30. Juni 2011

Gebacken: Saftiges Weizenbrot

Gestern war wieder Brotbacktag! Diesmal wollte ich ein milderes Brot, außerdem hab ich letztens Weizenvollkornmehl gekauft. Daraus entstand dann das folgende und sehr saftige Weizenbrot!


Für ein Brot von 1000 g füllt man zuerst in den Brotbackautomaten:

250 ml Wasser
125 ml Milch
25 g Butter
1 1/2 TL Salz

Danach werden die trockenen Zutaten eingefüllt:

350 g Weizenvollkornmehl
325 g Weizenmehl 550
1 1/2 Päckchen Trockenhefe (Alnatura)

Und optional noch ein wenig hiervon:

zwei Teelöffel geschrotete Leinsamen
ein wenig gemahlenes Spekulatiusgewürz

Gebacken wird das Brot dann mit der Vollkornstufe des Automaten, ich hab die Backphase sogar noch ein bisschen verlängert, damit es dunkler und schön knusprig wird.



Durch das Spekulatiusgewürz bekommt das Brot einen sehr angenehmen und dezenten würzigen Geschmack. Es passt sehr gut zu sämtlichen süßen Aufstrichen sowie zu herzhaften Belägen. Ich stelle es mir auch sehr gut mit Zwiebeln oder Kräutern vor!

27. Juni 2011

Un petit sourire.



Gefunden am Geländer vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin. Zum Mitnehmen durch jedermann, Hauptsache, man gießt und genießt sie. Darum bittet der aufgeklebte Text (mehr zu dem Projekt).

Und so haben wir sie vorgefunden:




Nyhet pflückte zwei Becher herunter und züchtet nun Radieschen und Salat. Mal sehen, ob wir beide demnächst ernten können ...

23. Juni 2011

Fremdgekiezt: Wo Männer schwelgen und Vegetarier leiden


Eines fiel uns sofort auf, als wir eintraten: Hier sitzen ja fast nur Männer! Sind wir richtig?

Aber ja! Wir wollten Fleisch essen, exzellentes Fleisch wohlgemerkt. Dafür schien uns das "Filetstück" in der Uhlandstraße der ideale Ort zu sein. Vorgeschlagen von Schokozwerg, der in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres im Haupthaus in der Schönhauser Allee einen wunderbaren fleischlastigen Abend genießen durfte.

Nun haben sich die Besitzer in den Berliner Westen vorgewagt und in der Nähe des Ludwigkirchplatzes einen Ableger eröffnet, wo die Bewohner des im Aufwind begriffenen Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ihren Appetit auf Fleisch stillen sollen. Durch die großen Fensterscheiben wird die Zweiteilung des Raumes sichtbar:

Rechts eine L-förmige Theke, in schlichtem Weiß gekachelt. An der Wand hängen verlockende Würste, in den Regalen reihen sich Flaschen und Gläser voller Saucen, Öle und Essige aneinander. Links der ebenfalls L-förmige Bistrobereich, in dem die Tische aus hell gemasertem Holz von robusten Stühlen unterschiedlicher Stile umringt werden. An der Wand ein saftig-zartes Grün, das sich in den eleganten Bodenfliesen wiederfindet. Über den Köpfen Kronleuchter, die geschickt die Atmosphäre einer edlen Fleischerei unterstreichen und zugleich mit diesem Ambiente spielen. Unterstützt von der Spiegelwand, die dem Raum eine raffinierte Tiefenwirkung verleiht - wir mussten zwei Mal hinsehen, um Illusion von Wirklichkeit zu trennen. 

Nomen est omen. Qualitativ hochwertiges Fleisch, qualitativ hochwertige Wurst und frisch zubereitete Salatvariationen können an der Theke besichtigt, gekauft und nach Hause mitgenommen werden. Nichts für Schnäppchenjäger, denen Masse vor Klasse geht. Genau das Richtige allerdings für Genießer, die Wert auf höchste Qualität legen. Ob Donald Russell, Freesisch-Rind oder Pommersches Rind, ob Eiderländer Lamm oder amerikanisches Beef. Ob Entrecôte oder Filet, ob Hüftsteak oder Hochrippe. Wer Fleisch mag, kommt hier voll auf seine Kosten. An Weihnachten wird es hier sicher auch den Service geben, den das "Filetstück" bereits im Stammhaus anbietet, nämlich ganz unkompliziert das Fleisch für den Festtagsbraten vorbestellen und zum vereinbarten Termin abholen.

Bis dahin ist zum Glück noch Zeit. Der Sommer hat gerade angefangen, also hofften wir auf einen lauschigen Abend in der Sonne. Es sollte anders kommen. Als wir aufbrachen, öffnete der Himmel seine Schleusen und schickte Sturzbäche auf den trockenen Berliner Boden herab. Durchnässt kamen wir an und hinterließen auf den Fliesen lange Tropfspuren. Auf unseren Tisch mussten wir etwas warten, weil die einzige Bedienung emsig zwischen den gut besetzten Tischen hin und her flitzen musste. Und das Bistro füllte sich im Laufe des Abends immer mehr. Hier täte Verstärkung gut. Mehr gibt es für uns nicht zu kritisieren.

Unser Apéritif, ein Kir Royal Cassis, kam, ehe wir es uns versahen und steigerte unsere Vorfreude. Die Vorspeise, in Espresso und Curcuma gebeizte Filetspitzen mit Blattsalat, teilten wir uns schwesterlich. Wie kleine Schmetterlinge war das Fleisch auf dem Teller ausgebreitet, und wie kleine Schmetterlinge flatterte es in unsere Münder. So zart, wie ein Hauch.


Der Hauptgang kann aus verschiedenen Fleischsorten ausgewählt und mit Saucen, Butter und Beilagen individuell kombiniert werden. Es stehen jedoch auch zwei Tellergerichte zur Auswahl.

Wir wollten kreativ sein: Filet vom Freesischen Rind, dazu eine Café-de-Paris-Butter und eine schaumige Sauce "Flying Fox" (auf dem Foto in der Mitte und links). Unsere Beilagen bildeten eine bunte Mischung aus grünem Spargel mit Sauerampfer und Papaya, Püree von weißen Bohnen mit getrockneten Tomaten und Bohnenkraut sowie Löwenzahnsalat mit getrockneten Himbeeren, Arganöl und geröstetem Valrhona Kakaobohnenbruch (im Bild in dieser Reihenfolge von der Mitte nach rechts).

Inmitten des vor männlichen Gästen strotzenden Bistros gerieten wir ins Schwelgen und Schwärmen. Das Fleisch medium gebraten, butterzart und von einem Aroma, wie wir es schon lange nicht mehr genossen haben. So muss Rind schmecken. Dazu der exotisch-fruchtige Spargel, das deftig-mediterrane Bohnenpüree und der herb-frische Salat. Einfach köstlich!


Obwohl wir angenehm gesättigt waren, mussten wir unbedingt das Dessert probieren. An diesem Abend gab es eine karamelisierte Passionsfrucht-Tarte mit Buttermilch-Limetten-Kaltschale und Erdbeer-Minz-Salat. Die säuerliche Frische verband alle drei Bestandteile auf eine sehr elegante Weise und ließ jedem von ihnen zugleich seinen Freiraum zur Entfaltung. Wie nicht anders zu erwarten, waren wir ein wenig traurig, als schlussendlich ein leerer Teller vor uns stand.

Aber wir werden ja wiederkommen! Denn: Essen macht glücklich.

20. Juni 2011

Der Einzug des Zitronenthymians


Nachdem ich endlich wieder die passende "Unterlage" für Marmelade gebacken hatte, kann ich nun auch ein weiteres Rezept beschreiben. Angekündigt hatte ich es bereits.

Christine Ferbers Buch "Die Marmeladen-Bibel" liefert 270 Rezepte für Marmeladen, Konfitüren, Gelees, Coulis und Co. aller Art. Nicht nur mit Obst, es kommen auch Kastanien, Tomaten oder Kartoffeln vor. Viele Anregungen also nicht nur für die Jahreszeiten, in denen die Marktstände überzulaufen scheinen vor Früchten und Obst jeder Couleur.

Ich habe kürzlich ein Erdbeerrezept nachgekocht, das im Original Minzeblätter enthält. So eine Kombination hatte ich im vergangenen Sommer gekocht, es musste also eine Minz-Alternative her. Als wüsste sie um mein Dilemma, liefert Madame Ferber einige raffinierte Abwandlungsmöglichkeiten mit. In diesem Fall entschied ich mich für Zitronenthymian. Den bekam ich problemlos auf dem Wochenmarkt und konnte sofort loslegen mit der Erdbeermarmelade mit Zitronenthymian und Pfeffer.

Die Zubereitung erfolgt über 3 Tage hinweg, wobei sich der Aufwand pro Etappe in Grenzen hält.

Die Zutaten:
1 kg Erdbeeren (gewaschen und geputzt gewogen)
900 g feinster Zucker (Original: feiner Zucker)
Saft einer kleinen Zitrone (Original: halbe Zitrone)
Blätter von 10 Zweigen frischen Zitronenthymians
5 schwarze Pfefferkörner, frisch gemahlen (oder mörsern, dann wird er noch feiner)

Die Marmeladenzubereitung in Etappen:
Tag 1:
Erdbeeren waschen, putzen und halbieren. Mit Zucker und Zitronensaft in einer Schüssel mischen, abdecken und an einem kühlen Platz über Nacht stehen lassen.

Tag 2:
Mischung in einen großen Topf füllen und bis zum ersten Aufwallen unter stetem Rühren erhitzen. Vom Herd nehmen, in eine Schüssel geben und abkühlen lassen. Mit Backpapier bedecken und wieder an einem kühlen Ort über Nacht ruhen lassen.

Tag 3:
Die Gläser vorbereiten (6 bis 7 Stück von ca. 220 g Inhalt).

Sieb auf den Marmeladentopf legen und die Mischung hineingeben. Abtropfen lassen und die Erdbeeren zur Seite stellen. Den Sirup aufkochen und gut abschäumen. Bei 105 Grad beginnt die Masse einzudicken. Ich besitze leider kein Thermometer und habe den richtigen Zeitpunkt nach Gefühl und Beobachtung bestimmt. Ein Trick ist, ein paar Tropfen auf einen gekühlten Teller geben. Gelieren sie ganz leicht, ist es soweit. Nun die Erdbeeren, die Blättchen des Zitronenthymians und den soeben frisch gemahlenen Pfeffer zufügen.

Aufkochen und abschäumen. Dann unter vorsichtigem Rühren ca. 5 Minuten kochen lassen. Gelierprobe machen, und wenn die Masse leicht geliert, kann die Marmelade in die Gläser gefüllt werden.

Verschließen. Für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Umdrehen. Auskühlen lassen.


Die Erdbeeren behalten ihre Form, sind glasig und wirklich ein bisschen wie kandiert. Um sie herum der etwas zähe Sirup, der sich dagegen zu wehren scheint, ordentlich auf der Brioche verteilt zu werden.

Da ich keine groben Pfefferstücke in Marmeladen mag, habe ich ihn fein gemörsert. Sein Aroma kommt nichtsdestotrotz ganz zart durch, gepaart mit zitronigem Thymian. Eine besonders delikate Kombination, die den zeitlichen Aufwand absolut wert ist.

19. Juni 2011

Brioche à la Mercotte


Es ist schon ein Weilchen her, dass ich eine Brioche gebacken habe. Mit anderen Worten: es wurde Zeit für eine neue! Schon seit Tagen trug ich mich mit diesem Wunsch. Mein Appetit auf Brioche mit selbstgemachter neuer Marmelade wuchs von Frühstück zu Frühstück. Aber entweder war die Stunde zu vorgerückt, um noch einmal zu Schürze und Rührschüssel zu greifen, oder ich fühlte mich fern jeder Kreativität.

Gestern konnte mich endlich weder das eine noch das andere von meinem Back-Elan abhalten. Ich wollte mich endlich an einem Rezept versuchen, das ich im Blog La cuisine de Mercotte entdeckt hatte. In diesem Blog stöbere ich immer wieder und lasse mich von den köstlichen Desserts, Broten und Gebäcken berauschen. Nebenbei halte ich auch meine Französischkenntnisse am Leben und hoffe, dass sie nicht nur atmen, sondern auch wachsen und gedeihen.

Dies ist nun das erste Rezept von Mercotte, das ich wirklich ausprobiere. Und zwar eins zu eins. Vorab: Ich finde die Brioche köstlich.


Die Zutaten:
250 g Mehl (Type 405)
125 g Eier (ohne Schale gewogen)
25 g Vollmilch
25 g Zucker
5 g Salz
6 g frische Hefe
150 g Butter (in kleine Würfel geschnitten)

Achtung, alle Zutaten müssen kalt sein. Auch Mehl & Co., die vor ihrer Verarbeitung am besten für 5 Minuten in den Gefrierschrank verbannt werden. Ungewöhnlich, aber es funktioniert.

Die Hefe in der Milch auflösen. Mehl, Zucker und Salz in einer Schüssel vermengen. Nun zu Handmixer mit Knethaken greifen (wer eine Küchenmaschine besitzt, ist viel besser dran ...), drei Viertel der abgewogenen Eier in die Mehlmischung geben und auf unterer Stufe verkneten. Anschließend mit Hefe-Milch zugießen und weiterkneten, bis die Masse homogen ist.

Nun die restliche Eimasse hineingeben und auf mittlerer Stufe während 10 Minuten kneten. Der Teig sollte sich vom Schüsselrand lösen. Ist dies - wie bei mir - nicht der Fall, nach und nach etwas Mehl zugeben, bis sich der Teig während des Knetens vom Schüsselrand trennen mag. Auf niedriger Stufe nach und nach die Butterwürfel unterkneten. Sie dürfen am Ende nicht mehr im Teig identifizierbar sein.

Ist es soweit, den Teig abgedeckt bei Zimmertemperatur 2 Stunden ruhen lassen. Ich habe ihn über Nacht sich selbst überlassen.

Nach der Ruhezeit den Teig kurz vorsichtig mit der Handfläche durchklopfen, dabei die Teigkugel immer wieder wenden. Anschließend in 4 etwa gleich große Teile teilen, zu Kugeln formen und nebeneinander in einer Kastenform platzieren. Ich habe meinen Backherd auf 50 Grad vorgewärmt und dort den Teig noch einmal für ca. 30 Minuten gehen gelassen. Er hat sich etwa verdoppelt.

Dann den Herd auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Nun kann die Oberfläche mit einem in Milch verquirlten Ei bestrichen werden. Ich habe sie allerdings nur mit Hagelzucker bestreut. Ab in den Ofen für 20 bis 30 Minuten. Als die Oberfläche goldig gebräunt war, wusste ich: es ist Zeit, die Brioche herauszunehmen und nach kurzem Abkühlen zu probieren.


Mmh, c'est bon!

18. Juni 2011

Kunstvoll arrangiert - und dann gestürzt


Von meinem Marktbesuch am vergangenen Wochenende war ein knappes Kilogramm Rhabarber übrig geblieben. Es lagerte im Kühlschrank und wartete darauf, dass mir eine zündende Idee für seine Zubereitung kommen möge.

Für eine Marmelade war es zu wenig. Also versuchte ich, welchen nachzukaufen. Pech gehabt. Ob ich trotzdem eine Marmelade kochen könnte, einfach mit anderem Obst "gestreckt"? Danach stand mir nicht der Sinn, außerdem hätte ich dann noch immer Rhabarber übrig gehabt. Ratlosigkeit machte sich breit.

Bis ich mich ausgiebig meiner Küchenbibliothek widmete und ein hübsches Büchlein durchblätterte, das ich vor anderthalb Jahren in Strasbourg gekauft hatte. Einige Rezepte aus "Kugelhopf & Co. - elsässische Backrezepte" von Josiane und J-Luc Syren habe ich bereits ausprobiert und für ausgezeichnet befunden. Warum sollte nicht auch der Gestürzte Rhabarberkuchen dieses Prädikat erhalten?!

Als Backform habe ich eine quadratische Springform von 24 x 24 cm benutzt und sie mit diesem Kuchen eingeweiht. Im Buch finden sich leider keine genauen Angaben zu den verwendeten Größen, aber ich denke, es handelt sich immer um die gängigen Standards.

Die Zutaten für die Rhabarberschicht:
800 g Rhabarber (geschält und geputzt gewogen; Original: 1 kg)
6-8 gehäufte EL Zucker (Original: 125 g nur für die Form)
30 g weiche Butter

Am Abend vor dem Backen den Rhabarber schälen und in Stücke schneiden (Größe je nach persönlichen Vorlieben, bei mir ca. 5 cm). In einer Schüssel mit 3-4 EL Zucker mischen. Abgedeckt über Nacht stehen lassen. Der Zucker entwässert den Rhabarber.

Den Boden der Form gut einbuttern (nicht zu dünn!) und mit 3-4 EL Zucker dicht bestreuen. Die im Buch genannte Menge erscheint mir zu viel, denn ein bisschen Säure darf ruhig durchschmecken.

Die Rhabarberstücke abtropfen lassen und auf dem Zucker dicht an dicht verteilen.

Für den Teig werden diese Ingredienzen benötigt:
125 g sehr weiche Butter
125 g Zucker
3 Eier Größe M
40 g gemahlene Mandeln (Original: keine Mandeln, sondern insgesamt 125 g Mehl)
85 g Mehl
1 TL Zitronenschalenpulver (Original: abgeriebene Schale einer halben Zitrone)
Mark einer Vanilleschote
1 TL Backpulver

Den Herd auf 160 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die gemahlenen Mandeln in eine Schüssel geben. Mehl, Zitronenschalenpulver und Backpulver dazusieben. In einer anderen Schüssel Butter und Zucker schaumig schlagen. Die verquirlten Eier unterrühren und anschließend die Mehl-Mischung einarbeiten. Der Teig sollte schlotzig sein. Vorsichtig auf dem Rhabarber verteilen und möglichst glatt streichen, was etwas schwierig ist.

In den Ofen für 40-45 Minuten stellen und herausnehmen, wenn der Teig eine schöne goldbraune Farbe angenommen hat.

Etwas abkühlen lassen. Den Ring der Springform entfernen, Teller auf den Teig legen und vorsichtig stürzen. Eventuell dem Rhabarber beim Ablösen vom Boden der Form helfen.


Der Kuchen ist wunderbar saftig, aber nicht matschig. Genau das perfekte Verhältnis aus Teig und Boden. Dazu ein Klecks Schlagsahne, und schon ist das graue Frühlingswetter weggenossen.


16. Juni 2011

Fremdgekiezt: Prost Mahlzeit? Nee, ProbierMahl.


Manch ein Kiez stand bisher so gar nicht auf meiner Agenda. Dazu gehört zum Beispiel Moabit. Vor Jahren habe ich eine Wohnungsbesichtigende dorthin begleitet und konnte mich nicht wirklich für diese Gegend begeistern. Wahrscheinlich lag es wieder einmal daran, dass den Bezirken zwar ein spezifisches Etikett anhaftet, sie in sich jedoch vielfältiger sind, als es dieser Stempel suggeriert.

Denn auch gestern führte mich eine Wohnungsbesichtigung nach Moabit, genauer gesagt in die Gegend zwischen dem Bundesratufer und der Straße Alt-Moabit. Keine Sorge, dieser Blog wird nicht in MoaBlog oder so ähnlich umbenannt werden. Ich war nur das zweite Paar Augen, das sich in einer sehr schicken, um nicht zu sagen extravaganten Wohnung umsehen durfte. Und seinen Senf dazugeben sollte.

Anschließend spazierten wir ein wenig durch die umliegenden Straßen auf der Suche nach einem ganz bestimmten Café (das ich hier so gern vorstellen würde, aber ich habe vergessen, Fotos zu machen, herrje!). Das haben wir auch gefunden, auf dem Weg dorthin fiel ich aber von einer Überraschung in die nächste. Was für eine angenehme, nette, abwechslungsreiche und ruhige Gegend!

Altbauten, mehr oder weniger frisch saniert. Mit oder ohne Stuck. Mit oder ohne säulengestützte Loggien. Dazwischen Neubauten, die aus den sechziger Jahren zu stammen schienen oder erst kurz nach der Wiedervereinigung errichtet worden. Nicht immer schön, trotzdem ergab alles zusammen ein stimmiges Bild - nämlich das einer Ecke, in der es sich sicher gut wohnen und leben lässt. Dazu kleine Läden, Büros, Cafés und Restaurants. Grün darf natürlich auch nicht fehlen, und die Nähe zur Spree rief in uns ein gewisses Urlaubsgefühl hervor. Vor allem, als wir zu später Stunde auf der "Uferpromenade" in Richtung Bellevue flanierten.

Wohnungsbesichtigungen unternehme ich immer wieder gerne. Natürlich am liebsten dann, wenn ich nicht dem Druck unterliege, eine für mich finden zu müssen. Es gibt so viel zu sehen, und der Voyeurist wird in mir angesprochen, sollte das Objekt des Interesses noch bewohnt sein. So manch tolle Einrichtungsidee habe mir schon im Stillen mitgenommen. So manches Mal packte mich jedoch das blanke Entsetzen. Die Geschmäcker sind eben doch recht verschieden, und das ist gut so.

Nachdem wir unsere Eindrücke bei Kaffee und Erdbeermilchshake ausgetauscht, abgeglichen und verarbeitet hatten, zogen wir weiter. Ausgeguckt hatten wir uns das "ProbierMahl" an der Kreuzung Dortmunder/Elberfelder Straße.


Draußen lud uns eine zweigestufte Terrasse zum Verweilen ein, entweder direkt unter der Markise etwas erhöht oder unter freiem Himmel und Bäumen direkt auf dem Platz. Allein, uns war inzwischen etwas frisch geworden, so dass wir lieber "im Schaufenster" - an einem Tisch im Fenster - sitzen wollten.

Eingedeckt war mit einer quadratischen Papierdecke in handfesterer Qualität. Verwundert waren wir schon ein wenig, bis wir den kleinen Becher mit den Wachsmalstiften entdeckten. Komisch, dass wir nicht sofort anfingen, wilde Kringel und sanfte Herzchen auf die Decke zu malen. Vielleicht hatte jeder von uns sich heimlich vorgenommen, seine Bewertung des Ortes am Ende des Abends künstlerisch kundzutun. Das haben wir dann aber vergessen, sicher, weil wir so angetan, satt und ermattet waren.

Das Raumkonzept erinnert etwas an das Nola's oder die Schnitzelei. Ein Teil des Lokals ist großer Speisebereich, ein etwas kleinerer, abgetrennter Bereich dagegen etwas gemütlicher. Hier im "ProbierMahl" ist es eine Bar mit lauschigen Sitzecken. Alles nicht verwunderlich, gehören die drei Restaurants doch irgendwie zusammen.

Die feste Karte ist klein, was aber nicht heißen soll, dass sie nichts böte. Im Gegenteil, wir hatten unsere Entscheidungsschwierigkeiten. Eine aktuelle Tageskarte machte es uns nicht leichter. Außerdem blieb zu klären, was denn die als "klein" bezeichneten Portionen im Vergleich zu den "großen" ausmacht. Es komme auf das Ausmaß des Hungers an, wurde uns erklärt. Angesichts unserer knurrenden Mägen entschieden wir uns für die großen Portionen, und diese waren wirklich sättigend.

Was haben wir eigentlich gewählt? Burger, Spaghetti, Tarte. So knapp klingt das wirklich eher lala. War es aber nicht. Die Spaghetti kamen als "Pasta Casserecci Caponata, geschwenkt in tomatisiertem Kräuter-Gemüse-Ragout mit Parmesan-Chips" auf den Tisch. Einziger Schönheitsfehler: sie hätten etwas mehr gewürzt sein können, trotz der würzig-knusprigen Parmesan-Chips.


Meine Tarte vereinte auf ihrem Blätterteig-Boden Pfifferlinge und Bergkäse, der Kräuterschmand kam in Form zweier an Eis erinnernde Kugeln daher. Eigentlich kann man mich mit Bergkäse jagen, sein Aroma hat für mich die Qualität eines schlechten Ohrwurms: setzt sich ungewollt penetrant fest und ist selbst durch hartnäckiges Ignorieren nur schwer wieder loszuwerden. Aber hier hätte ich niemals auf Bergkäse getippt. Wirklich lecker.



Das dritte Gericht war ein Burger "Italian Stallion - Hähnchen-Hackfleisch, Tomate, Mozzarella, Basilikum-Pesto, Rucola", dazu Steak-Pommes und Cole-Slaw. Ein mächtige Portion, von der am Schluss nichts übrig geblieben war.

Wir hatten einen lustigen Abend. Leckeres, bodenständiges Essen. Angenehme Kiez-Atmosphäre. Freundlicher (wenn auch mit leichtem Berliner Einschlag) und flotter Service. Das kann man immer wieder haben.

Ach ja. Woher der Blogtitel kommt? O-Ton: "Wie hieß das Lokal gleich noch? Irgendwas mit P und M. Prost Mahlzeit?"

Wohin: ProbierMahl. Dortmunder Straße 9 (Moabit).

14. Juni 2011

Mein Start in die diesjährige Erdbeersaison


Spät habe ich den Startschuss gehört, wirklich fahrlässig spät. Dabei waren die roten Häuschen schon an vielen Straßenecken aufgebaut und nicht zu übersehen. Auch in den Supermärkten reihten sich bereits zahllose Schälchen und Körbchen aneinander. Und ganz zu schweigen von meinen Geschmacksrezeptoren, die mir immer wieder dieses Aroma auf die Zunge zauberten - ein Pseudo-Aroma.

Die Ausrede, warum ich erst jetzt "in die Erdbeeren gehe", ist allerdings besonders gut. Wie sonst hätte ich hier Impressionen von der Blumeninsel geben können, wenn ich nicht höchstselbst dorthin gereist wäre! Deshalb habe ich mich erst an diesem Wochenende, dafür umso intensiver, auf diese köstlichen roten Früchte gestürzt.

Auf meinem Lieblings-Wochenmarkt, den ich während einiger Monate - warum auch immer - so schmählich ignoriert hatte, schlug ich also zu und kaufte Berge herrlich fruchtiger, herrlich süßer Erdbeeren. Natürlich nicht ohne mir vorher überlegt zu haben, was ich daraus machen wollte. Zunächst musste es eine Schale frischer Früchte und dazu Joghurt pur sein, mit der ich mein lange im Zaume gehaltenes Erdbeergelüst stillen konnte. Was für eine Wonne.

Meine Liste der erdbeerigen Köstlichkeiten enthielt neben zwei Marmeladen, deren Rezepte ich nach dem Kosten posten werde (ich muss ja kennen, was ich hier anpreise), eine Erdbeertarte. Das Rezept fand ich im Kleinen Kuriositätenladen - sofort stand für mich fest: Das muss ich unbedingt nachbacken! Eine minimale Abweichung inklusive.

Ich habe eine Tarteform mit 30 cm Durchmesser benutzt, deren Boden herausnehmbar ist. Sehr praktisch, wenn es an's Anschneiden und Schlemmen geht. Die Zutaten für den Boden:
250 g Mehl (Type 405)
125 g weiche Butter
125 g Puderzucker
1 Ei (Größe M)

Alle Zutaten zügig miteinander verkneten. Dann eine Kugel formen, die in einer Klarsichtfolie eingewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen sollte. Ich habe sie bis zum nächsten Tag drin gelassen. Danach ausrollen, die Form damit auskleiden und den überstehenden Teig abschneiden. Mit einer Gabel mehrmals in den Boden stechen und den Teig für 30 Minuten ins Gefrierfach stellen.

Inzwischen den Backherd auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Teig mit Backpapier abdecken, Hülsenfrüchte hineingeben und 15 bis 20 Minuten blindbacken. Anschließend die Füllung herausnehmen und den Teig noch etwa 5 bis 10 Minuten zu Ende backen. Vollständig auskühlen lassen.

Inzwischen die Crème vorbereiten, zunächst eine Crème pâtissière. Benötigt werden folgende Zutaten:
250 ml Vollmilch
Mark einer Vanilleschote
30 g Zucker
20 g Stärkemehl
3 Eigelb (Größe M)

Stärkemehl mit etwas Milch anrühren. Auch die Eigelbe mit etwas Milch verquirlen. Währenddessen die restliche Milch mit Zucker und Vanillemark zum Kochen bringen. Mit dem Schneebesen nun unentwegt rühren.

Zuerst die angerührte Stärke untermischen und keine Klümpchenbildung zulassen. Achtung, die heiße Milch wird sofort dick. Danach zügig und stetig rührend die Eigelbe untermengen. Es muss schnell gehen, damit sie nicht stocken. Kurz aufkochen und dann erkalten lassen. Etwas Puderzucker darüber stäuben, um zu vermeiden, dass sich eine Haut bildet.

Ist die Crème pâtissière kalt, wird die Schlagsahne zubereitet. Dazu
250 ml Schlagsahne mit
2 TL Puderzucker
steif schlagen.

Danach mit demselben Mixer die kalte Crème pâtissière kurz aufschlagen, bevor mit einem Teigschaber die Schlagsahne vorsichtig untergehoben wird. Diese Masse dann auf dem Tarteboden verteilen. Ab in den Kühlschrank für 15 bis 30 Minuten.

Inzwischen die Erdbeeren (bei mir waren es etwa 600 g) waschen und halbieren. Dann auf der Tarte verteilen, je nach ästhetischen Vorlieben mehr oder weniger akkurat. 


Und dann: Aufessen!!!


Liebe Steph, danke für diesen lockerleichten Erdbeergenuss!

13. Juni 2011

Impressionen aus fernen Landen: Madeira (3)


Wasser und Wege verbinden sich auf Madeira zu Levadas, den vielen Wasseradern. Sie überziehen die Insel wie ein Netz und leiten Wasser aus den niederschlagsreichen Gebieten in den Süden, wo es für die Landwirtschaft benötigt wird. Über Brücken, durch Tunnel, sich überkreuzend, aber stets mit nur ganz sanftem Gefälle. Und Levadas sind die idealen Wanderwege: Ihrem Verlauf folgend, kann man die gesamte Inselwelt entdecken. Es gibt Touren für jede Anforderung und jeden Anspruch, egal ob man unerfahren ist oder sich als wahren Wanderenthusiasten bezeichnen kann.

Manchmal braucht man etwas Mut, sollte vor allem trittsicher und - bisweilen äußerst wichtig - schwindelfrei sein. Denn die Wege sind nicht immer mit einem Geländer vor dem Hang gesichert. An diesen Etappen geht es auf der einen Seite der Levada steil nach oben, hingegen fällt auf der anderen der Berg unvermittelt und ohne Bepflanzung ab. Ein kleiner Nervenkitzel. Oder der Auslöser einer Panikattacke. Je nachdem.


Überwältigende Eindrücke sammelte ich in den Bergen. Ich bin noch immer so hin und weg, weil ich mit diesen Bildern nicht gerechnet hatte. Höhenzüge, an deren Rändern sich einzelne Bäume wie die Perlen einer Kette aufreihen, in denen sich Wolken wie Zuckerwatte einhängen. Talkessel, die nur erahnen lassen, wie abgeschieden ihre Bewohner vor Jahrzehnten und Jahrhunderten gelebt haben müssen.

Auf mein Auge wirkte dies alles wahrlich romantisch und berauschend. Unentwegt griff ich zur Kamera, in dem Bemühen, diese Bilder und Eindrücke zu konservieren. Vieles jedoch konnte ich "nur" in mich aufsaugen und erspüren, wie gut mir diese Ursprünglichkeit tut. Ich fühlte mich wie beim Laufen: Kein Nachdenken, kein Grübeln, einfach nur Sein.


Im Inneren der Blumeninsel war die Vegetation in den Bergen reich an sattem Grün und voller Farbe. Einige der Blütenfotos im ersten Teil meiner Madeira-Reihe stammen aus meinen Bergexpeditionen.

An der Ostspitze hingegen, dem Ponta de São Lourenço, sind die Felsen schroff, vom Meer umtost und nur karg bewachsen. Alles ist unberührt von des Menschen Hand. Ein Naturreservat, in dessen Mitte ein von Palmen gesäumtes Häuschen steht. Früher eine Villa, heute das Informationszentrum der Nationalparkverwaltung.

Hier lässt sich draußen auf den Bänken unter Palmen eine kurze Rast einlegen, denn der Marsch ist durchaus anstrengend und fordernd. Gilt es doch, sich neben der grandiosen Natur auch auf die Wegeverhältnisse zu konzentrieren. Aber diese Wanderung lohnt sich voll, bis hinauf auf den Aussichtspunkt. Ein bleibendes Erlebnis.


Last but not least: Liebe ist überall, auch auf Madeira.

12. Juni 2011

Impressionen aus fernen Landen: Madeira (2)


Natürlich musste ich mich auf die süßen Spezialitäten der Blumeninsel stürzen. Die bekannteste dürfte der "Bolo de mel de cana da Madeira" sein, der Honigkuchen auf dem Foto links oben. Sein Aroma und seine Konsistenz erinnerten mich sehr an Leb- oder Gewürzkuchen, die wir hierzulande an Weihnachten verzehren. Da ich vor allem Lebkuchen sehr gern esse, habe ich mit Wonne den Bolo de mel probiert. Ein wenig ungewöhnlich fand ich seinen herben Duft. Zunächst dachte ich, der Kuchen sei etwas angebrannt, bis ich lernte, dass er vom Zuckerrohrsirup kommt. Insgesamt ein Kuchen, der mir mundete, aber so gar nichts blumig-leichtes hat.

Diese süßliche Frische fand ich im "Bolo de laranja", einem Orangenkuchen, den ich in der idyllischen Casa de Chá Hortensia nach meiner ersten Wanderung genießen durfte. Dazu ein Kännchen schwarzen Tees, was ging es mir gut in der Nachmittagssonne auf der Terrasse!

Gleichfalls auf einer Terrasse, der des Botanischen Gartens in Funchal, musste es schließlich eine "Tarte de maçã" sein. Auf dem Foto unten rechts ist meine kleine Apfeltarte abgebildet. Sehr französisch, also genau richtig für mich. Dazu ein Milchkaffee (Galão). Mit dem überwältigenden Blick auf die Stadt ein rundum entspannter Nachmittagsgenuss.


Warum die Insel so grünt und blüht? Auch weil es all überall fließt, tropft, plätschert, rauscht, wogt.

An den Levada-Reinigungsstationen (links unten) gerät der sonst gemütliche Strom gehörig in Wallung. Im Botanischen Garten ruhen eher stille Teiche (links oben und rechts unten), während an Madeiras Ostspitze das Meer heftig gegen bizarre Felsen peitscht (rechts Mitte). Unterhalb des Cabo Girão, einer der höchsten Steilklippen in Europa und beliebter Aussichtspunkt, strahlt das Meer in schönstem Blau (rechts oben).


Hinauf ins Blau des Himmels scheinen die zahlreichen Wanderpfade zu führen. Kein Wunder, unentwegt geht es bergan. Oft auf Treppen mal aus Zement, mal aus alten, überwucherten Pflastersteinen. Anstrengende Aufstiege, die sich richtig tief in den Oberschenkeln bemerkbar machen.

Wo es jedoch ständig nach oben geht, kommt irgendwann unweigerlich und unvermeidbar der Abstieg. Wieder heißt es: Treppensteigen. Bisweilen kann dieser Weg auch steinig, geröllig, asphaltig oder erdig werden, mit grandiosen Ausblicken auf Landschaft und Meer.

10. Juni 2011

Impressionen aus fernen Landen: Madeira (1)






Mit der großen Kamera um den Hals stapfte ich eine Woche lang kreuz und quer durch die Natur der Insel Madeira.

Die neuen Wanderschuhe sehen nun aus, als haben sie mir bereits ein Jahrzehnt lang auf meinen Reisen treue Dienste geleistet. Umso besser - sie sind bereit für die anspruchsvollen Aufgaben, die ihnen bald bevorstehen.

Meine Wanderungen führten mich durch den Südteil und über die Ostspitze der Blumeninsel, die landschaftlich recht unterschiedlich sind. Beide bergig. Während der Süden eher grün und satt ist, zeigt sich der Osten von der kargen und trockenen Seite.

Stets war ich länger unterwegs, als die Routenbeschreibungen im Wanderführer es mir prophezeiten. Kein Wunder, bei den Eindrücken um mich herum! Ständig kam ich vom Wege ab, krauchte ich zwischen Sträuchern, hing ich über Klippen und klebte ich an den Objekten meiner Neugier. Ich konnte wahrlich nicht genug bekommen.

Die ersten Eindrücke sind hier zu finden - alles was blüht.