1. Juli 2012

Fast wie bei Oma: Stachelbeer-Kompott mit Vanillesauce


Dass ich bei Stachelbeeren an meine Oma denke, hatte ich schon geschrieben. Jeden Sommer stand sie in den mächtigen Büschen und pflückte furchtlos unzählige Kilogramm Beeren herunter. Natürlich wollte ich helfen, welches Kind mag das nicht? Angesichts der beeindruckenden Stacheln wickelte ich mir um die Arme immer Handtücher, die ich mit Wäscheklammern und Gummiringen befestigte. Es half nichts. Ständig piekste mich irgendetwas. Aber da wollte ich durch, ich konnte doch kein Waschlappen neben meiner mutigen Oma sein!

Die Ausbeute war enorm und wurde stets zu Kompott verarbeitet. Leider hat meine Oma uns ihr Rezept, das nicht besonders spektakulär sein konnte, nicht überliefert. Ihre Küche war Hausmannskost. Und bei der Obstverarbeitung kam es vor allem darauf an, diese Mengen schnell bewältigen zu können. Für Experimente nahm sie sich nicht die Zeit, und vielleicht war das auch nicht ihr Ding. Als ich so über diese Zeit damals nachdachte, fiel mir ein, dass sie die Stachelbeeren immer mit einer Nähnadel durchstach, bevor sie sie einkochte. Deshalb war auch kaum eine Beere geplatzt, im Gegenteil. Im Mund mit der Zunge an den Gaumen gedrückt, platzten sie fast mit einem Plopp auf.

Ich war ein wenig angespitzt und als dann auch noch das Salzkorn nach dem Kompottrezept fragte, begab ich mich auf die Suche nach dem Stachelbeer-Kompott mit Vanillesauce. In Kochbüchern wird dieses Obst leider schmählich vernachlässigt, jedenfalls konnte ich nichts wirklich Brauchbares ausfindig machen. Bis ich in einem kleinen Büchlein blätterte, das ich vor drei Jahren auf der "Grünen Woche" am Stand eines Bücherdorfs antiquarisch erstand. "Zahlen Sie den Preis, den das Buch Ihnen wert ist", so der Verkäufer. So gelangte das Buch "Süßes - Kompotte, Puddings, Kremspeisen, Eis", erschienen Anfang der 1980er Jahre im Verlag für die Frau, in meine Sammlung.

Die Vanillesauce habe ich nach Gabys Rezept zubereitet. Sehr vanillig, sage ich nur. Passt hervorragend zum Kompott. Allerdings muss man bereits am Vorabend die Vanillemilch ansetzen.


Die Zutaten für die Vanillesauce:
250 ml Vollmilch
1 Vanilleschote
250 ml Sahne
1 Prise Salz
40 g + 20 g Zucker
4 Eigelb

Am Vorabend die Vanilleschote auskratzen. Mark und Schote gemeinsam in die Milch geben und abgedeckt über Nacht im Kühlschrank stehen lassen.

Am nächsten Tag mit Sahne, Salz und 40 g Zucker erhitzen, aber nicht kochen. Von der Herdplatte nehmen und etwas abkühlen lassen. Schote herausfischen.

In der Zwischenzeit die Eigelbe mit 20 g Zucker in einer Schüssel schaumig schlagen. Das geht sehr gut mit einem Schneebesen. Danach unter kräftigem Rühren mit einer Schöpfkelle peu à peu die Hälfte der Vanillesahne zugeben. Nun die mit den Eigelben verrührte Vanillesahne zurück in den Topf gießen und gut vermengen. Die Herdplatte auf mittlere Stufe stellen und die Vanillesauce so lange unter Rühren erwärmen, bis sie cremig wird. Abkühlen lassen.

Die Zutaten für das Kompott:
Das Mischungsverhältnis Stachelbeeren : Zucker : Wasser beträgt 2 : 1 : 4.
400 g Stachelbeeren
200 g Zucker
800 ml Wasser + Wasser zum Abbrühen

Stachelbeeren waschen und von den Blütenansätzen und Stielen befreien. Das klappt gut mit einer Schere. Mit einer Nähnadel ein, zwei Mal quer im Verhältnis zum Blütenansatz durchstechen. In ein Sieb geben und mit kochendem Wasser kurz überbrühen. Auskühlen lassen.

In einem Topf Zucker und Wasser zum Kochen bringen. Die erkalteten Beeren hineingeben und 2 bis maximal 3 Minuten köcheln. Das Kompott erkalten lassen.


Dann kann endlich gelöffelt werden. Ich werde das nächste Mal sowohl im Kompott als auch in der Sauce etwas weniger Zucker verwenden, aber das ist Geschmackssache. Denn geschmeckt hat es mir auch so sehr gut, fast wie bei Oma damals. Oder gar genauso wie bei ihr?

Einen schönen Sonntag wünscht euch

Kommentare:

  1. Un gros bisou, lieber Schokozwerg - unsere Stachelbeeren werden sich nun in Kinderglück wandeln. Ich bin schon ganz gespannt, ob ich mich mit der picksigen Sauerbeere auf diese Weise anfreunde.

    Zu schade, dass du an Nyhet die *Schutz-und Kampfausrüstung* nicht nachgestellt und ein Foto gemacht hast. Das sah bestimmt zu witzig aus mit den Gummibändern und Wäscheklammern. Allein die Vorstellung ist zum dicken Grinsen :). Du warst ein Held :O)

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  2. Da ist was dran. Viele Rezepte fallen mir zu Stachelbeeren auch nicht ein, doch eure Bilder sehen so lecker aus, da sollte ich einen Versuch wagen.
    Ich wünsch' euch einen Sonntag, wie bei Oma früher!

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  3. Dank euch hab ich mir am Donnerstag Stachelbeeren geholt - und einfach so gegessen. Wie Weintrauben. War auch lecker :-)

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  4. wunderschöne Bilder, das Kompott mit der Sauce ganz toll in Szene gesetzt, ich freue mich sehr, Vielen Dank Schokozwerg ♥

    liebe Grüße Gaby

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  5. Aus irgendwelchen Gründen kamen Stachelbeeren bei uns daheim nicht vor - bis auf eine Geschichte mit einem Kuchen mit unaufgetauten Stachelbeeren - aber das könnte sich ändern... Liebe Grüße, Hexle

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  6. Mhhh, das schaut gut aus! Stachelbeeren sind was feines. Gerne auch versunken im Käsekuchenteig :)

    Liebe Grüße
    Anne

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  7. @grain de sel: oooooh, bring sie bloß nicht auf falsche Gedanken! Nachher will sie diese Szene wirklich nachstellen ... Ich bin auf Dein Stachelbeeren-Urteil gespannt :)

    @Sybille: Mich wundert das schon, denn so übel sind Stachelbeeren nun wirklich nicht!

    @Miss Jenny: ja, wenn die richtig reif sind, ein Genuss! Meine waren allerdings ausdrücklich zum Backen oder Kompottmachen gedacht, einfach so etwas sauer.

    @Gaby: Alles nur dank Deiner köstlichen Vanillesauce :) Liebe Grüße!

    @Hexle: oh je, das klingt ... erheiternd? Lass es mich wissen, ob sie Einzug gehalten haben :D

    @Anne: Jajaja, Schwäbisch-Stachelbeere! Lecker lecker! Liebe Grüße :)

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