Dort befindet sich ein hübsches kleines Café. Das "Café 1900". Inzwischen ist es längst kein Geheimtipp mehr, viele finden den Weg an diesen auf den ersten Blick eher unscheinbaren Ort. Ich jedenfalls muss immer wieder genau hinsehen, wenn ich die Knesebeckstraße entlanglaufe. Und dabei habe ich schon öfter die Annehmlichkeiten und die Atmosphäre dieses Cafés genossen.
Einen ersten bleibenden Eindruck hinterließ der Ort an sich. Immer wenn ich ihn betrete, habe ich das Gefühl, die Welt vor der Tür zu lassen. Eine Mischung aus Café, Blumenladen und Antiquitätengeschäft erwartet mich, sehr stilvoll und behaglich. Große schwere Holztische mit Bänden und Stühlen, die mit ihren Kissen zum Verweilen einladen. Überall frische Blumen in Vasen und Töpfen. An den Wänden viele Regale mit altem Geschirr und Küchengerät, auf alten Leinendecken, wie ich sie aus dem Hause meiner Großmutter kenne, kunstvoll kombiniert. Dazu antike Kerzenhalter, auf den der Lichtschein flackert, sobald sich die Tür öffnet. Es wirkt alt und gemütlich.
Das Geschirr passt dazu. Keramik oder Porzellan. Alles ausgesucht mit Stil und Sinn für den Ort. Ich denke dabei immer sehnsuchtsvoll an das Stöbern auf Flohmärkten und bekomme unwillkürlich Lust darauf, es dem Inneneinrichter oder der Inneneinrichterin gleichzutun. Wenigstens in Teilen.
In den Bann des Cafés 1900 zogen mich zunächst seine Kuchen. Jaja, Süßschnabel, der ich bin. Alles rustikal und vom Blech, man könnte ihn zu Hause eigentlich genauso gut backen: verschiedene Obstkuchen mit Streuseln, Käsekuchen (dazu auch gern heiße Pflaumen), russischer Zupfkuchen, Himbeerkuchen. Am besten noch leicht warm. Dazu einen Kaffee oder den Haustee mit Erdbeeren und frischen Kräutern. Was für ein Nachmittag!
Empfehlenswert ist auch das Frühstück.
Vorn das süße Frühstück aus Brötchen, Marmelade, Butter und frischem Obst. Im Hintergrund das große Frühstück mit diversen Käsesorten, Schinken, Salami, frischem Gemüse, Marmelade und Butter. Dazu natürlich Brötchen, oft noch leicht warm, und ein Glas Orangensaft. Wobei ich immer wieder über den Unterschied zwischen großem und kleinem Frühstück nachdenke. Denn mengenmäßig kann ich kaum eine Differenz erkennen, es bleibt immer etwas übrig. Hinten links schließlich der Joghurt mit Knuspermüsli und frischem Obst.
Alles mundet vorzüglich, ich kann gar nicht aufhören zu essen und möchte den Vormittag am liebsten uns Unermessliche ausdehnen. Vielleicht noch ein Stück Kuchen hinterher? Preislich bewegt sich das Angebot völlig im Rahmen, wobei sicherlich auch die Konkurrenz nebenan und gegenüber regulierend wirkt.
Die Bedienung ist sehr freundlich und zuvorkommend. Aufmerksam wird die an jedem Tag neu zusammengestellte Tageskarte an den Tisch gebracht, lustigerweise nicht in irgendwelchen aufwändigen Mappen, sondern ganz einfach auf einem DIN-A4-Blatt, handgeschrieben und kopiert. Zauberhaft und herrlich altmodisch den Stil des Cafés unterstreichend: die Schürzchen der Mädels. Was wäre das adäquate Kleidungsstück für den kellnernden Herrn? Der Chef trägt ganz praktisch Jeans, erscheint zupackend und unkompliziert. Immer wieder frage ich mich leise, in welcher Beziehung er eigentlich zum benachbarten "Vagabund" steht. Dem Charme tut das keinen Abbruch.
Das Publikum ist bunt. Touristen verirren sich hierher. Aber die Hauptkundschaft machen wohl die aus, die im weiteren Umkreis des Savignyplatzes beheimatet oder tätig sind. Bürgerlich oder Schickimicki oder beides. Interessant sind die Gäste auf jeden Fall, zum Angucken oder zum Ablästern oder zum Quatschen.
Also, ich kann es kaum erwarten, dort wieder vor einem großen Stück Kuchen zu sitzen und den Tag zu genießen. Juchu!
Wohin: 1900 Café Bistro. Knesebeckstraße 76.





