27. Mai 2011

Rhabarber-Rosmarin-Marmelade reloaded


Über die Entdeckung des Rosmarins zum Rhabarber hatte ich bereits berichtet. Nun habe ich, nachdem diese homöopathische Dosis in Marmeladenform aufgebraucht war, Nachschub gekocht. Und zwar dieses Mal fast exakt nach dem Rezept von Christine Ferber, wie sie es in ihrem Buch "Mes confitures" beschrieben hat.

Ich bin noch verzauberter von meiner Rhabarbermarmelade mit Honig und Rosmarin! Ohne Gelierzucker, dafür mit Geduld und Gefühl. Die Konsistenz ist genau so, wie ich es mir von einer Marmelade wünsche: Dickflüssig, fast schon cremig reißt sie vom Löffel. Auf dem Brötchen lässt sie sich wunderbar verteilen. Süß ist sie, aber nicht übertrieben und für meinen Geschmack genau richtig. Das Rosmarin-Aroma schmecke ich ganz zart heraus. Und ihre Farbe erinnert nicht mehr an Gold, sondern an ein Bordeaux-Rot.

Ein Augen- und Gaumenschmaus.Es passt einfach alles, deshalb hier das Originalrezept mit meiner minimalen Abwandlung.

Zutaten für 5 bis 6 kleine bis mittlere Gläser:
1 kg Rhabarber (geputzt und geschält gewogen)
600 g feinster Zucker
200 g flüssiger Honig (anstelle von Akazienhonig wie im Originalrezept habe ich wieder Sommerblütenhonig verwendet)
10 Zweige frischer Rosmarin
2 Zitronen

Die Zubereitung erfordert etwas mehr Zeit:
Zuerst den Rhabarber in 2 bis 3 cm lange Stücke schneiden und danach in einer Schüssel mit Zucker, Honig und dem Saft der ersten Zitrone mischen. Abdecken und 24 Stunden an einem kühlen Platz stehen lassen. Er zieht nun richtig viel Saft.

Am nächsten Tag ein Sieb über den Marmeladen-Kochtopf legen. Den Rhabarber hineinschütten und gut umrühren, damit so viel Saft wie möglich in den Topf tropft. Bei mir hatte sich die Zucker-Honig-Mischung nicht aufgelöst, sondern am Boden der Schüssel abgesetzt. Ich habe diese Mischung auch in den Kochtopf gegeben und gut verrührt, damit sich der Zucker jetzt richtig löst.

Die Rosmarinzweige in den Saft legen und ihn zum Kochen bringen. Immer wieder den Schaum abschöpfen. Langsam wird der Saft konzentriert, der Duft des Rosmarins ist deutlich zu erschnuppern, die schöne rote Farbe wird noch intensiver. Diese Etappe dauert etwa 10 Minuten. Es soll jedoch kein Sirup entstehen.

Mit dem Schaumlöffel den Rosmarin herausangeln, danach die Rhabarberstücke zugeben und gut aufkochen. Wieder den Schaum abschöpfen. Danach den Saft der zweiten Zitrone eingießen und noch etwa 5 Minuten kochen. Gelierprobe auf einem kühlschrankkalten Tellerchen machen - wenn die Marmelade ein kleines bisschen geliert, ist sie fertig und kann in die vorbereiteten Gläser abgefüllt werden.

Für 5 Minuten auf den Kopf stellen, wieder umdrehen und vollständig abkühlen lassen.

Christine Ferber gibt den Rosmarin erst mit dem Rhabarber in den Saft, was mir aber zu diffizil beim Herausnehmen ist. Durch das Kochen im Saft konnte dieser das Rosmarin-Aroma gut aufnehmen und halten. Für mich der bessere Weg, auch um die Nadeln in der Marmelade später zu umgehen.


Mein heutiges Frühstück war wieder ein Traum!

21. Mai 2011

Gebacken: Milchreis für den Sonntagskaffee


Ein Wochenende ohne Kuchen, das war in meiner Kinderzeit unvorstellbar. Am Freitag Abend oder Samstag Vormittag wurde gebacken, meistens etwas mit Obst oder ein einfacher, schneller Rührkuchen. Hauptsache aus dem heimischen Backherd. Und wenn wir Glück hatten, kam der Kuchen noch warm zum nachmittäglichen Kaffee oder Tee auf den Tisch.

Diese Tradition habe ich in mein Erwachsenensein mitgenommen. Anfangs wurde jedoch überhaupt nichts gebacken, da waren mir andere Dinge wichtiger - ich sage nur: Studentenleben! Aber hin und wieder vermisste ich schon den kleinen feinen Kuchen, der einfach so herumstand und nur darauf wartete, von mir verputzt zu werden. Gestillt habe ich diesen Appetit in den diversen Cafés am Ort, und davon gab es wahrlich viele.

Inzwischen backe ich öfter, und wer hätte das gedacht: pünktlich zum Wochenende erfasste mich das Backfieber. Da ich noch von der Rhabarber-Sucht gepackt bin, stand der fruchtige Teil von vornherein fest. Beim Blättern im Buch "Atelier tartes - salé + sucré" von Catherine Kluger blieb mein Blick an einem Foto einer Milchreistarte kleben. Die musste es diesmal sein.

Ich habe das Rezept etwas abgewandelt und eine Rhabarber-Himbeer-Milchreistarte gebacken. Wie alle Tartes aus diesem Backbuch braucht auch diese etwas Zeit, die die Bäckerin oder der Bäcker aber gut aufteilen kann.

Zuerst der Boden für eine Springform von 20 bis 22 cm Durchmesser, den ich schon in einem früheren Beitrag ausführlich beschrieben hatte. Hier die Zutaten, die ich dieses Mal verarbeitet habe:
200 g Weizenmehl Type 405
70 g Zucker
25g Mandelpuder (oder gemahlene Mandeln)
1 Messerspitze Salz
120g Butter (sehr kalt und in kleine Stücke geschnitten)
1 Ei (Größe M oder L, ich habe wieder nur Größe L bekommen)

Mehl, Zucker und Mandelpuder sieben und mit dem Salz vermischen. Die sehr kalten Butterwürfel unterrühren, mit der Mehlmischung bedecken und mit den Fingern zu einem sandig-bröseligen Teig verkneten. Nun das geschlagene Ei zugeben und alles schnell zu einem Teig verkneten, möglichst ohne die Butter zu sehr zu erwärmen. Dann in eine Folie einwickeln und für mindestens eine Stunde ab in den Kühlschrank. Danach vorsichtig ausrollen und die Springform auskleiden. Den überstehenden Teig abschneiden und den Boden mit einer Gabel mehrmals stechen. Im Gefrierschrank mindestens 30 Minuten kalt werden lassen.

Mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten komplett ausfüllen. Blindbacken bei 160 Grad während 30 Minuten. Danach die Füllung herausnehmen und noch 5 bis 10 Minuten fertigbacken. Auskühlen lassen.

Die erste Schicht, der Rhabarber:
200 g Rhabarber (geschält und geputzt gewogen)
1 EL Butter
1 - 2 EL Zucker
1 Schluck Portwein (nicht zu viel, kann man weglassen oder durch z.B. Orangenlikör ersetzen)
etwas Wasser
ggf. ein paar Himbeeren
1 TL Agar-Agar

Den Rhabarber habe ich geputzt, geschält und in ca. 3 cm lange Stücke geschnitten. Die Butter schmelzen lassen, Rhabarber hinein und den Zucker darübergeben. Gut umrühren, der Rhabarber soll nicht anbrennen. Die Herdplatte herunterschalten, damit es nur noch leicht köchelt. Etwas Flüssigkeit zufügen (Portwein und/oder Wasser), damit sich etwas Soße für das Agar-Agar bildet. Ungefähr 10 Minuten köcheln lassen. Nun das Agar-Agar gut unterrühren und 5 Minuten weiterkochen. Vom Herd nehmen und leicht abkühlen lassen. Auf dem erkalteten Tortenboden verteilen und im Kühlschrank vollständig erkalten lassen.

Die nächste Schicht ist der Milchreis:
150 g Milchreis
450 - 500 ml Vollmilch
1 Vanilleschote
3 EL Zucker

Vanilleschote halbieren, auskratzen und das Vanillemark mit der Milch zum Kochen bringen. Wer will, kann auch die Schote mitkochen lassen für ein intensiveres Aroma. Milchreis hineingeben und bissfest kochen (leicht köchelnd während ca. 30 Minuten). Der Milchreis soll die Milch aufsaugen und leicht pappig werden. Kurz vor Ende den Zucker unterrühren. Etwas abkühlen lassen und auf der Rhabarberschicht verteilen. Nun in den Kühlschrank.

Als letzte Schicht kommen die Himbeeren:
150 g Himbeeren (frisch oder tiefgekühlt)
2 - 3 EL Zucker
1 TL Agar-Agar

Tiefgekühlte Himbeeren auftauen lassen. Frische Himbeeren zerdrücken. In einem Topf erhitzen, Zucker zugeben. Dann das Agar-Agar unterrühren. Maximal 5 Minuten leicht köcheln und danach etwas abkühlen lassen. Auf die Milchreisschicht streichen und im Kühlschrank vollständig erkalten lassen.

Vor dem Genuss sollte die Rhabarber-Himbeer-Milchreistarte auf Zimmertemperatur gekommen sein. Bon appétit!

16. Mai 2011

Ein Boulevard feiert Geburtstag


Der Kurfürstendamm wird gefeiert: seit 125 Jahren ist er ein Boulevard. Ah ja. Ich muss zugeben, mich hat dieses plötzliche Jubiläum schon überrascht. Ist das etwa ein Aufmerksamkeitstrick des Regierenden Bürgermeisters im Angesichte der Wahlen? Im September geht es schließlich um die Wurst.

Ein wenig recherchieren musste ich. Also baute ich mich vor meinem Bücherregal auf, ging auf die Zehenspitzen und fischte einige Bände zur Berliner und Charlottenburger Geschichte herunter. Und die verrieten mir folgendes:

Angefangen hat der Ku'damm praktisch-profan als Knüppeldamm, als ein mit Holzbohlen mehr schlecht als recht befestigter Weg über unwegsames Gelände. Er verband das Berliner Stadtschloss mit dem Jagdschloss Grunewald und wurde irgendwann in der Mitte des 18. Jahrhunderts auch als "Churfürsten Damm" bezeichnet. Eine Straße war er deshalb noch lange nicht.

Es war Bismarck, der - beeindruckt von den Champs-Élysées und anderen Pariser Boulevards - den Ausbau des Kurfürstendamms zu einer Prachtstraße veranlasste. Nun, ganz wurden die französischen Dimensionen nicht erreicht. So war der Ku'damm mit seinen 53 Metern nur halb so breit wie sein Vorbild. Aber mit der Befestigung brachen moderne Zeiten an, wozu auch der Bau einer Dampfstraßenbahnlinie gehörte. 

Ihre Einweihung am 5. Mai 1886 gilt heute als Geburtstunde des Boulevards Kurfürstendamm und wird entsprechend gewürdigt. Auch durch mich. Ich schnappte mir die Kamera für eine kleine sonntägliche Fotosafari. 


Startpunkt war die Gedächtniskirche. Leider ist sie gerade nicht als solche zu erkennen. 

Eine Besonderheit: Die Hausnummern beginnen mit der Nummer 11. Die Erklärung ist etwas kompliziert. 1925 hatte man die Budapester Straße, damals am Potsdamer Platz gelegen, nach dem Tode des Reichspräsidenten in Friedrich-Ebert-Straße umbenannt. Nun wollte man das Land Ungarn nicht vor den Kopf stoßen und benannte einen Teil des Ku'damms in "Budapester Straße" um. Die Häuser mit der ursprünglichen Adresse Kurfürstendamm 1 bis 10 liegen deshalb in der Budapester Straße, bis heute.


Von der Zeit, als am Ku'damm entlang zahlreiche Kinos das Publikum in ihren Bann zogen, zeugen heute mehr oder weniger prachtvolle Gebäude. Das Kinosterben hatte auch hier kein Einsehen. Manch ein Kino ist nur noch mit seinem Namen vertreten, manches lebt unter anderem Namen und mit neuem Konzept fort wie die Astor Filmlounge.


Moderne Glasfronten gestalten Hintergründe wie oben für das Kranzler-Eck. Unten spiegelt sich das Theater des Westens, das allerdings in der Kantstraße liegt.


Ein Anschlag erschütterte 1983 den Ku'damm, als das Maison de France von 24 Kilogramm Sprengstoff teilweise zum Einsturz gebracht worden war. Zum Glück wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Untergebracht sind dort das Institut Francais und das Cinéma Paris, ein Anziehungspunkt für die frankophilen Berliner.



Kunst und Kultur waren seit jeher am Ku'damm beheimatet, haben es allerdings nicht leicht, sich in dieser attraktiven Lage zu behaupten. Um die "Komödie am Kurfürstendamm" und das zugehörige "Theater am Kurfürstendamm" tobt seit Jahren ein erbitterter Streit. Die Gebäude mit ihrer wechselvollen Baugeschichte, in denen beide Bühnen seit ihrer Gründung untergebracht sind, sollen im Rahmen des Umbaus des Ku'damm-Karrees abgerissen werden. Entschieden ist bis heute nichts, vorerst wird weitergespielt. Kunst und ...


... Kommerz. Seit jeher verbindet man diesen Boulevard mit edlen Geschäften und schicken Flanierern. Diesen Ruf büßte der Kurfürstendamm nach dem Mauerfall jedoch ein, als ihm Potsdamer Platz, Friedrichstraße und Unter den Linden Konkurrenz zu machen begannen. Seit Beginn der 2000er Jahre erlebt er jedoch seine Wiedergeburt. Zwischen Knesebeckstraße und Adenauerplatz wurden und werden viele Geschäfte hergerichtet, Hersteller von Luxusmarken kehren zurück oder eröffnen erstmalig neue Standorte. Es kehrt fast schon Normalität ein.

Damit endet meine erste Etappe entlang des 3,5 Kilometer langen Ku'damms. Fortsetzung folgt.

15. Mai 2011

Gebacken: Die Entdeckung des Kastanienmehls


Ach, wie ich diese Mini-Küchlein liebe! Dank Paule habe ich dieses wundervolle Rezept kennen- und schätzengelernt. Und ohne Paule wäre ich nicht so schnell auf den Gedanken gekommen, mit Kastanienmehl zu backen.

Eine Variation der Maronen-Schokoladen-Fondants hatte ich bereits getestet, für toll befunden und hier im Blog vorgestellt: meine Himbeer-Fondants. Sicherlich nicht die letzte Kreation, die mir in den Sinn und in den Backofen kommen dürfte.

Heute wollte ich für einen musikalischen Abend etwas Süßes zum Nachtisch mitbringen. Viel Zeit war nicht, mir etwas Großes auszudenken und dieses Große dann auch in die Tat umzusetzen. Während ich in der S-Bahn saß, ließ ich meine kulinarischen Gedanken schweifen und überlegte, was schnell zubereitet, flugs gebacken und leicht verzehrt werden kann. Da fielen mir diese Küchlein ein. Das perfekte Mitbringsel!

Veränderungen habe ich praktisch keine am Originalrezept vorgenommen. Damit ich jedoch alle 14 Mulden meiner Cannelé-Formen füllen kann, habe ich die Menge um etwa ein Drittel erhöht.

Die Zutaten:
100 g Kastanienmehl
35 g Weizenmehl (Type 405)
3 Eier (Größe M)
120 g Puderzucker
130 g geschmolzene Butter
130 g Milch
1 Prise Salz
60 g Schokotropfen (dunkle Schokolade)

Die Zubereitung:
Die Eier trennen und das Eiweiß mit der Prise Salz steif schlagen. Kastanienmehl, Weizenmehl und Puderzucker sieben und mit den Eigelben verrühren, entweder mit dem Handmixgerät oder dem Schneebesen.

Backofen einschalten und auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen.

In die Schüssel zur Eigelb-Mehl-Mischung Butter und Milch eingießen und zu einem homogenen Teig verrühren. Dann mit einem Teigschaber das steif geschlagene Eiweiß portionsweise gefühlvoll unterheben, bis keine Flocken mehr erkennbar sind. Die Schokotropfen mit etwas Mehl vermischen (es hindert sie daran, an den Boden der Form abzusenken) und vorsichtig untermengen.

Ich nehme für diese Fondants meine geliebten Cannelé-Formen aus Silikon (die eine mit 8, die andere mit 6 Mulden), stelle sie auf den Ofenrost und gieße den Teig bis 1 cm unter den Rand ein. Dann die Form anheben und leicht auf das Rost klopfen, damit eventuell vorhandene Luftbläschen verschwinden.

Etwa 20 bis 25 Minuten werden die Küchlein nun auf mittlerer Schiene gebacken. Stäbchenprobe. Aus dem Backofen nehmen und kurz abkühlen lassen, bevor man sie aus der Form purzeln lässt.



Noch weiter abkühlen lassen - oder gleich ein lauwarmes Maronen-Schokoladen-Fondant kosten. Wenn man so ungeduldig ist wie ich. Sind sie nicht ein Gedicht?!!!

Merci beaucoup, Paule!

14. Mai 2011

Gebacken: Fruchtige Nervennahrung mit einem Hauch Tonkabohne


Nyhet trug an mich einen Wunsch heran. Ob ich denn nicht mal wieder etwas backen würde, hieß es offen. Als Nervennahrung und für kleine Glücksgefühle, stand unausgesprochen dabei. Nichts leichter als das. Auf meine Nachfrage, in welche Richtung ich denn backen solle, erhielt ich die Antwort: "Irgendwas Fruchtiges fänd ich gut."

Komisch, warum ich da ausgerechnet auf Rhabarber gekommen bin. Vielleicht, weil auch im "Petit Larousse Pâtissier" ein Rezept für eine Rhabarbertarte enthalten ist. Noch dazu mit einem Bild, bei dessen Anblick mir sofort das Wasser im Munde zusammenlief. Vorab, mein Ergebnis sieht anders aus, aber wenn die Tarte auf dem Bild genauso köstlich ist wie meine, dann Hut ab.

Der Rhabarber spielt die Hauptrolle. Und wie es sich gehört, gebührt ihm natürlich ein gewichtiger Anteil. Man nehme deshalb:
600 g Rhabarber (geschält gewogen)
60 g Puderzucker

Am Tag vorher oder vormittags wird der Rhabarber vorbereitet: Nachdem er geschält und in ca. 2 cm lange Stücke geschnitten wurde, vermengt man ihn mit dem Puderzucker. Abgedeckt bleibt er mindestens 8 Stunden stehen. Viel Saft hat meiner in dieser Zeit zwar nicht gelassen, aber das Aroma empfand ich danach als sehr intensiv.

Bevor es an die Zubereitung der Tarte geht, wird der Rhabarber in ein Sieb gegeben, das auf einer Schüssel liegt oder im Spülbecken steht. Er tropft nun ab, bis es ihm an den Kragen geht.

Los geht es mit dem Teig (für eine Form mit 26 cm Durchmesser), einer Pâte brisée:
150 g Mehl
100 g Butter (Zimmertemperatur)
1 Prise Salz
2 gestrichene EL Zucker

Das Mehl wird in eine Schüssel gesiebt. Eine Mulde "graben", in die Zucker, Salz und die in kleine Stücke geschnittene Butter gegeben werden. Zügig mit den Fingern zu einem Teig verarbeiten. Falls er bröselt, etwas Wasser hinzugeben. In eine Folie einwickeln oder in einer Schüssel abgedeckt für mindestens eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen.

Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Bei mir ließ sich der Teig überhaupt nicht ausrollen. Also habe ich ihn in große Fladen gedrückt und diese von Hand in der Tarteform zu einem zusammenhängenden Boden vereinigt. Das war etwas mühsam, Erleichterung verschaffte mir eine Mini-Teigrolle am Stiel. Mit einer Gabel den Boden einstechen. Ich habe ihn noch flugs ins Tiefkühlfach gestellt, denn der Ofen war noch nicht soweit. Dann Backpapier und Hülsenfrüchte hinein und für 15 Minuten blindbacken.

Die Wartezeit ist gefüllt mit Arbeit, die Crème wird vorbereitet:
1 Ei (Größe M oder L)
75 g Puderzucker
2 1/2 EL Milch
2 1/2 EL Sahne
25 g fein gemahlene Mandeln (Mandelpuder)
1/3 geriebene Tonkabohne
50 g Butter (in kleine Stücken geschnitten)

Ei und Puderzucker mit dem Schneebesen schlagen, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Danach Milch, Sahne und gemahlene Mandeln unterrühren. Von der Tonkabohne ein Drittel mit der Muskatreibe zugeben. Zum Schluss die Butter hineingeben und weiterschlagen, sie kann jedoch flockig bleiben (den Rest erledigt dann die Hitze).

Der vorgebackene Boden wird vom Backpapier und den Hülsenfrüchten befreit. Den Ofen auf 180 Grad belassen.

Rhabarberstücke verteilen. Die Crème darübergießen. Nun für 20 bis 25 Minuten backen. Danach herausnehmen, abkühlen lassen. Bei Bedarf mit Zucker bestreuen.


Und nun die Nerven mit dem Genuss eines saftigen Stücks vom Rhabarberkuchen beruhigen.



Meine sind es nun. War aber auch kein hartes Stück Arbeit. Der Geschmack der Tonkabohne überrascht mich, erinnert er mich doch nur nebenbei an Vanille. Er hat etwas herb-karamelliges und passt sehr gut zum Rhabarber.


Ran an das nächste Stück ...

10. Mai 2011

Gebacken: Fruchtig, cremig, knackig


Ein Spontan-Dessert für eine Spontan-Einladung zum Sonntagabend. Damit fing die Grübelei an: Was passt im Anschluss an Spargel in Erdbeervinaigrette mit Röstpolenta? Etwas Leichtes, etwas Frisches würde das Hauptgericht ideal fortsetzen und perfekt zum sommerlichen Frühlingsabend passen.

Am besten ein Frühlingsobst, oder? Erdbeere schied aus. Da konnte nur noch Rhabarber zum Einsatz kommen. Außerdem musste er weg, ich hatte vom Marmeladekochen noch ein paar Stangen übrig behalten. Ein Kompott wollte ich jedoch nicht machen.

Mir schwebte eine Kombination aus Backen und Kochen vor, und schon hatte ich eine Idee. Schon seit einiger Zeit lag in meinem Tiefkühlschrank eine Packung Bio-Blätterteig. Das war ein Spontankauf gewesen, denn ich wollte schon immer etwas mit Blätterteig zaubern. Diesen selbst zuzubereiten, danach stand mir allerdings nicht der Sinn. Zu aufwändig, auch wenn die Beschreibungen in manchen Blogs mich dazu verlockten.

Während ich die Packung aufriss, fiel mein Blick auf die vom Marmeladekochen übrig gebliebenen Rosmarinzweige. Das Dessert war geboren. Voilà, hier die Beschreibung der Rhabarber-Rosmarin-Blätterteigtörtchen. Die Maßangaben reichen für 6 Portionen.

Zunächst der Blätterteig:
6 Platten Bio-Blätterteig
1 Eigelb
Backpapier und Hülsenfrüchte zum Blindbacken

Die Platten des Blätterteigs auftauen lassen. Dann zu größeren Quadraten ausrollen, auf ca. 20x20 cm, und sechs kleine Tarteletteförmchen auskleiden. Ich habe die Ecken wie Zipfel heraushängen lassen. Nun für 15 Minuten in den Kühlschrank.

Inzwischen den Backofen auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Förmchen erst unmittelbar, bevor sie in den Ofen wandern, aus dem Kühlschrank nehmen. Sie werden nun blindgebacken: Innen mit Backpapier auskleiden und nur den Boden in der Mitte mit Hülsenfrüchten beschweren. Nicht zu viel und nicht bis an den Rand einfüllen, damit der Teig aufblättern kann. Die Ränder mit Eigelb einpinseln (habe ich übrigens vergessen).

Nach 10 Minuten Backpapier und Hülsenfrüchte herausnehmen und für weitere 5 Minuten im Ofen backen. Fertig. Abkühlen lassen.

Jetzt wird der Rhabarber vorbereitet:
4-5 Stangen Rhabarber
1-2 EL Butter
3-4 EL Zucker

Den Rhabarber waschen, schälen und in 2-3 cm lange Stücke schneiden. Mit 1-2 EL Zucker mischen und 15-30 Minuten stehen lassen, damit er Wasser abgeben kann.

In einem Topf Butter schmelzen, 2 EL Zucker hinzufügen und den Rhabarber hineinwerfen. Herunterschalten und maximal 10 Minuten schwach köcheln lassen. Idealerweise zerfällt der Rhabarber nicht, es soll kein flüssiges Kompott entstehen. Im Zweifelsfall lieber vorher vom Herd nehmen. Abkühlen lassen.

Die Crème pâtissière mit Rosmarin kommt zuletzt an die Reihe:
250g Vollmilch
50g Zucker
1 Eigelb und 1 Ei (Größe L)
10g Mehl
10g Stärke
2-3 Zweige frischer Rosmarin

Die Milch in einen Topf gießen und mit den Rosmarinzweigen erhitzen, aber nicht kochen. Vom Herd herunternehmen und ziehen lassen. Die Zweige herausnehmen, sobald das Aroma stark genug ist. Ich habe anhand des Duftes entschieden, wann es soweit war.

Zucker und Eier mit einem Schneebesen schlagen, bis die Masse weiß wird. Unter weiterem Rühren Mehl und Stärke zufügen.

Den Topf wieder auf die Herdplatte stellen und schwach erhitzen (nicht zum Kochen bringen, sonst stocken die Eier!). Die Eimasse unter kräftigem Rühren in die Milch genießen und weiterrühren, bis sie sich verdickt. Herunternehmen und abkühlen lassen.

Alle drei Teile sind nun fertig, jetzt geht es ans Zusammenfügen: In die Blätterteigschälchen zuerst die Crème pâtissière geben, in deren Mitte eine kleine Mulde bilden. Dort kommt nun der Rhabarber hinein, möglichst ohne Saft. Wer möchte, kann noch Zucker darüber streuen. Fertig!



Uns hat es vorzüglich geschmeckt. Das Rosmarin-Aroma war deutlich herauszuschmecken und harmonierte wunderbar mit dem Rhabarber. Und der Blätterteig als Schälchen ist einfach toll.

9. Mai 2011

Portugiesische Wohlfühl-Küche


Dunkelgrüne Wände. Kleine gerahmte Fotos. Kugelige Kristallleuchter. Schwarzbraune Möbel. Karierte gelb-grüne Tischdecken. Ein schmaler, langer Raum.

Das ist "Anabelas Kitchen". Kein plüschiges Wohnzimmer oder stylisches Szenerestaurant. Sondern ein Bistro mit Stil und Wohlfühlatmosphäre. In der wärmeren Zeit sitzt man gemütlich unter der Markise, kann die abendlichen Vorbereitungen im Jazz-Club A-Trane schräg gegenüber beobachten oder einfach nur dem abendlichen Treiben in der Pestalozzistraße zuschauen. Es ist ruhig hier, die nächsten Lokale einige Häuser entfernt.

Wir fühlten uns hier auf Anhieb wohl, dem freundlichen Empfang sei dank. Wie er heißt, weiß ich nicht. Seine Rollen: Kellner, Empfangsherr, Barmann, Sommelier, Ratgeber, alles in einer Person. Er begleitet die Gäste charmant, freundlich, hilfsbereit, aufmerksam, humorvoll, kompetent durch den Abend. Auf seine Weinkenntnis ist absolut Verlass, und seine Empfehlungen harmonieren wunderbar mit den Gerichten, auch wenn sie dem Gast ungewöhnlich scheinen mögen. Und in der Küche?

Dort kreiert die Namensgeberin des Restaurants ihre Köstlichkeiten. Jeden Tag etwas anderes, jeden Tag frisch. Je nachdem, was und wie viel die Märkte hergeben. Portugiesische Küche. Deutsche Küche. Mediterrane Küche. Sehr fein miteinander kombiniert, gekonnt zubereitet und immer wieder überraschend, gehen Tradition und Moderne hier einträchtig Hand in Hand.

Der erste Besuch:


Auf der Karte stehen vier bis fünf Hauptgerichte, von denen eines immer vegetarisch ist. Unsere Wahl fiel auf Schwarzfederhuhnkeule auf Spinat-Risotto und Roter Beete sowie Maultaschen vom hällischen Schwein auf Kartoffelsalat. Bei letztgenanntem waren wir ratlos: hällisch? Sollte es vielleicht "höllisch" heißen? Ein Hinweis auf den Würzgrad? Kompetent wurden wir aufgeklärt: Es handelt sich um ein Schwein aus Schwäbisch Hall, der Name steht für Qualität. Sehr gut, das wollen wir. Die Portionen haben genau das richtige Maß - nicht zu groß, nicht zu klein.

Da kann es allerdings vorkommen, dass für Dessert oder Käse kein Platz mehr bleibt. Was schade ist, wenn Vanille-Flan oder Erdbeerduett oder Zitronenkuchen angekündigt werden. Aber auch mir als bekennendem Süßschnabel ist es noch nicht gelungen, bis zum Nachtisch durchzuhalten.

Denn auch die überwiegend portugiesisch klingenden Vorspeisen locken den Gaumen. Von ihnen kostete ich beim zweiten Besuch: Sardinhas mit Gurke, Tomate und Avocado. Ein Gedicht, der warme, gegrillte, aromatische Fisch auf dem Salatbett. Da der Abend lau war und ein sommerliches Wochenende vor uns lag, ließen wir uns zu einem Apéritif hinreißen. Der Portonic, ein Drink aus weißem Porto und Tonic, versprühte herbe Zitrusfrische. Genau richtig.

Die Auswahl des Hauptgerichtes war ein schweres Stück Arbeit. Immer diese Entscheidungen! Dabei standen doch nur vier Gerichte auf der Karte. Spargel im Crêpemantel oder Maishähnchenbrust? Bio-Forelle oder Kalbsbäckchen? Was uns schließlich aufgetafelt wurde? Dies hier:


Zur Bio-Forelle an Nussbutter mit Amandinekartoffeln kam auf einem Extra-Tellerchen ein Brokkoli-Orangen-Salat, die Kalbsbäckchen wurden mit Tomaten-Gemüse, grünen Bohnen und Röstpolenta serviert. Am Ende waren unsere Teller leer, auch wenn ich dies nicht durch ein Nachher-Foto beweisen kann. Es schmeckte vorzüglich.

Nur leider war auch dieses Mal kein Eckchen in unseren Bäuchen geblieben, in dem wir noch ein Dessert hätten unterbringen können. Das nehme ich mir für meinen nächsten Besuch ganz fest vor, schließlich ist die portugiesische Küche auch für ihre Süßspeisen bekannt.

Soll heißen: Ich werde mich bald wieder in "Anabelas Kitchen" verwöhnen lassen. Wer kommt mit?

Wohin: Anabelas Kitchen. Pestalozzistraße 3.

7. Mai 2011

Gekocht: Wie aus Rhabarber Gold wird


Nein, ich stehe nicht in der Tradition der Alchemisten wie Johann Friedrich Böttger, die hoch und heilig versprachen, Gold aus den unmöglichsten und undenkbarsten Stoffen herstellen zu können. Und dann zufällig so Schönes und die Zeiten Überdauerndes wie das europäische Porzellan erfanden.

Seine ersten beruflichen Schritte ging Böttger übrigens in Berlin, wo er in einer Apotheke am Molkenmarkt sein Handwerk erlernte. Hier kam er auch mit der Alchemie in Berührung, die ihn schließlich nach Sachsen führte. Ursprünglich, um dort für den stets klammen Kurfürsten Gold herzustellen. Was er fand, war die Formel zur Herstellung von Porzellan.

Ich habe keine zukunftsweisenden Entdeckungen in meiner Küche machen können, wo ich kleinere Rhabarberexperimente durchgeführt hatte. Das Ergebnis sind vielmehr einige profane Gläser exquisiter Marmelade.

Zwei Sorten, die ich nach dem hübschen kleinen Büchlein "Mes confitures" von Christine Ferber gekocht habe. Ein Buch voller Inspirationen, wie man welches Obst womit kombinieren könnte. Allerdings habe ich nicht exakt nachgekocht, dafür hätte ich mehr Zeit (Ruhephase über Nacht), ein Thermometer (105 Grad Kochtemperatur gehen nicht Pi mal Daumen) und Risikobereitschaft benötigt. Was ich damit meine?

Ich habe noch nie Marmelade ohne Gelierzucker zubereitet. Meine Sorgen sind, dass sie nicht fest wird, die Farbe sich zwischen Hell- und Dunkelbraun bewegt und sie insgesamt zu süß wird. Diesmal wagte ich es und bereitete nur eine Marmelade mit Gelierzucker zu, während ich die zweite ungefähr nach dem Buch gekocht habe.

Die erste Marmelade des Tages war eine Rhabarbermarmelade mit Apfel und Maracuja. Die Zutaten dafür:
500g Rhabarber (geschält gewogen)
500g Äpfel Granny Smith (ebenfalls geschält und entkernt gewogen)
3-4 Maracujas
500g Gelierzucker 2:1 (im Buch: 800g Zucker)
Saft von 1 Zitrone

Der geschälte und in kleine Stücke geschnittene Rhabarber wird mit 250g Gelierzucker gemischt. 1 Stunde ruhen lassen.

Die Äpfel in kleine Stückchen schneiden (die Viertel der Länge nach in 3 Spalten und dann in kleine Stückchen). Die Maracujas der Länge nach halbieren und mit einem Löffel das Fruchtfleisch mit den Kernen herauskratzen, dabei auch den Saft auffangen und alles zu den Äpfeln geben. 250g Gelierzucker zugeben, mischen. Ebenfalls 1 Stunde ruhen lassen.

Zunächst die Apfel-Maracuja-Mischung zum Kochen bringen und 5 Minuten köcheln lassen. Dann den Rhabarber zugeben, mit dem Wasser, das der Zucker während der Ruhephase gezogen hat. Zitronensaft zugeben.

Alles ca. 5 Minuten aufkochen, eventuell den Schaum abschöpfen. Dann Gelierprobe auf einem eiskalten Tellerchen machen. Wenn die Masse geliert, in die vorbereiteten Gläser füllen, diese verschließen und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Fertig!



Nun das eigentliche Experiment: Rhabarbermarmelade mit Honig und Rosmarin. Ich liebe solche ungewöhnlichen Kombinationen, und wenn ich mir halbwegs vorstellen kann, dass am Ende etwas Essbares herausspringt, dann wage ich die Zubereitung. In diesem Fall sollten diese Zutaten bereitstehen:
500g Rhabarber (geschält gewogen)
100g flüssiger Honig (im Buch Akazienhonig, ich habe Bio-Sommerblütenhonig genommen)
5 Zweige frischer Rosmarin
300g Zucker
Saft von 1-2 Zitronen

Den Rhabarber habe ich in kleine Stücke geschnitten. Zucker, Honig und die Rosmarinzweige zugeben. Alles miteinander vermischen. 1 Stunde ruhen lassen.

Jetzt wird es ein bisschen kleinteilig. Auf den Kochtopf ein Sieb legen, die Mischung hineinfüllen und abtropfen lassen. Zucker aus der Schüssel kratzen und ebenfalls in den Saft im Topf geben. Rosmarinzweige herausfischen und in den Topf geben.

Der Saft wird nun während 10-15 Minuten zu einem Sirup gekocht. Das Rosmarin-Honig-Aroma breitet sich in der Küche aus. Ich habe nicht gewartet, bis die Masse sich verdickt hatte, sondern nach ca. 10 Minuten die Rosmarinzweige herausgenommen und den Rhabarbar zugefügt. Saft von 1 Zitrone eingießen.

Und nun beginnt das Experiment: solange kochen, bis die Gelierprobe gelingt. Wohlgemerkt ohne Gelierzucker oder Pektin! Bei mir hat das sehr lange gedauert, erst nachdem ich den Saft der zweiten Zitrone zugegeben hatte und die Gesamtmasse schon etwas reduziert aussah. Die Marmelade dürfte in der finalen Phase etwa 15 Minuten gekocht haben, vermutlich hätte ich mutiger sein sollen und nach 10 Minuten die vorbereiteten Gläser befüllen können.

Was schließlich übrig war, reichte für 3 kleine Gläser. So wertvoll. Eben wie Gold. Küchengold. Marmeladengold. Für die besonderen Frühstücke.

Einfach köstlich, diese Kombination! So prickelnd säuerlich, mit leicht herber Süße vom Honig und diesem großartigen Rosmarinaroma. Begeisterung pur!


Ich wünsche euch viele köstliche, warme und sonnige Frühlingsfrühstücke!

5. Mai 2011

Gebacken: Käsekuchen aus dem Kühlschrank


In der Überschrift flunkere ich ein bisschen. Schon aufgefallen? Deshalb ein wichtiger Hinweis vorneweg: Der Backofen legt einen Ruhetag ein.

Aus dem "Petit Larousse Pâtissier" stammt dieses Rezept für einen Käsekuchen, der völlig anders als meine - nicht so zahlreichen - bisherigen Kuchen dieser Kategorie zubereitet wird. Zwei Neuheiten: Ein Boden aus Keksen. Ein Kuchen ohne Backen.

Benötigt wird eine Springform von ca. 20 cm Durchmesser oder ein Tortenring, der auf einen großen Teller oder eine große Platte gesetzt wird.

Der Boden ist ganz fix präpariert, dafür sind nur diese beiden Zutaten erforderlich:
250g bretonische Butterkekse
125g geschmolzene Butter

Die Kekse zerbröseln. Das kann man entweder Stück für Stück tun, ich habe alle in eine Schüssel gegeben und sie mit einem Kartoffelstampfer zerdrückt. Dann wird die zerlassene Butter darüber gegossen und alles gut vermischt. Die Masse in die Form bzw. den Tortenring geben und mit einem Löffel kompakt andrücken. Nun für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Solange der Boden abkühlt und sich verfestigt, wird die Käsemasse zubereitet.
Die Zutaten:
450g Frischkäse (geht vielleicht auch mit Quark, das werde ich beim nächsten Mal probieren)
200g Crème fraîche (hatte ich nicht da, also habe ich die gleiche Menge an Sahne steif geschlagen)
2 sehr frische Eier (Größe M)
1 unbehandelte Bio-Orange
75g Zucker
3 Blätter Bio-Gelatine

Die Gelatine wird in kaltem Wasser eingeweicht. In dieser Zeit die Orange waschen und ihre Schale fein abreiben. Danach den Saft auspressen, in einem kleinen Topf erwärmen (nicht kochen) und von der Herdplatte nehmen. Die Gelatine-Blätter einzeln ausdrücken und unter stetigem Rühren langsam in den warmen Orangensaft gleiten lassen. Sie lösen sich sofort auf.

Die Eier werden getrennt. Eiweiße steif schlagen. Eigelbe mit der abgeriebenen Orangenschale und dem Zucker verrühren, bis die Masse weiß wird. Nacheinander den Frischkäse, die steifgeschlagene Sahne und den Orangensaft unterrühren (ich habe den Handmixer benutzt, damit die Masse schnell homogen wird). Jetzt mit dem Teigschaber vorsichtig die steifgeschlagenen Eiweiße unterheben. Es dürfen am Schluss keine Eiweißklümpchen mehr sichtbar sein.

Jetzt wird die cremige Käsemasse auf den Boden aufgetragen. Form oder Teigring aus dem Kühlschrank nehmen und die Masse hineingießen. Mit dem Teigschaber gut verteilen und am Schluss glattstreichen.

Mindestens 4 Stunden sollte der Kuchen nun im Kühlschrank stehen. Sobald die Schlemmermäuler sich um den Tisch versammelt haben, wird er aus seinem kühlen Zuhause genommen und sofort serviert.




3. Mai 2011

Gekocht: Süß-saure Krönung eines Picknicks


Hier kommt nun das angekündigte Rezept für eine "Panna Cotta mit Rhabarberkompott". Weil ich es für ein Picknick vorbereitet habe, fiel die optische Präsentation eher praktisch denn ästhetisch aus. Transportable Plastikbecher mussten hübsche Porzellanschälchen ersetzen, der Qualität und dem allseitigen Genuss tat dies jedoch keinen Abbruch.

Das besondere Moment an diesem Dessert ist, wenn die sahnige Süße der Panna Cotta auf die frische Säure des Rhabarberkompotts trifft. Alle Picknickenden waren genau davon überrascht - und äußerten sich begeistert. Für die Pâtissière ist das immer ein schöner Augenblick, wenn alle sich die Kreation einfach nur auf der Zunge zergehen lassen, währenddessen ein wohliges Brummen von sich geben und sichtbar genießen.

Die Panna Cotta wird mit diesen Zutaten zubereitet (für 4 Portionen):
350g Sahne
60g Zucker
1 Vanilleschote
3 Blätter Bio-Gelatine (alternativ: 5g Agar-Agar)

Die Zubereitung ist einfach:
Das Mark aus der Vanilleschote auskratzen. Die Sahne in einen Topf geben, Zucker, Mark und Vanilleschote zugeben und unter Umrühren einmal aufkochen. Dann von der Herdplatte nehmen und 5-10 Minuten ziehen lassen.

Währenddessen die Blattgelatine in kaltem Wasser einweichen.

Die Sahnemischung durch ein Sieb abseihen. Die Schote bleibt hängen, vielleicht auch der eine oder andere Fetzen, der sich beim Auskraten gelöst hat. Das Mark hingegen rutscht durch. Nun die eingeweichte Gelatine Blatt für Blatt erst ausdrücken und dann unter Rühren mit dem Schneebesen langsam in die warme bis heiße Sahne geben. Sie sollte sich problemlos und gut auflösen.

Ist das geschehen, gießt man die Masse in kleine Schälchen, Förmchen oder eine große Schale. Für mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank. Leider habe ich den Trick noch nicht herausgefunden, wie man verhindert, dass sich die Vanille am Boden absetzt. Zwar habe ich ab und an umgerührt, aber seht selbst:
 

Nun ist es Zeit für das Rhabarberkompott. Dafür wird benötigt:
500g geschälter und in 1-2 cm lange Stücke geschnittener Rhabarber
1 unbehandelte Bio-Orange
80g Zucker
1-2 cm langes Stück frischer Ingwer (geschält und in breite Scheiben schneiden)

Der Rhabarber wird in einer Schüssel mit dem Zucker gemischt und 30 Minuten stehen gelassen.

Von der gewaschenen Bio-Orange 3-4 breite Streifen der Schale schneiden, möglichst ohne zu viel Weiß darunter, und mit der Gabel einstechen. Unter die Rhabarberstücke mischen. Die Orange auspressen und den Saft ebenfalls zum Rhabarber zugeben. Zu guter Letzt die Ingwerstücke hinzufügen.

Nach der Ruhezeit hat der Zucker Saft gezogen, Orange und Ingwer sollten die Mischung schon ein wenig "imprägniert" haben. Nun kommt alles zusammen in einen Topf, wird zum Kochen gebracht. Danach herunterschalten, damit das Kompott nur noch leicht köchelt. Immer wieder umrühren. Probieren. Je nach Geschmack werden Orangenschale und Ingwer früher oder später herausgefischt.

Insgesamt kocht das Kompott etwa 10-15 Minuten. Der Rhabarber sollte zerfallen sein. Abkühlen lassen und kredenzen.


Und wenn es am nächsten Tag heißt, zum Frühstück hätte man am liebsten anstelle eines Brötchens noch etwas von dieser delikaten Picknickkrönung gegessen, dann hat man alles richtig gemacht. Oder?

2. Mai 2011

Preußen und Asien, sonntags auf der Wiese


Heute ein paar Eindrücke aus dem Preußenpark am Fehrbelliner Platz. Er wird unter Einheimischen auch "Thai-Park" genannt, weil am Wochenende viele asiatisch-deutsche Familien hier Picknick machen. Von dem man auch als Nicht-Familienmitglied profitieren kann.


Ich habe das leider nicht gewusst, als ich meine Runde drehte. Naja, bei meiner nächsten Stippvisite werde ich mich mal als Topfguckerin versuchen. Ich kann sicher noch einiges lernen, und wenn es "nur" neue Gewürze, Düfte und Zubereitungen sind.


Bereits 1905 ist dieser Park, damals noch als "Preußenplatz" angelegt worden. Auf dem Bild die Namensgeberin, "Borussia", das neulateinische Wort für Preußen.


Der Park an sich ist relativ klein. Einige Wege, die sich um die große zentrale Wiese herumschlängeln. Viele Bäume, keine Blumenbeete. Eben viel parktypisches Grün. Aber trotzdem belebt hin und wieder ein bunter Farbtupfer die Umgebung.


Diese zwei Gesellen - oder auch ein Paar? - traf ich nicht im Preußenpark. Sie zogen es vor, es sich im Biergarten des angrenzenden Parkcafes gut gehen zu lassen. Kann man verstehen, bei dem Sonnenschein.


Für den kleinen Hunger im Park, wenn man nicht von den asiatischen Köstlichkeiten auf der Liegewiese probieren darf. Oder sich an den Geräten der kleinen Trimm-Dich-Ecke (offiziell als "Senioren-Aktiv-Platz" bezeichnet) ordentlich verausgabt hat.

Die Open-Air-Saison hat zum Glück gerade erst begonnen, der Gelegenheiten dürften sich also noch viele bieten für einen Ausflug in eine der zahlreichen grünen Oasen der Stadt.

1. Mai 2011

Gebacken: Kein Frühling ohne Rhabarber-Tarte


Welcher Tag würde sich besser eignen als der "Tag der Arbeit", um wieder eine kleine Köstlichkeit in der Schokozwergschen Küche zu zaubern. Ein Blick in den Kühlschrank, und was muss ich dort entdecken: 4 Stangen Rhabarber. Übrig geblieben bei der Zubereitung einer Panna Cotta mit Rhabarberkompott (Rezept folgt!), die einem stürmischen Frühlingspicknick auf der Berliner Museumsinsel "zum Opfer fiel". Den kann ich doch nicht verkommen lassen!

Rhabarber. Was für ein herrliches Obst. Leider nur für relativ kurze Zeit erhältlich. Aber vielleicht ist das auch besser so, eine natürliche Verknappung dieser Obstressource quasi. Dadurch kann ich ihn besonders intensiv genießen, vieles ausprobieren, ungezählte Gläser verschiedenster Variationen von Marmelade zubereiten, um mich dann wieder anderen Beeren und Früchten zu widmen. Wenn es soweit ist, beginnt meine Zeit der Vorfreude auf den nächsten Rhabarber. 

Soweit sind wir in diesem Jahr jedoch zum Glück noch nicht.

Ich schnappte mir ein hübsches Buch, aus dem ich im vergangenen Juni bereits eine Rhabarbertarte (mit selbst hinzugefügten Himbeeren) gebacken hatte. "La vie en rose - die wunderbaren süßen Rezepte meiner französischen Familie" von Murielle Rousseau, ein Backbuch, das man auch einfach auf der Decke im warmen Schatten liegen lesen kann. So hübsch ist es gestaltet, mit alten Fotos, Zeichnungen und kleinen Geschichten über die Familie der Autorin. Der Appetit kommt dabei automatisch, die Lust auf's Nachbacken gleich mit. Und das alles, obwohl das Buch auf Fotos der Leckereien verzichtet. Man lässt einfach seine Fantasie spielen und sich die Rezepte auf der Zunge zergehen, spürt die Kreativität in sich erwachen - und schon binde ich mir die Schürze um. 

Für den Teig benötigt man folgende Zutaten (für eine Tarteform mit einem Durchmesser von 26 cm):
200g Mehl
50g Zucker
110g Butter in Flöckchen
1 Prise Salz
1 EL Öl
kaltes Wasser
Mehl und Zucker mischen, Salz, Öl und Butter zufügen. Zunächst die Butter unterbröseln und dann alles zusammenkneten. Damit der Teig später ausgerollt werden kann, Wasser teelöffelweise zugeben. Falls er nun zu sehr klebt, etwas Mehl hinzufügen. Zu einer Kugel formen und für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank legen.

Für die Füllung kommen diese guten Sachen zusammen:
4 Stangen Rhabarber
50g Weizengrieß (im Originalrezept ist es die gleiche Menge gemahlener Mandeln - schmeckt auch hervorragend)
2 Eier Größe M
85g Zucker (ich habe Rohrzucker und Vanillezucker gemischt; im Buch werden 100g Zucker genannt, was mir jedoch etwas viel erschien)
120ml Schlagsahne (die hatte ich noch im Hause; laut Originalrezept sind es 100g Crème fraîche)

Den Rhabarber waschen, fädeln, schälen und in ca. 3 cm lange Stücke schneiden.

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und die Form mit dem Teig auskleiden. Dann die Rhabarberstücke darin verteilen, ob ordentlich oder unordentlich, ist dem eigenen ästhetischen Empfinden überlassen.

Weizengrieß und Eier mit einem Schneebesen verrühren. Danach Zucker und Schlagsahne zugeben und weiterrühren, bis eine glatte Mischung entstanden ist. Über die Rhabarberstücke gießen.

Im Ofen wird die Rhabarbertarte nun 30-40 Minuten gebacken. Wem das Ergebnis nicht süß genug ist, der streut, sobald er den Kuchen aus dem Ofen geholt hat, noch etwas Zucker darauf.