31. Juli 2011

Wie ich Kirschen mit Himbeeren verkuppelte


Bevor ich begonnen habe, Marmelade selbst zu kochen, war ich ständig auf der Suche nach besonderen Kreationen. Der Supermarkt-Standard-Kram konnte mich einfach nicht überzeugen. Die Klassiker erhielt ich regelmäßig aus familiärer Heimproduktion, während ich Süßschnabel im "Süßschnabel" ab und an etwas Geld in Köstlichkeiten aus aller Welt investiert habe. Auf der Grünen Woche entdeckten Nyhet und ich im vergangenen Jahr das "FrüchteMeer". Wir wären fast daran vorbeigerauscht, befand sich der Stand doch direkt am Anfang der Halle, wo es oft besonders trubelig und staugefährlich ist.

Aber unser Faible für alles Süße ist groß, größer, als dass uns fetter Fisch davon abbringen könnte. Und was unsere Entscheidung umzukehren beeinflusste, war zweierlei: Hier durfte man tatsächlich noch umsonst kosten. Hier drängten sich - oh Wunder - keine Massen, die uns an Wuchs nicht sooo hochgeschossen Menschen die Sicht und Zugriffsmöglichkeiten versperrten. Komisch! Sehr merkwürdig! Offensichtlich wird hierzulande so eine tolle Initiative wie das "Sonntagssüß" dringend gebraucht - vive les desserts, vive les tartes, vive les confitures!

Ich erinnere mich gut, wie wir uns durch die unterschiedlichsten Sorten durchprobierten, sie eifrig kommentierten, dabei nicht immer einer Meinung waren und schließlich das Portemonnaie zückten. Einige wunderbare Kreationen wie das Himbeer-Sekt-Lorbeer-Gelee und das Osterhasenfrühstück (Erdbeer-Möhre mit Kräuterlikör) wanderten mit uns nach Hause. Später bestellten wir sogar eine umfangreiche Marmeladenlieferung nach, darunter auch die Liebesmarmelade. Mein Glas habe ich verschenkt, bevor ich jedoch davon kosten konnte, brach die Liebe aus heiterem Himmel abrupt ab. Schade drum, vor allem um meine Liebe, und vielleicht auch um die Liebesmarmelade.

Was wäre das Leben ohne den neugierigen, erwartungsfrohen und gespannten Blick nach vorn. Das Gebäude Leben, in dem manch ein Stein wunderbar sitzt, manch anderer Stein sich jedoch als eine Attrappe, als ein Platzhalter für etwas besseres erweist. Es wäre wohl nur eine langweilige Hängematte. So wird es hin und wieder unangenehm erschüttert, aber wenn sich der Sturm legt, kommt nach und nach die Sonne wieder zum Vorschein. Erst blitzt sie ein wenig hervor, und man fürchtet, sie täuscht nur an, dann bricht sie sich kräftig Bahn. Ein Gefühl wie am ersten Frühlingstag nach einem nicht enden wollenden harten Winter.

Und das ist genau der richtige Zeitpunkt, endlich die Augen wieder zu öffnen, alle und alles auf sich wirken zu lassen. Wer weiß, wer oder was dann zu entdecken ist ...

Offenheit war offenbar auch das Motto meiner Lieblingsfrüchte, der Himbeeren. Frei nach einem Rezept aus Christine Ferbers "Marmeladen-Bibel" habe ich sie mit saftigen Kirschen bekannt gemacht. Herausgekommen ist eine wunderbare Liaison aus Aromen und Düften, Süßen und Säuren, Farben und Formen. Kurzum: gut verkuppelt. Diese Kirsch-Himbeer-Marmelade hat das Zeug zur neuen, echten, wahren Liebesmarmelade.


Die Zutaten:
850 g dunkle Süßkirschen (geputzt und entsteint gewogen)
200 g Himbeeren
850 g feinster Zucker
Saft einer Zitrone
ggf. ein kräftiger Schluck Kirschwasser

Die Zubereitung erfolgt wieder in zwei Etappen:
Tag 1:
Kirschen waschen, trocknen und entsteinen. Himbeeren verlesen und möglichst nicht waschen, so behalten sie das Aroma. Beides zusammen in einen großen Topf geben, Zucker und Zitronensaft hinzufügen. Die Mischung wird unter vorsichtigem Umrühren bis zum ersten Aufblubbern erhitzt. Dann sofort von der Herdplatte nehmen, in eine große Schüssel umfüllen, abkühlen lassen. Mit einem Stück Backpapier bedeckt, das direkt auf die Oberfläche gelegt und glatt gestrichen wird, über Nacht an einem kühlen Ort ruhen lassen.

Tag 2:
Die Gläser sterilisieren und bereitstellen. Einen Unterteller in den Kühlschrank für die Gelierprobe legen. In einem großen Topf wird die Marmelade in spe unter vorsichtigem Rühren aufgekocht. Sobald sie sprudelnd kocht, braucht sie noch 5 bis 10 Minuten. Eifrig umrühren, den Schaum abschöpfen. Die Konsistenz sollte nun etwas sämiger werden. Für die Gelierprobe ein paar Tropfen auf die gekühlte Untertasse geben. Die Marmelade ist fertig, wenn sie leicht gelieren. Ist das nicht der Fall, muss sie noch länger kochen. Ggf. etwas Zitronensaft hinzufügen, denn er befördert das Gelieren.

Wer Kirschwasser mag, gibt es jetzt in die fertige Marmelade und rührt noch einmal gut um. Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Marmelade mit einem Trichter in die Gläser füllen. Mit dem Deckel verschrauben und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann wieder umdrehen und auskühlen lassen.

Das erste Glas am besten gleich zum nächsten Frühstück wieder öffnen und - lächeln.

Mein heutiger Beitrag zur Initiative Sonntagssüß. Mit Dank an die Namensvetterin für das Bild des Lebens in einer stürmischen Zeit!

28. Juli 2011

Französisch-italienische Tarte-Freundschaft


Geplant war ein lauschiger Sommerabend auf dem Balkon, bei Wein und sommerlicher Tarte. Mit einer Freundin wollte ich gemütlich über unsere Urlaube plauschen, und über die Dinge des Lebens sowieso. Alles, was uns seit unserem letzten gemütlichen Abend eben so bewegt hat. Leider kam es nicht dazu.

Fiese Erkältungsbazillen sind über sie hergefallen und haben sie außer Gefecht gesetzt. Geht gerade eine Sommererkältungswelle um? Verwundern würde mich dies nicht, bei dem Sommer-Herbst-Gemisch, das uns den Nerv raubt und uns überlegen lässt, wo man kurzfristig ein Lichttherapiegerät bekommen könnte. Wenn nicht bald stabile Sommerverhältnisse einkehren.

Ich hatte mich auf den Abend so gefreut und frohlockte, wieder eine herzhafte Tarte aus dem Buch "Atelier tartes - salé + sucré" von Catherine Kluger ausprobieren zu können. Das habe ich dann trotzdem gemacht und sie mit meinem Schwesterherz zusammen genüsslich verspeist. Und was kam nun auf den Tisch? Eine "Tarte tomate + courgette + mozzarella". Eine Tomaten-Zucchini-Mozzarella-Tarte.

Los geht's mit dem Boden, den ich dieses Mal in eine Tarteform von 26 cm Durchmesser gestreckt habe. Etwas knapp, aber die Menge passt. Zutaten sind:
200 g Weizenmehl Type 405 (ich habe Type 550 genommen)
1 Prise Salz
90 g Butter (sehr kalt und in kleine Stückchen geschnitten)
1 Ei (Größe M oder L)
ggf. frisches kaltes Wasser

In das gesiebte Mehl Salz und Butter geben. Mit Mehl bedecken, dann vorsichtig mit den Fingern unterbröseln, so dass eine sandige Masse entsteht. Die Butter sollte nicht zu warm werden, also schnell arbeiten. Das Ei wird kurz geschlagen und in das Mehl gegossen. Alles zügig zu einem Teig verarbeiten. Wenn er klebt, noch etwas Mehl unterkneten. Wenn er immer wieder auseinanderbricht, einen Schluck Wasser hineingießen. Dann für mindestens eine Stunde abgedeckt in den Kühlschrank.

Danach vorsichtig ausrollen und die Form auskleiden. Den Boden mit einer Gabel mehrmals stechen und im Gefrierschrank mindestens 30 Minuten gut durchfrieren.

Mit Backpapier auskleiden, Hülsenfrüchte bis an den Rand einfüllen und dann den Teig bei 160 Grad Ober-/Unterhitze während 30 Minuten vorbacken.

Während der zweiten Ruhezeit (Gefrierzeit ist der passendere Ausdruck) die Füllung vorbereiten, ich habe die Zutaten etwas an meine Vorlieben angepasst:
200 ml Sahne
100 ml Vollmilch
2 Eier (ob M oder L ist egal)
Salz
Pfeffer

Alles zusammen verquirlen und beiseite stellen.

4 - 5 mittelgroße Tomaten
1 mittlere Zucchini (ca. 150 - 180 g)
1 Mozzarella
1 Knoblauchzehe
1 kleine Zwiebel
Olivenöl
Salz
Pfeffer
ggf. eine kleine Chili-Schote
frischer Basilikum

Von den Tomaten drei häuten, vierteln, die Stielansätze entfernen und in kleine Würfel schneiden. Wer die Kernchen nicht mag, kann diese ebenfalls entfernen. Zucchini waschen, putzen und in dünne Scheiben schneiden. Zwiebel und Knoblauchzehe schälen und fein würfeln. In einem Topf Olivenöl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch anschwitzen. Wer es etwas schärfer mag, kann eine fein gewürfelte und von ihren Kernen befreite Chili-Schote zugeben. Danach die Tomatenwürfel zugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf mittlerer Stufe etwa 15 bis 20 Minuten köcheln lassen. Die Tomaten-Concassée immer wieder umrühren, damit nichts anbrennt.

In einer Pfanne Olivenöl erhitzen. Darin die Zucchinischeiben kurz anbraten und wieder herausnehmen.

Den Mozzarella in dünne Scheiben schneiden, ebenso 1 bis 2 Tomaten.

Inzwischen ist der Boden fertig und bereit für die Füllung. Der Ofen wird auf 180 Grad Ober-/Unterhitze hochgeheizt.

Als erstes die Tomaten-Concassée verteilen, danach mit Zucchinischeiben spiralförmig belegen. Nun Scheiben von frischen Tomaten verteilen, auf der der Mozzarella ausgebreitet wird. Falls noch Gemüse übrig ist, dieses darüber legen. Mit der Eier-Sahne-Mischung vorsichtig bis unter den Rand des Tartebodens auffüllen und grob gehackte Basilikumblätter aufstreuen.

Im Ofen bäckt die Tarte bei etwa 30 bis 40 Minuten, bis die Masse stockt und goldgelb gebräunt ist. Herausnehmen und ungefähr 5 Minuten stehen lassen. Und dann gibt es kein Halten mehr, die Tarte muss angeschnitten werden.

Wir fanden sie köstlich und haben im Laufe des Abends auch von der erkalteten Tarte immer wieder Stücke abgeschnitten, bis fast nichts mehr übrig war.

26. Juli 2011

Impressionen aus fernen Orten: Riga (1)



Eine Woche lang gab es keine neuen Geschichten im CharlottenBlog zu lesen. Das hatte seinen Grund, der da hieß: Ich packe meinen Rucksack und begebe mich auf Entdeckungstour fernab der heimischen Gefilde.

Wohl verdient hatte ich mir die kleine Auszeit, nachdem ich mich tagelang mit alten Schinken und ihren Besonderheiten beschäftigt hatte. Wobei ich zugeben muss, dass diese Materie interessant ist und in mir immer wieder Ehrfurcht hervorruft. Vor den Leistungen der Scriptoren, Illuminatoren, Rubrikatoren, Buchbindern, Pergamentern. Den eigentlichen Höhepunkt bildet jedoch erst die leibhaftige Begegnung mit einer mittelalterlichen Handschrift - kein Digitalisat kann diese Magie ersetzen. Vor Jahren hatte ich dieses Vergnügen, als ich, meine Hände in enge weiße Baumwollhandschuhe gezwängt, dem Fotografen einer Prachthandschrift assistieren durfte. Vorsichtig bewegten wir die pergamentenen Seiten mit anmutigen Buchstaben, goldenen Illuminationen und zarten Randbemalungen. Das Geräusch des Umblätterns, der Duft des Einbandes, das Erahnen des Schreibprozesses, das alles ist mit Büchern unserer Zeit nicht einmal ansatzweise zu vergleichen.

Fast schon eine Reminiszenz an längst vergangene Zeiten ist die Art und Weise, all das geballte Wissen zu Papier zu bringen. Also harren nun zahlreiche Manuskripte ihrer Korrektur. Und ich wandelte auf den Spuren lettischer Geschichte, sowohl des Mittelalters als auch der Neuzeit.

Mein Ziel war Riga.


Berühmt ist die über 800jährige Hansestadt für zweierlei: ihren mittelalterlichen Altstadtbereich und ihre überaus prachtvollen Jugendstilbauten.

Dem Wunsch einer Freundin folgend, habe ich fleißig auf den Auslöser gedrückt, während ich so durch die Straßen spazierte. Meine Begeisterung war groß und wurde mit jedem Haus und mit jedem Detail immer größer. Was für einen Schatz besitzt diese Stadt!


Natürlich ist (noch) nicht alles in Topzustand. Aber diesen Gegensatz zwischen perfekt saniert und dem Verfall nah empfinde ich als reizvoll - meine Phantasie kommt auf Hochtouren. Keine Jugendstil-Retorte, sondern gelebte Entwicklung. Schade ist es, klar, den prekären Zustand manch eines majestätischen Gebäudes erkennen zu müssen. Nichtsdestotrotz bin ich optimistisch, dass sie nicht vergessen werden. Alles braucht seine Zeit. Und Geld.


Das hatten offenbar die in Hülle und Fülle, die heute in einem dieser hergerichteten Häuser residieren. Meist sind es Botschaften, Kanzleien, Banken oder Hotels, und somit bleiben die Türen für die neugierigen Augen der Besucher geschlossen. Das wäre gänzlich unverzeihlich, wenn es nicht das Riga Art Nouveau Museum gäbe. In einem rekonstruierten Jugendstil-Bau wurde eine Wohnung wieder original hergerichtet und kann besichtigt werden. Ein Vergnügen! Gegenüber kann man im Art Nouveau Riga Souvinirs allerhand Schönes, Besonderes, Schmückendes und Kitschiges erwerben. Der Laden ist einen Besuch wert.


24. Juli 2011

Erdbeertarte revised

Für ein heutiges Picknick hat sich meine Freundin an diesen Blog und die leckeren Bilder der Erdbeertartes erinnert und sich prompt eine solche Tarte von mir gewünscht. Dem konnte ich natürlich nicht widerstehen, also entstand eine Erdbeertarte nach bekanntem Rezept http://charlottenblog.blogspot.com/2011/07/erdbeerkuchen-auf-der-zielgerade.html mit zwei kleinen Abwandlungen.


Leider besitze ich keine Tarte-Form, aber eine normale Springform tut's auch!

Die Crème-Pâtissière habe ich nicht mit Minze aromatisiert, sondern mit 1/3 geriebener Tonkabohne aufgekocht. Außerdem hab ich ein bisschen mehr Zitronenschale in den Teig gegeben und die Erdbeeren sehr klein geschnitten, mit Limoncello übergossen und eine Weile ziehen gelassen. Hat allen geschmeckt! :-)

17. Juli 2011

Ganz schnell ein beeriges Dessert gezaubert


Kuchen muss sein. Auch wenn ich mit den Gedanken mitten in alten Schinken stecke, sie immer wieder umwälze und versuche, ihnen so viel wie nur möglich abzugewinnen.

Bei tagelanger schwerer Kost steigt mein Verlangen nach Süßem ins fast schon Unermessliche. Höchste Zeit deshalb, den Backofen anzuwerfen. Voraussetzungen gab es jedoch einige: Das Backen musste schnell gehen, mit minimalen Vorräten auskommen und im Ergebnis fruchtig sein. Ha, endlich die Gelegenheit für einen Clafoutis! Darauf habe ich schon lange gewartet.

Frisch auf dem Markt hatte ich Kirschen eingekauft, lief also alles auf einen traditionellen Clafoutis hinaus? Dem stand nur entgegen, dass ich keine Kirschen mit Steinen im Kuchen mag. Immer dieses Lauern, wann man wieder voller Karacho auf einen Stein beißt und fürchtet, einen unverhofften Gang zum Zahnarzt antreten zu müssen. Und für ein händisches Entkernen von einem Kilogramm Kirschen hatte ich keine Lust. Aber wie wäre es, im Kuchen Kirschen und Himbeeren zu mischen?

Gesagt - getan. Heraus kamen zwei Kirsch-Himbeer-Clafoutis, gebacken in zwei mittelgroßen Auflaufformen. Diese Zutaten habe ich verwendet:
200 ml Vollmilch
200 ml Sahne
8 EL Mehl
4 EL Vanillezucker
3 Eier
25 g geschmolzene Butter

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorwärmen.

Alles mit einem Schneebesen gut verrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Etwas von der Masse in jede der beiden Formen gießen, bis der Boden bedeckt ist. Für 10 Minuten zum Vorbacken in den Ofen stellen. Diese Etappe sorgt für einen kuchigen Boden und hält dort auch die Früchte fest, nicht unwichtig, wenn der Clafoutis mal etwas dicker sein wird.

Dann 500 g entsteinte Kirschen und 400 g Himbeeren mischen und auf die Formen verteilen. Die restliche Masse darüber gießen und 40 bis 45 Minuten backen.

Schon fertig. Entweder vollständig abkühlen lassen oder den Kuchen noch leicht warm servieren. Mich erinnert der Clafoutis an Eierkuchen, schöne dicke Eierkuchen. Ach, und ich liebe Eierkuchen doch so!

12. Juli 2011

Ein Vulkan zum Frühstück


Bekanntlich frühstücke ich für mein Leben gern. Marmelade, Milchkaffee und gutes Backwerk, mehr brauche ich eigentlich nicht für einen guten Start in den Tag. Eigentlich. Ein Kuss und ein Lächeln obendrein würden diesem hässlichen rhetorischen Weichmacher den Garaus machen, aber manchmal muss frau verzichten können. Und ein gutes Frühstück ist und bleibt ein gutes Frühstück.

Und was passiert dann überhaupt? Radio an - guten Morgen, Welt da draußen. Ich drücke auf's Knöpfchen, und schon wärmt sich die Kaffeemaschine auf. In der Zwischenzeit wandern Butter und Marmeladen - ja, ich habe immer mehrere Gläser offen - auf den Tisch. Geschirr und Besteck gesellen sich dazu. Wieder ein Knopfdruck, und der Espresso fließt schwarz und cremig in die Tasse. Brotkasten auf, Backwerk heraus. Noch ein Druck auf den Knopf, und in meinem Kännchen blubbert sich die Milch zu Milchschaum empor. In der Tasse wird der Milchkaffee vollendet. Ab an den Tisch. Mmh ...

Brot oder Brötchen backe ich inzwischen immer wieder gern selbst, wie meine Brioche-Beiträge beweisen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht nach neuen, unbekannten Genüssen, Brotsorten und Backweisen suchen würde. Schon seit einiger Zeit lese ich leise im Plötzblog mit und ziehe in Gedanken den Hut vor Lutz' tollen Kreationen. Ganz zu schweigen von meinem Zahn, der beim Anblick der illustrierten Backergebnisse fröhlich zu tropfen beginnt. Wie schafft der Mann das alles bloß?

Kürzlich stolperte ich über ein Rezept, das mich sofort anlachte. Provenienz, Bilder, Herstellung und Verwendungszweck - ja, das könnte auch ich hinbekommen. Also frisch ans Werk und eine Fouace Aveyronnaise gebacken. 

Allerdings habe ich die Zutatenmenge halbiert, zwei Ringe könnte ich nur gemeinsam mit einem lächelnden Küsser vertilgen. Obwohl Nyhet als kritische Testesserin immer ihren Anteil abbekommt, so auch dieses Mal.
175 g Milch
15 g Frischhefe (meiner ging es leider nicht mehr gut, deshalb habe ich ein halbes Tütchen Trockenhefe nehmen müssen)
400 g Weizenmehl 405
100 g Weizenmehl 550
2 Eier Größe M
125 g weiche Butter
50 g Vanillezucker
10 g Salz 
50 g Rosinen

In 25 g zimmerwarmer Milch die Trockenhefe verquirlen und zunächst stehen lassen. Dann die übrigen Zutaten abmessen und in eine große Schüssel geben, alles miteinander auf unterer Stufe des Handmixers (Knethaken) mischen und die Hefemilch hineingießen. Nun auf mittlerer Stufe zu einem Teg verkneten, bis er einigermaßen geschmeidig ist. Ich musste dieses Mal kein Mehl zugeben, alles passte perfekt.

Abdecken und für 15 bis 20 Stunden in den Kühlschrank stellen. Herausnehmen, etwas Temperatur annehmen lassen und auf einer bemehlten Unterlage gut durchkneten. Eine Kugel formen, leicht plattdrücken und mit dem Finger in die Mitte ein Loch stechen. Diese etwas vergrößern, damit man mit mehreren Fingern hineingreifen kann. Mit einer Hand von innen und der anderen von außen den Teigring langsam knetend strecken, bis ein größerer Ring entsteht. Das Loch darf ruhig 10 cm Durchmesser und mehr haben. Auf ein Backpapier legen und anderthalb bis 2 Stunden abgedeckt ruhen lassen.

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze erwärmen. Die Hände nass machen und die Oberfläche des Rings gut befeuchten. Auf mittlerer Schiene das Brot für 15 bis 20 Minuten backen.

Herausnehmen, abkühlen lassen, probieren.

Obwohl ich ein großes Loch geformt hatte, hat es sich beim Backen geschlossen und der Fouace die Form eines kleinen Vulkans gegeben. Wenn doch alle Vulkane für Genusseruptionen sorgen könnten wie dieser hier.

Lieber Lutz, vielen Dank für dieses wunderbare Rezept!

10. Juli 2011

Erdbeerkuchen auf der Zielgerade


Ehe ich mich versah, ist die diesjährige einheimische Erdbeersaison auf ihr Finale zugesteuert. Strammen Schrittes. Ich musste wirklich zusehen, dass ich mithalten konnte und den Anschluss nicht verpasse. Etwas atemlos hetzte ich täglich zum nächstgelegenen Stand und kaufte gierig ein. Zu Hause angekommen, konnte ich kaum Jacke und Schuhe abwerfen, so zog es mich in die Erdbeerküche. Waschen, putzen, essen. Mmh!

So könnte mein Gemütszustand am Ende der Erdbeerzeit regelmäßig dem ähneln, der mit Entzugserscheinungen fertig werden muss. Aaaaber alles halb so wild, denn während sich die Erdbeeren langsam aus dem Markt zurückziehen, wird er schleichend von den Himbeeren erobert. Und die mag ich noch ein klitzekleines bisschen lieber. Dazu zu gegebener Zeit mehr.

Mein Appetit an Erdbeerkuchen ist unstillbar. Das ist mir wieder einmal sehr deutlich geworden. Sobald ich irgendwo diese leuchtend roten und verlockend süß duftenden Früchtchen sah, entfaltete sich vor meinem inneren Auge ein üppiges Panorama an Erdbeertorten und Erdbeertartes und Erdbeerkuchen und Erdbeertörtchen und ... Hach, was für ein Traum.

Träume sind Schäume? Ach was, ein Erdbeerschaum schmeckt zwar gut, ist aber ein bisschen wenig. Also pickte ich aus meinem inneren Panoramabild eine leckere Tarte heraus und ließ sie Wirklichkeit werden: eine Erdbeertarte mit Minz-Crème.

Für den Boden (runde Tarte- oder Springform von 26 bis 28 cm Durchmesser oder quadratische Springform 24 x 24 cm) braucht man folgende Zutaten:
250 g Mehl
125 g weiche Butter
100 g Zucker
1 Ei (Größe M)
1 TL Zitronenschalenpulver oder die Schale einer halben unbehandelten Bio-Zitrone

Alle Zutaten miteinander verkneten. Ist der Teig zu bröselig, etwas Wasser zugeben. Ist er etwas zu feucht, mit etwas Mehl Abhilfe schaffen. Eine Kugel formen und für 30 Minuten in den Kühlschrank. Den Teig danach ausrollen und die Form auskleiden. Eventuell überstehenden Teig abschneiden. Mit einer Gabel einstechen. 5 bis 10 Minuten ins Tiefkühlfach.

Den Ofen inzwischen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Form mit Backpapier auskleiden und Hülsenfrüchten füllen. 15 bis 20 Minuten blindbacken. Anschließend die Füllung herausnehmen und den Teig noch etwa 5 bis 10 Minuten zu Ende backen. Vollständig auskühlen lassen.

Von meiner Panna Cotta hatte ich noch frische Minze übrig, die in ihrem Töpfchen wuchs und gedieh. Für die Minz-Crème-Pâtissière kommen folgende Zutaten zum Einsatz:
275 ml Vollmilch
4 bis 6 Zweige frischer Minze
2 EL Zucker
3 Eigelb
1 EL Stärkemehl
200 g Schlagsahne
1 TL Puderzucker + 1 TL zum Bestäuben

Von der Milch ein paar Schlucke abnehmen, den Rest mit den Minzzweigen und dem Zucker aufkochen, vom Herd nehmen und 20 bis 30 Minuten ziehen lassen. Dann die Minze herausangeln.

Die Stärke mit etwas Milch anrühren. Ebenso die Eigelbe mit etwas Milch verquirlen. Ist die Milch aromatisiert, wird sie wieder zum leichten Köcheln gebracht. Zum Schneebesen greifen und unter emsigem Umrühren zunächst die Stärke und danach die Eigelbe zugeben. Die Masse wird schnell cremig. Ein kurzes Blubbern, fertig. Mit etwas Puderzucker bestäuben und auskühlen lassen.

Die Schlagsahne mit 1 TL Puderzucker steif schlagen. Danach mit demselben Handmixer kurz die abgekühlte Crème aufschlagen, bis sie schön fluffig ist. Mit einem Teigschaber die Schlagsahne vorsichtig unterheben, bis die Masse homogen ist. Auf dem erkalteten Boden verteilen.

Etwa 500 g Erdbeeren waschen, putzen und halbieren. Auf der Crème verteilen - und am besten sofort genießen. So schön frisch und fruchtig, perfekt, um auf dem sonnigen Balkon einen gemütlichen Sommernachmittag zu erleben.

8. Juli 2011

Un petit sourire.


Welche Tasche für mein Notebook ist schöner? Die alte rechts, bei der ich bis heute nicht herausgefunden habe, um welchen Plattenspieler-Typ es sich handelt? Darauf wurde ich unterwegs regelmäßig angesprochen - und konnte doch nur mit den Achseln zucken. Oder die neue links, die vor Farbe fast schon quietscht und an einen Becher voller Eis erinnert? Unwillkürlich entlockt sie mir ein spitzbübisches Strahlen, sobald ich sie betrachte.

Ich mag mich nicht entscheiden, werde mich jedoch schweren Herzens von der güldenen trennen. Lange hat sie mir gute Dienste geleistet, für Gesprächsstoff gesorgt und vieles ertragen. Nun hält sie der Belastung nicht mehr stand und löst sich immer weiter auf. Schniff.

5. Juli 2011

Fremdgekiezt: Ein Hauch Bulgarien


Verspüren kann man ihn in Friedrichshain, wo in einem kleinen Lokal in der Boxhagener Straße bulgarische Spezialitäten gereicht werden. 

Von allein wäre ich auf das "PriMaria" nicht gekommen, zu selten war ich bisher im Umfeld des Boxhagener Platzes unterwegs. Das dürfte sich jetzt ändern, kenne ich doch inzwischen gut informierte Einheimische, die das Leben genießen und gern essen gehen. 

Heiß wurde mir dieses Restaurant empfohlen. Heiß war auch der Sommerabend, an dem ich mit der ortskundigen Tippgeberin an einem Tisch in der Abendsonne Platz nahm. Mein erster Gedanke: Hier muss mal eine echte Kiez-Räucher-Kneipe drin gewesen sein. Warum? So genau kann ich das gar nicht beschreiben. Vielleicht weil es innen so dunkel ist. Vielleicht wegen der Fassadengestaltung, wie man sie an vielen unsanierten Altbauten in den Berliner Kiezen findet. Vielleicht sah ich vor meinem inneren Augen Topfpflanzen und Stabgardinen hinter den Fenstern. Vielleicht ... ach, genug fantasiert. Realität ist ein sehr sympathisches kleines Lokal.

Klein, einfach, herzlich, charmant. So ist es mir in Erinnerung geblieben. Die Inhaberin und Namensgeberin brachte uns die Karten und legte uns eine hausgemachte Auberginen-Moussaka ans Herz. Angesichts der Temperaturen und unseres Hungergefühls entschieden wir uns anders. (Zumal ich für Moussaka nicht viel übrig habe, das nur nebenbei.)

Aus der Karte, die durch extrem zivile Preise überrascht, wählten wir einen kleinen gemischten Vorspeisenteller für uns zwei Semi-Hungrige (auf dem Foto oben links). Darauf eine Auswahl kleiner Vorspeisen wie Pikantka (Schafskäsepaste) oder Snejanka (Schneewittchen, ein Quark mit frischer Gurke und Kräutern) oder in Öl und Zitrone marinierten Auberginen. Dazu wird mit Öl beträufeltes Weißbrot gereicht. 

Unser Hauptgericht, auch darin waren wir uns einig, bildete der "Misch Masch, wie bei Oma" (auf dem Foto unten rechts). Also, ich kenne so etwas aus meiner Kindheit. Und als ich begann, ab und an für meine mittägliche Nahrungsaufnahme selbst zuständig zu sein, fabrizierte ich genau so etwas Gemischtes aus dem, was gerade vorrätig war. Die große "Kunst" dabei war, den richtigen Zeitpunkt vor dem kompletten Vermatschen zu erwischen, was mir nicht immer gelang. Schließlich wurde meine Aufmerksamkeit nicht nur vom Kochtopf gefangen genommen, nein, parallel lief entweder der Fernseher oder musste ich telefonieren oder las ich etwas extrem spannendes. Dass etwas anbrannte, war dann nur ein verhältnismäßig geringes Missgeschick.

Meine kleine Reise in die Vergangenheit. Sie schmeckte mir! Im bulgarischen Tontopf serviert wurden Paprika, Zwiebeln, Tomaten und bulgarischer Schafskäse, abgeschmeckt mit Knoblauch und Gewürzen, gemischt in Ei.

Ein bisschen deftig und absolut frisch. Einfache Küche in heiterem Ambiente, die prima schmeckt und gute Laune macht.

2. Juli 2011

Wenn der Sommer Pause macht ...


... muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich meine Zeit nicht draußen, sondern in meiner Erdbeerküche verbringe.

Zum Faulenzen unter der Sonne käme ich selbst dann gerade nicht, wenn sie noch so angestrengt vom Himmel schiene. Denn es gilt, meine Konzentration auf andere, weniger kreative Dinge zu lenken. Aber auch die angestrengteste Wissensaufnahme schreit nach regelmäßigen Unterbrechungen, in denen man eine Runde um den Block dreht, die Laufschuhe anzieht, mit einem lieben Menschen telefoniert - oder eine kleine kulinarische Köstlichkeit zaubert. Da ist sie wieder, die Kreativität! Wie ich finde, eine gute Ablenkung und eine willkommene Streicheleinheit für die Seele.

In den vergangenen Tagen schmeckte ich immer wieder das Aroma von Erdbeeren mit Minze auf meiner Zunge. Bis dato nur virtuell, also die richtige Gelegenheit, daraus Wirklichkeit werden zu lassen. Ich liebe einfach diese cremig-fruchtige Süße der Erdbeere, die so wunderbar mit der süßlichen Frische der Minze harmoniert. Ein wenig spritzig. Ein wenig prickelnd. Ein wenig bizzelnd.

Inspiriert hat mich schließlich ein Rezept von Mercotte, das ich etwas abgewandelt habe. Heraus kam eine Panna Cotta Grüntee-Minze mit Erdbeer-Minz-Coulis.

Die Zubereitung ist verblüffend einfach, für die Panna Cotta (4 Portionen) werden diese Zutaten benötigt:
300 g Schlagsahne
2-3 EL Zucker
1 EL Grüner Tee
15-20 Blätter frischer Minze
3 g Agar-Agar

Alle Zutaten in einen Topf geben und erhitzen, bis die Masse einmal kurz aufwallt. Vom Herd nehmen und 20-30 Minuten ziehen lassen. Danach Agar-Agar mit dem Schneebesen gut unterrühren, erhitzen und 3-5 Minuten köcheln lassen. Immer schön umrühren.

Durch ein Sieb abseihen und in die Gläser oder Schälchen füllen. Für 4 Stunden in den Kühlschrank stellen und fest werden lassen.

Für den Coulis habe ich freihändig agiert, diese Zutaten sind drin:
Erdbeeren
frische Minzblätter
Zucker
etwas Zitronensaft

Alles mit einem Pürierstab mixen, bis ein schaumiges Sößchen entstanden ist, ggf. etwas nachzuckern.

Eine Viertelstunde vor dem Servieren die Panna Cotta aus dem Kühlschrank nehmen, mit frischen Erdbeeren und dem Coulis anrichten, et voilà. Bon appetit!