28. Dezember 2011

Impressionen aus fernen Orten: Reims


Mindestens einmal im Jahr muss ich nach Frankreich reisen. 2011 habe ich das erst auf den letzten Drücker geschafft, aber ich war wieder da und habe mir einen Wunsch erfüllt: Reims. Zunächst ein kurzes "Bonjour Paris", ganz entspannt, ganz befreit, ganz genussvoll. Es ist einfach ein aufregendes Gefühl, alte Plätze wieder zu entdecken. Die Erinnerungen sind da, der Blick ist zuweilen ein anderer, ein neuer, ein frischer. Derart beschwingt stieg ich dann in den Zug in die Champagne.

Seit ich zu Schulzeiten dort eine Brieffreundin hatte, wollte ich mir diese Stadt ansehen. Sie erzählte mir viel über ihre Heimatstadt und schwärmte mir besonders von der wundervollen Kathedrale vor. Mit den köstlichen Getränken verband ich damals nur eine Ahnung, aber keine Geschmacksempfindung.

Diese Freundschaft ging in die Brüche, eine andere begann in diesem Frühjahr. In Berlin, wo diese bezaubernde Französin ein Praktikum absolvierte. Nach Paris verschlug sie ihre Profession schließlich nicht, sie wurde "Rémoise" und lud mich ein, sie zu besuchen. Was ich mit Freuden tat.

Mein erstes Besichtigungsziel war natürlich die Kathedrale, eines der berühmtesten gotischen Kirchenbauwerke in Frankreich. Allein an der Fassade - noch heute gezeichnet von den Beschädigungen aus dem Ersten Weltkrieg - hätte ich mich stundenlang sattsehen können, wenn es denn nicht so kalt gewesen wäre. Den "Ange au sourire" (auf dem oberen Bild rechts unten) habe ich deshalb auch erst bei meinem zweiten Spaziergang entdeckt und betrachtet.

Diese Statue ist für die Stadt Reims ein wichtiges Symbol. Nach einem Beschuss durch die deutsche Artillerie zu Beginn des Ersten Weltkrieges geriet der Dachstuhl in Brand. Ein herabstürzender Balken riss der Figur den Kopf ab, der in den Kellern des Erzbistums aufbewahrt und ein Jahr später wiederentdeckt wurde. Er wurde zu einem Bild der französischen Anti-Kriegspropaganda. 1926 schließlich nahm der Engel restauriert wieder seinen ursprünglichen Platz ein.


In einer Vorgängerkirche der heutigen Kathedrale von Reims wurde kurz vor 500 n.Chr. Geschichte geschrieben: Chlodwig I., der Begründer des Frankenreiches und von einigen als Begründer der französischen Nation angesehen, ließ sich hier katholisch taufen. Die Kathedrale, wie wir sie heute kennen, wurde vom 12. bis ins 15. Jahrhundert erbaut und war über Jahrhunderte das Gotteshaus, in dem die Könige Frankreichs gekrönt wurden.


Aber was wäre ein Besuch in Reims ohne eine Führung durch einen der vielen Champagner-Keller? Genau. Nicht vollkommen. Meine Freundin befragte Alteingesessene und buchte für uns eine Führung in den Kellern von Pommery. Etwas am Rande der Stadt gelegen und umgeben von berühmten Namen wie Ruinart oder Heidsieck, geht es nach einer kurzen Einführung in einer nicht gerade kleinen Gruppe hinab in die Heiligtümer: die Keller.


Den eigentlichen Aufschwung nahm das Champagnerhaus erst unter der Führung der Witwe des Eigentümers. Ein nicht so einmaliges Ereignis, man denke nur an die Veuve Clicquot-Ponsardin. Jedenfalls steigerte Louise Pommery Produktion und Absatz ihres Champagners um ein Vielfaches, eroberte neue Märkte, ließ nach den verschiedenen Geschmäckern der Abnehmerregionen eigene Champagnersorten entwickeln. Eine Revolution für damalige Verhältnisse.


In den Kellern ist das noch immer erkennbar: die jeweiligen Abteilungen sind nach den Namen der Abnehmerregionen  und -städte benannt. Berlin konnte ich allerdings nicht entdecken, ob die Preußen lieber einheimischen Sekt bevorzugten? Möglicherweise kam ich mit der Führung nur nicht an den entsprechenden Kellern vorbei.


Auf Schritt und Tritt begegneten wir moderner Kunst. Manch ein Führungsteilnehmer zeigte sich davon irritiert bis genervt, meine Freundin und ich waren hingegen erheitert bis begeistert. Auch wenn wir nicht viel über die Ausstellung und die einzelnen Werke erfuhren, lockerte es die bisweilen etwas düstere Atmosphäre auf. Erschwerte mir aber zugleich, den Erzählungen unseres versierten Champagnerführers zu folgen. Entweder kam ich akkustisch nicht mit oder lauftechnisch. Ich hinkte hinterher, wollte ich doch so viel wie möglich in mich aufsaugen - Geschichte und Moderne.

Die Führung endete natürlich bei einer kleinen Champagner-Verkostung. Ein Hochgenuss! Etwas überschwänglich wünschte ich mir eine Badewanne bis zum Rand gefüllt mit diesem edlen Getränk. Naja, besser nicht. Das sorgt nur für missgünstige Schlagzeilen ...


Kennt ihr die berühmten Biscuits roses de Reims? In Berlin kann man sie in den Galeries Lafayette kaufen. Fossier hat in der Altstadt ein kleines, zur Weihnachtszeit hoffnungslos überfülltes Ladengeschäft. Und siehe da, sie bieten noch allerhand andere Köstlichkeiten feil wie Meringues, Macarons, Pralinen ... Verführerisch. Mich verführte es zu Investitionen in Mitbringsel und Weihnachtsgeschenke.


Wer hätte es gedacht? Nach der mich immer wieder in Frankreich übermannenden Enttäuschung in Sachen Weihnachtsatmosphäre wurde ich in Reims überrascht: Ein Weihnachtsmarkt. Ein echter! Mit allem Drum und Dran. Eisenbahn, Père Noel und Wunschzettelbriefkasten inklusive. Na bitte, es geht doch.

Derart weihnachtlich eingestimmt konnte ich beruhigt nach Hause reisen. Merci beaucoup, mes chers amis rémois! Je vous embrasse.

26. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #25 - ein Blick zurück

Alle Türchen sind geöffnet, alle Geschenke ausgepackt, alle Plätzchen aufgegessen. Die Weihnachtsfeiertage sind so gut wie vorüber, kurz vor Silvester gibt es noch einmal eine kleine Pause zum Verschnaufen und etwas Zeit zur Rückbesinnung auf die letzten Tage und Wochen.

Ein Leser namens Anonym war besonders begierig, hinter die Kulissen des Plätzchen-Adventskalenders zu blicken und stellte den Autorinnen des CharlottenBlogs nyhet und Schokozwerg einige neugierige Fragen:

Leser Anonym: Euer Plätzchen-Adventskalender ist nun Geschichte. Was bewegt euch besonders?
nyhet: Wir sind stolz, dass ihr mit uns die Türchen bis zum 24. Dezember geöffnet habt! Ihr habt eine ausdauernde Geduld wie wir. Und ihr seid ausdauernd neugierig. Das freut uns sehr. Respekt!
Schokozwerg: Jeden Tag dieser Nervenkitzel, ich hätte immer wieder unterzuckert mit heraushängender Zunge auf das nächste Türchen gelauert. Das muss doch Zuckerfolter pur sein?!
nyhet: Also, ich weiß nicht, wie ich das überstanden hätte! Wahrscheinlich hilft nur eines: Jeden Tag lesen. So wie es die neuen Leser getan haben, die zum CharlottenBlog gestoßen sind. Toll!

Leser Anonym: Das war genau meine Strategie - lesen, lesen, lesen. Und für meinen Plätzchen-Teller Rezepte sammeln. Ich konnte mich ja kaum entscheiden, ging es anderen Lesern ähnlich?
Schokozwerg: Ein klarer Favorit schien bei euch das Pflaumen-Mohn-Plätzchen zu sein.
nyhet: Ich glaub, mich knutscht ein Elch, hihi. Manch ein Rezept, das wir für einen heißen Anwärter auf einen der vorderen Plätze gehalten haben, wurde nicht so oft nachgefragt. Während andere, bei denen wir uns unschlüssig waren, offensichtlich viele Zähne zum Tropfen brachten.
Schokozwerg: Ja, zum Beispiel das Anis-Rotwein-Gebäck. Vegan übrigens, wie mir erst durch einen Kommentar bewusst wurde. nyhet war da etwas wacher als ich.
nyhet: Du hattest dir beim Backen bestimmt ein Gläschen genehmigt, oder?

Leser Anonym: Wer so viel bäckt, der hat doch auch seine Lieblinge.
nyhet: Auf meinem Plätzchenteller dürfen die für mich altbekannten Schoko-Linsen-Streusel nie fehlen.
Schokozwerg: Für uns beide inzwischen ein absoluter Klassiker, aber durch die Kombination aus Linsen, Schokolade und Kokos prädestiniert für den Plätzchen-Adventskalender.
nyhet: Unsere Neuentdeckung des Jahres waren die Verbenen-Schokoladen-Kekse, mhhmm, wenn ich nur daran denke ...
Schokozwerg: Geht mir haargenauso. Beim Zubereiten des Teiges war ich sehr skeptisch, es roch einfach so extrem nach Kräutertee. Als die Plätzchen im Ofen backten, konnte ich es kaum erwarten, sie zu probieren. Dieser frische leichte Duft!

Leser Anonym: Aber doch nicht nur diese zwei Sorten. Ihr passionierten Süßschnäbel habt doch sicher noch mehr Favoriten.
nyhet: Klar doch. Ich mag eher Plätzchen und Gebäck, das man nicht aussticht, wie zum Beispiel die Englischen Nuss-Marzipan-Streifen.
Schokozwerg: Ja, die mag ich auch sehr. Begeistert hat mich das Whisky-Aroma, das so wunderbar mit den Nüssen harmonierte. Und das kleine Stückchen Ingwer dazu - perfekt. So british!
nyhet: Die Zitronen-Nuss-Zungen würde ich anders und viel breiter machen, vielleicht ohne Spritztüte.
Schokozwerg: Sie sahen ein wenig wie Mini-Hundeknochen aus. Die im Milchschaum herausragendes Schwimmvermögen bewiesen. Perfekt zum Kaffee waren für mich die Espressoknöpfe. Wunderbares Aroma und mit der knackigen Bohne als Kern, fantastisch.
nyhet: Die Konsistenz der Espressoknöpfe hat mich überrascht. Sehr fein, sehr zart. Das Rezept klang schon verheißungsvoll. Ganz anders bei den Abricotines. Schokozwerg musste mich überreden, und jetzt gehören sie definitiv zu meinen Lieblingsplätzchen, weil sie so an Macarons erinnern.
Schokozwerg: Eine meiner Entdeckungen sind die Demi-lunes. Kakao und Rum. Das Ausstechen kommt ganz zum Schluss, nach dem Backen und Glasieren. Da bleibt immer "Ausschuss" übrig, perfekt für Topfausschlecker.
nyhet: Den Topf wollte ich bei den Hjortebakkels nicht mit der Zunge reinigen. Fritierfett, naja. Aber ich liebe Krapfen und Quarkbällchen über alles. Nur logisch, dass ich mich in die Hjortebakkels vergucken musste.

Leser Anonym: Bei den Kardamom-Mandel-Biscotti seid ihr euch uneinig?
nyhet: Da war ich skeptisch, Cantuccini können ja so unglaublich hart sein. Aber die Biscotti sind gut zu beißen, es droht kein spontaner Zahnarztbesuch.
Schokozwerg: Mir haben sie geschmeckt, nussig-knackiger fand ich die Nuss-Schokoladen-Blätter. Ein Traum! So karamellig, so schokoladig, so intensiv nussig. Ganz fein.
nyhet: Die waren bei mir ratz-fatz alle.
Schokozwerg: Bei mir auch die Rosen-Butterkekse. Himbeeren sind per se schon die Königinnen der Beeren für mich. Was könnte es also Schöneres für mich geben als Plätzchen mit ihnen?! Hingegen hatte Erdnussbutter bei mir keinen leichten Stand. Bis ich auf den himmlischen Erdnussheidesand stieß. Wow.
nyhet: Die würde ich mir dann noch von Deinem Teller mopsen ... aber nur, wenn keiner guckt!
Schokozwerg: Pah, gut, dass du das ankündigst. Ich werde ein Auge auf sie haben.

Leser Anonym: Jetzt mal Butter bei die Fische. Wie viele Kilo habt ihr seit dem ersten Türchen zugenommen?
(nyhet und Schokozwerg schauen sich fragend an und lachen.)
Schokozwerg: Keines. Von dem ich weiß.
nyhet: Ich auch nicht.
Schokozwerg: Die einzige Waage, die ich besitze, ist eine Küchenwaage.
nyhet: Und der sind wir längst entwachsen ...

Leser Anonym: Das klingt ja nach der total entspannten Plätzchen-Back-Sause.
nyhet: Entspannt war das Essen der vielen Leckereien.
Schokozwerg: Verschenkt haben wir auch einiges. Und wenn sich die Beschenkten freuten, entschädigte das für so manche Anstrengung, die wir nicht verhehlen möchten.
nyhet: Erst das Thema finden. Dann die Rezepte. Da war Verhandlungsgeschick gefordert, sogar unter Schwestern, stimmt's?
Schokozwerg: Stimmt. Gebacken haben wir in drei Etappen. Das waren lange Tage in der Küche voller Spaß ...
nyhet: ... und Wiener Würstchen. Ohne die kein Plätzchen-Backen.
Schokozwerg: Die gesammelten Köstlichkeiten wollten zu später Stunde noch appetitlich in Szene gesetzt und abgelichtet werden. Nicht jeder Keks ist fotogen, wir mussten ein wenig spielerisch an die Sache herangehen.
nyhet: Die Beiträge kamen zuletzt. Manchmal auch unter Zeitdruck.

Leser Anonym: Ihr habt euch wirklich viel Arbeit gemacht. Allein der Adventskalender mit den anklickbaren Türchen!
nyhet: Ein Foto mit Schokozwergs Weihnachtsdekoration bildet die Basis.
Schokozwerg: Und nyhet hat die Türchen eingebaut. Ich bin noch immer schwer begeistert.

Leser Anonym: Und jetzt, wo das letzte Türchen geöffnet ist? Ein kurzer Satz zum Abschluss.
Schokozwerg: Mmh, das war lecker.
nyhet: Was ist ein Keks unter einem Baum? Ein schattiges Plätzchen.

Die Form ist fiktiv. Die Gedanken sind wahr.

Ein letzter Blick auf nyhets Plätzchenteller:

nyhets_plaetzchenteller Nuss-Schokoladen-Blätter Espressoknöpfe Kardamom-Mandel-Biscotti Zitronen-Nuss-Zungen Englische Nuss-Marzipan-Streifen Schoko-Linsen-Streusel Hjortebakkels Abricotines de Ladurée Verbenen-Schokoladen-Gebäck

... und der von Schokozwerg im Vergleich:

schokozwergs_plaetzchenteller Nuss-Schokoladen-Blätter Espressoknöpfe Pflaumen-Mohn-Plätzchen Erdnussheidesand Englische Nuss-Marzipan-Streifen Schoko-Linsen-Streusel Demi-lunes Rosen-Butterkekse Verbenen-Schokoladen-Gebäck


und

24. Dezember 2011

Frohe Weihnachten! Das letzte Türchen im Plätzchen-Adventskalender #24 - Rosen-Butterkekse



Eins, zwei, drei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit ...

Früher, als unsere Großeltern noch lebten, verbrachten wir Weihnachtstag abwechselnd bei uns oder bei ihnen. In unserem alten Auto - ohne Heizung - begaben wir uns auf den Weg hinaus zu ihnen auf's Land. Eine halbe Stunde fuhren wir. Wenn Schnee lag, was gar nicht selten war, konnte unsere kleine Reise auch länger dauern. Immer war es außen wie innen kalt. Handschuhe und Mützen blieben an, wir kauerten uns tief in unsere dicken Jacken und hofften inständigst, dass unser warmer Atem schnell die Luft erwärmen würde. Erst dann lehnen wir uns entspannt in die nun angewärmten Ledersitze zurück, rieben Gucklöcher in die Scheiben und blickten hinaus.

Auf Hügel und Felder.
Auf Schnee und Wälder.
Auf Christbäume und Weihnachtsdekorationen.
All' überall.

Angekommen, flitzten wir hinein in die Wärme. Es duftete bereits nach Kaffee und Tee, Weihnachtslieder schwebten durch's Haus. Unser Vater blieb mit seinem Vater verdächtig lange im Flur, verschwand im Keller und musste von unserer Großmutter gerufen werden. Der Tisch war gedeckt mit Stollen, Lebkuchen und Plätzchen. In der Mitte drehte sich die uralte Pyramide, ach was, sie raste förmlich. Und wie in jedem Jahr gelang es dem geschnitzten Jäger nicht, Reh und Wildschwein zu erlegen.

Auf dem Büffetschrank stand ein Räucherhäuschen, aus dessen Schornstein ein Wölkchen nach dem anderen in die warme Esszimmer-Luft emporstieg. Hin und wieder wurde ein prüfender Blick in sein Inneres geworfen, ob denn das Räucherkerzchen schon wieder am Verglimmen war. Ein wenig Pusten, und erneut breitete sich Weihrauchduft aus. Durch das Fenster mit dem geschnitzten und erleuchteten Schwibbbogen konnten wir in den Garten sehen, wo Hasen ihre Spuren im Schnee hinterlassen hatten. Am Vogelhäuschen herrschte meist Hochbetrieb, Meisen klammerten sich an ihren Knödeln fest, während Spatzen die heruntergefallenen Körner stibitzten. Schlaue Kerlchen.

Für uns Kinder schien das Kaffeetrinken kein Ende zu nehmen. Wieso brauchen die so lange? Ein Stück Stollen nach dem anderen wurde in aller Seelenruhe verspeist. Genüsslich probierten sie von diesen Lebkuchen und jenen Plätzchen. Oh, noch eine Sorte, die neu ist! Wir hingegen waren längst satt, hatten unseren Tee in Windeseile hinuntergestürzt und hatten nur noch eines im Sinn: Geschenke!

Bis zur großelterlichen Bescherung mussten wir uns wie in jedem Jahr gedulden. Nachdem sich alle erhoben hatten und ins Wohnzimmer weitergezogen waren, verschwanden die männlichen Familienmitglieder erneut. Und wir Kinder lasen mit unserer Oma in einem Buch von Wilhelm Busch, um uns die Zeit zu vertreiben. Plötzlich klopfte es an der Tür und ein bärtiger alter Mann trat ein. Er war in einen roten Mantel gekleidet, trug eine farblich perfekt passende Mütze und hatte auf der Nase die Brille unseres Großvaters auf. Oha, es ging los ...

Bevor heute die Geschenke überreicht und ausgepackt werden, öffnen wir noch schnell das 24. Türchen in unserem Plätzchen-Adventskalender. Heraus purzeln ganz feine, ganz zarte Rosen-Butterkekse. Leicht abgewandelt gebacken nach einem Rezept aus der "Living at home", die unsere (Vor-)Weihnachtszeit mit vielen Köstlichkeiten bereichert hat.


Die Zutaten:
200 g weiche Butter
100 g Puderzucker
1 Prise Salz
1 Eigelb (Größe M)
4 + 4 EL Rosenblütenwasser (zu kaufen im gut sortierten Supermarkt oder Bioladen, z.B. bei Alnatura)
330 g Mehl
etwa 150 g Himbeergelee (am besten selbstgemachtes; wir haben unseres mit Rosenblütenwasser aromatisiert)

Butter und Puderzucker mit dem Handmixer cremig schlagen, dann nacheinander Salz, Eigelb und 4 EL Rosenblütenwasser zugeben. Knethaken am Handrührer befestigen und während des Rührens nach und nach das Mehl zugeben. Mit den Händen flott zu einem homogenen Teig verarbeiten, zur Kugel formen und in eine Folie gewickelt 1 Stunde in den Kühlschrank legen.

Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Kurz den Teig durchkneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 3 mm dünn ausrollen. Plätzchen ausstechen, von jeder Form eine gerade Anzahl. Auf das mit Backpapier ausgekleidete Backblech legen und aus der Hälfte jeder Form ein kleines Loch ausstechen. Etwa 10 Minuten auf mittlerer Schiene backen und anschließend vollständig erkalten lassen.

Inzwischen das Himbeergelee vorbereiten. Wir haben eine selbstgemachte Marmelade (etwa 200 bis 240 g) durch ein Sieb gestrichen, um die Kerne zu entfernen. Danach in einen Topf geben, mit 4 EL Rosenblütenwasser vermengen und kurz aufkochen lassen. Gelierprobe war nicht nötig, wir hatten ja eine bereits fertige Marmelade genommen. Leicht erkalten lassen.

Einen Klecks Himbeermarmelade auf die eine Hälfte der Plätzchen, die ohne Loch, geben und die andere Hälfte der Plätzchen, die mit Loch, draufsetzen. Leicht andrücken. Wer mag, stäubt Puderzucker über die Kunstwerke oder verziert sie mit einem Guss aus Puderzucker und Rosenblütenwasser. Wir haben angesichts unserer Zuckerüberdosis darauf verzichtet, im Nachhinein wäre ein Guss vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen.

Der geht so:
150 g Puderzucker mit 1 EL Himbeergelee, 1 TL Rosenwasser und Wasser glatt rühren. Wir würden eher mehr Rosenwasser und weniger Leitungswasser nehmen. Guss auftragen (Tunk- oder Maltechnik, wie es euch gefällt) und trocknen lassen.


Verführerisch, nicht wahr? So wie sie sich dem Betrachter entgegenstrecken. Auch ohne Guss ein Fest für den Gaumen. Fast schon ein wenig orientalisch mit dem Rosenblütenwasser, und gleichwohl ein echtes Weihnachtsplätzchen. Wir haben es mit Wonne auf unseren Zungen zergehen lassen und fragen uns, warum denn gar nichts mehr übrig ist.

Damit haben wir in unserem diesjährigen Plätzchen-Adventskalender das letzte Türchen geöffnet. Eines von 24 Türchen zum weihnachtlichen Plätzchen-Genuss.


Wir wünschen euch wundervolle Festtage! 
Erlebt eine genussreiche und sinnenfrohe Zeit 
in Ruhe und mit Freuden.

Auf ganz bald hier im CharlottenBlog
von und mit

und

23. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #23 - Englische Nuss-Marzipan-Streifen


Schon wieder ein Rezept mit "E"! Nicht schon wieder Espresso. Auch wenn die Espressoknöpfe und Espresso-Walnuss-Kekse so köstlich gewesen sind, dass wir sie auf jeden Fall wieder machen werden. Eine neue Idee musste her.

Also durchforsteten wir erneut Bücher und das Netz der Netze, um schließlich bei lecker.de fündig zu werden. Englische Nuss-Butter-Streifen stand dort, wir haben unser Backergebnis in Englische Nuss-Marzipan-Streifen umgetauft. Dieser Name trifft es unserer Meinung nach besser.

Kleine Hürde bei der Vorbereitung: der Whisky. Keine von uns hat so etwas in ihrer privaten Alkohol-Sammlung, also grübelten wir, ob wir ihn  durch etwas anderes austauschen könnten. Nur, dürften wir die Plätzchen dann noch als englische bezeichnen? Nein, dachten wir, das würde wohl ihr Wesen verfehlen und somit uns an den Anfang einer neuen Plätzchen-Recherche versetzen.

Da fiel uns ein, dass im Supermarkt unseres Vertrauens auch Miniflaschen alkoholischer Getränke verkauft werden. Umso besser, denn für vier Esslöffel wollten wir nicht in eine große Flasche investieren. Also standen wir eines Tages vor dem dortigen Regal und waren verblüfft: so viele Whiskysorten in kleinen Flaschen. Etwas überfordert schauten wir uns an und entschieden, den teuersten zu nehmen, der zugleich der älteste war. Eine gute Wahl? Wir sind absolut ahnungslos und können in solchen Dingen nur unseren Gaumen sprechen lassen. Und der war begeistert von den nussigen Streifen mit ihrem Whiskygeschmack.


Die Zutaten für ungefähr 60 Stück:
250 g Butter
300 g Mehl
1/2 TL Backpulver
275 g Zucker (im Original: 310 g)
1 Prise Salz
1 Ei (Größe M)
200 g Marzipan-Rohmasse
4 EL Whisky
400 g Haselnüsse, gemahlen
150 g Crème fraîche
20 g Vanillezucker (im Original: 2 Päckchen Vanillin-Zucker)
50 g dunkle Kuvertüre
50 g weiße Kuvertüre
etwas kandierten Ingwer für die Dekoration

Von der Butter 125 g in kleine Stücke schneiden und mit gesiebtem Mehl, Backpulver, 50 g Zucker, Salz und Ei zu einem glatten Teig verkneten. In Folie wickeln und etwa 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Marzipan mit den Fingern grob zerbröseln bzw. zerzupfen, dann mit Whisky und den gemahlenen Haselnüssen mischen. Das ist nicht einfach und geht auf die Oberarmmuskulatur, aber es funktioniert. Die übrige Butter schmelzen und Crème fraîche, den restlichen Zucker und Vanillezucker unterrühren. Kurz aufkochen lassen, dann die Nussmasse unterrühren, bis alles eine homogene Masse ergibt.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech zuerst den Teig zu einem Rechteck von etwa 35 x 40 cm ausrollen. Dann die  Nussmasse daraufstreichen. Etwa 30 Minuten backen, danach vollständig erkalten lassen.

Den überstehenden Boden rundherum abschneiden, anschließend die Gebäckplatte in Streifen von je 2,5 x 8 cm schneiden. Die Kuvertüren in jeweils einer Schüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen, nun die Nuss-Streifen zur Hälfte eintauchen und auf einem Gitter ablegen. Auf die noch feuchte Glasur ein Stück kandierten Ingwer setzen und vollständig trocknen lassen.


Die Nuss-Marzipan-Masse schmeckt intensiv nach Whisky und Haselnuss, für uns ein Knaller auf dem diesjährigen Plätzchen-Teller. Mit dem Ingwer wirklich britisch und doch weihnachtlich. Ihr könnt euch vorstellen, dass diese Köstlichkeiten nicht alt werden konnten.

So schwelgen wir in Gedanken und schlecken uns die Münder,
und

22. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #22 - Dattelherzen


Getrocknete Datteln schmecken für uns zu keiner Jahreszeit besser als an Weihnachten. Dachten wir bis Anfang Oktober noch. Doch seitdem sehen wir das anders.

Die Weitreisende von uns beiden legte auf ihrem Weg nach und von Nepal einen Zwischenstopp in Doha ein. Im Gepäck einen Auftrag: getrocknete Datteln einkaufen. Die in der güldenen Schachtel mit dem güldenen Schleifchen drumrum, keine anderen. Das sind die Besten! Ein Name wurde natürlich genannt, er ging aber in der Aufregung und Vorfreude irgendwie verloren. Was soll's, im Duty-free-Shop am Flughafen Doha würde die Reisende sie wohl kaum übersehen können. An ihrem güldenen Schein sollst du sie erkennen.

Der Zwischenstopp auf der Heimreise war von langer Dauer, müde nickte die Reisende in der Lounge ein. Träume voll von Erinnerungen und Erlebnissen an beeindruckende Tage im Himalaya, an überwältigende Kulturschätze im Kathmandu-Tal, an herzliche Begegnungen allerorten. Trotzdem war es an der Zeit, die Lieben daheim wiederzusehen. Die Nepal-Reisende brannte darauf zu erzählen, was sie gesehen, gehört, gerochen, gefühlt hatte. Im Gepäck viele Mitbringsel. Noch nicht im kleinen Rucksack: die berühmten Datteln.

Gut ausgeruht und gestärkt steuerte die Heimreisende den Shop an. Keine Datteln. Fragen? Naja, wenn sie noch wüsste, wie die Datteln heißen? Und plötzlich ein Schimmern. Es führte direkt zum Dattel-Regal, das voller güldener Schachteln mit güldenen Schleifchen war. Bei den Preisen stockte kurz der Atem, aber wenn es die besten Datteln auf der ganzen Welt sein sollen, dann eben Augen zu und durch. Schnell ein paar Schachteln mitgenommen, die Kreditkarte gezückt und ab zum Gate.

Zu Hause angekommen, sorgen die Datteln zunächst für güldene Äuglein und dann für ausgedehnte Rufe des Entzückens. Auch der bei der Weitgereisten, sie hatte nämlich, gar nicht dumm, auch für sich und die Schwester eine Schachtel dieser Köstlichkeit mitgebracht. Datteln der Marke Bateel. Ob es wirklich die weltbesten sind, das können wir nicht sagen, dafür haben wir bisher zu wenig probiert. Geschmeckt haben sie uns hervorragend, sie waren ruckzuck aufgegessen.

Deshalb haben wir für unser heutiges Plätzchenrezept neue Datteln einkaufen müssen, denn es gibt Dattelherzen nach einem Rezept von Alnatura. Der Abwechslung halber auch in Glocken- und Tannenbaumform.


Die Zutaten für etwa 50 Stück:
Für den Teig:
200 g weiche (Süßrahm-)Butter
80 g Rohrohrzucker
10 g Bourbon-Vanillezucker (im Original: 1 Pck. Bourbon-Vanillezucker)
4 Eigelbe + 1 Eigelb (Größe M; im Original: 4 Eigelbe)
200 g Buchweizenmehl (im Original: 150 g)
100 g Dinkelmehl Type 630 (im Original: 100 g Dinkelmehl Type 1050)
1 TL Zimt
1 Prise Nelkenpulver

Für den Belag:
2 Eiweiß
1 Prise Meersalz
60 g Rohrohrzucker
1 EL Crème fraîche (im Original: Schmand)
abgeriebene Schale von ½ Zitrone
100 g Haselnüsse, gemahlen
100 g Datteln, entsteint
2 EL Vollmilch

Butter, Zucker und Vanillezucker mit dem Handmixer cremig schlagen, dann nacheinander 4 Eigelbe zufügen und alles zusammen zu Schaum rühren. In einer Schüssel Buchweizenmehl, Dinkelmehl, Zimt und Nelkenpulver vermengen und zur Butter-Ei-Mischung geben. Schnell zu einem homogenen Teig verarbeiten. Eine Kugel formen und in Folie gehüllt etwa 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Datteln fein hacken und mit den gemahlenen Haselnüssen, der Zitronenschale und der Crème fraîche verrühren. Das Eiweiß steif schlagen, danach Meersalz und Rohrohrzucker zufügen. Alles zu sehr steifem Schnee schlagen. Nun die Dattelmischung vorsichtig unterheben.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die Arbeitsfläche bemehlen. Den Teig etwa 4 mm dünn ausrollen. Herzen und andere formen ausstechen und auf ein Blech legen. Das insgesamt fünfte Eigelb mit der Vollmilch verrühren und die Plätzchen damit bepinseln, in die Mitte jeweils einen Klecks vom Dattelschaum setzen. Etwa 15 Minuten backen. Der Schaum darf ein bisschen Farbe annehmen, mehr nicht.

Abkühlen lassen und probieren. Sie sind wenig süß, aufgrund des Buchweizen- und Dinkelmehls herb und sicher sehr gesund. Uns haben sie geschmeckt, ob wir sie noch einmal backen würden? Nicht unbedingt, sie waren uns zu wenig weihnachtlich. Dann doch lieber die richtigen echten guten Datteln aus der Ferne, schwärmen noch heute

und

21. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #21 - Nuss-Schokoladen-Blätter


Wer diese weihnachtliche Folge ausgewählter Plätzchenrezepte aufmerksam gelesen hat, dem dürfte nicht entgangen sein: viele Köstlichkeiten stammen aus dem Elsass. Pate stand dafür bisher ein kleines Büchlein. Die Ergebnisse überzeugten uns mal mehr, mal weniger, keines davon war ein Reinfall. Im Gegenteil, wir haben alles aufgegessen, restlos, ratzekahl.

Auch auf der Zielgeraden gibt es noch eine elsässische Kleinigkeit, die letzte. Gefunden im schönen und reichhaltigen Blog "Beau à la Louche" von Loukoum, einer Straßburgerin, die in jedem Jahr eine feine Plätzchen-Auswahl aus ihrer Heimat vorstellt. Im vergangenen Jahr waren darunter ihre Feuillets aux noisettes et chocolat, die sofort das Wasser in unseren Mündern zusammenlaufen ließen. Nicht zu früh gefreut. Deshalb hier das Rezept für unsere Nuss-Schokoladen-Blätter.


Die Zutaten für etwa 60 Stück:
250 g Nüsse (Mandeln und Haselnüsse)
150 g dunkle Schokolade (70% Kakaoanteil)
1 Ei (Größe M)
250 g Zucker
250 g Mehl
250 g Butter (in kleine Stücke geschnitten)

Schokolade und Nüsse hacken, aber nicht zu fein. Sie sollen in den fertigen Blättern gut zu erkennen und zu erschmecken sein.

In einer Schüssel Ei und Zucker mit dem Handmixer schlagen, bis die Masse weiß und schaumig ist. Das Mehl in eine weitere Schüssel geben und die Butter zugeben. Mit den Fingern beides zu einer sandig-bröseligen Masse vermengen, danach erst die Ei-Zucker-Masse untermischen, danach gehackte Schokolade und Nüsse. Zu einem homogenen Teig kneten, dann zu einer Rolle formen und mit den Händen flach drücken, bis der Querschnitt rechteckig (ca. 4 x 6 cm) ist. Mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Die Teigrolle in Scheiben schneiden. Sie sollten so dünn wie möglich sein, idealerweise 2 mm. Im Ofen 12 Minuten backen, bis die Blätter golden sind. Herausnehmen und abkühlen lassen. Dabei werden die Blätter schön knackig.

Wir mochten dieses nussig-schokoladige Aroma sehr. Es stillte unseren großen Appetit nach knusprigen Keksen mit viel Nuss und Schokolade. Und die leichte Karamellnote hat uns ebenfalls begeistert.

Wer des Französischen mächtig ist, könnte natürlich anmerken, dass wir Feuillets falsch übersetzt habe. Ja, eigentlich heißt das (Spiel-)Karten, worauf sich auch die Form unserer Plätzchen bezieht. Blätter gefällt uns allerdings besser, beim nächsten Mal geben wir ihnen auch diese Form.

Versprechen euch
und

20. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #20 - Espressoknöpfe


Kreative Rezeptnamensgebung könnte bei uns eine eigene Küchendisziplin werden. Als wir feststellten, wie viele "E" wir für unseren Adventskalender benötigten (vier, um genau zu sein), begann die Jagd nach Rezepten. Titelgebend dabei wie so oft die Hauptzutat.

Eine kleine Liste sollte uns wie auch bei anderen Buchstaben die Recherche erleichtern. Erdnüsse kamen dort vor, aus denen wir unser köstliches Erdnussheidesand herstellten. Als nächste Zutaten Espelette-Pfeffer und Estragon, entsprechende Weihnachtsplätzchen-Rezepte sind uns jedoch nicht untergekommen. Wenn ihr welche kennt, immer her damit. Im nächsten Jahr steht schließlich wieder ein Weihnachten an und wer weiß, mit welchen ungewöhnlichen Plätzchen-Kreationen wir wen beeindrucken wollen.

Die vierte und letzte Hauptzutat mit "E" auf unserer Liste war der Espresso. In Kombination mit Walnuss entstand das köstliche Espresso-Walnuss-Gebäck, das wie viele andere Adventskalender-Sorten binnen kürzester Zeit verputzt war. Warum also nicht noch einmal etwas mit Espresso? Bei Living at home fanden wir ein Rezept, das unsere kleinen Plätzchenbäckerinnen-Herzchen hüpfen ließ. Einziger Schönheitsfehler: der Anfangsbuchstabe. Ein "M" benötigten wir nun überhaupt nicht. Was tun?

Ganz einfach. Wir benannten das Rezept einfach um und backten für uns und euch Espressoknöpfe. Ist ja auch gar nicht gelogen, denn in ihnen ist bester kräftiger Espresso drin. Gemahlen und als Bohnen.


Die Zutaten:
125 g Mehl
30 g Speisestärke
1 bis 2 EL Kakaopulver ohne Zucker
1 bis 2 EL Espresso, gemahlen
1 Prise Salz
125 g weiche Butter
50 g Puderzucker
40 g Kaffeebohnen
75 g weiße Kuvertüre

In einer Schüssel Mehl, Speisestärke, Kakao, Espressopulver und Salz mischen. In einer größeren Schüssel weiche Butter und Puderzucker mit dem Handmixer cremig schlagen, danach zum Schneebesen greifen und die Mehlmischung vorsichtig unterrühren. Mit den Händen einen homogenen Teig kneten. In Folie wickeln und 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.

Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. 

Aus dem Teig etwa 30 Kugeln zu je ca. 10 g formen. Jeweils 1 Kaffeebohne in die Mitte drücken und wieder verschließen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und leicht flachdrücken. Nun 10 bis 12 Minuten backen. Herausnehmen und auskühlen lassen.

Die weiße Kuvertüre fein hacken, in einer Schüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen lassen und dabei hin und wieder glattrühren. In einen Spritzbeutel füllen und die Espresso-Knöpfe verzieren, gut trocknen lassen.


Total lecker, die kleinen Knöpfe. Vor allem mochten wir den Knack, wenn wir auf die Kaffeebohne im Inneren bissen und sich ein noch mal intensiveres Espressoaroma im Munde ausbreitete.

In Erinnerung dieser kleinen Leckerbissen schwärmen für euch
und

19. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #19 - Limetten-Ingwer-Herzen


Als wir uns die Zutaten notierten, die für die Limetten-Ingwer-Herzen benötigt werden, dachten wir: der Füllstoff, der ist ganz leicht zu beschaffen. In den Supermarkt unseres Vertrauens geflitzt und zielgerichtet das Marmeladenregal angesteuert. Das Angebot ist wirklich üppig, viele Sorten in allen Preisklassen, durchaus auch ungewöhnliche Kombinationen. Wir waren ein wenig überrascht, denn seit wir unsere Marmeladen selbst kochen, haben wir vor diesen Regalen keinen Stopp mehr eingelegt.

An einer Stelle jedoch tat sich ein tiefes Loch auf. Ahnungsvoll pirschten wir uns heran. Tatsache. Ausgerechnet die Limetten-Ingwer-Marmelade, die wir kannten und uns in den Kopf gesetzt hatten, war ausverkauft. Nachlieferung auf längere Zeit nicht zu erwarten. Also hieß es, kreativ zu sein und selber machen. Wir kauften ein Glas reine Ingwermarmelade mit dem höchsten Fruchtanteil, der angeboten wurde, und dazu zwei Bio-Limetten. Das Rezept für diese zu Herzen gehenden Plätzchen fanden wir im Buch "Weihnachtsbäckerei" aus dem Verlag GU, online bei den Küchengöttern.


Die Zutaten:
2 Bio-Limetten
Stück frischer Ingwer (2 cm)
300 g Mehl
150 g kalte Butter (in kleine Würfel geschnitten)
100 g Zucker
1 Eigelb (Größe M)
etwa 250 g Limetten-Ingwer-Konfitüre (Zubereitung ist unten beschrieben; ersatzweise geht auch Orangenmarmelade, dann muss man aber den Rezepttitel ändern ...)

Die beiden Limetten waschen, abtrocknen und fein die Schale abreiben. Danach den Saft auspressen. Den Ingwer schälen und fein reiben. Mehl in eine Schüssel sieben und Limettenzeste, Limettensaft, Ingwer, in kleine Würfel geschnittene Butter, Zucker und Eigelb zu einem Mürbeteig verkneten. In Folie eingewickelt im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen.

Inzwischen die Limetten-Ingwer-Marmelade zubereiten, dafür werden benötigt:
2 Bio-Limetten
1 Glas reine Ingwer-Marmelade (mit einem möglichst hohen Fruchtanteil; in unserem Fall lag er bei 70%)

Die Schale einer der beiden Limetten fein abreiben und beide Früchte auspressen. In einem Topf die Marmelade erhitzen, währenddessen das Glas säubern. Sobald die Marmelade leicht köchelt, Limettenschale und Limettensaft zugeben und etwa 5 Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen und mit geschlossenem Deckel leicht abkühlen lassen.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen und das Backblech mit Backpapier auslegen.

Den Teig dünn ausrollen, Herzen ausstechen, dabei die eine Hälfte mit Löchern versehen. Während 15 Minuten auf mittlerer Schiene backen. Herausnehmen, leicht auskühlen lassen. Nun die Hälfte ohne Loch mit Marmelade bestreichen und die Hälfte mit Loch daraufsetzen. Leicht andrücken. Wer mag, bestäubt die Leckerli mit Puderzucker, wer nicht, der schiebt sich sofort eines in den Mund.

So wie wir,
und

18. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #18 - Abricotines de Ladurée


Kürzlich las ich in zwei Blogs ein mir bislang unbekanntes Wort: "Türmchenfraß". In dem einen wurde es in die Welt gesetzt, der andere griff es auf. Als große Freundin sprachartistischer Wortneuschöpfungen fragte ich mich natürlich unwillkürlich, was sich dahinter wohl verbergen möge. Amüsant an sich, oder?

Mir war sofort klar, dass sich der erste Wortbestandteil auf die Art und Weise, wie kulinarische Erzeugnisse präsentiert werden, beziehen musste. Hatte ich doch schon allerhand zu Säulen oder Stapeln Aufgerichtetes von heimischen Herden und aus heimischen Backöfen gesehen. Zugegeben, es konnte schon ein wenig langweilig sein. Dann immer noch so ein Schleifchen dazu, etwas Glitter hier, eine geschickt gefältelte Serviette dort, vielleicht noch ein paar Dekoartikel, weil es sonst so leer aussehen könnte und das Objekt der Begierde andernfalls womöglich gar keine Begierde wecken würde. Beim Leser.

Aber kann man es andererseits denjenigen, die in ihrer Freizeit brutzeln, köcheln, backen und ihre Leidenschaft mit anderen teilen möchten, verdenken, dass sie ihre Köstlichkeiten ansprechend vorstellen möchten. Sicher nicht. Geschmäcker sind eben verschieden, wie beim Essen so auch beim Anrichten. So wird geschaut, wie machen es die anderen, wie machen es die Profis, und unter den gegebenen Umständen macht jeder sich und für die Neugierigen ein Bild davon. Jeder eben so gut er kann, jeder nach seinem ästhetischen Empfinden und künstlerischen Können. Und manch einem ist das mehr oder weniger gleich, Hauptsache natürlich. Eigentlich wie die ewige Diskussion um das Schminken und Nicht-Schminken.

Zurück zum Kompositum meines Interesses. Sein zweiter Bestandteil besitzt einen unüberhörbar abschreckenden, fast schon beleidigenden, jedenfalls abwertenden Beigeschmack. Mir fällt sofort der Ausdruck "etwas den Tieren zum Fraße vorwerfen" ein. So etwas habe ich aber in noch keinem Blog gesehen. Ist also damit auch das gemeint, woraus der Turm errichtet wurde? Eigentlich sah das doch gar nicht so schlimm aus. Die sorgfältig arrangierte Inszenierung stürzt in sich zusammen, denn wer würde schon gerne freiwillig so etwas zu sich nehmen. Was wohl als Ironie intendiert war, verkehrt sich somit in Zynismus, und ich stelle mir wieder die eine oft gestellte Frage: Wo ist der Respekt geblieben?

Der Respekt dafür, dass unsere Geschmäcker, Ansprüche und Fähigkeiten so verschieden sind wie wir, und dass sie trotzdem oder gerade deshalb Wertschätzung verdienen. Mich stimmt diese gelebte Anti-Haltung nachdenklich. Ich muss nicht alles toll finden, tue das auch gar nicht und darf das sogar kundtun. Das ist ein Privileg. Aber ich wünsche mir dafür eine faire und menschliche Weise, die den anderen sein Gesicht wahren lässt und ihm zu verstehen gibt, dass es sich zwar um eine andere Auffassung handelt, diese jedoch keinen Anspruch auf Absolutheit besitzen kann. Die gibt es in Fragen des Geschmacks nicht, und so, wie ich den einen lasse, so möchte auch ich gelassen werden. In dem, wie wir uns und unsere Kreativität oder Mitteilungsbedürftigkeit verwirklichen, treiben uns viele, individuell verschiedene Dinge, Bedürfnisse oder Sehnsüchte an. Wer sich traut, mit den Ergebnissen seiner Motivation das Licht der Öffentlichkeit zu suchen, der verdient meinen höchsten Respekt.

Ob ich etwas gut oder schlecht finde, exzeptionell oder mainstreamig? Das bleibt mir überlassen, und ich entscheide, ob ich es zur Kenntnis nehme oder nicht. Es liegt für mich im persönlichen Empfinden des Einzelnen, denn manchmal ist modern anmutender Perfektionismus tatsächlich Off-Mainstream, während individuelle Lässigkeit sich auch mal als gepflegter Durchschnitt entpuppt. Wer in Berlin lebt, wird das vielleicht nachvollziehen können. Der Rheinländer formuliert es immer wieder so einfach und so treffend: "Jeder Jeck ist anders". Und wenn er nicht zu mir passt, steht es mir frei, einen anderen Jecken zu suchen. Seien wir froh, dass wir so frei sind.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht auch nicht, dass euch unser heutiges Türchen mit einem Türmchen empfängt. Jedenfalls wurde das Foto schon vor zwei Wochen geschossen, am Ende eines langen Backtages, als wir erschöpft waren. Die Fotografin fühlte sich elend, hielt aber, schließlich leben wir im preußischen Berlin, tapfer durch. Kein Appetit auf Plätzchen, keine Kraft mehr für Kreativität, wir wollten einfach nur die Bilder im Kasten haben. Also müde des Nachts ein Türmchen gestapelt und innerlich schwach gegen das Schleifchen protestiert, das mangels alternativer Ideen dran bleiben durfte. Knips hier, knips da, die Nächsten bitte!

Sieht doch ganz gut aus. Wir wollen euch nicht zu viel versprechen, aber die Abricotines de Ladurée aus dem hübschen französischen Blog "Les gourmandises d'Isa" schmecken uns vorzüglich. Eine kleine Reminiszenz an die sich in aller Munde befindlichen Macarons, nur eben in weihnachtlicher Plätzchen-Form.


Die Zutaten:
170 g Puderzucker
225 g Mandeln, fein gemahlen (im Original: 215 g)
35 g Mehl
6 Eiweiß (Größe M)
Mark von 1 bis 2 Vanilleschoten (im Original: 1 TL Vanilleextrakt)
30 g Vanillezucker (im Original: 40 g Zucker)
75 g Mandelblättchen
ca. 300 g Aprikosenkonfitüre (wir haben die gute Selbstgemachte genommen)

Puderzucker und Mehl in eine große Schüssel sieben und mit den gemahlenen Mandeln mischen. Eiweiße zu steifem Schnee schlagen, dann Vanillemark und Zucker zufügen. Weiter schlagen, bis sich alles gut vermengt hat.

Den Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Jetzt kommt wieder der Teigspatel zum Einsatz. Vorsichtig nacheinander jeweils ein Viertel der Eimasse zur Mehlmischung geben und unterheben, bis sich alles zu einer luftigen homogenen Masse ohne Klümpchen vereinigt hat. Mit einem Spritzbeutel mit runter Tülle von etwa 5 mm Durchmesser kleine Kreise von etwa 2 cm Durchmesser auf das Backblech geben. Nicht zu groß, die Masse verläuft noch ein wenig. Die Mandelblättchen darauf verteilen (das hatten wir vergessen) und im Ofen etwa 12 bis 15 Minuten backen.

Herausnehmen und etwa 5 Minuten abkühlen lassen. Dann wie Macarons vorsichtig von Backpapier abziehen, ggf. das Backpapier auf eine kalte Fläche legen oder über etwas kaltes Wasser ziehen. Vollständig erkalten lassen.

Dann geht es ans Basteln: Zwei in der Größe aufeinander passende Kekse suchen, auf eine Hälfte Aprikosenmarmelade geben und mit der anderen Hälfte abdecken. Etwas andrücken und mit Puderzucker bestäuben, wer mag.

Am besten halten sich die Abricotines de Ladurée in einer geschlossenen Dose im Kühlschrank. Isa empfiehlt, sie mindestens 12 Stunden ruhen zu lassen. So lange haben wir es nicht ausgehalten.

Könntet ihr das? Fragen euch
und

PS: Und weil heute ein sonntagssüßer Tag ist, sammelt das Fräulein Text nicht nur diesen Beitrag ein, sondern auch ganz viele andere süße Sachen.

17. Dezember 2011

Plätzchen-Adventskalender #17 - Kardamom-Mandel-Biscotti


Wie wir auf diesen hübschen Blog gestoßen sind, daran erinnern wir uns nicht mehr. Dass wir eine kleine Fundgrube mit "Bite my cake" der kroatischen Foodbloggerin Tamara aufgetan haben, dessen sind wir uns vollauf bewusst.

Sie beschreibt auf Kroatisch und auf Englisch die süßen Verführungen ihrer Heimat und aus anderen (slawischen) Gefilden. Hübsch bebildert, fällt es uns schwer, diesen Köstlichkeiten zu widerstehen. Soll heißen, unsere virtuelle Nachbackliste ist stark angewachsen.

Für unseren Adventskalender haben wir uns ihr Rezept für Kardamom-Mandel-Biscotti ausgesucht.



Die Zutaten:
140 g Mehl
2 TL Backpulver
1 Messerspitze Salz
abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Bio-Orange
170 g Mandeln, gemahlen
1/2 TL Kardamom, gemahlen
160 g Zucker
10 g Vanillezucker
Mark von 1 Vanilleschote (im Original alternativ: 1 EL Rum, wir können uns auch Cointreau oder Amaretto sehr gut vorstellen)
2 Eier + 1 Eiweiß (Größe M)

Den Backofen auf 160 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen. Vom normalen Zucker 2 EL abzweigen und zur Seite stellen.

Mehl, Backpulver, abgeriebene Orangenschale, gemahlene Mandeln, Kardamom, Vanillezucker und Zucker (den größeren Teil) in eine Schüssel geben und gut vermengen. Jetzt die leicht geschlagenen beiden Eier zugeben und alles zu einem homogenen Teig verkneten. Sollte er etwas kleben, ruhig noch ein bisschen Mehl einarbeiten.

Halbieren und zu zwei Würsten von 4 cm Durchmesser formen. Auf dem mit Backpapier ausgekleideten Blech mit etwas Abstand ablegen und etwas flachdrücken. Im Ofen 30 Minuten auf mittlerer Schiene backen. Dann mit dem Eiweiß bestreichen und den beiseite gestellten Zucker großzügig darauf verteilen. Weitere 15 Minuten backen.

Nach dem Herausnehmen nur leicht abkühlen lassen und in 2 bis 3 cm breite Stücke schneiden. Komplett auskühlen lassen.



Wir lieben diese Biscotti und machen uns schon eifrig Gedanken, welche Varianten wir noch so alles backen könnten. Mit Schokoladenstückchen, mit Fruchtstücken, mit Kakaopulver, mit Nussstücken, mit ... Darüber sinnieren diese köstlichen Biscotti schnurpsend
und