29. August 2011

Obst auf Sand gebaut


Von manchen Geschenken kann man sich nur schwerlich trennen. Überreicht, gefreut, voll von Wehmut. Klingt das nicht widersinnig? Freude soll es doch bereiten, und zwar dem zu Beschenkenden. Sagt Wahrigs deutsches Wörterbuch. Freude sollte es dem Schenkenden machen, die passende Gabe zu finden. Sage ich.

Das ist bisweilen gar nicht so einfach. Wenn nichts gewünscht wurde oder auf die Frage nach dem Wunsch nur geantwortet wird, es sei Geschenk genug, dass man bei der Feier dabei sei. Das ist wohl wahr, enthebt den Schenkungswütigen jedoch nicht der Lösung für sein Geschenkproblem. Nun ist guter Rat teuer.

Ein gemeinsames Brainstorming wird einberufen, falls sich mehrere an der Gabe beteiligen. Guter Wein, ein paar Häppchen, und nach kurzen Anlaufschwierigkeiten beginnt ein Wettkampf. Schlag auf Schlag kommt eine Idee nach der anderen. Wer hat die beste, wer die abstruseste, wer die originellste. Das klappt so ungefähr auch allein, dürfte aber an den Spaßfaktor der "Gruppensitzung" nicht annähernd herankommen. Allerdings, der Anteil der ernst gemeinten Vorschläge könnte beim Solo-Ideenfindungsprozess signifikant höher sein.

Nyhet und ich grübelten fernmündlich über der passenden Präsentidee für ein rundes Jubiläum. Mal wieder kurz vor knapp, als ob wir das Datum nicht schon längere Zeit vor Augen gehabt hätten. Nach kurzem Ideen-Ping-Pong hatten wir eine kleine Liste zusammengestellt und konnten uns auf die Jagd begeben - nach einer Tarteform und dem Buch "Flache Kuchen - Tartes, Galettes, Blechkuchen und mehr" von Ilse König. Eine Kritik auf Valentinas Kochbuch gab den Anstoß für dieses Geschenk, das wir in der Hoffnung verschenkten, einer früheren Leidenschaft frischen Wind einhauchen zu können. Ob es klappt, werden wir sehen. Versprochen wurden uns Berichte über nachgebackene Leckereien.

Diese werden sicherlich noch einmal an die Wehmut des Verschenkens erinnern. Warum? Weil in diesem Buch lauter verlockende Rezepte stecken und die appetitlichen Bilder die Lust steigern, sich selbst durch diese lange Reihe durchzubacken. Aber warum nicht sich selbst mit diesem Backbuch beschenken?!

Ein Rezept wurde, kleine Abwandlungen inklusive, sofort nachgebacken: die Pfirsich-Nektarinen-Tarte. Bestechend einfach klang die Beschreibung, und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend haben wir auch gleich die neue Tarteform eingeweiht.




Die Zutaten für eine Tarte- oder Springform von 22 bis 24 cm Durchmesser:
2 Nektarinen
4 weiße (Berg-)Pfirsiche
220 g Weizenmehl Type 405 (im Original: 100 g Mehl und 100 g Weizenvollkornmehl, letzteres war allerdings nicht vorrätig)
100 g weiche Butter
1 + 1 Prise Salz
50 g Puderzucker (nicht im Original, ebensowenig wie die nachfolgenden Zutaten)
150 g Schlagsahne
1 Ei
4 TL Rohrohrzucker

Zunächst wird ein Sandteig zubereitet. Dazu das Mehl und den Puderzucker in eine Schüssel sieben, die erste Prise Salz zugeben, dann die Butter und gut verkneten. Ist der Teig zu bröselig, noch etwas Butter oder Wasser zugeben. Im Kühlschrank 30 Minuten ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Früchte mit einem Sparschäler von ihrer Haut befreien. Steine entfernen und in mittelgroße Würfel schneiden. In einer Schüssel mischen.

Schlagsahne, Ei, die zweite Prise Salz und den Rohrohrzucker mit dem Schneebesen verquirlen.

Den Ofen auf 200 Grad Unter-/Oberhitze (oder 180 Grad Umluft) vorheizen.

Auf dem Boden der Tarteform den Teig verteilen und am Rand 3 bis 4 cm hochziehen. Die Früchte auf dem Boden ausbreiten. Für 10 Minuten in den Ofen stellen, und zwar auf der untersten Schiene.

Danach auf eine mittlere Schiene heraufsetzen, die Crème vorsichtig bis knapp unter den Teigrand eingießen. Weitere 20 bis 30 Minuten backen lassen, bis die Oberfläche sanft gebräunt ist. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Wir konnten sogar einen Kuchenesser überzeugen, der Kuchen aus viel Teig und Streuseln den leichten, flachen Tartes vorzieht. Wenn das mal kein erfolgreiches Sonntagssüß ist!

25. August 2011

Kartoffelgnocchilammsteinpilze

Es war wieder einmal soweit. Endlich.

Stöbern auf einschlägigen Seiten.
Kritisches Hinterfragen gefundener Lobeshymnen.
Durchforsten der eigenen gesammelten Erinnerungen und Tipps.
Und die Frage: etwas Neues oder etwas Bekanntes.

Ein Geburtstag ist uns immer ein willkommener Anlass, ein hoffentlich herausragendes Restaurant in Berlin zu entdecken. Ich schreibe ausdrücklich hoffentlich, denn was andere für exzeptionelle Küche und umsorgenden Service halten, sehen wir bisweilen nicht genauso. Wie wir es bereits erleben mussten, als man uns im Angesichte eines leeren Gastraumes mit dem Hinweis, ein Gewitter könnte ja kommen und die Gäste, die draußen sitzen, nach innen scheuchen, abweisen wollte. Daher sei für uns kein Platz. Der dezente Hinweis, dass eine von uns Geburtstag habe, ließ quasi Gnade vor Hausrecht ergehen. Heute sage ich: Nie wieder so - so eine Behandlung haben wir überhaupt nicht nötig. Und das Essen dort war gemessen am lokalen Anspruch unterdurchschnittlich.

Aus Erfahrung wird man bekanntlich klug. Und seit diesem einschneidenden Erlebnis haben wir nur noch erinnerungswürdige Geburtstagsessen erlebt. Zumal zwei Restaurants nicht allzu lange Zeit nach unserem Besuch einen Stern erhalten haben. Ob das irgendwie mit uns zusammenhängt? Och, darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht.

Unsere Entscheidung fiel zugunsten eines uns noch unbekannten Italieners, der noch dazu in unserem Kiez beheimatet ist: das Ristorante Ana e Bruno. Wir haben es nicht bereut und bewahren ein weiteres besonderes Geschmackserlebnis.

Ausnahmsweise gab sich der Sommer Mühe. Ein lauer Abend, wir konnten tatsächlich draußen sitzen. Wie so oft nahmen wir auch dieses Mal den Spruch "Die Ersten werden die Letzten sein" wortwörtlich. Aber warum sollten wir auch schnell wieder aufbrechen? Eine kulinarische Entdeckungsreise braucht ihre Zeit, und wenn man zudem noch so charmante und aufmerksame Reisebetreuung hat, verweilt man gern.

Wir entschieden uns auf Empfehlung für das Tagesmenü plus einem Extra-Zwischengang, die individuelle Auswahl aus der Karte hätte unseren Gaumen und unseren Appetit schlichtweg überfordert. Als Apéritif ein Glas Champagner, pling pling, auf uns! Bevor es wirklich losgeht, einer von drei kleinen Kritikpunkten des Abends. Zwar wurde eine von uns zur "Gastgeberin" (sprich: Zahlenden) auserkoren, trotzdem blieb auch ihr die finale Preisgestaltung im Unklaren. Über Geld spricht man nicht, heißt es oft. Warum eigentlich nicht?

Und weil ich gerade bei den Wermutstropfen bin. Wir hätten uns gewünscht, bei der Auswahl des Weines auch im Hinblick auf die Darreichungsform Flasche oder Glas beraten und zu unseren Preisvorstellungen befragt zu werden. Da war es also wieder, das liebe Geld.

Nun aber zu den einzelnen Gängen.


Los ging es mit Hummer, dazu kleine Bohnen, alles in einem Thunfisch-Schaum. Nichts Spektakuläres, aber handwerklich hervorragend und geschmacklich ebenfalls. Der Abend ließ sich sehr gut an.

Danach die individuellen Zwischengänge:


Für die eine gebratene Gänseleber mit gegrillter Melone und Balsamico-Dressing. Eine Geschmacksüberraschung! Auch diejenige, die gebratener Leber eher skeptisch gegenüber steht, war ausgesprochen angetan.


Für die andere Jakobsmuscheln auf einem Erbsenpüree mit Cocktailtomaten und Trüffel. Nicht ganz so überwältigend wie die Leber, aber ebenso vorzüglich.


Der traditionelle Primo piatto: Kartoffelgnocchi. So schmelzig zart haben wir sie noch nie gegessen. Natürlich hausgemacht. Nur ein kleines bisschen zu üppig geraten, wie auch der folgende Gang. Weniger auf dem Teller hätte uns kulinarisch genauso überzeugt.


Secondo piatto: Lamm mit Selleriepüree, dazu grüner Spargel und Steinpilze. Eine Tranche weniger hätte uns absolut ausgereicht, aber wann bekommt man schon einmal so perfekt gegartes zartes Lammfilet?! Nur ganz wenig mit Salz und Pfeffer gewürzt, damit es die anderen Aromen, allen voran das des Selleries, nicht übertrumpfen konnte. Ich war so begeistert, dass ich beim Fotografieren erzitterte ...


Auch in den Desserts gingen wir beide verschiedene Wege: Lavendel-Panna-Cotta mit Bengalischem Langpfeffer, Vignolakirschen in Barolo-Chinato und Stracciatellaeis für die eine ...


... “After six“, ein Parfait aus Büffelricotta, Zedernfrüchten, Orange, Pistazien, Haselnüssen und weißer Schokolade sowie Waldbeeren (mit heimlich eingeschlichener Physalis) für die andere.

Begeistert waren beide gleichermaßen. Sowohl vom eigenen Dessert als auch dem der anderen. Es wurde also eifrig vom gegenüberliegenden Teller stibitzt.


Zum abschließenden Espresso noch eine Auswahl an feinen Pralinés aus eigener Herstellung, und wir hätten platzen können. So satt waren wir. Bei einem Digestif auf Eis und Haus klang unser Besuch im Ana e Bruno ganz entspannt aus, und wie es sich für letzten Gäste des Abends gehört, wurden wir ganz italienisch überschwänglich in die Nacht verabschiedet. Von Bruno, der unser Gastgeber und Reiseführer war.

Wiederkommenswert!

Wohin: Ristorante Ana e Bruno. Sophie-Charlotten-Straße 101 (Charlottenburg).

24. August 2011

Fein fruchtig erfrischend


"Eis geht immer!" Diesen Satz mussten sich alle anhören, die mich Kind fragten, ob ich denn noch ein Eis möchte. Was für eine doofe Frage?! Die können wirklich nur Erwachsene stellen.

Seit neuestem nenne ich nun eine Eismaschine mein Eigen und kann nach Herzenslust kühle Schleckereien fabrizieren. Wie im Paradies! Und das Beste ist, ich weiß genau, was drin ist. Schnell noch ein Eis-Buch gekauft, das vielerorts gelobte "The perfect scoop" von David Lebovitz, damit mir die Inspirationen nicht ausgehen und damit ich weiß, was es für das perfekte Schleckerlebnis zu beachten gilt. Zwar klingt das eine oder andere Rezept ganz schön gehaltvoll, aber da ist meine Kreativität und Probierwut gefordert, wie ich daraus etwas eigenes zaubern könnte.

Schuld an meiner spontanen, manche würden sagen überstürzten Anschaffung hat eine Freundin. Eine begnadete Kulinarikerin und Köchin. Sie schwärmte mir so sehr von ihren selbstgemachten Eiskreationen vor, dass ich sie inniglich anflehte, damit aufzuhören. Oder ich müsste die nächste Eisdiele stürmen. Sie hielt ein. Um mir einige Tage später genau das Rezept zu schicken, das meine Gelüste so auf die Spitze getrieben hatte.

Da ich noch Anfängerin in den Künsten des Eismachens bin, habe ich mich bisher nicht an dieses Königsrezept herangewagt. Dafür benötige ich ein wenig mehr Übung, was meine Verkoster sicherlich jauchzen und frohlocken lässt. Die Frucht-Premiere ist mir jedenfalls ganz hervorragend gelungen: Grapefruit-Lavendel-Sorbet. Alles selbst ausgedacht, mit kleinen Anregungen.


Das sind meine Zutaten:
Saft von 4 aromatischen Grapefruits (ergibt ca. 550 bis 600 ml)
125 ml Wasser
4-5 EL Zucker
5 frische Lavendelzweige

Die Zubereitung geht ganz flott:
Wasser und Zucker in einen Topf geben und zum Kochen bringen. Gut umrühren, bis der Zucker sich auflöst. Sobald es kocht, die Lavendelzweige zugeben und 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Bei mir wurde ein schöner Sirup daraus. Danach ruhig noch 10 Minuten ziehen lassen.

Zweige herausfischen und den Grapefruit-Saft durch ein Sieb hineingießen. Wieder gut umrühren und vollständig erkalten lassen. Am besten auf Kühlschranktemperatur herunterkühlen. Dann in die Eismaschine geben und zu einem Sorbet rühren lassen.

(Das geht sicher auch ohne Eismaschine, aber bei mir wurden Sorbets im Tiefkühlschrank nie etwas, deshalb kann bzw. mag ich dazu keine Tipps geben.)

Naja, und dann am besten sofort essen. Wir waren erstaunt, wie gut die Aromen zusammenpassen. Denn jedes ist für sich allein schon eine intensive Freude.

22. August 2011

Knusper, knusper, Nüsschen


Aller guten Dinge sind bekanntlich drei - deshalb hier das Rezept für das echte dritte Element meines orientalischen Dessert-Quartetts. Nach dem Shol-e-Sard und dem Maamoul folgen nun die Ägyptischen Karamellnüsse.

Auch dieses Rezept stammt aus dem (an)sehenswerten Büchlein "Bon! Bon! Vom Zauber süßer Speisen" von Charlotte Birnbaum.


Diese kleinen knusprig-süßen Häppchen sind erstaunlich schnell zubereitet - und genauso schnell in unseren Mündern verschwunden. Überhaupt nicht erstaunlich.

Die Zutaten:
100 g gemahlene Walnüsse (im Original: 125 g)
80 g + 3 bis 4 EL Zucker (im Original: 125 g + 125 g)
40 Walnusshälften
5 EL Orangenblütenwasser (im Original: 3 bis 5 EL)

Zuerst die gemahlenen Walnüsse mit 90 g Zucker und dem Orangenblütenwasser vermengen, bis eine Paste entsteht. Teelöffelweise kleine Portionen abstechen, auf eine Nusshälfte geben und die zweite obenauf andrücken. Für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen.

Den übrigen Zucker in einer Pfanne erhitzen, bis er geschmolzen ist. Sofort von der Herdplatte nehmen und vorsichtig über die einzelnen Nüsse träufeln. Abkühlen lassen. Und ab in den Mund!

Schmecken, wie die Süße des Karamells mit dem Bittersüß der Walnuss verschmilzt. Fühlen, wie das Cremige das Stückige umgarnt. Hören, wie es knackt und knirscht. Riechen, wie sich der Orangenhauch über das Nussige legt. Genießen mit allen Sinnen.


Damit ist das orientalische Dessert-Quartett komplettiert. Es war ein ungewöhnlicher, überraschender, fröhlich machender Genuss für alle, die ihn erfahren durften.

21. August 2011

Kein Klassiker, noch nicht

 

Samstag ist Markttag. Wann immer es mir möglich ist, drehe ich einige Runden über unseren Markt und kehre in aller Regel mit prall gefüllten Beuteln und Tüten nach Hause zurück. Auch gestern. Wie so oft startete ich relativ planlos meinen Rundgang und fragte mich wie jedes andere Mal, warum ich keine Liste gemacht hatte. 

Den Kopf voller Ideen, die Augen groß vom Appetit, die Nase bereit zum Erschnuppern sommerlicher Aromen. Zum Glück war ich noch frühstückssatt aufgebrochen, so konnte ich mich nicht dazu hinreißen lassen, wild einzukaufen, was mich anlachte. Und das war eine ganze Menge.

Unter anderem Pflaumen. Eigentlich verspüre ich bei hochsommerlichen Temperaturen keinen sonderlichen Appetit auf Pflaumenkuchen, obwohl ich ihn wie so viele außerordentlich gern esse. Er ist für mich eher ein Spätsommergenuss. Gestern allerdings tat sich das Wetter vor allem durch seine sonnige Optik hervor, während es gefühlt doch eher ein Wechselbad der Temperaturen blieb. In der Sonne hui, im Schatten pfui.

Die Gelegenheit, ohne schlechtes Gewissen eine neue Schublade für den Pflaumenklassiker zu öffnen. Weder Hefe- noch Quark-Öl-Teig. Weder Tarte noch Blechkuchen. Weder bestreuselt noch aprikotiert. So lauteten in ungefähr meine Vorstellungen. Ob man so fündig werden kann? Und ob.

Bei Mercotte stieß ich auf das Rezept, das zu dem ganz anderen Pflaumenkuchen zu führen schien. Wunderbar, nichts wie ran!


Meine Zutatenliste für eine auslaufsichere Springform von 24 cm Durchmesser (oder wie bei mir 24 x 24 cm im Quadrat):
1 kg Pflaumen
200 g Zucker (im Original: 250 g)
75 g Olivenöl
75 g geschmolzene Butter + etwas Butter zum Einfetten der Form
3 Eier
250 g Mehl
6 g Backpulver
4 g Salz

Die Zubereitung:
Pflaumen waschen, halbieren und die Steine entfernen. Mehl und Backpulver gemeinsam sieben. 250 g der geputzten Pflaumen mit dem Zucker in einen Becher geben und pürieren, bis eine schöne Crème entsteht. Mein Gerät schaffte es nicht, die Schale zu pulverisieren. Deshalb auch die an Schokolade erinnernden Einsprenksel im Teig - denn genau dafür wird dieses Pflaumenpüree hergestellt! Es bildet die Basis des Kuchenbodens.

Das Püree mit dem Olivenöl und der geschmolzenen Butter verrühren, danach Eier und Salz zugeben und weiter kräftig rühren (am besten mit dem Handmixer oder in der Küchenmaschine). Nun das mit dem Backpulver gesiebte Mehl unterrühren, bis eine weiche Masse entstanden ist.

Den Herd auf 140 bis 150 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

In der Form den Boden mit etwas Butter einfetten und dünn mit Zucker bestreuen. Die übrigen Pflaumenhälften mit der Schnittfläche nach unten dicht aneinanderreihen, gern auch in zwei übereinander liegenden Schichten. Danach den Teig eingießen und glatt streichen. Für 2 Stunden in den Ofen stellen. 10 Minuten vor Ende der Backzeit auf 200 Grad Ober-/Unterhitze hochheizen, damit die Pflaumenschicht noch etwas karamellisieren kann.

Nach dem Backen etwas abkühlen lassen. Den Ring der Form entfernen, vorsichtig mit einem Spatel den Kuchen vom Boden lockern und dann auf eine Kuchenplatte mit Rand stürzen (für den Fall, dass noch flüssiger Saft vorhanden ist).

Noch warm oder kalt genießen. Mit oder ohne Schlagsahne. Mmh!

20. August 2011

Gefülltes Gebäck-Glück


Gestern hatte ich den ersten Bestandteil meines orientalischen Dessert-Quartetts vorgestellt, den Reispudding (Shol-e-Sard). Hier folgen nun der zweite Teil und das aus kreativer Resteverwertung resultierende dritte Element, das gar nicht geplant war.

Im Alles-Hausgemacht-Forum bekam ich auf meine Anfrage nach einem orientalischen Dessert auch den Hinweis auf ein Gebäck. Eigentlich wollte ich nicht backen, denn am Ende eines üppigen Mahls ist mir eher nach einem leichten Dessert, das flutscht. Frei nach meinem Motto aus Kindertagen "Eis passt immer!" Jawohl!

Aber dieser Tipp machte mich neugierig, ich recherchierte ein bisschen und fand schließlich bei Fanafillah ein Rezept für Maamoul oder Maamoula, das mir ungewöhnlich schien. Ich musste es ausprobieren.


Folgende Zutaten braucht man für den Teig:
350 g Weichweizengrieß (im Original mit Hartweizengrieß)
40 g Mehl
40 g feiner Zucker
1/4 TL Trockenhefe
150 g weiche Butter
3 EL Orangenblütenwasser
3 EL Rosenwasser

Die trockenen Zutaten vermengen. Die Butter nach und nach mit der Hand unterkneten. Die Blütenwässer zugeben und gut kneten, der Teig ist anfangs sehr bröselig. Ggf. noch ein paar Spritzer von den Blütenwässern hinzufügen. Ist der Teig geschmeidig, kommt er für 1 bis 2 Stunden in den Kühlschrank.

In der Zwischenzeit wird die Füllung zubereitet. Hier sind der Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt. Da ich keine Trockenfrüchte im Hause hatte, habe ich eine Walnuss-Mandel-Füllung gemacht, und zwar aus diesen Zutaten:
75 g gemahlene Walnüsse
75 g gemahlene Mandeln
50 g feiner Zucker
1 bis 2 EL Granatapfelkerne
1 EL Orangenblütenwasser
1 EL Rosenwasser

Alles gut miteinander mischen, damit eine marzipanartige Paste entsteht.

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Hat der Teig ausreichend geruht, wird er zu einer Rolle von ca. 5 cm Durchmesser gerollt. Von dieser 1 cm dicke Scheiben abschneiden. In der Heimat des Maamoul gibt es zum Formen und Füllen schöne Model, aber das Gebäck lässt sich auch gut von Hand zusammenbauen. Dazu werden pro Stück zwei Scheiben benötigt. Die erste weich kneten und zu einer Scheibe formen, in die Mitte etwas von der Füllung setzen, etwa in der Größe einer Kirsche, die zweite Scheibe kneten, formen und über die Füllung legen. Am Rand vorsichtig zusammendrücken, aber keine Ravioli-Form geben. Das Aussehen sollte eher an einen etwas dicken Diskus erinnern. Durch den Grieß kleben die beiden Teigscheiben übrigens sehr gut.

Alle Teile auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und ca. 15 Minuten backen. Sie sollen praktisch keine Farbe bekommen und nicht zu trocken werden. Nach dem Backen abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.

Das Gebäck ist mit der reinen Nussfüllung relativ trocken, ich kann es mir auch gut mit Aprikosen oder Datteln im Innern vorstellen.

Tja, und von der Füllung hatte ich nicht alles verbrauchen können. Was nun? Wegwerfen kam nicht in Frage. Also stach ich mit einem Teelöffel kleine Portionen ab, rollte sie zwischen meinen Handflächen zu Kugeln. Diese wälzte ich in Sesam und gab sie auf das Blech zu den bereits backenden Maamouls.

Ich weiß nicht, wie ich sie nennen soll, wer einen Vorschlag hat, immer her damit. Vielleicht haben sie auch bereits einen Namen, dann erfahre ich den auch sehr gern. Diese kleinen Nussmarzipan-Happen im Sesammantel schmeckten uns wie alle anderen Speisen an diesem Abend ganz vorzüglich.


Das vierte und letzte Rezept aus dem orientalischen Dessert-Quartett kommt nach dem morgigen Sonntagssüß.

19. August 2011

Das Licht des Vollmonds



Fröhliches Lachen dringt aus der Küche einer Friedrichshainer Altbauwohnung. Das Klappern der Messer, die auf hölzernen Brettchen Gemüse und Minze hacken, ist nicht zu überhören. Keine Frage: das Gourmet-Trio verbringt wieder eine Abend voller Spaß, Freude und Schlemmerei.

Während draußen Touristenkohorten von Restaurant zu Restaurant ziehen, starten wir drei Mädels eine neue kulinarische Runde durch unsere Küchen. Und wir eröffnen für diesen einen Abend unser kleines privates Gourmet-Lokal auf einer begrünten, romantischen Loggia. Unser Menü steht unter dem Motto "Köstlicher Orient". Für mich, die offizielle Dessert-Beauftragte, eine besondere Herausforderung, hatte ich doch bis dato noch nicht(s) Orientalisches gezaubert.

Mit Ideen versorgte mich eine kleine Anfrage im Forum Alles hausgemacht. Ein Blick in mein verführerisches Geburtstagsgeschenk, das Buch "Bon! Bon! Vom Zauber süßer Speisen" von Charlotte Birnbaum machte mir klar: Ich konnte mich nicht auf ein Dessert beschränken, zu viele Rezepte klangen zutiefst verlockend. Nein, eine Trilogie sollte es werden - ein Quartett ist es schließlich geworden.

Los geht es mit dem ersten Gang, einem Salat mit süchtig machendem Pistaziendressing, den wir im sanften Licht der Abendsonne essen. Ach, wie wir sie genießen, die Wärme des Sommers, die uns bisher so oft versagt geblieben war. Dazu ein Gläschen Rotwein, fast vergessen wir plaudernd die zweite Etappe unseres Menüs.

Die Zubereitung des Orangencouscous wird von einem unvorhersehbaren Ausbruch einer Horde Pfefferkörner aus ihrer Behausung, der Mühle, überschattet. Heftige Lachgewitter sind die Folge. Sorgfältig klauben wir Korn für Korn aus dem Couscous heraus und deklarieren jedes Einzelne zu einem Mann für eine von uns (ich verrate nicht, welche). Er möge ihren Weg kreuzen. Was für bewegende Aussichten! In einer benachbarten Pfanne brutzeln vegetarische Köfte aus Möhren, getrockneten Aprikosen und Pinienkernen. Dazu ein Joghurt-Minze-Dip, fertig ist der zweite Gang. Über dem Dach gegenüber geht langsam der Mond auf. Unsere Gläser sind aufgefüllt, ein Prosit auf die Männer.

Mittlerweile müssen wir trotz aller Heiterkeit und Fröhlichkeit in Jacken schlüpfen. Es ist spät, und die Sommerwärme hält sich noch nicht bis tief in die Nacht. Auch das Dessert wollen wir auf unserem Refugium unter freiem Himmel genießen.


Der erste Teil meines Quartetts ist ein Shol-e-Sard, ein leichter Reispudding mit einem luftigen Aroma von Safran und Rosenwasser. Dazu werden diese Zutaten benötigt:
150 g Langkornreis
1 l Wasser + Wasser zum Einweichen
5 Safranfäden
eine Messerspitze gemahlenen Kardamom
3 EL Rosenwasser (ich habe Bio-Rosenwasser bei Alnatura gekauft)
100 g Zucker
70 g Butter
Mandeln und/oder Pistazien zum Garnieren (gehackt oder gehobelt, je nach Geschmack)

Für die Zubereitung braucht man etwas Zeit:
Zunächst wird der Reis in Wasser eingeweicht. Eine Stunde quellen lassen. Das Wasser abgießen, den Reis etwas zerstampfen und in einen Topf geben. Einen Liter Wasser zugeben und alles aufkochen. Dann herunterschalten und den Reis eine Stunde leicht köcheln lassen. Immer wieder umrühren, sonst brennt er am Boden fest.

Safranfäden mit etwas Zucker mörsern, danach mit 2 EL heißem Wasser verrühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Sobald der Reis fertig ist, Safranmischung, Zucker, Kardamom und Rosenwasser zum Reis geben und gut verrühren. In einem weitere Topf Butter verflüssigen und in den Reis gießen. Mit einem Schneebesen einrühren. (Falls der Kardamom zu intensiv ist, kann das Aroma mit etwas Rosenwasser und Zucker wieder ausbalanciert werden.) In Schüsseln, Schälchen oder kleine Förmchen gießen, garnieren und abkühlen lassen.

Die Masse wird nicht so fest, dass man den Pudding stürzen könnte, beim Transport schwappte er mir ein wenig aus dem Schälchen. Was muss ich mir auch den Beutel auf die Knie legen. Den Genuss hat es nicht geschmälert, im Gegenteil. Wir fanden, er passte perfekt zur orientalischen Menüfolge.

Der erste Teil des Dessert-Quartetts mundete dem Gourmet-Trio ganz hervorragend. Und die anderen? Mehr dazu im nächsten Beitrag.

14. August 2011

Oh wie fruchtig frisch ...


... zergeht ein neues Sonntagssüß auf meiner Zunge! Tralalalala ...

So musikalisch. Dabei ist das einer dieser Tage, die in einer ziemlich schiefen Stimmungslage beginnen. Oh, die Sonne scheint. Hm, ja schön. Der Milchkaffee schmeckt irgendwie lau. Obwohl er wie an jedem anderen Morgen auch fröhlich aus der Maschine geflossen ist. Brötchen oder Brot zum Frühstück? Ich weiß nicht. Keines. Was dann? Weiß ich doch auch nicht. Marmelade? Ja klar. Aber natürlich die, die nicht existiert. Und man kratzt sich den Kopf, welche Musik es bitteschön sein soll. Klassik? Jazz? Indie? Och nö. Im selben Augenblick fallen die Arme herunter und hängen lustlos herab. Irgendwie passt nichts so richtig. Ah, kleiner Lichtlustblick, wie wär's damit? Player auf und zu, auf und zu, ein paar CDs angespielt. Alles nix. Musik aus. Lass mich sumpfen.

Was ist los?

Ratlosigkeit. Weiß ich doch auch nicht. Schon wieder. War die Nacht zu kurz? Schlecht geträumt? Zu viel gegessen? Sind die Cocktails schuld? Oder die Überdosis an Glück, Liebe und Zweisamkeit, bis dass der Tod euch scheidet, die zelebriert wurden?

Kann sein.

Da hilft nur eines: säuerliche Gemütslage durch süßes Genusserleben austauschen. Am besten mit kleinen Herausforderungen wie nicht mehr vorhandener Milch. Gut, ein kurzer Sonntagsspaziergang zu Ullrich & Co. würde diesem Notstand abhelfen. Nur, zu dieser Aktivität fehlt - noch - der entsprechende Antrieb. Also entweder improvisieren oder nachschlagen.

Der "Petit Larousse Pâtissier" musste her. Etwas geblättert und siehe da, Joghurt anstelle von Milch. Ein Gâteau au yaourt. Auf eine große Form hatte ich keine Lust, da leuchtete mir aus dem Schrank meine neue petrolfarbene Mini-Gugelhupf-Form entgegen. Na, die wollte endlich eingeweiht werden! Leider nur mit 6 Förmchen, so wurden die anderen Zitronen-Joghurt-Küchlein mit Himbeeren in der Muffinform gebacken.


Auf geht's. Hier die Zutaten meines gegenüber dem Originalrezept (für eine Form mit 24 cm Durchmesser) etwas abgewandelten Backwerks:
3 Eier (Größe M)
250 g Mehl
170 g + 4 EL Zucker (im Buch: 300 g)
200 g Naturjoghurt (im Original wird etwas ungenau 1 Naturjoghurt genannt, blöd, wenn man wie ich immer 500-g-Becher kauft)
Abrieb und Saft einer unbehandelten Bio-Zitrone (die Alternative aus dem Buch, das Original enthält Orange)
150 ml Öl
11 g Backpulver
1 Prise Salz
evl. Butter zum Fetten der Form
Himbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

Bevor es an die Zubereitung geht, muss sich die holde Sonntagssüß-Bäckerin oder der edle Sonntagssüß-Bäcker entscheiden: fluffig-weich oder lieber fluffig-saftig?

Oh je, Entscheidungen! Wer beides mag, kann beide Varianten auf einmal ausprobieren und dann vergleichen. Der Unterschied besteht darin, dass für die fluffig-weichen Küchlein etwas mehr Zitrone vor dem Backen in den Teig gegeben wird, während die fluffig-saftigen Délices nach dem Backen mit einem am Ende zubereiteten Zitronensirup beträufelt werden.

Ich habe diesmal die saftige Variante gewählt und bin begeistert, was für ein spritzig frisches Tänzlein Himbeere und Zitrone miteinander wagen. Die Zubereitung ist ganz unkompliziert:

Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Eier trennen. In einer Schüssel die Eigelbe mit 170 g Zucker verrühren, bis sie weiß und schaumig werden. Den Zitronenabrieb zusammen mit Öl und Joghurt in die Eigelbmischung geben und gut vermengen. In eine andere Schüssel Mehl und Backpulver sieben und dann zur Eigelbmischung geben. Gut mit dem Schneebesen rühren, bis die Masse homogen ist.

Die Eiweiße mit etwas Salz zu Eischnee schlagen und danach vorsichtig mit dem Teigschaber unter die andere Mischung heben. Den Teig in die Form(en) füllen, dabei einen Rand lassen. Die Himbeeren auf die Oberfläche legen und ab in den Ofen für etwa 20 bis 25 Minuten. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Der Zitronensirup wird wie folgt zubereitet: 250 ml Wasser erhitzen und den Zitronensaft sowie 4 EL Zucker unterrühren. Etwa 15 Minuten bei offenem Topf kochen lassen und immer wieder umrühren, bis die Flüssigkeit leicht dick wird. Abkühlen lassen und über die fertigen Küchlein träufeln.

Und so ward es doch noch ein Tag mit Musik. Und mit einem bisschen Schweben.


12. August 2011

Sonnenstrahlen im Glas eingefangen


An einem regnerischen Sommertag, als die Stadt grau war, die Menschen grau in die Weltgeschichte guckten und die Aussichten grau blieben, da fasste ich mir ein Herz und ging auf den Markt. Mit einer Freundin, die ebenso wie ich Gelüste auf Sommer verspürte. Wem ginge es nicht so beim Blick aus dem Fenster? Nach der ersten Marktsichtungsrunde machten wir den üblichen Stopp am Espresso-Stand. Nicht am üblichen, denn der hatte offensichtlich kalte Füße bekommen und sich nicht unter den Regenhimmel gewagt.

Machte aber gar nichts, unser Notausweichstand konnte uns mit leckerem Kaffee erfreuen. Der wärmte uns von innen und gab unseren Plänen einen frischen Schwung: Wir wollten Marmeladen kochen und suchten dazu die richtigen Früchtchen.

An einem Stand schlugen wir schließlich zu und kauften Berge von Aprikosen. Die Auswahl fiel uns nicht ganz leicht, wir entschieden uns für die großen aus Frankreich. Jede verfolgte ihre Rezept-Strategie, mir schwebte Aprikosenmarmelade nach Christine Ferbers "Marmeladen-Bibel" vor, jedoch mit frischem Lavendel aromatisiert.

Zu Hause angekommen, stellten wir fest: Die Aprikosen sind doch ein wenig säuerlich. Was nun? Könnten die nicht gerade richtig sein, sollte doch wieder eine gehörige Portion Zucker mit ihnen verarbeitet werden? Ich wagte es - und gewann.

Hier also das Rezept für meine Aprikosenmarmelade mit Lavendel, für die ich das Grundrezept aus dem Buch etwas abgewandelt habe.

Die Zutaten:
1 kg entsteinte Aprikosen
750 g feiner Zucker (im Buch: 800 g)
Saft einer Zitrone (im Buch: einer halben Zitrone)
5 - 8 frische Lavendelzweige

Auch hier erfolgt die Zubereitung wieder in zwei Etappen:
Tag 1:
Aprikosen waschen, trocknen und entsteinen. In Viertel schneiden. Zucker und Zitronensaft hinzufügen und 1 Stunde ziehen lassen. In einen großen Topf umfüllen und vorsichtig umrührend bis zum ersten Aufblubbern erhitzen. Vom Herd nehmen, in eine große Schüssel umfüllen, Lavendelzweige zufügen, abkühlen lassen. Mit einem Stück Backpapier bedecken (direkt auf die Oberfläche legen und glatt streichen) und über Nacht an einem kühlen Ort ruhen lassen.

Tag 2:
Die Gläser sterilisieren und bereitstellen. Einen Unterteller in den Kühlschrank für die Gelierprobe legen. Ich habe von den Aprikosen die Haut abgezogen, was ohne Probleme und ganz flott vonstatten ging. Danach Früchte, Lavendelzweige und den Saft in einen großen Topf umgießen. Unter vorsichtigem Rühren wird die Marmelade zum Kochen gebracht, sie muss 5 bis 10 Minuten sprudelnd kochen. Fleißig rühren und bei Bedarf abschäumen.

In dieser Phase werden auch die Lavendelzweige entfernt, damit das Aroma nicht kippt. Ich bin immer mit der Nase am Topf geblieben, habe ab und an gekostet. Und als mir Geschmack und Duft ein wenig zu sehr nach Lavendel waren, habe ich die Zweige entfernt. Das ist der richtige Zeitpunkt, denn erhitzt sind diese Aromen intensiver als im erkalteten Zustand.

Nachdem die Zweige entfernt waren, habe ich eine Gelierprobe gemacht, also ein paar Tropfen auf die gekühlte Untertasse gegeben. Die Marmelade ist fertig, wenn diese leicht gelieren. Ist das nicht der Fall, muss sie noch länger kochen. Ggf. etwas Zitronensaft hinzufügen, er befördert das Gelieren.

Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Marmelade mit einem Trichter in die Gläser füllen. Mit dem Deckel verschrauben und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann wieder umdrehen und auskühlen lassen.


Ich empfinde Aprikosenmarmelade - gute Aprikosenmarmelade - immer als angenehm prickelnd auf der Zunge. Hier verleiht ihr der Lavendel einen etwas herben Duft, und ehe ich es mich versah, steht mein Frühstückstisch mitten in Südfrankreich. Ich bin natürlich auch dabei. Um mich herum goldener Sonnenschein, Wärme, das Summen von Bienen, flirrende Landschaften und der Duft von Sommer. Hach, traum-haft!

11. August 2011

Teilen, schälen, mixen - mmh, Paprika


Die fiesen Erkältungsbazillen sind fort, Zeit also, den gemütlichen Freundinnen-Abend nachzuholen. Zwar nicht auf dem Balkon, da der Sommer uns noch immer seine Launenhaftigkeit spüren lässt, aber das Sofa ist ein adäquates Plätzchen für gute Gespräche und kulinarischen Genuss.

Bei dieser Vorstellung werden Ernährungsexperten sicherlich die Augenbrauen lupfen. Essen auf dem Sofa in unbequemer Körperhaltung und bei womöglich eingeschaltetem Fernseher, pfui. Der blieb aus, ebenso das Radio - nichts sollte unsere Unterhaltung stören. Lauschige Umgebung, den Teller auf den Knien, ein Gläschen Wein griffbereit, für uns war alles wunderbar und richtig.

In der Küche die Tarte. Wieder hatte ich die Gelegenheit genutzt, ein Rezept aus Catherine Klugers "Atelier tartes" etwas abgewandelt nachzubacken. Diesmal "Tarte crème de poivrons grillés + chèvre frais", also eine Tarte mit einer Crème aus gegrillter Paprika und Ziegenfrischkäse.


Den Boden (Tarteform von 26 cm Durchmesser) hatte ich mangels Zeit schon am Tag zuvor gebacken, aus folgenden Zutaten:
230 g Weizenmehl
100 g kalte und in kleine Würfel geschnittene Butter
1 Ei (Größe M oder L)
1 Prise Salz
40 g Sesam
etwas kaltes Wasser

Mehl und Salz mischen. Die Butterwürfel hineingeben und mit den Fingerspitzen alles zusammenbröseln. Dabei darauf achten, dass die Butter nicht zu warm wird. Ist die Masse sandig und ohne größere Butterstücke, wird das verquirlte Ei zugefügt. Zu einem homogenen Teig verarbeiten, ggf. etwas Wasser zugeben. Für 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Dann den Teig ausrollen und in die Form legen. Er ließ sich bei mir nicht so gut ausrollen, weshalb ich zu meiner kleinen Dessertrolle griff und mit ihr den Teig in der Form ausgebreitet habe. Rand gut festdrücken. Nun für 30 min. ins Tiefkühlfach. Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Form mit Backpapier und Hülsenfrüchten füllen und während 20 bis 25 min. blindbacken. Dann die Füllung herausnehmen und noch mal für 3 min. zu Ende backen.

Die Füllung entsteht aus diesen Zutaten:
200 ml Sahne
100 ml Vollmilch
2 Eier Größe M
400 bis 500 g rote Paprika
1 Knoblauchzehe
Schale einer unbehandelten Zitrone
50 g gemahlene Mandeln
2 TL Balsamico-Essig
3 EL Olivenöl
frischer Basilikum
100 g Frischkäse
Salz und Pfeffer

Die Paprika-Schoten müssen von ihrer Schale befreit werden. Ich habe das so gemacht: Den Ofen auf 200 Grad Oberhitze vorheizen. Paprika waschen und putzen. Entlang der Teilungsnähte in 3 oder 4 Teile schneiden, die dann in einem Bräter oder auf dem Backblech mit der Schale nach oben verteilt werden. Im Ofen möglichst nah am Grill platzieren. Nun gilt es, die Sache im Auge zu behalten. Sobald die Haut dunkel wird und Blasen wirft, herausnehmen und mit der Schale nach unten auf einem feuchten Tuch (ich habe angefeuchtetes Küchenpapier genommen) ablegen. Kurz abkühlen lassen und dann die Haut mit den Fingern abziehen.

Nun eine Paprika zur Seite legen, die übrigen auf dem Boden der Tarte verteilen. Darauf den Ziegenfrischkäse geben. Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze heizen.

Aus Sahne, Milch, Eiern, Salz und Pfeffer den "Appareil à quiche" mit dem Schneebesen anrühren. In einem Becher die Paprika, gemahlene Mandeln, geschälte Knoblauchzehe, Öl, Balsamico, Zitronenabrieb, Salz und Pfeffer mit dem Pürierstab zu einer Paste mixen und diese unter die Sahne-Milch-Eier-Mischung verrühren. Die Paprikacrème wird nun in die Tarteform gegossen und mit ein paar Basilikumblättern bestreut.

Im Herd etwa 30 bis 40 min. backen, einen Moment abkühlen lassen und sofort auftischen. Wir zwei Tarte-Fans waren begeistert!

10. August 2011

Roggen-Vollkornbrot mit Sauerteig

Eben habe ich das neueste Brot aus dem Automaten befreit: ein Roggen-Vollkornbrot mit Sauerteig! Die Form ist super und es riecht sooo lecker (aber es kühlt gerade aus, daher "darf" ich noch nichts kosten) ...



Hier kommt das Rezept für den Brotbackautomaten: 

400 ml lauwarmes Wasser
2 TL Salz
1 TL Rübensirup

400 g Roggen-Vollkornmehl
250 g Weizenmehl
1 Packung Sauerteig (Alnatura)
1 Packung Trockenhefe (Alnatura)

etwas Brotgewürz, Leinsamen und Sonnenblumenkerne

Gebacken habe ich das Brot auf der Vollkornstufe meines Automaten, eingestellt war ein 1250g-Brot. Wieso ich das Brot immer schon aufschneide? Nun... 1. bekomme ich so gleich ein schönes Foto vom Innern des frischen Brotes und 2. bekommt die eine Hälfte sowieso meine Schwester.

Viel Spaß beim Nachbacken!

7. August 2011

Weiße Schokolade verzweifelt gejagt


Warum ist das so? Warum ist es so schwierig, weiße Schokolade in ihrer reinsten Form zu bekommen?

Ganz einfach. Zeit für ein Hochgefühl. Zeit, sich über einfache Dinge freuen zu können. Zeit für ein Stückchen Glück im Alltag. Wenn man sie schlussendlich in den Händen hält.

Einen Laden nach dem anderen klapperte ich ab. Gezielt steuerte ich die Schokoladenauslagen an. Und jedes Mal die große Enttäuschung. Es gab weiße Schokolade mit Crisp, weiße Schokolade mit Kokos, weiße Schokolade mit Vanille, weiße Schokolade mit Frucht ... aber keine weiße Schokolade pur. Hatte ich mir denn etwas völlig Exotisches mit meiner Mousse au chocolat blanc vorgenommen? Das konnte doch nicht wahr sein. Wieder und wieder suchten meine Augen die Regale ab, vielleicht hatte ich in meiner Vorfreude ja etwas übersehen. Pustekuchen.

Aber ich hatte ja Plan B, Plan C usw. in petto. Ich flitzte also von Geschäft zu Geschäft und fühlte mich in einem Wettbewerb mit meiner Zeit, wer von uns beiden wohl schneller ist. Überall dasselbe Trauerspiel. Langsam begann ich, mich mit dem unwillkommenen Gedanken anzufreunden, dass ich wohl umdisponieren müsste. Oder weitere Strecken zu Spezialgeschäften in Angriff nehmen zu müssen. Das schmeckte mir natürlich überhaupt nicht!

Doch dann. Mein Plan M führte mich in einen mittelgroßen Supermarkt, der mir mit seinen langen Öffnungszeiten schon so manches späte Backerlebnis gerettet hatte. An einen Erfolg mochte ich nicht mehr glauben. Ermattet schlängelten sich meine Erwartungen eher unterhalb der Knie um meine Beine. Und dort strahlte sie mich plötzlich ganz unschuldig an, die Weiße, pur, ohne Schnickschnack. Schokolade. Einfach weiß.

Der Mousse-au-chocolat-Kuchen mit Blaubeeren konnte Gestalt annehmen.


Der Kuchen entsteht in zwei Etappen. Für eine Form oder einen Backring mit 20 bis 22 cm Durchmesser habe ich diese Zutaten zum Boden verarbeitet:
250 g Schokokekse (kein Schokoüberzug, sondern aus Schokoteig. Ich habe Dinkel-Schoko-Kekse von Seidenbacher genommen, es gibt ähnliches auch von Alnatura.)
50 bis 75 g dunkle Schokolade
125 g Butter

Die Kekse zerbröseln, aber nicht zerstoßen. Auch die dunkle Schokolade hacken. Beides miteinander in einer Schüssel vermischen. Die Butter unter schwacher Hitze schmelzen, bis sie flüssig ist. Dann etwas abkühlen lassen und über die Keks-Schokoladenmischung gießen. Gut umrühren und in die Form füllen. Mit einem Löffel festdrücken und in den Kühlschrank stellen, bis der Boden vollständig ausgekühlt ist.

Für den Belag standen diese Zutaten bereit:
120 g weiße Schokolade
35 g Schlagsahne
300 bis 400 g Blaubeeren

Den Boden aus dem Kühlschrank nehmen und mit Blaubeeren bedecken, evl. den Rand frei lassen. Einige Beeren für die Dekoration zur Seite stellen.

Die Schokolade im Wasserbad vorsichtig schmelzen. Es darf kein Wasser hineingeraten, sonst stockt sie. Während die geschmolzene Schokolade leicht abkühlt, wird die Schlagsahne steif geschlagen. Dann den Teigschaber zur Hand nehmen und zuerst etwa ein Viertel Sahne unter die Schokolade mit Gefühl unterheben. Anschließend die restliche feste Sahne zufügen und beides miteinander vorsichtig vermengen. Die Masse sollte nun cremig-sämig sein.

In die Form füllen und glatt streichen. Falls ein Teil verflüssigt ist, sollte er draußen bleiben (er wird nicht fest). Nun den Kuchen für mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Vor dem Servieren mit ein paar Blaubeeren bestreuen. Ein wahres Sonntagssüß. Fertig zum Sonntagsgenuss!

5. August 2011

Impressionen aus fernen Orten: Riga (3)


Der dritte und letzte Teil der kleinen Reihe widmet sich ausschließlich den leiblichen Genüssen, denen ich auf meiner Reise begegnete.

Von einer Freundin mit allerhand Restaurant-Tipps ausgestattet, hatte ich mir noch ein paar Empfehlungen von "In your pocket - essential city guides" ausgedruckt. Die Seite zu Riga ersetzte mir mehr oder weniger die Tipps meines Reiseführers, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte und deshalb mit einiger Vorsicht betrachtet wurde. Zumindest was Restaurants und Cafés betraf.

Auf dem Foto: ein Salat à la Kunce (mit in Balsam-Likör mariniertem Rindfleisch) in der Balsambar links oben, eine bunte Mischung Pelmeni in einem Lokal der Kette PelmeniXL rechts oben, Kartoffelpfannkuchen mit geräuchertem Lachs und saurem Schmand im sehr hübschen und entspannten Vecmeita ar kaki rechts unten und herzhafte Blätterteigschnitten im Café des Ethnografischen Museums.


Die schönste Empfehlung war das Carlstons. Es stand auf meiner Liste ganz oben, in Riga wurde ich jedoch etwas skeptisch - in jedem kostenlosen Reiseblättchen und auf jedem kostenlosen Stadtplan tauchte es an prominenter Stelle auf. Kann man dort noch hingehen? Kann man. Sollte man. Unbedingt. Entspannt sitzt man bei schönem Wetter draußen im Hof. Ebenso entspannt und freundlich ist die Bedienung. Und das Essen ist sehr gut. Auf den Bildern in Rotwein marinierte Birnen mit Ziegenfrischkäse mit Crackern und eine etwas zu mächtig geratene Portion Osso buco auf Linsen.


Die Letten sind große Freunde von Fastfood, neben dem oben erwähnten PelmeniXL gibt es weitere einheimische Ketten, die gutes und günstiges Essen anbieten. Eine absolute Alternative zu den allseits bekannten Namen. Ich habe das Cili Pica besucht, das natürlich keine hohe Kochkunst bot, mich aber satt und zufrieden machte.

Nun aber zu den Cafés!


Ein Zufallsfund auf meinen Streifzügen durch die Neustadt ist das Café Bonera. Vorn Cafe, hinten Second-Hand-Laden. Wie geschaffen für mich! Französisch inspiriert, köstliche kleine Kuchen und Törtchen - eben das Bonheur auf Erden.


Noch so ein Fund am Wegesrand: Take it easy Tart Cafe. Die Zitronentarte mit Zitronensorbet war ein Gedicht! Sehr charmantes Café im Souterrain mit der begrünten Wand. Neben süßen Kuchen gibt es zahlreiche herzhafte Tartes. Bezaubernd!


Dieses Café wäre allein wegen seiner Inneneinrichtung mit Sicherheit ein Renner in Berlin: Café V. Kuze. Hier war es vor allem der Augenschmaus, der mich länger als geplant verweilen ließ, auch die Schokoladen(trüffel) sind die Versuchung wert.


Am Schluss noch ein Zusammenschnitt mehrerer anderer kleiner Cafés: köstlicher Himbeerkuchen in der Kaspara Dilana Konditoreja links oben, Zimtschnecke und Pain au chocolat im Cadets de Gascogne rechts oben, Valovan mit Vanilleeis im Majorenhoff (in Jurmala) rechts unten und ein Himbeer-Schokoladenmuffin mit einem frischen Früchte-Eistee im Muffins and More links unten.

Mmh, köstliche Erinnerungen!

1. August 2011

Impressionen aus fernen Orten: Riga (2)


In der Rigaer Altstadt gibt es nur wenige Häuser, die noch unsaniert auf zahlungskräftige Investoren warten. Den unmittelbarsten Blick auf die alten Gemäuer hat man vom Turm der Kirche St. Petri, der gegen einen kleinen Obolus zu erklimmen ist. Hinauf geht es mit einem Fahrstuhl, der aus sozialistischen Zeiten stammen muss. Mit einem - sicherlich studentischen - Aufzugführer fährt man nach oben, wo sich ein prächtiges Panorama eröffnet. Wenn man denn vor lauter Enge und Besuchern ans Gitter herankommt, etwas Geduld und Langmut kann also nicht schaden. Denn dann liegt dem Besucher die Altstadt hier tatsächlich zu Füßen.

Das ist jedoch nur einer von mehreren Aussichtspunkten. Meine Empfehlung ist das Hauptgebäude der Akademie der Wissenschaften. Für 2 Lts Eintritt fährt man mit dem Aufzug in den 15. Stock und folgt dann den Pfeilen zu Fuß in den 17. Von hier aus kann man auf die komplette Altstadt blicken. Die Vorteile: wesentlich mehr Platz und wesentlich weniger Besucher. Ich war dort allein und konnte nach Herzenslust fotografieren, verweilen, innehalten, ausblicken und mir den Wind um die Nase wehen lassen.


Die beste Vorgehensweise, den Zauber der alten Hansestadt zu entdecken, ist das Sich-treiben-lassen. Verlaufen kann man sich nicht, dafür ist man abseits der üblichen Touristenpfade hin und wieder allein. Genuss pur.

Im Dom lohnt sich der Kreuzgang, an dessen Wänden allerlei interessante Gegenstände lehnen - Kanonen, das Zifferblatt einer Uhr, Sandsteinfiguren und ein Hahn, die alte Turmspitze. Auf dem Rathausplatz steht eine imposante Rolandstatue, das Schwarzhäupterhaus hinter ihm lohnt eine ausführliche Betrachtung. Zumal es in der Sonne in den schönsten Farben strahlt. Lohnenswert sind auch kurze Streifzüge durch die kleinen Höfe Konventa seta und Jana seta.


Wer Zeit hat, sollte einen Ausflug in das Ethnografische Freilichtmuseum unternehmen. Mit dem Bus der Linie 1 gelangt man bequem dorthin und unternimmt zugleich eine kleine Zeitreise durch die Stadt. Los geht es am Rande der Altstadt, an der Orthodoxen Kirche vorüber durch die Neustadt und dann noch etwa 25 Minuten. Bisweilen fragte ich mich, ob die Zeit Ende der achtziger Jahre stehen geblieben war. Viel urbane Einöde, marode und dem Verfall nah. Als ob man sie dem Vergessen anheim gegeben habe.

Das Museum ist sehr weitläufig in einem Wäldchen am See angelegt. In den Sommermonaten rate ich, Mückenspray mitzunehmen. An meinen Waden hingen diese durstigen Biester manchmal in Trauben, ich Sommerkind hatte eine kurze Hose angezogen. Sehr leichtsinnig, zumal Lettland eines der Länder in Europa mit dem höchsten Infektionsrisiko für das durch Zecken übertragene FSME ist. Eine lange Hose wäre also auch dort angebracht gewesen. Mein Mitbringsel waren zwei fiese Mückenstiche.

Am Eingang sollte man sich einen Geländeplan kaufen, mit dem sich der Rundgang durch die lettische Geschichte und Volkskunde absolvieren lässt. Einige Windmühlen säumten meinen Weg, viele kleine Holzgehöfte der unterschiedlichsten Regionen Lettlands geben Einblick in ihre Funktionsweise und Kultur. Ab und an präsentieren Handwerker ihre Kunstfertigkeiten, Kaufen ist natürlich ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Die wohl kleinste katholische Kirche, die ich bislang sah, gestattete mir nur einen (fotografischen) Blick durch's Fenster, und auch die orthodoxe Holzkirche blieb leider verschlossen.


Wer noch mehr Zeit hat, sollte mit der Bahn einen Tagesausflug nach Jurmala unternehmen. Der Badeort besteht aus mehreren Ortsteilen, in denen der Zug nacheinander hält. Man steigt am besten an einer dieser Stationen aus und wandert bis zu einer der nächsten, um von dort aus die Rückfahrt anzutreten. Entgegen meiner Planung bin ich in Dzintari herausgehüpft, zu früh, da ich die Ansage nicht gehört hatte und einfach den Massen hinterhergetrabt war. Alles halb so schlimm, denn hier beginnt die Fußgängerzone nach Majori, dem bekanntesten Ortsteil Jurmalas. Der rummelige Teil, nicht wirklich lohnenswert. Zum Baden geht man einfach an den Strand, ich besorgte mir jedoch in der Touristeninformation einen Rundgang und sah mir einige hübsche Holzhäuser an. Leider liegt ein Teil des Wegs an einer vielbefahrenen Straße, was den Spaziergang nicht gerade sehr idyllisch sein lässt.

Es lohnt sich dennoch, bis zur strahlend türkisfarbenen orthodoxen Kirche zu gehen und von dort aus nach Majori zurückzukehren. Und zwar durch den von prachtvollen hölzernen Villen gesäumten Teil der Fußgängerzone. Hier heißt es: sehen und gesehen werden. Wer hier wohnt oder urlaubt, verfügt über das nötige Kleingeld - und spricht mehrheitlich russisch.