30. November 2011

Morgen öffnet sich das erste Türchen im Plätzchen-Adventskalender


Ging es euch genauso? Früher, als ihr noch klein wart? Diese Aufregung, bevor ihr das erste Türchen an eurem Adventskalender öffnen durftet?

Tagelang habe ich ihn mir angesehen, meinen neuen, jungfräulichen Adventskalender. Immer wieder habe ich gefragt, was drin ist. Niemand wollte es mir verraten. Also dachte ich, wenn ich die Ecke vom Türchen geschickt in den Fingernagel einklemme und ein klitzekleines bisschen anhebe, würde ich es erfahren - und keiner merkt etwas. Denkste! Den Knick sah man sofort, schlauer war ich deshalb noch lange nicht.

Ich ging zu gewiefteren Strategien über und wollte wissen, mit welchem Buchstaben das geheime Etwas hinter dem Türchen beginnt. Mein Vater, der Schelm, antwortete grinsend: "Mit einem Y." Na toll. Hätte er "X" gesagt, hätte ich wenigstens auf ein Xylophon tippen können. Aber so? Ich musste mich wohl oder übel in Geduld üben.

Ihr musstet das auch, bis jetzt.


Wir haben gar nicht lange überlegen müssen, was wir wohl in unseren Adventskalender packen wollen. Schnell kamen wir auf das Naheliegende:
PLÄTZCHEN, NATÜRLICH! 
In der Vorweihnachtszeit laufen die Öfen in unseren Küchen besonders heiß, ein Blech nach dem anderen wandert rein und wieder raus, rein und wieder raus ... Da können doch die kleinen Köstlichkeiten direkt in unseren Kalender weiterziehen, damit sie auch anderen - euch - die Wartezeit auf Weihnachtsmann, Christkind oder schlicht die Weihnachtsfeiertage an sich versüßen mögen.

Einzig und allein Bilder? Das wäre doch wirklich unbefriedigend. Stellt euch vor: Wir bringen eure Zähne so zum Tropfen, dass ihr sie am liebsten in euren Bildschirm hauen wollt, und dann habt ihr noch nicht einmal eine Chance, diese Plätzchen leibhaftig auf euren Weihnachtstellern zu platzieren? Das könnten wir absolut nicht verantworten. Deshalb gibt es Bilder und Rezepte.

Und wie haben wir sie ausgewählt? Buchstabe für Buchstabe.

"Plätzchen-Adventskalender" hat genau 24 davon. Jeder Tag ein Buchstabe, immer schön der Reihe nach. Also beginnt das Plätzchenrezept hinter Türchen 1 mit einem P, das hinter Türchen 2 mit einem L und so weiter. Ha, werden einige von euch jetzt sicher denken, bin mal gespannt, was die beiden sich zum Ä einfallen lassen. Haha, sagen wir, wir machen einfach ein A daraus. Hürde genommen?

Eine neue Hürde bauen wir sogleich auf. Wir lieben die Plätzchen-Klassiker wie Vanillekipferl, Schwarz-Weiß-Gebäck oder Zimtsterne, wollen euch an dieser Stelle jedoch neue, ungewöhnliche oder ferne Traditionen vorstellen. Neu auch für uns! Mal sehen, ob wir uns und dann euch davon überzeugen können.

Nun wisst ihr also, was euch erwartet. Einfach ein Klick zur rechten Zeit auf die richtige Tür, und schon erhaltet ihr eine weihnachtliche Köstlichkeit. Aber Achtung, nicht schummeln!

Wenn ihr die Idee toll findet, dann könnt ihr gerne das Logo für euren Blog verwenden und auf unseren Adventskalender verlinken. Dazu braucht ihr nur den folgenden HTML-Code in einen Post einfügen:

<a href="http://charlottenblog.blogspot.com/p/unser-platzchenadventskalender-und-die.html"><img alt="Plaetzchenadventskalender" border="0" src="http://i853.photobucket.com/albums/ab99/Charlottenblog/Adventskalender/advent_logo.png" /></a>

Falls ihr etwas nachgebacken habt, freuen wir uns über euren Bericht. Es wäre uns ein großes Geschenk!

Eine schöne, sinnenfrohe und stressarme (Vor-)Weihnachtszeit wünschen euch
nyhet und Schokozwerg

PS: Bitte habt etwas Geduld, falls das Türchen nicht gleich morgens freigeschaltet ist.

29. November 2011

Alle Jahre wieder: Paradiesischer Apfelkuchen


Vor langer Zeit, wir wohnten noch zu Hause, schnitt unsere Mutter ein Rezept aus der Tageszeitung aus. Wie sie es so oft tat und übrigens noch immer tut. Die Vorweihnachtszeit stand an, wir dachten, es handelte sich um besondere Plätzchenrezepte oder Ideen, wie man was würzen könnte.

Das Problem dieser "Presseausschnitte" war immer, dass sie binnen kürzester Zeit auf Langenimmerwiederfinden verschwunden waren und erst nach Jahren wieder auftauchten. Oft als Lesezeichen in irgendwelchen Büchern. Manchmal zwischen erledigter Post. Hin und wieder vermutlich im Altpapier. Dort tauchten die Zettel allerdings ab.

Nicht so dieser Ausschnitt, er blieb bei uns, fein säuberlich in eine Klarsichtfolie gehüllt. Es handelte sich um eine Buchkritik, nur leider erinnere ich mich nicht mehr genau an den Titel. Eine Sammlung biblischer Rezepte muss es gewesen sein. Besonders verlockend erschien uns allen ein Backwerk - kein Wunder, wenn man so viele süße Gene besitzt wie wir ...

Sofort schaute unsere Mutter nach, ob sie alle Zutaten im Hause hatte. Dem war so, also wurde ich sofort zum Äpfelschälen eingeteilt, das Kind kann ja noch etwas lernen. Ich schälte und schälte. Dem kritischen Blick entging nichts, weshalb hin und wieder ein Tipp kam, wie ich die Schale noch dünner abschneiden, das Gehäuse noch sauberer herauslösen könnte. Ab und an in einem unbeobachteten Moment schob ich mir ein verunglücktes Stück in den Mund. Gemeinsam bereiteten wir schließlich den Teig zu, während der Rest der Familie immer wieder die Nasen in die Küche steckte. Nicht etwa um zu helfen, nein, sie wollten diesen wunderbaren Duft erhaschen.

Am Schluss zogen wir einen Kuchen aus dem Ofen, der sofort den Ehrentitel "Familienklassiker" verliehen bekam. Seit jenem Tag gab es in jedem Jahr als letzten Kuchen vor den vielen Weihnachtsköstlichkeiten den Paradiesischen Apfelkuchen. Und es gibt ihn noch immer. Das eigenhändig abgeschriebene Rezept zog mit mir hinaus in die weite Welt, um jetzt hier anzukommen.



Diese Zutaten werden für eine Springform mit 28 cm Durchmesser benötigt:
1 kg säuerliche Äpfel (nach dem Schälen bleiben noch etwa 750 g; ich habe zwei Drittel Boskop und ein Drittel Holsteiner Cox verwendet)
60 g Haselnüsse
60 g Rosinen
8 getrocknete Datteln
Saft von 1 Zitrone
abgeriebene Schale von 1/2 bis 1 Zitrone
1 bis 2 TL Zimt
1 kräftiger Schluck Calvados
150 g weiche Butter
100 g weißer Zucker
50 g Rohrzucker
10 g selbstgemachter Vanillezucker (entspricht etwa einem Päckchen)
4 Eier
1 Prise Salz
300 g Mehl
1/2 Päckchen Backpulver
4 EL Milch
1 bis 2 EL Crème fraîche
Zimt-Zucker-Mischung zum Bestreuen (= 3 EL Zucker + 1 TL Zimt)

So wird das Apfelparadies daraus:
Die Äpfel schälen, entkernen und in Würfel schneiden. Haselnüsse grob hacken, ebenso die Datteln, alles zusammen mit Rosinen, Zitronensaft, abgeriebene Zitronenschale, Zimt und Calvados unter die gewürfelten Äpfel mischen. Ziehen lassen.

Aus Butter, Zucker, Vanillezucker, Eiern, Salz, Zitronenschale, Mehl und Backpulver einen glatten Teig rühren. Am besten mit den Rührhaken des Handmixers.

Nun den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die Springform ggf. fetten (meine Antihaftform schafft es ohne zusätzliche Butter). Nun etwa zwei Drittel des Teiges einfüllen und mit dem Teigspatel glatt streichen.

Vorsichtig die Apfelmischung auf dem Teig verteilen. Den in der Schüssel verbliebenen Teigrest mit Milch und Crème fraîche kurz verrühren und über die Äpfel verteilen. Alles sollte bedeckt sein und die Oberfläche möglichst glatt sein. Mit der Zimt-Zucker-Mischung großzügig bestreuen. Ab in den Ofen für ca. 60 Minuten.


Warm oder kalt genießen. Auch nach ein, zwei Tagen ein Hochgenuss, vielleicht ein immer größer werdender? Wenn der Kuchen dann noch nicht aufgegessen sein sollte. Wir fühlen uns jedesmal wie im Apfelkuchen-Paradies und wohlig eingestimmt auf die feinen Tage, die da kommen.

PS: In diesem Jahr auch der letzte Kuchen, bevor sich das erste Türchen des Plätzchen-Adventskalenders öffnet.

Plaetzchenadventskalender

27. November 2011

Winterheißgetränk neu interpretiert: Glühweinsorbet


Als wir heute am späten Vormittag vor die Tür traten, konnten wir unsere gerade übergestreiften Handschuhe sofort wieder einpacken. Grauer Himmel zwar und etwas Wind, aber trocken und vor allem mild. So schlurften wir übermütig durch das raschelnde Laub, atmeten Herbst und lüfteten den zu eng um den Hals geschlungenen Schal. Was für ein merkwürdiger November.

Ganz anders im vergangenen Jahr. Tief verschneit war die Stadt und bitterkalt. Über den festgetrampelten Schnee legte sich ständig frisches Weiß. Oben Neuschnee, unten Eis. Immer dicker wurden die Schichten. Nicht nur auf der Straße, sondern auch am Körper. Schnell noch eine Mütze gekauft. Winterjacken? Nur Restbestände. Stiefel für den sicheren und aufrechten Gang? Keine Chance. Allerhöchstens Spikes. Vielleicht, wer Glück hat.

So weit sind wir jetzt noch nicht. Zu meinem Glück. Der diesjährige November lässt mich seinen zweifelhaften Charme vermissen, den des Gruselwettermonats, der die dunkle, eisige Jahreszeit einläutet. Davon war nichts zu spüren. Stattdessen viel Sonne. Keine sturmzerfetzten Regenschirme. Unter den Füßen trockene Blätter. Kein Eis weit und breit. Moment, doch! Vor wenigen Tagen trugen es zwei Unverfrorene in ihren Waffeln an mir vorbei, woraufhin schräg hinter mir der entsetzte Ausruf zu vernehmen war: "Wie, Eis im Winter???"

Aber ja doch, klar, Eis geht immer! Dachte ich still bei mir. Seit längerer Zeit habe ich keines mehr gemacht. Das muss sich ändern, schnellstmöglich. In meinem Vorhaben wurde ich von Nyhet inniglich bestärkt, die meine erste Kreation - Sternanis-Eis mit Himbeeren - genüsslich wegschleckte. Am späten Nachmittag heute konnte sie schon das nächste Kühle genießen: Glühweinsorbet.


Die Zutaten:
500 ml guter trockener Rotwein
Saft von 2 Orangen
5 Nelken
1 Sternanis
1/4 TL Kardamom, ganz
1 Zimtstange (7 cm lang)
frischer Ingwer (1 bis 2 cm lang)
Orangenschale nach Geschmack
3 EL brauner Zucker
3 EL weißer Zucker
3 EL roter Portwein

Die Zubereitung:
Den Ingwer grob hacken. Mit Rotwein, Orangensaft, Gewürzen, Orangenschale und Zucker in einen Topf geben und aufkochen. Danach bei schwacher Hitze 30 Minuten ziehen lassen. Den Portwein zugeben und weitere 10 Minuten ziehen lassen.

Vom Herd nehmen, durch ein Sieb gießen und vollständig abkühlen lassen. In der Eismaschine nach Gebrauchsanweisung zu Sorbet verarbeiten und sofort servieren.

Das Sorbet sollte nicht zu sauer sein. Wer lieber sehr (!) süß isst, sollte deshalb noch etwas mehr Zucker zugeben als im Rezept angegeben. Wir fanden das Glühweinsorbet so genau richtig. Genauso sah das jemand, der bei Rotwein nicht sofort hier schreit.

Zur Bratwurst? Wer weiß. Was wir wirklich wissen: Pur perfekt. Zum Stollen perfekt. Zu Plätzchen perfekt. Und weil Sonntag ist, ist das Glühweinsorbet unser heutiger Beitrag zur Initiative Sonntagssüß. Gesammelt von Nina, dem Fräulein Text. 

Apropos Plätzchen. Ein Hinweis in eigener Weihnachtssache:


Am 1. Dezember öffnet sich hier im CharlottenBlog das erste Türchen unseres Plätzchen-Adventskalenders. Jeden Tag ein Plätzchenrezept. Nein, nicht die Klassiker wie Vanillekipferl, Bethmännchen oder Spitzbuben. Die kennen, essen und lieben wir genauso wie viele andere Weihnachtsschleckermäuler.

Wie ihr wisst, probieren wir leidenschaftlich gern Neues aus, immer auf der kulinarischen Jagd nach unbekannten Genüssen, außergewöhnlichen Kombinationen und fremden Bräuchen. Das ganze Jahr über, natürlich auch in der Weihnachtszeit. Lasst euch also überraschen, womit wir eure Zähne zum Tropfen bringen wollen. Mehr dazu am 30. November! Wo? Na - hier.

Klickt einfach auf das Bild, und ihr gelangt direkt auf die Kalenderseite! Und wenn ihr die Idee toll findet, dann könnt ihr gerne das Logo für euren Blog verwenden und auf unseren Kalender verlinken :-)

26. November 2011

Eine Traumkombination: Sternanis-Eis mit Himbeeren


Mein Sommer der Marmeladen. Seit ich im letzten Jahr meine ersten Marmeladen - damals noch mit Gelierzucker - zubereitet hatte, schaltete ich in diesem Jahr noch einen Gang höher. Mehr Sorten, mehr Variationen, mehr Kreativität - und kein Gelierzucker mehr. 

Treue Begleiter und Anleiter sind mir dabei einige Bücher, vorrangig die von Christine Ferber. Denn sie verzichtet komplett auf Gelierzucker, sondern verarbeitet nur Zucker, Zitronensaft und Apfelgelee als natürliche Gelierhilfen. Ein wenig zu süß sind mir ihre Original-Kreationen, dem lässt sich jedoch entgegenwirken: weniger Zucker als im Rezept, mehr Zitronensaft als im Rezept. Das passt super. Seitdem schmecke ich den feinen Unterschied zwischen Gelierzucker und normalem Zucker heraus und bin umso überzeugter: Lieber habe ich mehr Aufwand und werde dafür mit großartigem Genuss belohnt.

Aber auch in Sachen Aroma und Aromenkombinationen sind mir Madame Ferbers Bücher eine große Inspiration. Während Aprikose mit Lavendel nicht so ungewöhnlich ist, wäre ich auf Erdbeermarmelade mit Zitronenthymian und Pfeffer oder Rhabarbermarmelade mit Honig und Rosmarin sicher nicht von allein gekommen.  

Ein Rezept, das ich im Spätsommer in gefüllte Gläser umsetzte, habe ich noch nicht gepostet. Ich hatte es komplett aus meinem kulinarischen Gedächtnis gestrichen, bis ... bis ich vor einigen Tagen blind in meinen Marmeladenvorrat langte und ein kleines dunkelrotes Glas ans Licht zog. Klick. Der ausströmende intensive Duft brachte die Erinnerung sofort zu Tage: Himbeeren und Sternanis. Was für eine tolle Kombination.

Das Rezept für die Marmelade, die sich auch gut im Winter - dann eben mit tiefgekühlten Früchten - kochen lässt, stelle ich in den nächsten Tagen ein. Ein Rezept für mein Sternanis-Eis mit Himbeeren (oder: Himbeereis mit Sternanis?) folgt jetzt.


Die Zutaten für etwa 500 ml Eis:
250 ml Sahne
50 ml Joghurt
100 ml Milch
3 EL Zucker
1 Sternanis
3 Nelken
1 bis 2 EL Himbeergeist
200 g tiefgekühlte oder frische Himbeeren

Sahne, Joghurt und Milch mischen. Zusammen mit Zucker, Sternanis und Nelken zum Kochen bringen, gut umrühren. Kurz aufkochen lassen und sofort herunterschalten, damit die Mischung nicht mehr kocht. Ziehen lassen.

Nach 30 Minuten die Nelken herausnehmen. Mit dem Sternanis weiter ziehen lassen, bis die Milch-Mischung ein weiches, rundes Sternanis-Aroma hat. Gewürz herausnehmen, den Himbeergeist einrühren. Vollständig erkalten lassen.

Himbeeren putzen bzw. auftauen. Eismaschine startklar machen. Die Früchte in die Milchmischung geben. Das Eis in der Maschine nach Gebrauchsanweisung zubereiten und direkt genießen.

Es schmeckt säuerlich durch den Joghurt, würzig-weich durch den Sternanis und frisch-fruchtig durch die Himbeeren. Ich mag diese Kombination sehr! Und genehmige mir sofort einen Nachschlag, ätsch.

Das Basisrezept für ein Milcheis ohne Ei ist sicherlich noch verbesserungsfähig, deshalb eine Frage an euch: Könnt ihr mir ein Milcheis-Grundrezept ohne Ei empfehlen?

25. November 2011

Ein Traditionskino ist in Gefahr - rettet "Die Kurbel"

Copyright: Initiative "Rettet die Kurbel", www.rettetdiekurbel.de
Quelle: http://www.facebook.com/rettetdiekurbel?sk=photos


Ein angekündigter Kino-Tod macht derzeit in Charlottenburg - also dem Berliner Kiez, in dem dieser Blog zu Hause ist - Furore. Das Kino "Die Kurbel" in der Giesebrechtstraße soll zum 21. Dezember 2011 schließen!

Copyright: Initiative "Rettet die Kurbel", www.rettetdiekurbel.de
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Das darf nicht kommen. Denn bei der "Kurbel" handelt es sich nicht um irgendein x-beliebiges Kino in der großen weiten Stadt Berlin. Es ist nicht eines von vielen austauschbaren, gesichtslosen Lichtspielhäusern dieser Stadt. Nein, es ist eine Kino-Institution mit langer, genauer 77-jähriger Tradition.

Im Jahre 1934/35 wird das Ladengeschäft in einem Berliner Wohnhaus zu einem Kino umgebaut. Das erste Tonfilm-Kino Berlins, eben "Die Kurbel" entsteht. Ihre Geschichte ist so wechselhaft wie die Filme, die hier gezeigt werden, so vielfältig wie die Menschen, die dieses Kino betreiben, so bunt wie die Besucher, die hierher kommen. "Die Kurbel" war auf verschiedene Art und Weise immer ein Anziehungspunkt für die Cineasten im Charlottenburger Kiez und in Berlin allgemein.

"Die Kurbel" in den fünfziger Jahren
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"Vom Winde verweht", dieser Film hat eine ganz besondere Rolle für "Die Kurbel". 1954 war es das deutsche Premierenkino dieses Klassikers der Filmgeschichte, der in den anschließenden zweieinhalb Jahren vor ausverkauftem Haus gespielt wurde. Er war der letzte Film, der vor einer vorübergehenden Schließung im Juni 2003 gezeigt wurde, seine bis dato 701. Vorführung in diesem Kino. Und wenn die Eigentümer des Hauses nicht vom Weiterbetrieb des Kinos überzeugt werden können, wird dieser Film auch der letzte sein, der am 21. Dezember 2011 gezeigt wird.

"Die Kurbel" in den frühen achtziger Jahren
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Auch die große weite Kino-Welt hat hier Station gemacht, nicht nur in ihren Filmen, sondern auch mit ihren Filmen. Ich sage nur: Berlinale. Im Februar 2011 war "Die Kurbel" eines von nur sieben ausgewählten Kinos der Aktion "Berlinale goes Kiez". Wie sagte Dieter Kosslick, Chef der Berlinale, damals: 
„Mit ‚Berlinale goes Kiez’ möchten wir gemeinsam mit unserem treuen Publikum den Film und vor allen Dingen das Kino feiern. Diese Kiezkinos sind ganz besondere Treffpunkte für Kinofans. Hier wird übers ganze Jahr die Kinokultur hochgehalten. Das möchten wir unterstützen und fördern.“

Copyright: Initiative "Rettet die Kurbel", www.rettetdiekurbel.de
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Und Dieter Kosslick höchstpersönlich war dabei, als sich die Initiative "Rettet die Kurbel" gestern Abend vor dem bedrohten Kino versammelte und für den Erhalt der "Kurbel" demonstrierte. Mit ihm Rosa von Praunheim, Otto Sander, Oliver Kalkofe, Angelica Domröse ... und viele, viele Kinoenthusiasten.

Weitere Unterstützer: Schauspieler Gerd Wameling, Kunstliebhaber Peter Raue und Andrea Gräfin Bernstorff, der Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure, die Deutsche Filmakademie.

Mehr Informationen sind auf der Homepage der Initiative, im Blog der Initiative und auf ihrer Facebook-Seite zu finden. Wer mehr über die wechselvolle Geschichte der "Kurbel" wissen möchte und Informationen zur Initiative "Rettet die Kurbel" bekommen möchte, findet auch dies im Internet. Der RBB, die Berliner Zeitung, der Tagesspiegel, die taz, die Berliner Morgenpost und andere Medien haben inzwischen berichtet und werden dies sicher auch in den nächsten Tagen und Wochen tun.

Also, liebe Leserinnen und Leser, liebe Cineasten aus Berlin und anderswo. Unterstützt diese Initiative zur Rettung der "Kurbel". Im Kiez liegen an vielen Orten Unterschriftslisten aus. Je mehr unterschreiben oder sich auf irgendeine andere Weise für dieses Kino einsetzen, desto wahrscheinlicher wird seine Rettung.

Ach ja, warum soll das Kino eigentlich geschlossen werden? Offiziell heißt es, die "Kurbel" sei nicht wirtschaftlich. Inoffiziell heißt es, das Haus werde luxussaniert und soll anstelle des Kinos dann eine Bio-Supermarktkette beherbergen. 

Damit sich dies nicht bewahrheitet: Wer aufgibt, hat schon verloren.

Edit 22. Dezember 2011: Gestern lief in der "Kurbel" die letzte Vorstellung, traditionell "Vom Winde verweht". Nur für die Mitarbeiter. Schade, das Kino wird uns fehlen.

22. November 2011

Liebes-Zaubertrank mit Erfolgsgarantie? Salbeilikör


Vor fünf Wochen habe ich wieder einmal ganz gezielt das hübsche kleine Büchlein "Bon! Bon! Vom Zauber süßer Speisen" zur Hand genommen. Ein Rezept hatte sich mir, als ich die kleine Rezension schrieb, tief eingeprägt. In mein To-Do-Gedächtnis. Rechtzeitig vor Weihnachten wollte ich es testen, ob es das Zeug zu einem kulinarischen Geschenk hat.

Also notierte ich mir die Zutaten und ging fest davon aus, alles in kürzester Zeit zusammengesammelt zu haben. Wenn schon die Zubereitung eine Geduldsprobe zu werden versprach. Denkste. Für den Alkohol musste ich einige Kreise durch die ortsansässigen Spirituosenhändler drehen, bis ich hatte, wonach ich suchte. Zu einem Preis, den ich bereit war, für dieses Experiment zu zahlen.

Salbeilikör. Noch nie getrunken, noch nie davon gehört. Aber wer kann schon diesem zauberhaften Titel "Likör der perfekten Liebe à la Monsieur Rostand" widerstehen? Ich jedenfalls nicht.

Widerstehen konnte ich auch nicht dem Impuls zu fragen: der Monsieur Rostand? Edmond, der Autor, der die Komödie "Cyrano von Bergerac" verfasste? Das wäre doch durchaus möglich. Aber ach, nichts von dem Spärlichen, das ich fand, deutet auf ihn hin. Die Spur führt eher zu einem anderen Rostand, Edmonds Sohn Jean. Er war Biologe und Philosoph und wie sein Vater Schriftsteller und Mitglied der Académie Française. Von ihm habe ich ein paar Gedanken über den Salbei finden können, so auch den schönen Ausspruch
"Qui a de la sauge dans son jardin 
n'a point besoin de médecin" 
(Wer Salbei im Garten hat, der benötigt gar keinen Arzt). Ist das Zufall?


Die Zutaten für etwa einen Liter Likör:
0,7 Liter Eau de vie (ihn gibt es mit verschiedenen Aromen; ich habe Himbeere genommen)
350 g feinster Zucker
350 ml Wasser
2 Handvoll frische saftige Salbeiblätter

Den Alkohol in einen Krug füllen. Salbeiblätter waschen, vorsichtig trocken tupfen und in den Alkohol geben. Ein passend geschnittenes Stück Backpapier direkt auf die Oberfläche des Alkohols legen und glatt streichen. Bei Zimmertemperatur eine Woche ziehen lassen.

Langsam schweben die Salbeiblätter eines nach dem anderen zu Boden des Gefäßes.

Die Lösung nach einer Woche abseihen und in ein großes Gefäß (Schüssel, Krug o.ä.) füllen. Das Wasser zum Kochen bringen, den Zucker darin auflösen und abkühlen lassen. Anschließend zum aromatisierten Alkohol gießen, gut umrühren und in die Flaschen abfüllen. Verschließen und kühl stellen, am besten in den Kühlschrank.

Nach vier Wochen empfiehlt sich die erste Verkostung. Der Likör schmeckt ganz anders als befürchtet: kräutrig, fruchtig, lieblich, süffig, anregend. Oh lala! Und vielleicht nach acht Wochen noch besser? Ich werde es testen und derweil die Weihnachtsgeschenke ansetzen.

Santé! Auf die Liebe!

20. November 2011

Spielplatz süßer Kreativität: Pralinenkurs und selbstgemachte Pralinen


Eine Fortbildung der besonderen Art gönnten wir uns an diesem Sonntag. Nachdem wir im letzten Jahr unsere Terminkalender nicht hatten harmonisieren können, unternahmen wir jetzt einen neuen Anlauf. Und siehe da, es klappte. Auf Anhieb. Ganz spontan und kurzfristig fanden wir den Pralinenkurs, der alle unsere Bedingungen erfüllte: nachmittags, sonntags, erste Priorität, freie Plätze.

Die Confiserie Mélanie machte es uns auch leicht. Mit einem Anschlag im Schaufenster, der dezent auf noch nicht ausgebuchte Kurse hinwies. Also flugs den Laden gestürmt und uns in die Liste eingetragen. Heraus kamen wir mit einer festen Sonntagsverabredung und dem Hinweis, doch auch ein paar Dosen mitzubringen, um die ganzen Pralinen "nach Hause schleppen" zu können. Ich sah mich schon mit einer Sackkarre prall gefüllte Schachteln voller süßer Kreationen durch abenddunkle Charlottenburger Straßen transportieren.


Bis zu dem halben Kilogramm selbstgemachter Pralinen war es jedoch noch ein kleiner Weg, auf dem uns das Besitzerehepaar der Confiserie leiten würde. Zunächst führte er uns in den "Kulinarischen Salon", den Ort unserer süßen Fortbildung. Einen Prosecco zum Anstoßen auf süßes Gelingen. Einige einführende Worte und hintergründige Schilderungen von Sabine Dubenkropp über das Wesen von Schokolade, während wir Tee und Kaffee tranken. Im Hintergrund sorgte ihr Mann, Guido Dubenkropp, für den perfekten Start in den praktischen Teil.


Wir verkosteten verschiedene Sorten Schokolade, von der kakaopulverfreien weißen bis hin zur hochprozentigen dunklen. Wir spürten Aromen, Süßen und Säuren nach, testeten Brucheigenschaften und Schmelzverhalten. Und wir versuchten, aus dem Duft gemahlener Gewürze auf ihren Namen zu schließen. Welch' wonniger Wonntag Sonntag.

Wir waren ganz Nasen und Gaumen.

Bis es hieß: Ran an die Schürzen! Es geht los? Noch nicht ganz. Sabine Dubenkropp, die Frau vom Fach, erläuterte uns Novizen Schritt für Schritt, wie sie Füllungen für Pralinen herstellt, danach wurden wir auf die vielen Flaschen, Dosen, Schächtelchen, Gläser, Schalen voller Früchte, Gewürze, Alkoholika, Sirupe, Kräuter, Öle losgelassen. Hilflosigkeit, für einen Moment. Wo beginnen, wo enden.

Aromenplan? Wegweiser durch die Landschaft der Gerüche und Geschmäcker? Wohin? Wo entlang?


In einem kleinen Heftchen: die Basis, die Zusammensetzungen der einzelnen Trüffelsorten. In unseren Köpfen: das imaginäre gewisse Etwas, die Suche nach dem besonderen oder geliebten Aroma, das wir in cremigen Füllungen zum Vibrieren oder Schweben oder Leuchten bringen wollten. Überall wurden Flaschen geöffnet, Düfte erschnüffelt, Gewürze geschüttelt, Obst sinnend in der Hand gewogen. Manch eine Idee verfeinerten wir mit Sabine Dubenkropps Hilfe, andere redete sie uns lieber wieder aus.

Schnell den Bleistift gezückt und notiert, was womit zum Leben erweckt werden sollte. Für jetzt gleich. Für irgendwann später. Vielleicht. Im Gefallensfalle.

Kuvertüre abwiegen und schmelzen. Sahne und Geschmacksgeber erhitzen. Ziehen lassen oder nicht. Abseihen oder nicht. Cremiges Weiß mit neuen inneren Werten in die geschmolzene Schokolade geben. Gut umrühren. Spritzbeutel füllen, Luft herauslassen, verknoten. Auf weniger als Handwärme abkühlen lassen. Spitze abschneiden, nicht zu klein und nicht zu groß. Hohlformen zusammensuchen. Füllen. Dekorieren. Pralinendiebe abwehren.


Unsere Geschmacksausbeute.
Obere Reihe von links nach rechts: Curry-Honig-Vollmilch, Ingwer-Zartbitter, Muskat-Honig-Vollmilch.
Mittlere Reihe von links nach rechts: Fenchel-Tonkabohne-Noilly Prat in Weiß, Kubebenpfeffer-Zartbitter.
Untere Reihe: Karamell-Meersalz-Vollmilch.

Jeder Pralinenlehrling ertüftelte zwei Sorten, jeweils etwa 250 Gramm oder ungefähr 25 schokoladige Häppchen. Die er in seine mitgebrachten Schachteln gepackt vorsichtig nach Hause transportierte. Wenn es gar zu ungewöhnlich war, dann probierte Sabine Dubenkropp noch schnell. Immer auf der Jagd nach Neuem?

Bestimmt. Gilt es doch, einen Ruf zu bewahren. Seit 1953 existiert die Confiserie Mélanie bereits, die Dubenkropps sind die dritten Besitzer. Im September 2008 haben sie das Geschäft übernommen und der "Nebenstelle Paradies" ein frisches Antlitz gegeben. Mehrmals im Monat fertigt Sabine Dubenkropp unzählige Pralinen selbst, die Geschmackspalette reicht von Crème Brûlée oder Apfel-Zimt über Rote Beete oder Knoblauch bis hin zu Purple Curry oder Wasabi. Ihre Stammkunden, aus dem Kiez und anderswo, wissen das wohl zu schätzen und schrecken auch nicht vor den vermeintlich abstrusesten Sorten zurück. Geschmäcker sind eben verschieden und so wandelfähig. Und falls doch einmal das Sortiment aus über 90 verschiedenen handgemachten Pralinen nicht zu verlocken vermag, kann man aus den vielen fertigen exquisiten Schokoladen im Geschäft auswählen. Dazu einen Kaffee vor Ort genießen (To-Go ist nicht!), schon fühlt man sich wie im Paradies. Klein und sooo fein.

Ein wundervoller Nachmittag. Mit den zahlreichen Tipps und Einkaufsadressen wird die Wiederholung daheim ein Fest für die Sinne werden. Für unsere eigenen und für die zu beschenkenden. 

Wohin: Confiserie Mélanie. Goethestraße 4 (Charlottenburg).
Kulinarischer Salon. Danckelmannstraße 20 (Charlottenburg)

PS: Unser Sonntagssüß dieser Woche. Dies und alle anderen eingesammelt von Julie von mat & mi.

16. November 2011

Würze gegen Kälte: Chai-Tee


Als ich an der Pinnwand des letzten Sonntagssüßes Jannekes verführerischen Chai-Kuchen entdeckte, spürte ich: Es ist wieder an der Zeit!

Noch vor zwei Tagen war ich voll des Lobes. So schön, so mild, so sonnig, so still. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt geradezu hingerissen vom elften Monat des Jahres war. Denn eigentlich mag ich ihn überhaupt nicht. Jetzt ist er so, wie es sich für ihn gehört. Lichtschwund. Kältekriecherei. Regenüberfluss. Sturmgetöse. Farbverlust. Muffelgesichter.

Immerhin fährt in diesem November die S-Bahn und setzt mich nach einem langen Tag schnell in meinem Kiez ab. Vorbei gehe ich an Restaurants und Cafés, aus denen wohlige Wärme strömt. Ab und an schnappe ich ein Düftchen, ein Lüftchen auf, puste es vor mir her, schubse es weg. Bis ich zu Hause ankomme. Aus der Kälte in die Wärme. Aus der Dunkelheit ins Licht.

Jetzt einen Tee. Einen Chai-Tee. Schon oft habe ich mich gefragt, ob es Zufall ist, dass das russische Wort für Tee "чай" genauso ausgesprochen wird, nämlich als Tschai. Der schwarze Tee mit Milch und Gewürzen, den wir mit Indien verbinden und der uns so viel Wärme und Wohlsein spendet. Vor allem in der kalten Zeit des Jahres.

Natürlich ist es kein Zufall, vielmehr derselbe Ursprung. China. Je nach Region wird das entsprechende Schriftzeichen unterschiedlich ausgesprochen. Tee aus Südchina brachten die Niederländer auf dem Seeweg nach Westeuropa, das südchinesische "te" hat als Tee, Tea, Thé, Te, Té Eingang in unseren Sprachschatz gefunden. Aus den Anbaugebieten im Norden Chinas gelangte der Tee auf der Seidenstraße nach Indien, ins Osmanische Reich und eben auch nach Russland. Und in diesen Ländern entstammt die Bezeichnung für Tee dem nordchinesischen "cha". Also Chai, Cay, Chya, Czaj, Caj. Somit ist das Wort Chai-Tee eigentlich doppelt gemoppelt: Tee-Tee.


Aber wen kümmert's?! Hauptsache, er wärmt und erfreut unsere Seele. Für 4 Tassen verwende ich diese Zutaten:
1 1/2 Tassen Wasser
2 1/2 Tassen Vollmilch
1/2 TL Kardamom, ganz
3 Nelken
1 TL Fenchel, ganz
1 TL Anis, ganz
1 Zimtstange (etwa 3 bis 4 cm lang)
1 Messerspitze Muskat, gerieben
1 Messerspitze Pfeffer, gemahlen
frischer Ingwer (Stück von 2 bis 3 cm Länge)
2 EL Assam-Teeblätter
Zucker nach Geschmack

Die Gewürzsamen im Mörser leicht zerdrücken. Ingwer schälen und hacken. Gewürze und Ingwer mit Wasser und Milch in einen Topf geben. Zum Kochen bringen und etwa ein bis zwei Minuten im offenen Topf köcheln lassen. Jetzt den Tee zugeben, kurz aufkochen und dann bei niedriger Hitze 10 Minuten oder etwas länger ziehen lassen. Durch ein feines Sieb abseihen, nach Geschmack zuckern und genießen.

Ich mache gern etwas geschäumte Milch oben drauf, das ist sicher nicht ganz echt. Aber ich mag's!


Na, liebe Janneke, kann ich Dich zu einer eigenen Chai-Komposition animieren?

13. November 2011

Sonntagsdekadenz: Schokoladentarte mit Nüssen


Gestern hing ich etwas orientierungslos am Frühstückstisch herum. Was sollte ich bloß mit diesem Samstag anfangen?!

Vielleicht die Fenster putzen? Gegenüber wurde eifrig der Lederlappen geschwungen, was ich normalerweise geflissentlich übersehe. Denn sonst müsste ich schameserrötend selbst zur Tat schreiten. Nun, ganz so schlimm ist es nicht, kann es gar nicht sein. Wie sonst hätte ich dieses grelle Blitzen bemerken können, das immer wieder meine Augen krampfhaft zusammenzucken ließ. Die sich in den auf- und zuklappenden Scheiben spiegelnde Sonne war schuld.

Vielleicht laufen? Meinem inneren Schweinehund war fürchterlich kalt. Mir auch. Das würde also nichts werden.

Vielleicht Flöte spielen? In das dumpfe Rattern einer benachbarten Waschmaschine mischten sich ganz plötzlich unbekannte Tonfolgen. Sie stiegen hoch hinauf und plätscherten anmutig hinab, kreisten umeinander herum, als würden sie miteinander scherzen, dann liefen sie voreinander weg, um im Finale wieder vereint zu sein. Ich lauschte gebannt. Bei der x-ten Wiederholung beschloss ich jedoch, eine sinnvolle Beschäftigung für mich zu finden.

Vielleicht aufräumen? Ein Stapel alter Zeitungen wuchs und wuchs und wuchs. Zeit, ihn aufzulösen. Unter ihm ein paar Blätter. Darauf ein Rezept.

Vielleicht backen? Keine schlechte Idee. Schließlich steht wieder ein Sonntag und damit ein Süß bevor. Ich wendete die Zettel, sortierte sie. Ein Rezept, das ich vor einigen Wochen ausgedruckt hatte. Es verhieß wenig Aufwand und maximalen Genuss. Jaja ... Das klingt schon ziemlich großspurig. "Deep, dark and somewhat decadent", schreibt David Lebovitz, so muss sie sein. Und liefert gleich sein Rezept mit für eine Schokoladentarte, die diese Bedingungen erfüllt. Ob auch sie mich würde überzeugen können? Die Mandeltarte nach seinem Rezept hatte kürzlich seinen Stein in mein Brett eingeschlagen.

Beim samstäglichen Marktbesuch kaufte ich noch Pistazien, Pinienkerne und Pekannüsse, die in karamellisierter Form ihren Weg in unser heutiges Sonntagssüß (Einsammlerin diesmal: Katrin von Lingonsmak) - eine Schokoladentarte mit Nüssen - gefunden haben.



Die Zutaten für eine Tarteform mit 26 cm Durchmesser:
Für den Boden:
90 g Butter (in Stücke geschnitten)
1 EL Öl
3 EL Wasser
2 EL Zucker
1 gute Messerspitze Salz
175 bis 200 g Mehl

Die Zubereitung des Bodens ist etwas ungewöhnlich und im wahrsten Sinne des Wortes spritzig. Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

In eine mittlere feuerfeste Schüssel (oder Auflaufform) Butter, Öl, Wasser, Zucker und Salz geben. Etwa 15 Minuten in den Ofen stellen, bis die Butter Blasen wirft und beginnt zu bräunen. Nun ganz vorsichtig die Form herausnehmen - Achtung, es spritzt heftig und sehr heiß! Arme und Gesicht schützen. Ich habe die Form kurz auf der aufgeklappten Ofentür abgesetzt und abkühlen lassen. Dann das Mehl hineingeben und mit einem Holzlöffel gut umrühren. Die Temperatur der Masse ist schnell auf Handwärme gesunken, so dass sie nun geknetet werden kann. Ist sie zu feucht, noch etwas Mehl zugeben, ist sie zu trocken, ein paar Spritzer Wasser.

In der Tarteform verteilen und am Rand 3 bis 4 cm hochziehen. Den Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen, mit Backpapier auskleiden und Hülsenfrüchten bis an den oberen Rand auffüllen. Etwa 15 Minuten blindbacken. Nach dem Herausnehmen die Füllung entfernen und auskühlen lassen.

In der Zwischenzeit wird die Schokoladenfüllung zubereitet:
200 g Zucker (im Original: 250 g)
90 ml warmer starker Kaffee
100 g Butter (Zimmertemperatur)
Messerspitze Meersalz
115 g Zartbitterschokolade, gehackt (in meinem Fall 70%)
60 g Bitterschokolade, gehackt (je höher der Kakaoanteil, desto besser; bei mir 90%; im Original: 55 g 99% mindestens)
2 Eier, verquirlt (Größe M; im Original: Größe L)
35 g Mehl
1 EL dunkler Rum (im Original alternativ 1 TL Vanille-Extrakt)
jeweils 2 bis 3 EL ungesalzene Pistazien, Pinienkerne und Pekannnüsse

Alle Zutaten bereitstellen, denn es geht Schlag auf Schlag.

In einer Pfanne den Zucker bei mittlerer Hitze schmelzen. Vorsichtig umrühren und gut aufpassen: Kaum ist er flüssig, die Pfanne von der Herdplatte nehmen (sonst verbrennt das Karamell), die Nüsse zugeben und gut rühren. Die Temperatur etwas herunterdrehen.

Den Kaffee zugeben. Auch hier kann es spritzen, also Obacht. Wieder gut umrühren, bis sich die letzten Karamellstücke aufgelöst haben. Nun Butter und Salz einrühren, bis sich beide aufgelöst haben. Die gehackte Schokolade schubweise zugeben und mit dem Schneebesen rühren, bis sie sich aufgelöst hat.

Zu guter Letzt zuerst die verquirlten Eier, dann das Mehl und den Rum nacheinander unter stetem Rühren zufügen. Am Ende steigt einem ein unglaublich intensiver Duft nach Schokolade und Kaffee in die Nase, die Masse ist herrlich cremig und weich. Ein Löffelchen zum Probieren ist erlaubt.

Der Rest wird in den inzwischen abgekühlten Tarteboden bis etwa 5 mm unter den Rand gegossen und gut verteilt. Ab in den Ofen für 15 bis maximal 20 Minuten bei 180 Grad Ober-/Unterhitze. Die Tarte ist fertig, sobald die Masse ansteigt und am Rand leichte Risse bekommt, während sie sich in der Mitte puddingartig anfühlt.

Vollständig auskühlen lassen.



Kennt ihr das? Als ich Kind war, habe ich gern aus dem Bissen in meinem Mund die knackig-karamelligen Nüsse herausgelutscht und solange von einer Backe in die andere hin und her geschoben, bis ich auf ihre rauhe Oberfläche gestoßen bin. Dann gab es nur eines: zubeißen. Knack, knack, Schnurps. Mmh.

Ich habe es wieder getan! Ganz so knackig sind die Nüsse hier zwar nicht, aber das Karamell schmeckt man trotzdem heraus. Das Drumherum, also die Tarte, ist schwer und schmeckt intensiv nach dunkler Schokolade. Für mich genau das richtige süß-herbe Verhältnis. Einziger Haken: Mehr als ein Stück konnte ich beim besten Willen nicht auf einmal verputzen ...

David, wirklich, diese Tarte ist so schrecklich lecker und dekadent schokoladig. Sie wird bald wieder aufgetischt, versprochen!

12. November 2011

Mit Mandeln und Schuss: Apfel-Birnen-Mini-Tartes


Vor wenigen Tagen musste ich notgedrungen meinen Obstteller inspizieren. Er sah etwas desolat aus, aber zu allem Übel stieg immer wieder so ein winzig kleines dunkles Etwas in die Lüfte auf. Das Etwas besaß winzig kleine Flügel, drehte ein paar winzige Runden über dem Teller und nahm, sobald ich abgelenkt war, wieder Platz.

Auf Bananen und Kiwis, auf Äpfeln und Birnen. Ohne meine Erlaubnis. Nur weil ich mit dem Essen nicht hinterher kam, nahmen sich diese fiesen Obstfliegen das Recht heraus, sich an meinen Früchten gütlich zu tun?!

Leider musste ich ein paar Bananen entsorgen. Sind sie zu schwarz, werde ich zu blass. Ich kann sie dann beim besten Willen nicht mehr essen, der Pelz, den mir ihr Zustand und ihre Süße auf die Zähne zaubern, sorgt bei mir jedes Mal für Gänsehautgefühl. Gruselig.

Einen Apfel habe ich sofort gewaschen und schnurpsend gegessen. Aus den anderen beiden, deren Schale gerade kurz vor dem Schrumpeln war, wollte ich etwas machen. Und wenn ich gleichzeitig auch die von einem misslungenen Backversuch übrig gebliebene Birne verarbeiten könnte, umso besser.

Mir fiel ein Büchlein ein, das ich vor einiger Zeit gekauft hatte - Catherine Klugers "Mini tartes: sucrées et salées", aus dem ich den Boden adaptierte. Allerdings, von den dort empfohlenen Formen besitze ich keine einzige. Da purzelte mir das Muffinblech entgegen, ha, genau, das müsste funktionieren. Frisch ans Werk und handliche Apfel-Birnen-Mini-Tartes gebacken.


Die Zutaten für 12 kleine Tartes, gebacken in der Muffinform:
Für den Boden:
225 g Mehl (Type 405) (Original: 200 g Mehl und 25 g geriebene Mandeln)
80 g Zucker
120 g Butter (kalt, in kleine Würfel geschnitten)
1 Ei (Größe M)
1 Prise Salz

Mehl sieben und mit Zucker und Salz vermischen. Die kalten Butterwürfel hineingeben, mit der Mehlmischung bedecken und mit den Fingern zu einem sandig-bröseligen Teig verkneten. Nun das verquirlte Ei zugeben und alles schnell zu einem Teig verkneten, möglichst ohne die Butter zu sehr zu erwärmen. Dann in eine Folie einwickeln und für mindestens eine Stunde ab in den Kühlschrank. Nach dem Herausnehmen kurz weichkneten, zu einer dicken Rollen formen und in zwölf gleich große Scheiben schneiden. Jede einzelne zu einer Kugel kneten, flach drücken und die Muffinmulde auskleiden. Dabei den Teig möglichst bis an den oberen Rand ziehen. In den Tiefkühlschrank stellen.

Den Backherd auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Für die Füllung benötigt man:
1 bis 2 Äpfel
1 bis 2 Birnen
100 g Mandeln, gemahlen
1 Ei
60 g Butter, schmelzig weich
50 g brauner Zucker
1/2 TL Zimt
2 EL Birnenlikör
2 EL Calvados

Äpfel und Birnen waschen, schälen, putzen und je nach Vorliebe in Stücke, Spalten oder Streifen schneiden. Die restlichen Zutaten in der oben aufgeführten Reihenfolge mit einem Schneebesen zu einer cremigen Masse verarbeiten.

Die Muffinform aus dem Tiefkühlschrank nehmen, Mandelcrème gleichmäßig auf die einzelnen Mulden verteilen. Zum Schluss die Apfel- und Birnenstücke einfüllen und leicht andrücken.

Etwa 20 bis 25 Minuten backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.


Zuschauen, wie die anderen diese herbstlichen Mini-Tartes vertilgen. Wer kann. Ich nicht, deshalb habe ich gleich als Erste zugegriffen. Aus der Crème schmeckt man sehr fein Likör und Calvados heraus, und sobald die Fruchtstücke auf der Zunge zergehen, denkt man nicht mehr darüber nach, ob eine weitere kleine Tarte eine Sünde sein könnte.

Eher Hüftgold, aber sei's drum!

11. November 2011

Noch einen Vino, Ragazze? In der Trattoria Da Nardino


Wohin des Wegs nach einem anstrengenden Freitag? Wir saßen und lauschten stundenlang der Dozenten Worte. In der Hoffnung, das Gehörte könnte uns mitreißen und für eine Weile in unseren Köpfen durch unsere Zeit mitreisen. In der Mittagspause überlegten wir kurz, wo wir später den Tag ausklingen lassen könnten. Am Savignyplatz, mal im Westen der Stadt, so lautete die Parole. Asiatisch schied aus, aber auch für Italienisch hatte ich einen Tipp parat: Trattoria da Nardino in der Kantstraße.

Der Hausherr, Nardino, mit Schnauzbärtchen und Pferdeschwanz, kam freudestrahlend auf uns zu und lief wie so oft zur charmantesten aller charmanten Tagesformen auf. Kein Wunder, wenn zwei so überaus charmante Wesen wie wir seine Trattoria betreten. Wider Erwarten konnten wir unsere Plätze frei wählen, denn meist brummt das Lokal. Stammgäste, überwiegend, aus dem Kiez. An einem Freitagabend müsste das ebenfalls so sein, dachte ich bei mir. Wie oft in letzter Zeit wurde ich eines Besseren belehrt.

Umso besser. Erst im Laufe des Abends wurde es immer voller in dieser Trattoria, die so gar nichts Althergebrachtes an sich hat. Zumindest atmosphärisch. Jedes Mal frage ich mich, wie sich wohl ein Kaffeehaus in den Räumlichkeiten machen würde. Sicher nicht übel, in dem hohen Raum unter der eleganten, jungfräulich weißen Stuckdecke und mit den dottergelben Wänden. Große Fenster geben den Blick auf die belebte Kantstraße frei. Selbst die Möbel erinnern an Wiener Kaffeehauskultur.

Das italienische Ambiente zaubern vor allem die vielen Fotos herbei. Wer sie sich genauer anschaut, wird hin und wieder stutzen. Wahnsinn, wen Nardino so alles kennt - die Crema della Crema der italienischen Kulturszene. Und nicht nur die! Auf einem Bild ist er sogar mit Che Guevara abgelichtet. Dieser Schelm.


Wir hatten gerade Platz genommen, als wir schon die Karte gereicht bekamen. Einfache Gerichte, nicht zu viel und nicht zu wenig. Genau richtig. Dazu eine Abendkarte. Und Nardino persönlich zog den Aufsteller mit noch mehr Tagesgerichten so zurecht, dass wir von unserem Tisch aus alles genau lesen können. Das hatte ich zuvor noch nie erlebt! Trotzdem mussten wir kurz aufspringen, denn die Liste der Köstlichkeiten setzte sich auf der Rückseite fort. Dort entdeckten wir unsere Penne Salsicce. Erstaunlich schnell war die Entscheidung gefallen.

Schon oft gegessen und immer der perfekte Einstieg in einen wunderschönen italienischen Abend, die gemischte Vorspeisenplatte. Auch dieses Mal. Diverse Schinkensorten, gegrilltes und eingelegte Gemüse, Pilze, Oliven, immer etwas anderes, je nach Saison. Dazu ein Roséwein, der Hauswein. Gar zu köstlich.


Während wir plaudernd und lachend auf unsere Nudeln warteten, ließen wir unsere Blicke schweifen. Ein Klavier? Für die fröhlichen Musikanten, die ab und an in der Trattoria einfallen. Gespielt wird Jazz oder Bossa Nova oder Swing oder einfach nur italienische Musik. Egal welche Melodien durch die Lüfte schweben - das Lokal ist dann immer voll. Alles rückt zusammen, damit in der Mitte des Lokals das Tanzbein geschwungen werden kann. Italienische Ausgelassenheit eben.


An unserem Abend blieben die Instrumente stumm, das störte uns nicht im Geringsten. Wir hatten uns viel zu erzählen, einiges zu belästern und neue Pläne zu schmieden. Als ich schließlich an die Kamera dachte, war es fast zu spät: nur kleine Rest-Penne waren auf unseren Tellern übrig geblieben. Gerade genug, um sie zu dokumentieren. Zu viel für unsere Mägen.

Aber köstlich wie immer. Nardinos Pasta konnte mich wieder überzeugen, ebenso wie die üppige Fischsuppe und die diversen Fischgerichte, die ich mir im Laufe Zeit von ihm auftafeln ließ. Frisch, schmackhaft, einfach. Kein Firlefanz, sondern das, was manch einer als "ehrliche Küche" bezeichnen mag. Zum Abschied gab es einen Amaretto auf's Haus, und schon entschwanden wir unter vielen "Ciao, Ragazze" in die Charlottenburger Nacht. A presto!

Wohin: Trattoria da Nardino. Kantstraße 36 (Charlottenburg).

8. November 2011

Historisches Allheilmittel: Quittenbrot nach Nostradamus


Wenn ich den Namen Nostradamus (1503 bis 1566) höre, dann denke ich an Astrologie, wilde Prophezeiungen, abstruse Verschwörungstheorien, seltsamen Aberglauben, finsterer Blick, wallender Bart. Nur blühende Phantasie? Für vieles wird sein Name reklamiert, dass man schon mal den Durchblick verlieren kann. Ganz unschuldig ist er daran aber nicht.

Wir kennen ihn vorwiegend als Astrologen. So hätte er sich selbst zwar nie bezeichnet, sah sich vielmehr als "astrophile" - also Sternenfreund - an, sei es drum. Nach heutiger Kenntnis hat er sich intensiv mit der Astrologie befasst, also: Astrologe. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts erstellte er jährlich Almanache mit Prophezeiungen für das aktuelle Jahr, die bald auch diese prophetischen Vierzeiler enthielten. Sie kommen uns heute immer mal wieder unter, vornehmlich dann, wenn der nächste Weltuntergang in einer langen Reihe von Weltuntergängen ansteht.

Seine Trefferquote? Nun ja, zumindest in der Angelegenheit "Die Welt geht unter am ..." können wir befreit feststellen, dass er sich bislang im Datum geirrt haben muss. Vielleicht wusste er es selbst nicht besser: alle Vorhersagen herrlich unkonkret und den wildesten Interpretationen Tür und Tor öffnend. Denn Nostradamus nannte weder Zeiten noch Namen und bediente sich einer eher umschreibenden Sprache, so dass jeder deuten kann, was und wie er es mag.

Ob er sein Studium der Astrologie je beendet hatte, kann heute niemand mehr mit Sicherheit sagen. Was jedoch kaum jemand weiß: Nostradamus war zunächst Apotheker geworden und hatte auch als Arzt, wohl ohne abgeschlossenes Medizinstudium, tststs, gearbeitet. Er soll es sogar bis zum Leibarzt der Katharina von Medici und ihres Sohnes König Karl IX. von Frankreich gebracht haben, wenn auch erst in den letzten Jahren seines Lebens.

Als Apotheker kannte er sich aus mit Salben, Crèmes, Pastillen, Tinkturen und was es sonst noch so alles gab, und einige dieser Rezepturen hat er niedergeschrieben. Allerdings dürften einige recht überraschend für uns sein, denn hat jemand schon einmal eine Quittenmarmelade in der Apotheke seines Vertrauens erworben? Ich noch nicht, und ich habe nicht nur aus Angst vor den Preisen nicht danach gefragt.

Der Grund ist einfach: Vielen der für uns heute pauschal als "Obst" bekannten Früchte wurden damals bestimmte heilende oder verschönernde Funktionen zugeschrieben. Und ihre Verarbeitung hat Nostradamus für die Nachwelt festgehalten, wider Erwarten recht präzise beschreibend. Ein solches Werk voller Rezepte und Schönheitstipps, im Original auf Französisch, wurde auch ins Deutsche übersetzt und enthält die Vorlage

Quelle: Google Books, Digitalisat eines Exemplars der
Bayerischen Staatsbibliothek München (Signatur Path. 889, S. 171)

für das nachfolgende Quittenbrot nach Nostradamus. Ich habe es im hier bereits vorgestellten Buch "Bon! Bon! Vom Zauber süßer Speisen" gefunden und endlich ausprobiert.


Die Zutaten:
700 g Quittenpüree (mehr dazu nachfolgend)
500 g Zucker (im Originalrezept: dieselbe Menge Zucker wie das Püree)
2 Sternanise
1 Zimtstange (5 bis 8 cm)

zum Wälzen und Dekorieren:
weiße Kuvertüre
Kokosraspel
Muskat
Walnuss-Hälften
Zucker
oder was dem Pâtissier bzw. der Pâtissière mundet

Das Quittenpüree ist idealerweise ein "Abfallprodukt" der Quittengelee- oder -marmeladenproduktion. Die Früchte haben im Mulltuch über Nacht abgehangen und ihren kostbaren Saft abgegeben, aus dem nun das Gelee oder die Marmelade gekocht wird.

Danach die matschigen, aber noch immer sehr aromatischen Früchte in der Flotten Lotte oder - so wie ich - in einem feinen Sieb mit einem Holzlöffel eigenhändig passieren. Ist gut für die Oberarmmuskulatur. Die Reste von Schale und Kerngehäuse werden entsorgt.

Das Püree wiegen, bei mir waren es etwa 700 g. Mir erschienen 700 g Zucker einfach zu viel, deshalb habe ich nur 500 g genommen. Etwas weniger wäre auch gut gewesen, vielleicht 400 g? Wie dem auch sei, Püree und Zucker werden in einen Topf gegeben. Dazu Sternanis und Zimtstange. Schwach erhitzen und stetig umrühren, bis die Masse zu einem veritablen Brei eindickt.

Die Gewürze entfernen. Auf einem Backblech eine Lage Backpapier ausbreiten und darauf das Quittenpüree verteilen. Etwa 1 cm stark sollte die Schicht noch sein. Glatt streichen.Wer mag, legt oben noch einen Bogen Backpapier auf. Jetzt heißt es, geduldig zu sein. 3 bis 4 Tage trocknet das Püree nun bei Zimmertemperatur. Zur Halbzeit wenden.

Ich war geduldig und ungeduldig zugleich: Ich habe nur zum Wenden einen Bogen Backpapier oben aufgelegt, ansonsten nicht. Abends, wenn ich noch ein paar Stunden zu Hause mehr oder weniger aktiv war, habe ich die immer fester oder besser: zäher werdende Masse bei 100 Grad Ober-/Unterhitze im Backofen etwa 2 Stunden trocknen lassen. Tagsüber bei Zimmertemperatur.

Nach 4 Tagen war das Quittenbrot fast fertig. In mundgerechte Rechtecke geschnitten, habe ich einige Happen erst mit weißer Kuvertüre überzogen (darin fehlt mir noch die Übung ...) und dann mit Walnüssen bzw. geriebenem Muskat verfeinert, andere durften sich in Zucker oder Kokosraspeln wälzen.

Einige Quittenhappen haben diese Prozedur allerdings nicht besonders lange überlebt. So fruchtig! Mmh, ich musste sofort ganz viel probieren.

6. November 2011

"Verrückt nach Schokolade": Schwarzwälder Kirsch-Trifle

"Nach dem Prinzip der etwas angestaubten Schwarzwälder Kirschtorte - aber trendiger und mit etwas mehr Schokolade", so verspricht es das Vorwort zum Kirschtrifle-Rezept aus dem Buch "Verrückt nach Schokolade". Ich würde mal behaupten, es trifft zu! Seit mir eine Freundin dieses Buch geschenkt hat, nachdem sie meine Vorliebe für Schokolade kennt und eben dieses Rezept bereits aus dem Buch gemacht hat, habe ich meistens nur die Bilder im Buch genossen. Den Trifle habe ich allerdings auch schon oft gemacht: Für Parties, für Kollegen und für Freunde. Und was soll ich sagen... er kam jedes Mal wunderbar an! Kein Wunder, bei der genialen Kombination aus Schokolade, Kirschen und Sahnecreme und dabei auch viel einfacher zuzubereiten als die klassische Schwarzwälder Kirschtorte. Daher ist das Rezept prädestiniert für das heutige Sonntagssüß, gesammelt von Frl. Text.


Statt der vorgeschlagenen Mascarpone, die das Rezept vorschlägt, nehme ich immer Quark. Irgendwie finde ich das frischer und nicht so schwer, durch die Sahne aber trotzdem cremig genug für den Trifle. Außerdem habe ich die Zuckermenge reduziert und auch nur ein bisschen Kirschwasser hinzu gegeben.

Für eine normalgroße Auflaufform benötigt man für...

...den Biskuit:

6 Eier
80 g Zucker
30 g Kakaopulver

...die Füllung:

1 Glas Schattenmorellen
500 ml Schlagsahne
200 g Speisequark (nicht Magerstufe)
3 EL Zucker
200 g Zartbitterschokolade
etwas Kirschwasser
etwas Zartbitter-Schokoraspel



Zuerst wird der Biskuitboden gebacken. Hierfür kann man eine 24 cm Springform verwenden oder eine ausreichend große rechteckige Backform. Ich denke, sogar einfach auf dem Backblech wird der Boden gelingen. Das Blech/die Form wird mit Backpapier ausgekleidet. Es ist wirklich einfacher mit Backpapier als einfach nur mit einer eingefetteten Form, man bekommt den Teig viel besser ab. Später sieht man vom Boden eh nur noch wenig! 
Hierfür trennt man die Eier und schlägt die Eigelbe und den Zucker zu einer cremigen hellen Masse. Danach fügt man langsam das Kakaopulver dazu. Die Eiweiße werden zu Eischnee geschlagen und vorsichtig nach und nach unter die Schokoladenmasse gehoben. Der entstandene Teig wird nun in die Form gefüllt und ca. 20 Minuten bei 180 Grad gebacken. Die Oberfläche des Bodens muss noch weich sein! Hat man die gesamte Masse in die Springform gegeben, so muss der Boden später noch durch die Hälfte in 2 Teile geteilt werden. Um diesen Aufwand zu vermeiden, kann man einfach die Masse auf zwei Formen aufteilen und gleichzeitig backen, oder (wie oben schon erwähnt), auf einem Backblech backen.

Für die Füllung müssen zuerst die Kirschen abgetropft werden. (Mhhmm mit dem übrigen Kirschsaft und etwas Rotwein kann man super pochierte Birnen machen...) Die Sahne mit dem Quark und den 3 EL Zucker mit dem Mixer steif schlagen. Den Biskuitboden evtl. für die Form passend schneiden. Ein Stück des Bodens in die Schale legen und mit ca. einem Viertel der Sahnecreme bestreichen. Ein bisschen Kirschwasser darüber träufeln und die Hälfte der Kirschen auf der Creme verteilen. Die Schokolade nun schmelzen und mit einem Löffel ca. die Hälfte der flüssigen Schokolade über den Kirschen verteilen. Auf die Schokoschicht ein weiteres Viertel der Sahnecreme streichen und den restlichen Biskuitboden verteilen. Nun wieder ein Viertel der Sahnecreme darauf verteilen, etwas Kirschwasser hinzufügen, die restlichen Kirschen verteilen und die restliche flüssige Schokolade darüber geben. Den Rest der Creme möglichst gleichmäßig darüber verteilen und mit den Schokoraspeln bestreuen. Der Trifle sollte mindestens noch eine Stunde in den Kühlschrank gestellt werden, bevor man ihn mit ganz viel "Mmmmhhhmmmmm" genießt.

4. November 2011

Nepalesisches Dessert-Finale: Kichererbsenbällchen


Am allerletzten Tag meiner Reise hatte ich in Kathmandu noch etwas zu erledigen: ein Buch kaufen. Nicht irgend eines. Es galt, die letzten Rupien zielgerichtet in ein Kochbuch zu investieren, das unser Goumet-Trio in einer Charlottenburger Altbauwohnung durch den Abend führen sollte.

Wider Erwarten wurde ich im Pilgrim Book House, der Buchhandlung schlechthin, in der man neben Büchern und Papierwaren auch andere nützlichen und unnützen Dinge erwerben kann, nicht fündig. Zwar war das Bücherregal ansehnlich gefüllt, aber nur mit Büchern, die ich auch in jedem anderem Buchladen auf dieser Welt finden könnte. Nein, ich wollte etwas Typisches haben! So suchte ich weiter und entdeckte im Tibet Book Store in einer Ecke neben der Kasse das, wonach ich Ausschau hielt. Unscheinbare schmale Bändchen mit Covern, die handgestrickt aussahen, mit Bildern, die von der Handykamera stammen könnten, mit Texten, die auf der heimischen Schreibmaschine getippt sein könnten.

Was könnte authentischer sein als so ein Büchlein? Es passt zum Land, zu seinen Menschen, zu den Möglichkeiten. Das Buch "The Nepal Cookbook" überzeugte mich von allen am meisten. Keine Ansammlung von Geschichten, sondern eine klare Linie: Rezepte. Sonst nichts. Gut strukturiert, ab und an eine Illustration. Eine Herausforderung sah ich bereit mit dem Kauf auf mich zukommen, nämlich die Umrechnerei angesichts der verwendeten amerikanischen Maßeinheiten. Später fiel mir auf, dass eine Angabe dazu, wie viele Esser jeweils satt werden könnten, völlig fehlt.

Gänzlich unbekümmert war ich, was die Zutaten betraf. Bis auf einige wenige waren mir alle bekannt, ich hatte sie bereits in asiatischen (Super-)Märkten und normalen Lebensmittelgeschäften gesehen oder eingekauft. Wunderbar! Dem Gourmet-Abend konnte ich also voller Vorfreude und Neugier entgegenblicken.

Nachdem unser Kreis fröhlich kochender und überschwänglich erzählender GourMädels Vorspeise und Hauptgang vertilgt hatte, folgte als krönender Abschluss das Dessert-Dreierlei. Das Mandel-Kokos-Konfekt servierte ich gemeinsam mit einem Safran-Joghurt mit Gewürzen (dazu gibt es leider keine Fotos, das Rezept stelle ich gern vor, wenn Bedarf besteht) und mit Kichererbsenbällchen.


Die Zutaten für etwa 10 Bällchen von 5 Zentimetern Durchmesser:
100 g Butter
100 g Kichererbsenmehl (erhältlich in Bioläden und Reformhäusern)
100 g Kokosraspel
70 g Zucker
1/4 bis 1/2 TL Kardamom, gemahlen
75 g gehackte Mandeln
2 EL gehackte Pistazien

In einer Pfanne die Butter erhitzen, nach und nach das Kichererbsenmehl zugeben. Stetig rühren, bis das Mehl dunkel wird. Es riecht etwas streng, aber das vergeht. Nicht abschrecken lassen. Kokosraspel zufügen und weitere 2 bis 3 Minuten umrühren. Von der Herdplatte nehmen, Zucker, Kardamom und die gehackten Nüsse einrühren.

Abkühlen lassen, bis die Masse warm bis handwarm ist. Jetzt werden mit den Händen die Bällchen geformt oder besser gesagt: in Form gedrückt. Vorsichtig auf einem Teller ablegen, damit die Bällchen vollständig erkalten und dabei kompakter werden. Falls die Masse nicht so richtig "festpappen" mag, noch etwas Butter zufügen.

Fertig.


Kichererbsenbällchen zu essen ist eine sehr krümelige Angelegenheit. Also kein geeignetes Picknick-Dessert, aber in diese Verlegenheit kommen wir derzeit ja ohnehin nicht. Bei kürzer werdenden Tagen und sinkenden Temperaturen bleiben wir doch lieber daheim und kuscheln uns ein.

Allerdings nicht alle. Einige Tage nach unserem schönen, heiteren, fröhlichen, köstlichen Abend erreichte mich die Nachricht, dass eine Mitgenießerin so mitgerissen von meinen Eindrücken über Nepal und der fröhlichen Stimmung war, dass sie kurzerhand eine Reise dorthin gebucht hat. Haste Töne?! Los geht es wohl - jetzt direkt. Oh je, was habe ich angerichtet?! Habe ich wirklich derart überschwänglich und voller Begeisterung von meiner Erfüllung eines lang gehegten Wunsches erzählt?

Oder liegt das einfach nur an Impressionen wie dieser hier:


Namaste.

PS: Diese kleine Nepal-Menü-Reihe geht als erster Beitrag des CharlottenBlogs an das Blog-Event "Dein Kochbuch - das unbekannte Wesen" (DKduW).


Edit 30.11.2011: Im Blog Foodfreak ist heute die DKduW-Zusammenfassung für November 2011 erschienen, mit uns. Wir freuen uns und danken Dir, liebe Petra!

1. November 2011

Improvisation auf Nepalesisch: Mandel-Kokos-Konfekt


Über das Dessert beim jüngsten Abend des Gourmet-Trios, richtiger: des temporären Gourmet-Quartetts, hatte ich mir mehr Gedanken machen müssen als über Vor- und Hauptspeise. Warum? In Nepal hatte ich kein Originales gegessen und war somit völlig ideenlos zurückgekehrt.

Süß war allenfalls mein Frühstück, das in den Bergen immer warm serviert wurde. Am liebsten waren mir Pancakes in allen möglichen Variationen, mit Apfel, mit Banane, mit Zitronenzucker, mit Honig, mit Schokolade. Auf jeder Lodge auf eine etwas andere Art zubereitet, aber niemals so aussehend, wie wir Pancakes kennen. Sie glichen eher einem dicken Eierkuchen, der in seinem Bauch die süßen Beigaben verbarg.

Manch eine Süßspeise habe ich rundweg ablehnen müssen. Lassi in einem Straßenimbiss in Janakpur? Besser nicht. Bei seinem gestockten Anblick stockte mir der Atem. Dunkle Bällchen in Sirup? Besser nicht. Zwar waren sie frittiert (hoffentlich), aber auf Fleischbeilage hatte ich keinen Appetit.

Erst wenige Stunden vor meiner Abreise wurde ich schwach und warf alle Vorsicht über Bord. Durchaus riskant, denn stundenlange Flüge mit Magen-Darm-Turbulenzen sind fordernder als kurze Flüge mit Luft-Turbulenzen. Aber wer könnte diesem Lemon Yoghurt Cake widerstehen? Ich jedenfalls vermochte es nicht, habe ihn genossen - und es in keiner Hinsicht bereut. Die Einstimmung auf das Zuhause.

Auf der Suche nach dem Dessert wurde ich in "The Nepal Cookbook" natürlich fündig. Was ich fand, waren mehrere Rezepte, die mich geradezu aufforderten und herausforderten. Also entschloss ich mich, passend zum Gourmet-Trio erneut ein Dessert-Trio zu zaubern.

Die größte Schwierigkeit war dieselbe wie bei Vorspeise und Hauptgericht: die Maßeinheiten. Und da das Buch nur ein paar wenige Zeichnungen aufweist, die nicht unbedingt etwas mit den kulinarischen Beschreibungen zu tun haben, ist auch die Fantasie gefordert: Das Aussehen der Köstlichkeit bestimmt allein die Zuckerbäckerin. Nicht schlecht, oder?

Also habe ich dem ersten Dessertelement, dem Mandel-Kokos-Konfekt, die Form kleiner mundgerechter Quadrate verliehen. Ein Happs, schon sind sie weg. Oh nein!


Die Zutatenliste aus dem Buch musste ich spontan etwas variieren, dazu unten mehr:
130 g Mandeln (gerieben)
etwa 100 g Kokosraspeln (fehlt im Original)
1 EL Butter
70 g Zucker
1/2 TL Kardamom-Samen
250 ml Milch
2 EL Rosenblütenwasser (nicht im Original)

Mandeln und Kardamom-Samen im Mixer fein mahlen, so fein wie möglich. In einem Topf die Milch zum Kochen bringen und eine halbe Stunde köcheln lassen, bis ihre Konsistenz cremig wird. Danach den Zucker zufügen und rührend 3 Minuten kochen.

Jetzt ist es Zeit, die mit dem Kardamom gemahlenen Mandeln, Butter und Rosenblütenwasser zuzugeben. Gut umrühren, die Masse sollte spürbar dickflüssig werden. Und hier war ich aufgeschmissen: Nichts wurde dick, alles blieb ziemlich flüssig. Dabei steht im Buch, dass die Masse auf Backpapier ausgebreitet und schließlich in Stücke geschnitten wird. Unvorstellbar. Was tun? Mandeln mahle ich immer frisch, meinen Restvorrat benötigte ich jedoch für das zweite Dessert. Deshalb habe ich relativ freihändig Kokos in die Mandelmasse geschüttet, bis sie wirklich dicker und dicker wurde.

In eine rechteckige Auflaufform gegossen, wird die Masse mit einem Teigspatel glatt gestrichen und muss komplett auskühlen. Dann in Stücke schneiden und vorsichtig herausheben.