26. Februar 2012

Auf der Welle mitgeritten: Matcha-Himbeer-Tarte


Eigentlich habe ich keine Zeit zum Backen. Aber wenn eine Idee den Kopf durchstreift, dann klopft sie solange an die Tür, bis ich sie hinauslassen muss. Ein wenig habe ich recherchiert und nur vage Hinweise gefunden. Ob Matcha, das ich vorher noch nie probiert hatte, denn mit Himbeeren, meinen Sommerfrüchten schlechthin, harmonieren würde, blieb mir bis zum Verkosten der Tarte ein Geheimnis.

Klar, grünen Tee kenne ich, trinke ich und verarbeitete ich bereits in einer köstlichen Panna Cotta. Mit den Gefahren - zu viel, zu bitter - hatte ich also bereits Bekanntschaft gemacht. Matcha allerdings, gerade schwer angesagt in den heimischen Backstuben und Pâtisserien, war mir in Reinform noch nicht untergekommen. Was reizte mich? Die Farbe, natüüüüürlich. Also ab in den nächsten Asia-Supermarkt - und heraus kam ich mit hängendem Gesicht. Ausverkauft. Das gleiche in Teeläden und bei Feinkosthändlern. Ein Trauerspiel, das ich allein auf das Backen schob. Bis ich im Teegeschäft meines Vertrauens erfuhr, dass es nicht allein daran liegt. Matcha Latte mit oder ohne Chai, das seien die anderen Verdächtigen. War doch glatt an mir vorbeigerauscht.

Immerhin kam ich mit dem gewünschten Döschen Grünteepulver heraus und freute mich, aktiv werden zu können. Tapioka-Perlen hatte ich vor einem Jahr in einer Tarte untergebracht und sollten endlich wieder zum Einsatz kommen. Und schon die nächste Desillusionierung: Matcha und Tapioka, das Duo im derzeit hier in Berlin überall angesagten Matcha Bubble Tea. Da war wieder jemand schneller. Was soll's. Ich kann mich doch auch mal im Wellenreiten üben und vom Trend mitreißen lassen. Deshalb gibt es heute eine Matcha-Himbeer-Tarte (facon Bubble Tea?).


Die Zutaten für eine Tarte mit 20 cm Durchmesser:
Für den Boden:
225 g Mehl
75 g Zucker
1 Prise Salz
100 g Butter, sehr kalt und in kleine Stücke geschnitten
1 Ei (Größe M), verquirlt

Für den Himbeerspiegel:
etwa 250 g Himbeeren, frisch oder angetaut
2 EL Zucker
2 TL Agar-Agar

Für die Matcha-Crème:
500 ml Vollmilch + etwas zimmerwarme Milch für das Matcha-Pulver
3 EL Zucker
70 bis 80 g Tapioka-Perlen, auch bekannt als (Perl)Sago (kleine oder große oder eine Mischung), entweder vor der Verarbeitung in kaltem Wasser eingeweicht oder trocken
3 gestrichene TL Matcha-Pulver

Zunächst Mehl, Zucker und Salz mischen. Danach die Butterstücke zugeben und mit den Fingerspitzen zu einer sandigen, bröseligen Masse verarbeiten. Danach das verquirlte Ei zufügen und alles zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Im Kühlschrank mindestens 1 Stunden ruhen lassen.

Herausnehmen, kurz kneten und zu einem größeren Diskus formen (der Teig lässt sich nicht gut ausrollen). Die Form auskleiden, indem der Teig mit den Fingern ausgebreitet wird. Der Rand sollte etwa 4 cm hoch sein. Nach dieser etwas friemeligen Arbeit den Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen. Die Form für 30 Minuten in den Gefrierschrank stellen.

Inzwischen den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. In den gefrorenen Teig Backpapier legen, mit Hülsenfrüchten bis an den Rand füllen und etwa 30 Minuten blindbacken. Papier und Hülsenfrüchte entfernen und noch etwa 10 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und vollständig erkalten lassen.

Jetzt geht es an die inneren Werte.
Die Himbeeren mit dem Zucker in einem kleinen Topf zum Kochen bringen und sieden lassen, bis sie zerfallen sind und sich viel Saft gebildet hat. Durch ein feines Sieb passieren, den aufgefangenen Saft wieder in den Topf geben, zusammen mit dem Agar-Agar aufkochen und etwa 3 Minuten köcheln. Vom Herd nehmen und etwas erkalten lassen. Anschließend den Boden der Tarte gut bedecken. In den Kühlschrank stellen und vollständig abkühlen.

Für die Matcha-Crème die Milch in einem Topf mit dem Zucker zum Kochen bringen. Sind die Tapioka-Perlen nicht eingeweicht, werden zuerst die großen Perlen in die Milch gegeben und so lange gekocht, bis nur noch ihr innerster Kern hart ist (das sieht man daran, dass er weiß ist). Danach werden die kleinen zugegeben und alles zusammen unter ständigem Umrühren geköchelt. Das Umrühren ist sehr wichtig, da die Crème sonst am Topfboden anpappt und verbrennt. Insgesamt dauert das schon etwa 45 Minuten, ggf. muss zwischendurch etwas Wasser hineingegossen werden, da die Masse spürbar eindickt. Vom Herd nehmen.

Wer die Perlen vor der Verarbeitung in kaltem Wasser eingeweicht hat, gibt alle Größen gleichzeitig in die kochende Milch. Auch hier gilt, stetiges Umrühren verhindert das Anbrennen. Gekocht werden muss in diesem Fall nur, bis die Masse eindickt. Von der Herdplatte nehmen.

(Ich habe eine Mischung aus kleinen und großen Perlen verwendet und sie nicht eingeweicht. Das werde ich beim nächsten Mal anders machen: nur eine Größe und vorher einweichen. Denn die großen Tapioka-Perlen wurden nicht richtig weich, ich hätte sie in der Milch noch länger kochen müssen, von der dann aber kaum noch etwas übrig geblieben wäre. Hingegen sind die kleinen Perlen perfekt.)

Nun geht es für beide Varianten wie folgt weiter: In einer kleinen Schüssel das Matcha-Pulver in zimmerwarme Milch einrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. (Auch da bin ich im Nachhinein schlauer, ich hatte das nämlich nicht gemacht, deshalb die kleinen grünen Punkte in meiner Crème.) Den Topf zurück auf die Herdplatte stellen und diese Matcha-Milch gut in die Tapioka-Crème einrühren. Sie wird nun grün. Etwa 5 bis 10 Minuten unter Rühren abkühlen, danach vorsichtig auf den Himbeerspiegel in der Tarteform geben. Glatt streichen und im Kühlschrank vollständig auskühlen lassen.

Tja, und nun verzieren. Eigentlich hatte ich frische Himbeeren geplant, auch wenn das, tststs, keine Saisonfrucht ist. Die Preise auf dem Markt haben mich dann allerdings dermaßen abgeschreckt, dass ich die restlichen tiefgekühlten Beeren mit etwas Zucker aufgekocht, passiert und mit Limettensaft zu einem festeren Gelee verarbeitet habe. Und das landete als Punkte auf der Tarte.

Mit der Optik bin ich zwar nicht zufrieden, meine Kreativhosen waren wohl in der Waschmaschine. Allerdings ...


... finde ich die Kombination absolut großartig! Den grünen Tee schmeckt man sehr gut heraus, ohne dass er die anderen Aromen ins Abseits drängt. Mit der Himbeere, die, ich kann es nicht oft genug betonen, meine Lieblingsfrucht ist, harmoniert er ganz wunderbar. Dazu die cremige Milch und diese kleinen Tapioka-Perlen, eine kleine genussvolle Sonntags-Spielerei für meinen Gaumen. Ich muss mich selbst loben, das war die viele Arbeit und Ausdauer wert.

Immer wieder sonntags schieben wir ein virtuelles Stück hinüber zur Initiative Sonntagssüß, die, man glaubt es kaum, heute ihr einjähriges Jubiläum feiert. Schnell ist die Zeit vergangen, unzählige Kuchen, Tartes, Törtchen, Torten, Kekse, Desserts, Gebäcke, Waffeln und andere mehr oder weniger wilde Kreationen wurden an den letzten 52 Wochenenden aufgetischt.

Ein Streifzug durch die einzelnen Pinboards ist aufregender als jedes ratlose Überlegen vor der üppigen Tortentheke eines angesagten Oma-Cafés. Dieses Kribbeln, dieses Von-einem-Fuß-auf-den-anderen-hüpfen, diese allsonntägliche Ungeduld, dieses Süß-Entzugsgefühl, dieses Ich-kann-mich-nicht-entscheiden verdanken wir Julie, Katrin und Nina. Danke an die drei Mädels mit den Häubchen, die das appetitliche Angebot zusammenstellen und so verführerisch präsentieren. Danke dafür, dass an jedem Sonntag geöffnet ist und alle dem Süßen holden auf ihre Kosten kommen. Danke, dass unser süßer Horizont erweitert wird und wir neue Blogs kennenlernen dürfen. Danke für diese zauberhafte Idee!

14 Reaktionen:

  1. Oh, mein Gott,
    was ist das denn Tolles. Matcha im Kuchen finde ich ganz genial, mag ich lieber als den Tee trinken.
    LG

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  2. Schokozwerg, die Bilder sehen so fantastisch aus!!!!! Ich plane schon seit langem Matcha Pulver zu kaufen (es ist nicht gerade billig...) aber spätestens jetzt muss ich es tun! Ich muss deinen Kuchen unbedingt ausprobieren!!!!:-D

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch! Krisz! :-)

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  3. DAs ist ja spannend! ich liebe Tapioka-Pearls - hab sie neulich auch als Dessert verarbeitet. Super Outfit hat Dein Kuchen :)
    lg, Tanja

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  4. @Sybille: gell?! Meine Matcha-Premiere macht Lust auf mehr :)

    @Krisz (Culinaria Ungaria): danke :) Das stimmt, für Matcha muss man etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, bei TeeGschwendner geht es aber preislich. Sag mir dann, wie Du es findest :) Viele liebe Grüße!

    @Tanja: danke! :) Tapioka war damals auch für mich eine Entdeckung und wurde inzwischen schon ganz oft zu Leckereien verarbeitet. Für Tartes u.ä. wirklich super, keine Gelatine, pappt ganz von allein ;) Liebe Grüße!

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  5. Also diese Tarte sieht klasse aus! Tapioka-Perlen kannte ich noch nicht, dafür habe ich auch schon ein Beutelchen Matcha im Schrank (da, wo ich vorher den dafür eingetauschten Goldbarren aufbewahrte). Und im Gegensatz zu Deinen kosmopolitischen Berlinern sind meine südfranzösischen Freunde damit tatsächlich noch zu überraschen, denke ich. Das mit der Horizont-Erweiterung gilt also nicht nur für die IS, sondern auch für Dich, jawohl!
    Liebe Grüsse, Gisa

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  6. Haha, beim flüchtigen Lesen auf dem Pinterest-Board habe ich doch tatsächlich "Macho-Himbeer-Torte" gelesen... :-)) Tolle Farbe!
    Tapioka kenne ich auch nur aus dem Bubble Tea (der mir irgendwie suspekt ist), aber das ist ja mal eine coole Verwendung!
    Schöne Woche!
    LG, Katharina

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  7. Bubble Tea erobert langsam jede Stadt, trotzdem, ich ziehe "normalen" Tee vor... Mit Matcha-Pulver habe ich schon Plätzchen aromatisiert (ganz normale Butterplätzchen), wenn man nicht zu hoch dosiert, gibt das den Plätzchen eine interessante Note - gerade wenn man Blattausstechformen nimmt.
    Mit Tapioka habe ich bisher noch nicht gearbeitet, haben die neben dem Eindicken noch eine "aufplusternde" Funktion, verstehe ich das richtig? Ansonsten hättest Du es - wie bei einem Käsekuchen - mit Stärke/Puddingpulver versuchen können.
    Einen schönen Tag noch
    Hexle

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  8. schaut giftig aus ;-) aber echt gut!!! ich hab mal vegane cupcakes mit matcha gebacken, die waren auch lecker, aber deine torte schaut eindeutig eindrucksvoller aus!! ;-)

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  9. @Gisa: oh wie schön von Dir zu lesen! :) Ach Du, die Berliner fahren wie andere auch auf das ab, was überall angepriesen wird. Nur eben hört man die Lobpreisungen hier früher als anderswo. Tapioka ist super auch als Dessert mit Kokosmilch und Früchten. Danke für das Kompliment! Liebe Grüße nach Südfrankreich (och ja!) mit roten Bäckchen

    @Katharina: haha, anderen passiert das also auch :) Als ich gelesen habe, wie dieser Bubble Tea zu trinken ist, wusste ich sofort: nüscht für müch. Liebe Grüße!

    @Hexle: nee, so aufplusternd nicht. Die Perlen werden einfach weich und glibberig, aber die sind ja gerade einer von mehreren Knüllern in der Tarte. Puddingpulver habe ich ja aus meinem Schrank eliminiert, seit ich weiß, wie einfach so etwas gemacht ist. LG nach Nürnberg :D

    @fitundglücklich: weißt Du, woran ich anfangs erinnert wurde? An Rahmspinat mit viel Sahne :D Ich bin von jedem Matcha-Gebäck beeindruckt. Diese Farbe! :)

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  10. Huhu,
    wirklich tolle Farbe. Ich trau mich an den Matcha-Kram irgendwie noch nicht so ran. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das so schmeckt. Wirklich eher teeig?

    Du fragtest vor ein paar Wochen mal nach dem Rezept für die beiden Törtchen aus dem Sonntagssüß vpm 5. Februar. Ich habe es mal für dih rausgesucht und mit in den Blogbeitrag geschrieben: http://nonpar.net/zweierlei-tortchen/
    Es grüßt ganz lieb,
    Jo-Ann

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    1. Ja, er schmeckt nach kaltem grünem Tee. Man sollte wirklich vorsichtig sein und das Pulver peu à peu zugeben, zwischendurch immer wieder kosten. Dann klappt's. Also, trau Dich! :) Danke für das Rezept! Dann kanns ja losgehen ... Viele Grüße!

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    2. Den Zucker hatte ich tatsächlich vergessen - es sind 50 gramm. Ja, vieleicht probiere ich es mal mit dem Matcha. Dir auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg beim backen :)

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  11. Vergiß den Bubble Tea - deine Torte schlägt das um Längen! Die Idee mit dem Matcha-Tapioka-Pudding ist klasse. Optisch sehr ansprechend und da ich Tapioka Pudding eh sehr gerne mag, denk ich mal sie schmeckt auch klasse. Steht also schon auf meiner 'bookmarked recipe' Liste :))
    Vielen Dank für dieses innovative Rezept!

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    1. gern! Tapioka ist wirklich super, auch mit Kokosmilch :) Den Hype um Bubble Tea verstehe ich nicht, überall sprießen hier die Läden aus dem Boden. Ich muss wohl doch wenigstens mal probieren ... Viele Grüße!

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