duft" mokierte. Das könne ja heiter werden, meinte ich noch und begann bereits damit, mir Gedanken zu machen. Darüber, wem ich das wohl unterjubeln könnte. Nicht nett. Wirklich wahr.

nyhet schaute nicht viel optimistischer drein. Dann eben Kräutergebäck. Mit einem "V" für den Plätzchen-Adventskalender getarnt. Zur Not machen wir ganz viel Zitronen-Glasur drauf. Was sollten wir uns täuschen! Das große Erwachen kam, als wir die Ofentür aufklappten und uns ein herrlicher Duft entgegenschwebte. Leicht. Zitronig. Frisch. Wir waren geplättet und kannten kaum ein Halten. Die ersten Plätzchen schoben wir uns, kaum waren sie halbwegs auf Gaumentemperatur erkaltet, in die Münder.

Potzblitz.

Sofort stand für mich fest, dass ich dieses wundersame Kraut erneut verbacken möchte. Am Vorrat sollte es nicht scheitern, mein Lieblingskräuterstand hatte mich mit einer ordentlichen Portion versorgt. Ich brauchte nur noch das richtige Rezept für meine Idee. Das fand ich schnell bei Claudia, Alex und Simone - für einen fantastischen Zitronenkuchen. Passt perfekt. Ein paar kleine Abwandlungen, und schon stand ein Zitronenverbenen-Gugelhupf auf dem Tisch.


Die Zutaten für eine Standard-Gugelhupfform:
250 g Butter
200 g Zucker
4 Eier (Größe L in meinem Fall)
Schale von 2 unbehandelten (Bio-)Zitronen
1 TL Backpulver
280 g Mehl
50 g Mandeln, gemahlen
1/2 TL Salz
8 bis 10 Handvoll getrocknete Zitronenverbene

Für die Glasur: 
Puderzucker und Zitronensaft nach Geschmack(sempfinden) sowie etwas Zitronenverbene für die Optik

Zunächst wird die Butter aromatisiert, genauso wie im Keksrezept. Dazu braucht etwas Vorlaufzeit. Butter schmelzen, währenddessen die getrocknete Zitronenverbene durch ein Sieb in den Topf reiben und umrühren. Die Stängel bleiben draußen, durch die Maschen gerutschte Stängelchen habe ich wieder herausgeklaubt. Kurz aufköcheln lassen, dann beiseite stellen und abkühlen lassen. Die Butter soll nicht mehr flüssig sein, sondern schön cremig (der Kühlschrank beschleunigt ...).

Mehl, Backpulver und Salz mischen, Zitronen waschen und die Schale abreiben. Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

In eine große Schüssel Zitronenverbenen-Butter und Zucker geben, mit einem Handmixer schlagen, bis die Masse hell und schaumig ist. Dann ein Ei nach dem anderen zugeben und weiterrühren. Ich habe mich an Alex' Vorgehensweise gehalten und jedes Ei etwa eine Minute lang eingearbeitet, bevor ich das nächste hinzugleiten ließ. Geht auch mit dem Handmixer, die Oberarmmuskulatur freut's. Am Ende war die Masse schön cremig und fluffig.

Nun habe ich die abgeriebene Zitronenschale untergemengt. Die Mehlmischung in die Schüssel sieben, gemahlene Mandeln einfüllen und mit dem Handmixer rühren, bis sich alle Zutaten gut vermengt haben. In die Gugelhupf-Form füllen und ab in den Ofen für etwa 45 bis 50 Minuten. Stäbchenprobe machen. Kommt es ohne Teig heraus, ist der Kuchen fertig.

Lasst euch nicht verwirren, er fühlt sich sehr weich an. Nachdem er 10 Minuten abkühlen durfte, aus der Form nehmen. Guss anrühren, auf den Kuchen streichen (kann ruhig noch etwas warm sein) und mit Zitronenverbene bestreuen.



Ein Gedicht! Die Konsistenz begeistert mich absolut, auch nach zwei Tagen noch immer weich, zart, frisch. Und die Zitronenverbene hat mich wieder überzeugt. An dem Kuchen kann ich nicht vorbei gehen, ohne mir eine Scheibe abzuschneiden. Ich bin gespannt, wie der Kuchen mit frischer Zitronenverbene wohl schmecken wird (ein Projekt für den Sommer).

Definitiv mein Rezept für Rührkuchen, der Variationsmöglichkeiten gibt es ja viele. Als nächstes wird es jedoch das Original - Zitrone pur - geben, als kleine goldene Sommerfrische in der Berliner Wintertristesse. Mit allem drum und dran.

11. Januar 2012

Winter von seiner süßen Seite: Schokoladen-Glühwein-Crème mit Cranberries und Gewürznüssen


Am Anfang stand eine Einladung an Freunde. Auf dass wir in fröhlicher Runde gemeinsam das Leuchtvermögen und die Strahlkraft eines Moabiter Adventskranzes testen. Mit vereinten Kräften, hausgemachtem Punsch und allerlei süßen Verführungen. Wer sagt da schon Nein?!

Das erste Lichtlein war bereits entzündet und erhellte zaghaft den grauen und feuchten Dezember. Ein weiteres Leuchten würde da nicht schaden. Wobei, die Augen der Gastgeberin strahlten so sehr, als sie ihre Gäste empfing. Sie hätte locker zehn angeknipste Adventskränze ersetzen können. Wem wäre bei so viel Freude nicht ums Herz ganz heiß geworden?

Ein Blick, Gewissheit, Freude. Alle in der Küche. Der Klassiker. Kakao und Punsch blubberten auf dem Herd vor sich hin, immer wieder wurde ein Becher abgeschöpft. Lebkuchen und Muffins dezimierten sich. Und dann stand da noch eine zur Schüssel umfunktionierte Auflaufform.

Schokolade bis an den Rand. An der einen oder anderen Stelle blitzte eine rote Beere hervor, als schaute sie sich neugierig um, in welch' illustrer Runde sie da wohl gelandet sei. Eigentlich eher eine Drohkulisse, so wie alle mit dem Löffel in der Hand auf den Startschuss zu warten schienen. Dass jeder sich einen kräftigen Schlag Schokoladen-Glühwein-Crème mit Cranberries und Gewürznüssen in sein Schüsselchen befördern könne. Ein Rezept, kürzlich bei Christina entdeckt und ganz zeitgemäß um Glühwein und Gewürznüsse angereichert.



Die Zutaten für eine ovale Auflaufform (8 bis 10 Portionen):
200 ml trockener Rotwein
1 Beutel Punsch- und Glühweingewürz
60 g Zucker
150 g Cranberries
230 ml Sahne
200 g dunkle Schokolade (mindestens 70% Kakao), grob gehackt
2 frische Bio-Eier (Größe M), verquirlt
75 g gebrannte Gewürznüsse, grob gehackt

In einem Topf den Rotwein mit dem Glühweingewürz und Zucker erhitzen. Die Cranberries hineingeben und kurz aufkochen, sie sollen ihre Form behalten und nur leicht aufplatzen. Sieb auf eine Schüssel legen und die Cranberries abgießen. Den Glühweinsud wieder in den Topf füllen und soweit einkochen, bis etwa 4 EL leicht dickflüssiger Wein im Topf verblieben sind.

In einem weiteren Topf die Sahne erhitzen, sie soll jedoch nicht kochen. Die grob gehackte Schokolade mit dem Schneebesen unterrühren und zum Schmelzen bringen. Vom Herd nehmen, leicht abkühlen lassen (2 bis 3 Minuten), dann unter stetem Rühren Eier und Weinsud einrühren. Die Eier dürfen nicht gerinnen, die Masse wird dickflüssig (tut sie das nicht, kann mit einem Hauch Stärke nachgeholfen werden). Die grob gehackten Gewürznüsse hineingeben, sie geben der Crème Würze und Süße. Zuletzt die Cranberries vorsichtig unterheben, und die Crème in die Auflaufform füllen. Man kann auch schöne Gläser oder Schälchen nehmen, für den Transport habe ich die stabilere Variante gewählt.

Im Kühlschrank 3 Stunden abkühlen lassen.


Die Mitgenießer waren sehr angetan. Sie hatten wie auch ich noch keine frischen Cranberries gegessen, und über die Schokoladencrème mit der Glühweinnote muss ich gar keine großen Worte verlieren. Einfach großartig!

Am Ende steht das Wissen, einen lustigen Abend inmitten fröhlicher und genussfreudiger Menschen erlebt zu haben. Zu später Stunde zu Hause angekommen, mit einem Lächeln eingeschlafen. Reich geworden an wunderschönen Begegnungen und Eindrücken und Gedanken und Genüssen.

Liebe Christina, für dieses wundervolle Rezept dankt Dir

8. Januar 2012

So simpel, so gut: Bananen-Erdnuss-Kuchen


Eine Reise, ein kulinarisches Druckwerk. Mindestens.

In meiner Rückschau auf das, was im vergangenen Jahr war, fiel es mir auf. Auch wenn es mir nicht immer glückte, ein schönes Buch über regionale Köstlichkeiten zu finden. Ich habe immer danach gesucht. Genauso wie Lebensmittelgeschäfte muss ich in fernen Ländern und fremden Orten Buchläden besuchen. Ich kann nicht anders. Sogar in Ländern, deren Sprache ich nicht spreche, schlendere ich gern an gefüllten Bücherregalen vorbei, sauge die Atmosphäre in mich auf und beobachte andere Bücherliebhaber. Ich blättere mich durch die Literatur, schwelge im Bilderrausch und begegne staunenden Buchhändlern. Wie unlängst in Europas hohem Norden. Ein Backbuch? Auf Norwegisch? Verstehen Sie das denn?

Manchmal reise ich mit einer kleinen Liste, so wie im Dezember nach Paris. Darauf stand dieses Mal nur: Librairie Gourmande. Mit drei Ausrufezeichen. Vor Ort wäre ich beinahe verzweifelt. Wo ist denn bloß der Buchladen. Mit drei Fragezeichen. Ich lief die Straße rauf und wieder runter. Die Augen auf den Hausnummern. Nichts. Nur Frisöre und Bistrots und ganz viele Mittagesser. Meine letzte Hoffnung: die Mitarbeiter einer Bank. Die müssen sich auskennen, die sind jeden Tag da. Große Augen, nie von dieser Buchhandlung gehört.

Kollegen herbeigeholt. Heftig gegrübelt. Den Kopf geschüttelt. Mit auf die Straße gekommen. Mais oui, juste en face! Tatsächlich. Ein total unscheinbarer Laden mit noch unscheinbarerer Auslage zwischen all' dem Glitzer und Trubel. Erleichtert schwebte ich über die Straße, der roten Ampel nicht gewahr. Qu'importe! Schwungvoll die Tür aufgestoßen - und beinahe nicht hineingekommen.

Gestaunte Bauklötzer: ein französischer Buchladen voller japanischer Touristen. Ein Haus wird daraus: die Präsentation eines japanischen Kochbuchs. Vorsichtig bahnte ich meinen Weg durch das Publikum, bis ich allein vor meinem Paradies stand. Kuchen und Desserts Schwarz und Bunt auf Weiß. Den Mantel abgelegt, die Tasche abgestellt, eine Sitzgelegenheit gesucht. Da und doch weg ...

Heimgekehrt bin ich mit einem ganz neuen Buch "Desserts de tradition - 300 recettes au parfum d'enfance", das sich wegen unseres Plätzchen-Adventskalenders ein wenig gedulden musste. Allem Süßen zum Trotz brannte ich darauf, endlich mit dem Nachbacken zu beginnen. Heute war es soweit, ein Bananen-Erdnuss-Kuchen erfreut unser süßes Herz und praktischerweise konnte ich Erdnussbutter aufbrauchen. Übrig von unserem Erdnussheidesand und pur für mich unessbar.


Die Zutaten für eine Kastenform, etwas vom Originalrezept abweichend:
2 reife Bananen
50 g ungesalzene Erdnüsse
75 g stückige Erdnussbutter
100 g Zucker
2 Eier (Größe L)
125 g weiche Butter
180 g Mehl
1/2 Beutel Weinsteinbackpulver
Mark von 1 Vanilleschote
1 Handvoll Studentenfutter
1 Prise Salz

Die Erdnüsse in einer Pfanne bei mittlerer Hitze ohne Fett rösten, bis ihr Duft in die Nase steigt. Grob hacken. Das Studentenfutter hacken und mit den Ernüssen mischen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Mehl, Salz und Backpulver vermengen und sieben. In einer Schüssel Erdnussbutter, Zucker und cremige Butter schlagen. Ei für Ei hineingeben und weiterrühren. Vanillemark zufügen, danach die Mehlmischung. Alles zu einer glatten Masse verarbeiten.

Bananen schälen und in Scheiben schneiden. Zusammen mit den gehackten Erdnüssen und dem Studentenfutter mit einem Teigspatel unter den Teig heben. Kastenform buttern und füllen, den Teig glatt streichen. Etwa 45 Minuten backen. Mit einem Holzstäbchen testen, ob er fertig ist (er muss ohne Teigreste aus dem Kuchen herauskommen). Kurz abkühlen lassen und aus der Form nehmen.

Der Kuchen schmeckt warm mit einer Kugel Vanilleeis sehr gut, aber auch abgekühlt zu einer Tasse Milchkaffee ein einfacher, ein schneller sonntagssüßer Genuss. Aufgetischt von


4. Januar 2012

Die Rettung der süßen Ehre: würzige Schokoküchlein mit Rotwein-Glasur


Was tun? Ein abendliches Büffet. Eine unbestimmt große Anzahl von Weihnachtsfeiernden. Ein herzhaftes Speisenübergewicht. Ein bisschen zu wenig Zeit.

Erst einmal: sich fragen, warum man angeboten hat, für das Dessert zu sorgen. Hach, wie kann man nur so leichtfertig, so übermütig sein! Ich. Wie kann ich nur! Aber zugesagt ist schließlich zugesagt, kneifen gilt nicht. Fix den Zeitplan geprüft, oh weh. Das wird knapp.

Was tun? Die Liste prüfen. Durchzählen. Klarheit. So viele kommen gar nicht. Nur wenige bleiben jedoch fern.

Ich entschied mich nach einigem Grübeln für zweierlei Desserts. Beide gut transportierbar und mit dem gewissen Etwas. Den Teig für die weihnachtlich aromatisierten Cannelés bereitete ich schon am Vorabend zu, die kleinen würzigen Schokoküchlein mit Rotwein-Glasur sollten schnell und frisch am Tag der Feier kreiert werden. Alles klappte wunderbar, die Küchlein kühlten ab, während mein westfranzösischer Klassiker im Ofen vor sich hin brutzelte. Ein Blick auf die Uhr, ich war sehr spät dran.

Der Küchenwecker klingelte. Endlich. Die Cannelés waren gewachsen. Backofentür auf und - wumms. Mir schlug eine Wolke aus feuchter Hitze und süßlich Verbranntem entgegen. Nebel in der Küche, der in die anderen Zimmer zu wabern begann. Fenster auf. Mit dem Küchentuch gewedelt.

Als er sich verzogen hatte und die Sicht auf meine Cannelés freigab, nackt vor mir das Malheur. Oben kohlrabenschwarz, an der Seite goldgelb, meine Cannelés. In einem Wort: misslungen. Ich hatte Tränen in den Augen. Och menno, alles umsonst? Aber nicht doch. Mir lächelten aufmunternd kleine schokoladige Küchlein aus der Transportdose zu, auf den ersten Blick nicht wirklich viele (zumal ich das Probierstück schon vertilgt hatte ...). Nachdenken zwecklos. Lieber flugs in die Stiefel geschlüpft. Auf zur Weihnachtsfeier.


Die Zutaten für 12 kleine Küchlein:
150 g Mandeln, gemahlen
130 g Schokolade (55 bis 70% Kakaoanteil)
125 g Zucker
60 g Butter, in kleine Würfel geschnitten
2 TL Lebkuchengewürz
2 bis 3 EL Portwein
3 Eier (Größe L)
40 g Stärke

Die Küchlein sind schnell präpariert:
Schokolade hacken und in einer Schüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen. Herausnehmen und ein Butterwürfelchen nach dem anderen einarbeiten, bis alle geschmolzen sind.

Eier trennen. Zum Handmixer greifen und die Eigelbe mit dem Zucker schaumig rühren, bis die Masse weiß ist. Dann Stärke, Lebkuchengewürz und Mandeln gut untermengen, was aufgrund der Konsistenz etwas schwer geht. Eventuell zum Schneebesen greifen. Funktioniert aber. Als nächstes die geschmolzene Schokolade unterrühren, was schon viel einfacher geht. Nun den Portwein zufügen.

Den Backherd auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Eiweiß steif schlagen. Die erste Hälfte mit dem Teigspatel zugeben und zügig unterheben, danach die zweite Hälfte behutsam einarbeiten, bis sie nicht mehr von der Schokolade zu unterscheiden ist.

Die Muffin- oder Mini-Gugelhupf-Förmchen buttern und den Teig einfüllen (1 bis 1,5 cm unter den Rand der Form). Etwa 30 Minuten backen. Leicht abkühlen lassen, aus der Form lösen und vollständig erkalten lassen. Mit Puderzucker bestäuben. Für die Glasur Puderzucker mit Rotwein vermengen, bis die Masse dickflüssig ist und über die erkalteten Küchlein tröpfeln.



Zu wenig? Nein. Ich war wieder perplex, wie wenige süß essen. Wer probierte, schwärmte mir etwas vor. Wer nicht probierte, hatte wirklich etwas verpasst. Alles wurde gut, schreibt erleichtert

 
(der sich von den vielen Weihnachtsmützen noch nicht trennen kann)

PS: Und wer einen Tipp hat, wie Cannelés an der nach oben offenen Seite nicht verkohlen, möge ihn mir bitte verraten. Ich liebe sie, nur eben nicht in Kohlenstoffform.

2. Januar 2012

"Prost Neujahr! Schiet auf's alte Jahr."

Diesen so einfachen wie zutreffenden Satz
las ich auf der Glückwunschkarte zweier wundervoller Freunde.
Wie recht sie haben!


Abrakadabra simsalabim ...
... eben noch 2011 ...
... und schwupps ...
... sind wir in 2012 angekommen.

Die Zutaten:
Liebe
Glück
Gesundheit
Freude
Genuss
Inspiration
Neugier
Genuss
Sinnesfreude
Entdeckerdrang
Spaß
Lebenslust
Kreativität
Zufriedenheit
Zuversicht
Mut
Ausgelassenheit
Besinnung
Kraft
Achtsamkeit
Wertschätzung
Erfolg
Gelassenheit
Ausdauer
Gefühle
Lächeln
Sonnenschein
...

Die genauen Mengen möchten wir euch nicht angeben. 
Lasst einfach eure Experimentierlust regieren.
Ein Esslöffel von diesem? 
Eine Prise von jenem?
Und vielleicht ein großer Schluck davon?

Jeder ganz nach seinem Geschmack. 
Alles nach Herzenslust schwungvoll miteinander vermengen.
Nicht die Luft herausquetschen, die Mischung soll fluffig und locker bleiben.

Lächeln. Frohsinn. Zuversicht. Wärme.
Etwa 365 366 Tage lang.
Aufpassen, dass nichts sauer wird oder stockt.
Et voilà. Heraus kommt ein duftig-leichtes Jahr 2012.

Ein praktisch gelingsicheres Rezept
mit den besten Wünschen
von

und