Bevor ich begonnen habe, Marmelade selbst zu kochen, war ich ständig auf der Suche nach besonderen Kreationen. Der Supermarkt-Standard-Kram konnte mich einfach nicht überzeugen. Die Klassiker erhielt ich regelmäßig aus familiärer Heimproduktion, während ich Süßschnabel im "Süßschnabel" ab und an etwas Geld in Köstlichkeiten aus aller Welt investiert habe. Auf der Grünen Woche entdeckten Nyhet und ich im vergangenen Jahr das "FrüchteMeer". Wir wären fast daran vorbeigerauscht, befand sich der Stand doch direkt am Anfang der Halle, wo es oft besonders trubelig und staugefährlich ist.
Aber unser Faible für alles Süße ist groß, größer, als dass uns fetter Fisch davon abbringen könnte. Und was unsere Entscheidung umzukehren beeinflusste, war zweierlei: Hier durfte man tatsächlich noch umsonst kosten. Hier drängten sich - oh Wunder - keine Massen, die uns an Wuchs nicht sooo hochgeschossen Menschen die Sicht und Zugriffsmöglichkeiten versperrten. Komisch! Sehr merkwürdig! Offensichtlich wird hierzulande so eine tolle Initiative wie das "Sonntagssüß" dringend gebraucht - vive les desserts, vive les tartes, vive les confitures!
Ich erinnere mich gut, wie wir uns durch die unterschiedlichsten Sorten durchprobierten, sie eifrig kommentierten, dabei nicht immer einer Meinung waren und schließlich das Portemonnaie zückten. Einige wunderbare Kreationen wie das Himbeer-Sekt-Lorbeer-Gelee und das Osterhasenfrühstück (Erdbeer-Möhre mit Kräuterlikör) wanderten mit uns nach Hause. Später bestellten wir sogar eine umfangreiche Marmeladenlieferung nach, darunter auch die Liebesmarmelade. Mein Glas habe ich verschenkt, bevor ich jedoch davon kosten konnte, brach die Liebe aus heiterem Himmel abrupt ab. Schade drum, vor allem um meine Liebe, und vielleicht auch um die Liebesmarmelade.
Was wäre das Leben ohne den neugierigen, erwartungsfrohen und gespannten Blick nach vorn. Das Gebäude Leben, in dem manch ein Stein wunderbar sitzt, manch anderer Stein sich jedoch als eine Attrappe, als ein Platzhalter für etwas besseres erweist. Es wäre wohl nur eine langweilige Hängematte. So wird es hin und wieder unangenehm erschüttert, aber wenn sich der Sturm legt, kommt nach und nach die Sonne wieder zum Vorschein. Erst blitzt sie ein wenig hervor, und man fürchtet, sie täuscht nur an, dann bricht sie sich kräftig Bahn. Ein Gefühl wie am ersten Frühlingstag nach einem nicht enden wollenden harten Winter.
Und das ist genau der richtige Zeitpunkt, endlich die Augen wieder zu öffnen, alle und alles auf sich wirken zu lassen. Wer weiß, wer oder was dann zu entdecken ist ...
Offenheit war offenbar auch das Motto meiner Lieblingsfrüchte, der Himbeeren. Frei nach einem Rezept aus Christine Ferbers "Marmeladen-Bibel" habe ich sie mit saftigen Kirschen bekannt gemacht. Herausgekommen ist eine wunderbare Liaison aus Aromen und Düften, Süßen und Säuren, Farben und Formen. Kurzum: gut verkuppelt. Diese Kirsch-Himbeer-Marmelade hat das Zeug zur neuen, echten, wahren Liebesmarmelade.
Die Zutaten:
850 g dunkle Süßkirschen (geputzt und entsteint gewogen)
200 g Himbeeren
850 g feinster Zucker
Saft einer Zitrone
ggf. ein kräftiger Schluck Kirschwasser
850 g dunkle Süßkirschen (geputzt und entsteint gewogen)
200 g Himbeeren
850 g feinster Zucker
Saft einer Zitrone
ggf. ein kräftiger Schluck Kirschwasser
Die Zubereitung erfolgt wieder in zwei Etappen:
Kirschen waschen, trocknen und entsteinen. Himbeeren verlesen und möglichst nicht waschen, so behalten sie das Aroma. Beides zusammen in einen großen Topf geben, Zucker und Zitronensaft hinzufügen. Die Mischung wird unter vorsichtigem Umrühren bis zum ersten Aufblubbern erhitzt. Dann sofort von der Herdplatte nehmen, in eine große Schüssel umfüllen, abkühlen lassen. Mit einem Stück Backpapier bedeckt, das direkt auf die Oberfläche gelegt und glatt gestrichen wird, über Nacht an einem kühlen Ort ruhen lassen.
Tag 2:
Die Gläser sterilisieren und bereitstellen. Einen Unterteller in den Kühlschrank für die Gelierprobe legen. In einem großen Topf wird die Marmelade in spe unter vorsichtigem Rühren aufgekocht. Sobald sie sprudelnd kocht, braucht sie noch 5 bis 10 Minuten. Eifrig umrühren, den Schaum abschöpfen. Die Konsistenz sollte nun etwas sämiger werden. Für die Gelierprobe ein paar Tropfen auf die gekühlte Untertasse geben. Die Marmelade ist fertig, wenn sie leicht gelieren. Ist das nicht der Fall, muss sie noch länger kochen. Ggf. etwas Zitronensaft hinzufügen, denn er befördert das Gelieren.
Wer Kirschwasser mag, gibt es jetzt in die fertige Marmelade und rührt noch einmal gut um. Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Marmelade mit einem Trichter in die Gläser füllen. Mit dem Deckel verschrauben und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann wieder umdrehen und auskühlen lassen.
Das erste Glas am besten gleich zum nächsten Frühstück wieder öffnen und - lächeln.
Mein heutiger Beitrag zur Initiative Sonntagssüß. Mit Dank an die Namensvetterin für das Bild des Lebens in einer stürmischen Zeit!














