14. November 2012

Heimtückisch: gezwirbelter Schokoladen-Hefekuchen


Troja ist überall.

Kennt ihr die alten Sagen? Als Kind war ich ganz vernarrt in die "Sagen des klassischen Altertums" von Gustav Schwab. Mein Vater besitzt eine wunderschöne Ausgabe mit anmutigen Zeichnungen eines englischen Künstlers, dessen Name mir entfallen ist. Neorenaissance.

Zu der Zeit wurde in mir der Wunsch geboren, Archäologie zu studieren. Obwohl er sich sehr lange in mir wach hielt, grabe ich heute in anderen Dingen auf der Suche nach Wissen und Erkenntnis und Fortschritt. Allerdings nicht in Erde. Wie schade, denke ich hin und wieder. Denn meine Leidenschaft ging so weit, dass ich tagelang und bis in die Nacht hinein über überdimensionalen Papierbögen hockte und zeichnete. Genealogien. Wie Gott X mit Göttin Y zusammenhing und was Gott Z in dieser Verbindung verdammt noch mal zu suchen hat. Illuster, illuster, sage ich euch. Dagegen sind die Dramen in den bunten Blättern und jenseits des Ozeans gähnend langweilig und durchschaubar. Sex, drugs and rock'n'roll kannten schon die mythischen Griechen!

Irgendwann geriet mir eine Biographie über Heinrich Schliemann in die Finger. Ich las sie begierig, und das mehrmals. Den Schatz von Troja zu sehen, das war mein größter Traum. Neben Troja itself, logisch. Ersterer ist jedoch in finsteren Museumsarchiven in Russland den Augen der Öffentlichkeit entzogen, allerdings können im Neuen Museum (eine architektonische Wucht!) hier in Berlin einige Repliken bestaunt werden. Letzteres hat mich leider noch nicht empfangen können.

Aber Troja war am Montag bei mir zu Hause. Das berühmte Pferd hatte meine sorgsam aufgebauten und instand gehaltenen Mauern überwunden, ohne dass ich es gemerkt hätte. Das ist ja auch das Prinzip, zu dem dann der Überraschungsmoment der Attacke gehört. Die glückte, und mein Computer war für Stunden außer Gefecht gesetzt. Na bravo! So hatte ich das damals mit meiner Leidenschaft nicht gemeint. Mittlerweile habe ich das Ungetüm wieder vor die Mauern verwiesen, und nach mühevollen Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten ist mein Computer wieder einsetzbar. Höchste Zeit, euch mit diesem Rezept zu beglücken, das mir und meinen Gästen den Sonntagnachmittag versüßt hatte. Gefunden auf Emmas sehr hübschem Blog "Poires au chocolat", die es wiederum aus Yotam Ottolenghis anscheinend famosem Buch "Jerusalem" entnommen hat. Gezwirbelter Schokoladen-Hefekuchen. Bei mir ohne Pekannüsse. Das nächste Mal mit.


Die Zutaten für etwa zwei je 20 cm lange Kuchen:
Für den Hefeteig:
265 g Mehl (Type 405)
50 g Rohrzucker
1 bis 1 1/2 TL Trockenhefe
abgeriebene Schale einer halben Zitrone (die hatte ich vergessen, muss also nicht)
Salz
1 großes Ei (Größe M, besser L)
85 ml lauwarmes Wasser
85 g Butter, in kleine Würfel geschnitten und Zimmertemperatur

Für die Füllung:
(im Original 100 g Pekannüsse plus 1 EL Zucker)
65 g dunkle Schokolade (Kakaogehalt 70%)
60 g Butter
25 g Puderzucker (ich habe normalen Zucker genommen)
20 g reines Kakaopulver (meines 100%)

Für den Sirup:
80 g Zucker
50 ml Wasser
1 kräftiger Spritzer Vanilleessenz
ggf. Meersalz

Am Vorabend wird der Hefeteig vorbereitet. Zunächst die trockenen Zutaten in einer Schüssel mischen. Dann mit den Knethaken Ei und Wasser einarbeiten, bis alles gut befeuchtet ist. Nun mit dem Handmixer (oder der Knetmaschine) auf mittlerer Geschwindigkeit kneten und nach und nach die Butter einarbeiten. Etwa 10 Minuten weiter kneten, bis der Teig schön cremig und weich ist und sich nicht mehr am Schüsselrand festhält. Mit einer Folie abdecken und über Nacht im Kühlschrank aufbewahren. Achtung, der Teig wird nicht von Hand knetbar, sondern bleibt auf eine gewisse Weise klebrig.

Am nächsten Tag zuerst Schokolade grob hacken und mit der Butter in einer Schüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen, dabei mit dem Schneebesen umrühren, bis die Masse cremig und ohne Klümpchen ist. Puderzucker und Kakaopulver mischen und einrühren. Zur Seite stellen.

(Wer Pekannüsse hineingibt: Diese in einer Pfanne rösten, bis sie duften, sich aber nicht verfärben. Abkühlen lassen, grob hacken.) Zwei Kastenformen von ca. 20 cm Länge mit Backpapier auskleiden, damit sich die fertigen Kuchen besser herausnehmen lassen.

Teig aus dem Kühlschrank holen und auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben. Er soll sich nicht zu stark erwärmen. Mit den Händen grob in eine rechteckige Form drücken, dann mit dem Nudelholz auf eine Größe von etwa 45 cm x 35 cm dünn ausrollen. Das klappt wider Erwarten hervorragend. Zügig nun mit der Schokoladencreme gleichmäßig bestreichen, dabei einen Rand von 2 cm frei lassen. (Wer Pekannüsse verarbeitet, verteilt diese nun auf der Schokoschicht und bestreut sie grob mit einem EL Zucker.) Mit einem Messer die Ränder begradigen.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Einen kürzeren Rand mit Wasser bestreichen und dann vorsichtig zum anderen Rand aufrollen (wie bei Zimtschnecken). Den Rand gut verkleben. Rolle in die Mitte schieben, oben und unten jeweils ein Stück von 2 bis 3 cm abschneiden (ich habe beide Stücken mitgebacken als Schokoschnecken). Dann mit einem sehr scharfen Messer ohne Zinken die Rollen in der Mitte der Länge nach halbieren und die beiden Hälften mit den Schnittflächen nach oben direkt nebeneinander legen. Oben miteinander verkleben, dann den linken Strang über den rechten legen, diesen dabei etwas nach links schieben. Nun wieder den links liegenden Strang über den rechten heben, den unteren dabei wieder etwas nach links schieben usw. usf., bis man am unteren Ende angekommen ist. Diese wieder wie oben gut miteinander verkleben.

Den gesamten verflochtenen Strang in der Mitte teilen und die Enden erneut gut aneinander drücken. In die Kastenformen legen und auf mittlerer etwa 40 Minuten backen. Stäbchenprobe machen. Ggf. mit Alufolie abdecken, damit der Kuchen nicht zu dunkel wird.

Inzwischen für den Sirup den Zucker mit Wasser in Topf geben, unter Rühren auflösen und bis zum Kochen bringen. Vanilleessenz zugeben und den Sirup von der Herdplatte nehmen. Etwas abkühlen lassen. 

Fertigen Kuchen aus dem Ofen herausnehmen, etwas abkühlen lassen, mit dem Sirup in mehreren Durchgängen beträufeln. Immer wieder warten, bis der Sirup eingesickert ist. Dann den Kuchen aus der Kastenform nehmen. Ich musste sofort probieren! Der Kuchen schmeckt auch ein oder zwei Tage später noch sehr gut.


Aber so lange hat er es mit mir nicht ausgehalten. Oder ich nicht mit ihm? Wie dem auch sei, er hat sehr gemundet. Konsequenz: Ich muss mir wohl das Buch kaufen! Und soll ich euch etwas sagen? Das mache ich mit dem größten Vergnügen, frohlockt und grüßt

Kommentare:

  1. Du kannst deinen Computer in solchen Härtefällen wieder ALLEINE in Stand setzen? Ich bin schwerstens beeindruckt!

    Und die griechischsen Sagen finde ich auch zutiefst faszinierend. Deine Zeichnung hast du wohl nicht aufgehoben? Die hätte ich nämlich bei einem Stück Kuchen gerne studiert...

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  2. Hefegebäck...meine große Liebe. Nüsse noch größere Liebe (du solltest mal meine Nussvorräte sehen) Schön gezwirbelt..noch schneller gegessen!
    :)

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  3. Wundervoll Verführung! Mit Hefe muss ich auch bald was backen :-)

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  4. Hmm, ich habe noch Hefe daheim... und zwar keine Pecan- aber dafür Walnüsse. Die müssen auch mal weg... Hmmm... da werde ich wohl aktiv werden müssen. Auch wenn ich noch nicht weiß wann, zuviel vor, zuwenig Zeit!
    Tja, das mit der Archäologie kommt mir sehr bekannt vor, zumindest besuche ich z.Z. Vorträge zum Thema Technik in der Antike - sehr interessant!
    Die alten Griechen (und auch ander Völker) haben sich bei ihren Göttern wirklich ausgelebt. Ich erinnere mich an eine Doku, bei der man die Verbrechen der Götter aufdröselte - Pädophilie, Folter, Mord... wirklich veritable Sündenregister! Dagegen sind unsere Promis meist (glücklicherweise) Waisenknaben... Viele liebe Grüße, Hexle

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  5. @grain de sel: Am Anfang stand ein panischer Anruf bei nyhet, dann viele Recherchen, bis ich überhaupt wusste, was los war. An den letzten Schäden arbeite ich noch immer. So ein Bogen (es gibt, glaube ich, mehrere) liegt sicher noch bei meinen Eltern!

    @Sybille: Auf meiner wöchentlichen Marktrunde bleibe ich immer am Nussstand stehen ... und shoppe! Bevor ich aufesse :)

    @Anne: vielleicht wir zusammen? 8D

    @Hexle: Da musst Du ran, egal, wie wenig Zeit Du hast! Du wirst es nicht bereuen :D Liebe Grüße nach Franken

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    1. Ich habe die nussfreie Variante am Wochenende gebacken, wirklich köstlich! Ich hatte allerdings keine Vanilleessenz zu Hause, ich habe - nachdem ich die Zuckerlösung vom Herd gezogen hatte - einfach etwas gemahlene Vanille dazugegeben. Ging auch! Liebe Grüße, Hexle

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    2. Ach Du Süßschnabel, das find ich ja zum Erröten toll! :) Liebe Grüße nach N.

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  6. Der Kuchen sieht so kunstvoll aus, ich glaube Grobmotoriker wie mich überfordert das schon wieder ;-)
    Aber mögen würde ich ihn gaaaanz sicher!!

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  7. oh, der sieht nach einem idealen begleiter für die woche aus - ich mag sofort ein stück haben:) herzliche grüße, daniela

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  8. Ich mag solche Kuchen sehr einfach so für zwischendurch. Morgens ein Stück zu Kaffee, nach Feierabend zum Zuhause ankommen und spät abends noch eins, wenn die Lust auf was Süßes kommt. Fein... :-)
    Lieben Gruß, Dirk

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  9. Schoko und Pekannüsse und so schön gewickelt und Sagen und studiert, sehr interessant das alles. Es erinnert mich so an die Kakaoschnecken meiner Mutter, doch dieser Schokoladen-Hefekuchen ist um Längen gehaltvoller und so lecker, dass ich ihn unbedingt nachbacken muss.
    Liebe Grüße Ingrid

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  10. @Britta: Ich bin mir sicher: Du kannst und Du magst ihn :)

    @Daniela: Den hätte ich in dieser Woche gut essen mögen ...

    @Dirk: Zwischendurch ist gerade so oft, der Kuchen hätte nicht lange überlebt ;)

    @Ingrid: Und dann musst Du unbedingt das erste Stück noch warm probieren. Mmh!!

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  11. hmmm, welch grandiose Idee, Nuss mit Schokolade im Zopf zu vereinen, Rezept ist gedruckt
    Klasse :-)

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    1. Und vor allem ganz wichtig: Pekannüsse. Göttlich, sage ich Dir! Liebe Grüße :)

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  12. göttlich, das trifft's,
    Nuss, in dem Fall die Pekannuss und die dunkle Schokolade, das Traumpaar des Tages.
    Diesen wunderbaren Zopf habe ich ebenfalls nachgebacken,
    1:1 habe ich das Rezept übernommen, einzig, das Vanilleessenz, das hate ich nicht, das habe ich mit Vanilleschote getauscht.
    Ich verrate nicht wieviel Stücke ich jeweils von Beiden Kuchen genossen habe ;-)
    GAnz lieben Gruß
    Gaby

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    1. Wenn Du's nicht verrätst, dann waren es bestimmt ganz viele! Hoffentlich hast Du Deinen Gästen auch noch ein Stückchen gelassen ;) Freut mich riesig, liebe Gaby, dass er euch so gut geschmeckt hat :)

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