27. September 2011

Fenchelliebe


Viele Freunde zucken beim Wort "Fenchel" zusammen. Viele Freunde gucken mich bei dem Satz "Ich liebe Fenchel" schräg von der Seite an. Viele Freunde schütteln sich bei der Aussage "Ich esse Fenchel kalt und warm". Viele Freunde verbinden Fenchel mit Krankheiten. Und nicht nur sie.

Warum?

Fenchel ist ein wunderbares Gemüse. Das sage ich, obwohl ich ihm zu allererst in Form von Fencheltee und Fenchelbonbons gegen Erkältungen und allerlei anderen Unbill begegnete. Wie so viele andere auch. Dann war lange Zeit Ruhe, kein Fenchelduft nirgends. Zum Glück.

Dachte ich. Bis ich eines Tages im wundervollen Rutz ein Trio vom Fenchel schlemmen durfte. Eine Vorspeise? Ein Zwischengang? So genau weiß ich das nicht mehr. Vor mir ein langer Teller mit Fenchel in verschiedenen Darreichungsformen. Woran ich mich allerdings noch genau erinnere, das ist das Fenchelsorbet. Eine Wucht! Cremig-würzig zerging es auf meiner Zunge, ein Traum, begleitet von zwei weiteren herzhaften Fenchelkompositionen. Oh, jetzt schütteln sich bestimmt einige. Eis? Fenchel? Nee!

Dabei war das ein so wundervolles Geschmackserlebnis, das mich wieder auf die fenchelige Spur setzte. Von meinem nächsten Biomarktbesuch kehrte ich deshalb mit einer kleinen duftigen Knolle heim, die ich - in ganz feine Streifen geschnitten - mit Orange, Salz und Pfeffer zu einem köstlichen Salat verarbeitete. Kurz darauf entdeckte ich ein einfaches italienisches Rezept für eine Fenchelcremesuppe mit Lachs. Mmh, auch dies ein runder Genuss und inzwischen immer wieder gekocht. Nach und nach entdeckte ich mehr und mehr Zubereitungsmöglichkeiten, von denen ich das geschmorte Fenchelgemüse vor längerer Zeit hier im Blog beschrieben hatte.

Passend zum Herbst wurde nun ein Fenchelrisotto aufgetischt, zu dem das aktuelle Alnatura-Rezept des Monats den Anstoß gab. Nur dass mein Ergebnis mit diesem nicht mehr viel gemein hat.


Die Zutaten:
1 Fenchelknolle
1 bis 2 TL Fenchelsamen (grob gemörsert)
1 Zucchini
1 gelbe Paprika
250 g braune Champignons
400 g Risotto-Reis
1/8 l Weißwein
1 l Gemüsebrühe
50 g Parmesan (gerieben)
2 Schalotten
3 bis 5 Safranfäden
1/2 Bund Petersilie
Salz
Pfeffer
Olivenöl oder Rapsöl

Zuerst die Schalotten schälen und fein hacken. Die Fenchelknolle waschen, säubern, das Kraut abschneiden und beiseite legen, fein hacken. In einer Pfanne etwas Öl erhitzen, darin Fenchel und Schalotten etwa 3 bis 5 Minuten anschwitzen. Fenchelsamen hinzufügen. Mit Weißwein ablöschen.

Den Reis hinzugeben und anschwitzen, bis er leicht glasig wird. Mit einer Schöpfkelle Gemüsebrühe ablöschen. Safranfäden zufügen. Nun immer wieder Brühe zugeben und rühren, bis die Flüssigkeit in den Reis eingezogen ist. Die nächste Kelle Brühe zugeben und weiter so vorgehen, bis die Brühe aufgebraucht und der Reis gar ist. Das Fenchelkraut unterrühren, den Parmesan zugeben und gut umrühren. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Champignons putzen und in Scheiben schneiden. Zucchini und Paprika waschen, putzen und in Würfel schneiden. In einer weiteren Pfanne etwas Öl erhitzen und das Gemüse etwa 5 Minuten dünsten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Anschließend unter den fertig gegarten Reis rühren.

Gehackte Petersilie über das Risotto streuen. Fertig. Ein Gläschen Weißwein dazu genießen. Wunderbar.

22. September 2011

Zuckersüße Lettern


"Zu den schönsten und beglückendsten Schöpfungen des menschlichen Genies gehören die Erzeugnisse der Patisserie." Mit diesem Satz beginnt Charlotte Birnbaums bezaubernder Zucker(ver)führer "Bon! Bon! Vom Zauber süßer Speisen", der 2010 im Verlag der Buchhandlung Walter König erschienen ist. Wie recht sie damit hat!

Dass dies ein Buch für mich sein musste, wusste jemand ganz genau. Denn ich bekam sie geschenkt, diese kleine Kulturgeschichte süßer Speisen - und bin sofort in Liebe zu ihr entbrannt. Kaum aufgeschlagen, hatte ich mich mir nichts dir nichts festgelesen und mochte gar nicht mehr damit aufhören. Kein Wunder. Auf 162 Seiten vereint die Autorin Geschichte und Geschichten, Rezepte und Zitate zu einer exquisiten Sammlung des süßen Genusses.

Sie beginnt bei den Römern, deren Hauptsüßungsmittel der Honig war. Im Kapitel über den Marzipan erfährt man, warum Bethmännchen diesen Namen tragen und kann sie direkt nachbacken. Überraschend für mich vertreten: Nostradamus, der unter vielen Professionen auch der des Apothekers nachging. Er hinterließ zahlreiche Rezepte mit Quitten, damals als Heilmittel angesehen. So auch eines für Quittenbrot, dessen Rezeptur in einer freien Interpretation abgedruckt ist. Natürlich darf der Orient nicht fehlen, wo das Karamell zwar erfunden, jedoch zunächst allein zur Haarentfernung eingesetzt wurde. Aus dieser "Wiege der Zuckerbäckerei" habe ich bereits zwei Rezepte ausprobiert, den Shol-e-Sard und die ägyptischen Karamellnüsse, und für exquisit befunden. Ein ungewöhnliches und zugleich äußerst verführerisch klingendes Rezept findet sich im als "Allheilmittel" betitelten Abschnitt: "Likör der perfekten Liebe à la Monsieur Rostand". Ein Liebes-Zaubertrank, dieser Salbei-Likör?


Dass die Erotik nicht zu kurz kommt, beweist nicht nur das Umschlagbild, das wie die anderen Illustrationen von Christa Näher gestaltet wurde. Expressiv, vielfältig, mystisch, magisch, humorvoll, feinsinnig. Je öfter ich mir die Bilder anschaue, je länger ich sie auf mich wirken lasse, desto mehr gibt es zu entdecken.

Nein, auch die Namen vieler Rezepte sorgen für das gewisse Bizzeln. "Venusbrüste in Cognac", "Liebesäpfel", "Pfefferminzküsse", wer könnte da widerstehen?! Züchtig geht es zu, wenn Charlotte Birnbaum die Lebenswege und Lebenswerke berühmter und zu Unrecht vergessener Konditoren würdigt. Zeit, sie wiederzuentdecken: Johann Josty, der furchtlos in seinem Café am Potsdamer Platz den geschlagenen Napoléon bewirtete, oder Marie-Antoine Carême, der die Zuckerbäckerei als den Hauptzweig der Architektur betrachtete. So hatte ich das bisher noch gar nicht gesehen.


In einem kleinen Kapitel beschreibt die Autorin die Erfindung des Zuckerwürfels derart bildlich, dass ich mich sofort an eine "Sendung mit der Maus" zum selben Thema erinnerte (sehr unterhaltsam übrigens und mittlerweile 10 Jahre her). Natürlich wird diese Erzählung mit zwei passenden Rezepten garniert, einem für Marillenknödel und einem für Pfirsiche in Weißwein. Da tropft mir sofort der Zahn.


Und eine wichtige Frage beantwortet das Buch ebenfalls: woher das Bonbon stammt. Allerdings liefert es zwei Erklärungen, die, wie könnte es auch anders sein, irgendeinen Bezug zu Frankreich haben. Eine spielt in der Renaissance auf der Hochzeit des Königs Henri IV., der großzügig Süßigkeiten verteilen ließ und damit die Kinder zu begeisterten Ausrufen "Bon! Bon!" animierte. Die andere reklamiert die koketten Herrschaften des Rokoko, die während des Naschens exaltiert "Bon! Bon!" ausstießen. In Sachen Genuss sind sie eben alle gleich, die Kleinen wie die Großen.


Ein Büchlein nicht nur zum Schmökern. Es weckt Lust darauf, in der eigenen Küche auf kulinarische Entdeckungstour zu gehen und nachzubacken, was so sympathisch beschrieben wurde. Es regt an zu eigenen Kreationen, denn die ungewöhnlichen Kombinationen in diesem Buch lassen der Fantasie freien Lauf. Es packt die Neugier bei den Hörnern, weil man gar nicht aufhören kann zu lesen.

Trotz aller Lobhudelei gibt es zwei Dinge, die ich in diesem Buch vermisse: ein Inhaltsverzeichnis und ein Register. Obgleich ich verstanden habe, dass dieses Werk nicht zum Nachschlagen gedacht ist und sich auf der Suche nach dem einen Rezept schnell durchblättern ließe. Als unstimmig empfinde ich die Kopfzeilen, die mal den Titel des Kapitels konsequent wiederholen, mal innerhalb desselben Abschnitts zwischen Kapitelüberschrift, Rezeptname und Stichwörtern wechseln. Das erschwert mir die Orientierung.

Nichtsdestotrotz ein kleiner Schatz, den ich hüte und anderen Süßschnäbeln ans Herz legen möchte. Danke, meine liebe Schenkerin!

18. September 2011

Bombaskisch!


Gibt es eine Art von Kuchen, die besser bei unbekannten Nachmittagsessern ankommt als Schokoladenkuchen? Vielleicht. Denn nicht jeder ist ein Schokoholic. So wie ich zum Beispiel.

Schokolade kann ich immer essen. Früh, mittags und abends. Nicht zu vergessen  zwischendurch. Schokolade ist immer im Haus, um im Falle eines akuten Schokoladenentzugsgefühls schnell etwas backen oder meine deliziöse Mousse au chocolat zaubern zu können. Und wenn das Verlangen zu groß ist, um den Genuss hinauszögern zu können? Dann Mund auf und ... mmh.

Gelernt habe ich schon vor langer Zeit, dass Schokolade nicht gleich Schokolade ist. Vollmilchschokolade ist nicht mein Ding, da sie mir meistens viel zu süß ist und zu wenig nach Schokolade schmeckt. Gerade das volle Schokoladenaroma muss es sein. Schwer tut sich mein Gaumen mit Sorten, deren Kakaogehalt über der 85-Prozent-Marke liegt. Die verwende ich aber gern zum Backen, denn in der Regel kommt Zucker hinein, und dann passt's. Für das Freistil-Essen - also direkt aus der Verpackung zu den Geschmacksrezeptoren - kann mich alles, was sich zwischen 60 und 85 Prozent Kakaogehalt bewegt, potenziell erfreuen.

Potenziell. Denn selbst bei ihnen gibt es große Unterschiede. Die eine Sorte schmeckt sauer, die andere staubig, die nächste nach gar nichts, die vierte nur nach Kakaobutter. Man könnte meinen, es sei ein Kreuz, bis man die wirklich schmackhaften Sorten herausgefunden hat. Warum so negativ? Mir bereitet es den größten Spaß, mich durch mir bisher unbekannte Sorten durchzuprobieren, selbst wenn es nicht immer als Erweckungserlebnis in Erinnerung bleibt. Probieren geht doch über Studieren.

Kristallisieren sich die richtigen Tafeln, Kakaoprozente, Bohnensorten und Anbieter langsam heraus, ist es immer wieder eine große Freude, wenn so eine süße Verführung aus der Schublade ruft: Iss mich. Du willst es doch auch. Oh ja.

So oder so ähnlich muss es meinen Gästen ergangen sein, als sie sich diesem Kuchen gegenüber sahen. Sein schokoladiger Duft füllte den ganzen Raum, so dass sich ihm niemand zu entziehen vermochte. Alle strebten zu ihm, als wären sie von einer unsichtbaren magischen Kraft angezogen. Passenderweise hatte ich schon die Stücken vorgeschnitten und damit die Hemmschwelle praktisch auf Null heruntergesetzt. Kaum war die erste Ecke herausgezogen, gab es kein Halten mehr. In Windeseile waren alle Stücke verteilt, und - mit den Worten einer Freundin - "gefräßiges Schweigen" beherrschte die Runde.

Danach überschlugen sich die Lobeshymnen geradezu. Ich wurde bestürmt, das Rezept doch bitte bitte preiszugeben. Kein Problem. Im Wesentlichen habe ich mich an das Rezept aus dem "Larousse Schokolade" von Pierre Hermé gehalten, einige kleine Abwandlungen konnte ich mir jedoch nicht verkneifen.

So stand am Ende ein bombaskischer, falsch, ein bombastischer baskischer Schokoladenkuchen mit Himbeeren auf der Sonntagskaffeetafel. Die einzig wahre Konkurrenz zu meiner innig geliebten Torta Caprese.



Diese Zutaten habe ich verbacken (für eine Springform von 26 bis 28 cm Durchmesser):
Für den Teig:
150 g weiche Butter
1 Prise Salz
85 g weißer Zucker
115 g Rohrzucker
75 g gemahlene Mandeln
1 Ei (Größe M)
180 g Mehl
70 g Kakaopulver
6 g Backpulver

Für die Schokoladencrème:
350 ml Vollmilch
1 Ei
120 g feiner oder feinster Zucker
40 g Mehl
180 g gute Edelbitter-Schokolade (70 Prozent Kakaoanteil), fein hacken
2 EL heller oder weißer Rum
100 g frische Himbeeren

Die Zubereitung beider Teile erfolgt am Vortag des Backens.

Für den Teig Butter, Salz, beide Zucker und die gemahlenen Mandeln gut verrühren und dann das Ei untergeben. In diese Mischung danach Mehl, Kakao und Backpulver sieben. Gut verkneten, bis ein formbarer Teig entsteht, der sich von den Fingern lösen lässt. Zur Kugel formen und diese in einer Frischhaltefolie eingewickelt über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung die Schokolade fein hacken. Die Milch zum Kochen bringen. Ei und Zucker rühren, bis eine schaumig-cremige Masse entsteht. Mehl hineinsieben und gut verrühren. Nun unter ständigem Rühren die kochende Milch zur Ei-Mehl-Masse gießen. Das ist wichtig, damit das Ei nicht stockt. Dann die Mischung in den Topf füllen und wiederum unter ununterbrochenem Rühren aufkochen und 3 Minuten köcheln lassen. Sie dickt ein. Den Topf vom Herd nehmen und die gehackte Schokolade sowie den Rum zugeben. Wieder gut verrühren, bis am Schluss eine glatte Masse ohne Schokoladenstücke oder Klümpchen entsteht. Abkühlen lassen und immer wieder mit dem Schneebesen gut rühren. So verhindert man, dass sich eine Haut bildet. Danach zugedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag wird das Schokoladengenusswerk vollendet.

Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Ein Viertel des Teiges zur Seite stellen, daraus wird am Ende der Deckel gemacht. Den Rest ausrollen auf den Durchmesser der Form plus 6 bis 8 cm und damit den Boden auskleiden. Nun die Crème noch einmal gut umrühren - standhaft bleiben, nicht naschen - und in den Teigboden einfüllen. Glatt streichen. Dann die Himbeeren verteilen und vorsichtig in die Crème drücken. Zum Schluss den beiseite gelegten Teig ausrollen auf ungefähr den Durchmesser der Backform. Auf die Crème legen und dann den überstehenden Rand über die Teigdecke klappen. Mit einer Gabel gut andrücken, damit sich Teigteile verbinden. Wer mag, bestreicht die Oberfläche mit Eiweiß oder Milch, ich habe darauf verzichtet.

Im Backofen etwa 45 Minuten backen.

Nach dem Herausnehmen in der Form auskühlen lassen. Und dann kann es nur noch heißen: Auf den Kuchen mit Gelüst'!

Ich hatte noch nicht zu Ende gesprochen, schon waren alle Stücken weg. Genau das vorausahnend habe ich für das Anschnittfoto extra ein Miniküchlein gebacken. Das konnte mir keiner nehmen. Und auf die Frage, wann ich diesen Kuchen wieder backen darf, erhielt ich zur Antwort: "asap".

11. September 2011

Abgelenkt - vergessen - wichtig?


Eine berufliche Etappe geht ihrem Ende entgegen. Schnell eilt es herbei, schneller als gedacht. Gerade noch habe ich mich hineingefitzt, zugehört, gefragt, getestet, getan, ausprobiert, eigene Schritte gegangen. Schon ziehe ich Resüme, sinniere, überlege, reflektiere, prüfe, notiere, kritisiere, lobe. Und schaue voller Vorfreude auf das unbekannte Neue, das mich erwartet. Wieder auf Zeit. Aber genau so soll es sein.

Von Anfang an stand fest: Ist der Sommer vorüber, bringt der Herbst nicht nur Kühle, Stürme und bunte Blätter, sondern auch neue Einblicke und Eindrücke, neue Umfelder und Menschen, neue Aufgaben und Herausforderungen.

Nun stellt sich mir die Frage, wie ich mich von dem, was bald gewesen sein wird, verabschieden soll. Ganz konkret: Wie bedanke ich mich bei den Begleitern meines Weges? Natürlich musste ich darüber nicht lange nachdenken. Essen hält Leib und Seele beisammen - und "beisammen" ist genau das richtige Stichwort. Noch einmal gemeinsam eine Pause zu verbringen, das schwebte mir vor. Am besten mit Kuchen!

Obstkuchen. Der geht immer. Ich blätterte ein wenig in meinem elsässischen Backbuch "Kugelhopf & Co. - elsässische Backrezepte" von Josiane und J-Luc Syren und hatte ihn ganz flott gefunden. Den Apfel-Birnen-Kuchen wollte ich machen. Nach ein wenig Grübeln, welches Kraut oder Gewürz zur Verfeinerung geeignet sein würde, kam ich auf Kardamom. Also baute ich alle Zutaten für meinen Apfel-Birnen-Kuchen mit Kardamom auf und begann mit der Zubereitung des heutigen Sonntagssüßes.



Das stand bereit:
3 Eier (Größe M)
6 gestrichene EL Zucker
1 EL selbstgemachter Vanillezucker
6 EL Mehl (Type 405)
1/2 Beutel Backpulver
1 TL Kardamom (mit etwas Zucker im Mörser zerkleinert)
6 EL Öl (geschmacksneutral)
Saft einer Zitrone
2 große Äpfel (Sorte: Pikant)
2 mittelgroße Birnen (Sorte: Gellerts Butterbirne)
50 g Mandelsplitter
flüssiger Honig

Den Backofen auf 160 bis 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Mehl und Backpulver in eine Schüssel sieben. Die Eier trennen: Eigelbe mit Zucker und Vanillezucker schaumig rühren, dann den Kardamom zugeben. Eiweiß steif schlagen.

Und da ist es mir passiert. Ich lauschte den Beiträgen im Radio zum 11. September, war bewegt von den zahlreichen Originaleinspielungen damaliger Sendungen und den vielen Augenzeugenberichten und erinnerte mich, wie ich damals vor 10 Jahren diese Ereignisse erlebte. Meine persönlichen Bilder stiegen vor meinem inneren Auge auf. Als wäre es erst gestern passiert, so klar konnte ich alles sehen, so deutlich hörte ich die unmittelbaren Unterhaltungen mit Kollegen und Freunden. Ich erinnerte mich plötzlich an Dinge, die mir längst entfallen waren: Dass ich mit einer Bekannten verabredet war. Dass wir ins Jüdische Museum gehen wollten, welches am Tag zuvor offiziell eröffnet worden war und am 11. September 2001 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Wie wir in strömendem Regen trotz allem dorthin strebten und perplex vor geschlossenen Türen standen. Dass wir schließlich im Café Einstein Unter den Linden saßen, durchnässt, durchfroren und erschüttert durcheinander redend. Der Versuch, fassen zu können, was geschehen war. Das Scheitern, es doch nicht fassen zu können.

Und so war ich überhaupt nicht bei der Sache. Ich übersah Öl und Zitronensaft. Beide hätten an dieser Stelle in die Schüssel gegossen werden sollen.

Abwechselnd zu Schnee geschlagenes Eiweiß und Mehl-Backpulver-Mischung esslöffelweise zugeben und vorsichtig mit dem Schneebesen unterrühren. Den Teig in die Backform füllen, ich habe eine quadratische Springform 24 x 24 cm benutzt.

Äpfel und Birnen dünn schälen, halbieren, Kerngehäuse entfernen, in Stücke schneiden, Mandelsplitter zugeben und mischen. Danach auf dem Teig verteilen.

Im Ofen 30 bis 40 Minuten backen. 10 Minuten vor dem Ende flüssigen Honig kreuz und quer über die Oberfläche ziehen.

Abkühlen lassen und servieren.


Mal sehen, ob es auch ohne Öl und Zitronensaft schmeckt. Der Kuchen fühlt sich jedenfalls weich und fluffig an und duftet ausgesprochen appetitlich. Ich bin gespannt!

Nachtrag 12.9.2011: Die Kollegen waren begeistert. Ein frischer, saftiger Kuchen, den ich bald mal mit allen vorgesehenen Zutaten backen werde. Mal sehen, wie er im Vergleich schmeckt.

8. September 2011

Ein Kuchen gegen den ersten Herbststurm


Draußen peitschte der Wind den Regen gegen die Scheibe meines Küchenfensters. Trüb und kühl, so war das Wetter, das ich gerade auf meinem Heimweg durchlitten und schließlich vor meiner Tür gelassen hatte.

Den Regenschirm ausgeschüttelt, die nassen Schuhe unter der Bank zum Trocknen geparkt. Schnell streifte ich mir warme Socken über und setzte Wasser für einen guten, kräftigen Tee auf. Und nun? Was könnte ich mir Gutes tun? Na, einen Blick in ein Backbuch zu werfen, könnte ein Anfang sein. Kaum gedacht, griff ich zu meinem elsässischen Mitbringsel "Kugelhopf & Co. - elsässische Backrezepte" von Josiane und J-Luc Syren, aus dem ich hin und wieder etwas ausprobiere.

Ich wollte einen schnellen Kuchen backen, der keiner besonderen Zutaten bedurfte. Also kam ein Rührkuchen in die engere Auswahl. Zunächst schwebte mir ein Schokoladenkuchen vor, denn Schokolade streichelt ja die Seele. Auch meine. Aber dann fiel mein Blick auf das Rezept für einen Walnusskuchen. Der sah wirklich gut aus. Nur auf Rosinen hatte ich keinen Appetit, da lachten mich doch die Cranberries nebenan viel mehr an. Und schon hatte ich ihn, meinen Walnuss-Cranberry-Gugelhupf mit Rosenblütenwasser.


Die Zutaten:
3 Eier
200 g Zucker (100 g weiß + 100 g braun)
230 g Mehl (100 g Type 405 + 130 g Type 550)
1 Vanilleschote
1 TL Backpulver
100 g getrocknete Cranberries
170 g Walnüsse (grob gehackt)
3 EL Rosenblütenwasser
2 EL Milch

Das Mark der Vanilleschote auskratzen und mit dem Zucker mischen. Backpulver und Mehl zusammen in eine Schüssel sieben.

Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

In einer anderen Schüssel die Eier mit dem Handmixer schaumig schlagen, dann den Zucker mit der Vanille zurieseln lassen und solange rühren, bis die Masse ein cremiger Schaum ist. Nun den Schneebesen nehmen. Das gesiebte Mehl abwechselnd mit dem Rosenblütenwasser und der Milch untermischen. Am Schluss ist der Teig cremig, aber nicht fest.

Die Gugelhupf-Form einfetten, danach den Teig eingießen. Ca. 40 Minuten backen und Stäbchenprobe machen. Nach dem Herausnehmen 5 Minuten abkühlen lassen und dann stürzen. Den abgekühlten Kuchen mit Puderzucker bestäuben und anschneiden.

Ich war über das nussig-zarte Aroma sehr überrascht. Und habe mir nach meinem ersten Stück gleich noch ein zweites gönnen "müssen".

4. September 2011

Und was ist das für ein Kraut da?


Zu Einladungen etwas Süßes mitbringen zu können, ist mir immer eine willkommene Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Wozu sonst habe ich ein sich stetig füllendes Back- und Kochbuchregal. Das, wo sollte es auch anders sein, in der Küche steht.

Ich bin kein zielorientierter Kochbuchleser. Oft lese ich, wie andere ihre Neuerwerbungen durcharbeiten, Markierungen an den Rezepten machen, die sie unbedingt nachkochen wollen. Ich wünschte, ich wäre auch so. Stattdessen lese ich mal hier, mal da hinein, betrachte die Bilder und sammele meine Eindrücke irgendwo auf einem hinteren internen Speicher. Irgendwann erinnere ich mich diffus an "so eine Tarte mit Obst". Und beginne, die verdächtigen Werke zu wälzen.

Also saß ich auch nun auf dem kühlen Fliesenboden, die Beine zum Schneidersitz gelegt, und zog ein Buch nach dem anderen aus den Fächern heraus. Was interessierte, blieb aufgeklappt neben mir liegen. Alles andere wanderte bis zum nächsten Mal zurück. Und ganz langsam bildete sich ein Stapel. Dann folgte unweigerlich die zweite Sichtungsrunde, die Feinauswahl, für die ich an den Tisch weiterzog. Hier ließ ich auch die Gedanken schweifen, denn genau das, was mir schwarz auf weiß entgegenstach, war nicht das, was ich suchte.

Im Buch "Südfrankreich - Küche & Kultur" von Cornelia Schinharl fand ich schließlich eine Aprikosentarte. Die klang wirklich gut, es gab nur ein Problem: die Aprikosen. Pech, wenn die Namensgeberin für diesen Sommer ihr Soll erbracht zu haben scheint. Aber ich ließ mich davon nicht verdrießen und lieber von der Obstauslage inspirieren. Spannung pur und ein großer Spaß noch dazu.

Irgendetwas duftete über alle Früchte hinweg. Ich nahm Witterung auf und fand - Nektarinen. Groß, rot, knackig, reif, frisch. Ha, genau das, was ich suchte! Dazu etwas frisches Kraut, und schon konnte es etwas werden mit der Nektarinen-Lavendel-Tarte.


Folgende Zutaten werden zum Boden einer 30-cm-Tarteform verarbeitet:
250 g Mehl (die 200 g aus dem Originalrezept schienen mir etwas wenig)
50 g Rohrohrzucker (im Original: 3 EL Zucker)
1/2 TL Salz
abgeriebene Schale einer halben unbehandelten Zitrone oder 1 EL Zitronenschalenpulver
2 EL Crème fraîche (im Original: 1 EL)
1 Eigelb
100 g kalte, in kleine Stücke geschnittene Butter

Alle Zutaten zu einem Teig verkneten, diesen ausrollen und damit die Tarteform auskleiden. Falls das Ausrollen nicht funktioniert, kann den Teig mit den Fingern zu einer flachen Scheibe formen und von Hand die Form auskleiden. Ist etwas anstrengend, erfreut die Oberarmmuskulatur und klappt. Für 30 Minuten in den Tiefkühlschrank stellen.

Für den Belag benötigt man diese Zutaten:
5 bis 6 große Nektarinen
6 bis 8 frische Lavendelzweige
3 EL Lavendelblütenhonig
30 g Butter
1 Ei
1 EL Crème fraîche

Die Nektarinen waschen, vierteln, den Stein entfernen und die Viertel noch einmal halbieren oder dritteln (je nach persönlichen Vorlieben). Lavendelzweige waschen und hacken.

In einer Pfanne Butter und Honig mit dem gehackten Lavendel erhitzen. Die Nektarinen darin maximal 10 Minuten garen, immer wieder umwenden. Sie sollen nicht zu weich werden, sondern karamellisieren und das Lavendelaroma aufnehmen. Also lieber etwas zu früh herausnehmen. Den Nektarinen-Honig-Sud auffangen und beiseite stellen.

Ei und Crème fraîche mit dem Schneebesen verquirlen, den aufgefangenen Nektarinen-Honig-Sud unterrühren.

Herd auf 220 Grad Ober-/Unterhitze heizen (Umluft 200 Grad). Den gefrorenen Teig mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten auffüllen. Für 10 bis 15 Minuten blindbacken. Dann herausnehmen und den Ofen auf 180 bis 200 Grad herunterschalten. Füllung aus der Form entfernen. Auf dem Boden die Ei-Crème-Mischung verstreichen, darauf die Nektarinen verteilen. Falls noch Saft übrig ist, diesen über die Früchte träufeln.

20 bis 30 Minuten backen, bis die Masse gestockt und leicht golden gebräunt ist. Die Tarte herausnehmen und abkühlen lassen.


Mit Sahne oder einfach nur pur servieren. An einem Spätsommersonntag noch einmal ein herrlicher Sommergenuss. Und sehnsüchtig dem Sommer nachgetrauert. Ein tröstliches Sonntagssüß.

3. September 2011

Schnelles süßes Mittagsmahl


Kürzlich war nicht viel Zeit für ein ausgedehntes Mittagessen, und noch dazu schlug mein innerer Appetitzeiger in die süße Richtung aus. Was tun? Warm und süß, das musste etwas Einfaches und Schnelles sein. Wie wäre es mit Pancakes? Gesagt, gerührt.

Rezepte finden sich im Internet unendlich viele. Einige klingen verlockend und warten auf meiner To-cook-Liste auf ihre Verwirklichung. Manche erinnern mich an die Zubereitung von Kaiserschmarrn, wenn Eiweiß geschlagen und am Schluss vorsichtig untergehoben werden muss. Nur auf das Zerreißen des "Fladens" wird verzichtet.

So viel Aufwand wollte ich nicht betreiben, es musste wirklich schnell schnell gehen. Also hielt ich mich geradezu sklavisch an ein Rezept aus dem "Petit Larousse Pâtissier" für Pancakes écossais. Schottische Pancakes.


Die Zutaten:
30 g Butter
120 g gesiebtes Weizenmehl (Type 405)
3 TL Backpulver
30 g Zucker
1 Ei (Größe M)
200 ml Milch
Öl zum Ausbacken

Die Butter schmelzen. In einer Schüssel Mehl, Zucker und Backpulver mischen. Das Ei in einer weiteren Schüssel mit der Milch verquirlen und dann mit dem Schneebesen in die Mehl-Mischung einarbeiten. Die Masse sollte dickflüssig sein.

In einer Pfanne etwas Öl erhitzen, dann einen kleinen Klecks des Pancake-Teigs hineingeben (ruhig noch kleiner als auf meinen Fotos). Aufpassen, dass die Unterseite nicht anbrennt, und wenden. Ist der Pancake fertig, auf einem Bogen Küchenpapier ablegen. Auf diese Weise einen Pancake nach dem anderen backen.

Traditionell werden Pancakes ja mit Ahornsirup gegessen. Diesen hatte ich nicht im Hause, und als passenden Kontrast konnte ich mir etwas säuerliches gut vorstellen. Also habe ich Naturjoghurt mit Sirup von schwarzem Holunder gemischt und über die Pancakes gegeben. Mundete mir ganz ausgezeichnet.

Ein paar Pancakes waren übriggeblieben. Die haben Nyhet und ich schwesterlich geteilt und kalt als Wegzehrung genossen. Als große Eierkuchen-Liebhaberinnen waren wir natürlich rundum glücklich!

2. September 2011

Himbeer-Schoko-Dessert mit weißer Schokoladen-Mousse

Ausgehend von Schokozwergs leckerem Kuchen-ohne-Backen-Rezept habe ich heute für einen Abend mit Freunden kleine Desserts vorbereitet. Da es keine Heidelbeeren gab und ich ohnehin andere Früchte verwenden wollte, hab ich 3 Päckchen Himbeeren gekauft. Wie der Kuchen besteht das Dessert aus 3 Schichten: Boden, Frucht, Creme (und Deko, aber das zählt nicht...).

Das folgende Rezept ist für 10 Förmchen mit einem Durchmesser von je 8,5 cm ausreichend.

Boden
ca. 250 g Schokokekse (ich habe eine Packung American Cookies aus Schoko mit Nuss genommen)
ca. 50 g dunkle Schokolade
125 g Butter


Creme 
200 g weiße Schokolade
400 g Schlagsahne
ca. 300 g Himbeeren (ein paar für die Deko aufheben)

 
Deko
dunkle Schokolade, gerieben oder gehackt
2 Kakaobohnen, möglichst klein gehackt
ein paar Himbeeren

Die Cookies und die dunkle Schokolade für den Boden hacken und die Butter schmelzen. Beides gut vermengen und dann in die Förmchen füllen und mit einem Löffel gut andrücken. In den Kühlschrank stellen und auskühlen lassen, bis der Boden fest ist.


Den Boden danach mit den Himbeeren bedecken und einige für die Deko aufheben.

Nun kann die weiße Schokolade geschmolzen werden (mache ich immer in der Mikrowelle...). Während sie danach wieder ein wenig abkühlt, wird die Sahne steif geschlagen. Mit einem Teigschaber danach die Sahne portionsweise unter die Schokolade heben, bis eine cremige, nicht zu flüssige Masse entstanden ist. Eventuell bleibt dann von der Sahne etwas übrig!



Die Creme in die Förmchen streichen und nach Belieben dekorieren, z.B. mit gehackter dunkler Schokolade, Kakaobohnen und den übrigen Himbeeren.



Die Desserts nochmal 3 Stunden in den Kühlschrank stellen, bis die Creme fest geworden ist.

Guten Appetit :-)

1. September 2011

Pflaume-Walnuss-(Haselnuss-)Brot die II.

Letztens brauchte ich unbedingt neues Brot, aber in meinen Vorräten gab es nicht mehr so viel Auswahl. Einige Zutaten hatte ich allerdings noch von meinem vorherigen Pflaume-Walnuss-Brot(*) übrig und so habe ich das Rezept einfach ein bisschen abgewandelt, um Roggen- und Weizenreste zu verbrauchen.


(Uiui da fehlt ja schon ein ganz schönes Stück vom Brot...)


Zuerst kommt in den Brotbackautomaten:

375 ml lauwarmes Wasser
1 1/2 TL Salz

Danach gebe ich dazu:

550 g Weizenmehl (Typ 550)
100 g Roggenvollkornmehl
1 1/4 Päckchen Trockenhefe von Alnatura
etwas Brotgewürz, etwas Spekulatiusgewürz, Leinsamen

Nach dem Piepton des Automaten, der mir die Erlaubnis zum Zufüllen gibt:

80 g Walnüsse und Haselnüsse
120 g Trockenpflaumen (ganz)

Eingestellt habe ich - wie immer - die Vollkornstufe meines Brotbackautomaten und ein 1000g-Brot. Guten Appetit :-)



(*) Es wurde endlich bei Chefkoch freigeschalten :-) Also wenn ihr das Brot mögt, nachgebacken habt, Fragen habt etc., könnt ihr mein Brot dort bewerten oder einen Kommentar hinterlassen.