12. August 2011

Sonnenstrahlen im Glas eingefangen


An einem regnerischen Sommertag, als die Stadt grau war, die Menschen grau in die Weltgeschichte guckten und die Aussichten grau blieben, da fasste ich mir ein Herz und ging auf den Markt. Mit einer Freundin, die ebenso wie ich Gelüste auf Sommer verspürte. Wem ginge es nicht so beim Blick aus dem Fenster? Nach der ersten Marktsichtungsrunde machten wir den üblichen Stopp am Espresso-Stand. Nicht am üblichen, denn der hatte offensichtlich kalte Füße bekommen und sich nicht unter den Regenhimmel gewagt.

Machte aber gar nichts, unser Notausweichstand konnte uns mit leckerem Kaffee erfreuen. Der wärmte uns von innen und gab unseren Plänen einen frischen Schwung: Wir wollten Marmeladen kochen und suchten dazu die richtigen Früchtchen.

An einem Stand schlugen wir schließlich zu und kauften Berge von Aprikosen. Die Auswahl fiel uns nicht ganz leicht, wir entschieden uns für die großen aus Frankreich. Jede verfolgte ihre Rezept-Strategie, mir schwebte Aprikosenmarmelade nach Christine Ferbers "Marmeladen-Bibel" vor, jedoch mit frischem Lavendel aromatisiert.

Zu Hause angekommen, stellten wir fest: Die Aprikosen sind doch ein wenig säuerlich. Was nun? Könnten die nicht gerade richtig sein, sollte doch wieder eine gehörige Portion Zucker mit ihnen verarbeitet werden? Ich wagte es - und gewann.

Hier also das Rezept für meine Aprikosenmarmelade mit Lavendel, für die ich das Grundrezept aus dem Buch etwas abgewandelt habe.

Die Zutaten:
1 kg entsteinte Aprikosen
750 g feiner Zucker (im Buch: 800 g)
Saft einer Zitrone (im Buch: einer halben Zitrone)
5 - 8 frische Lavendelzweige

Auch hier erfolgt die Zubereitung wieder in zwei Etappen:
Tag 1:
Aprikosen waschen, trocknen und entsteinen. In Viertel schneiden. Zucker und Zitronensaft hinzufügen und 1 Stunde ziehen lassen. In einen großen Topf umfüllen und vorsichtig umrührend bis zum ersten Aufblubbern erhitzen. Vom Herd nehmen, in eine große Schüssel umfüllen, Lavendelzweige zufügen, abkühlen lassen. Mit einem Stück Backpapier bedecken (direkt auf die Oberfläche legen und glatt streichen) und über Nacht an einem kühlen Ort ruhen lassen.

Tag 2:
Die Gläser sterilisieren und bereitstellen. Einen Unterteller in den Kühlschrank für die Gelierprobe legen. Ich habe von den Aprikosen die Haut abgezogen, was ohne Probleme und ganz flott vonstatten ging. Danach Früchte, Lavendelzweige und den Saft in einen großen Topf umgießen. Unter vorsichtigem Rühren wird die Marmelade zum Kochen gebracht, sie muss 5 bis 10 Minuten sprudelnd kochen. Fleißig rühren und bei Bedarf abschäumen.

In dieser Phase werden auch die Lavendelzweige entfernt, damit das Aroma nicht kippt. Ich bin immer mit der Nase am Topf geblieben, habe ab und an gekostet. Und als mir Geschmack und Duft ein wenig zu sehr nach Lavendel waren, habe ich die Zweige entfernt. Das ist der richtige Zeitpunkt, denn erhitzt sind diese Aromen intensiver als im erkalteten Zustand.

Nachdem die Zweige entfernt waren, habe ich eine Gelierprobe gemacht, also ein paar Tropfen auf die gekühlte Untertasse gegeben. Die Marmelade ist fertig, wenn diese leicht gelieren. Ist das nicht der Fall, muss sie noch länger kochen. Ggf. etwas Zitronensaft hinzufügen, er befördert das Gelieren.

Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Marmelade mit einem Trichter in die Gläser füllen. Mit dem Deckel verschrauben und für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann wieder umdrehen und auskühlen lassen.


Ich empfinde Aprikosenmarmelade - gute Aprikosenmarmelade - immer als angenehm prickelnd auf der Zunge. Hier verleiht ihr der Lavendel einen etwas herben Duft, und ehe ich es mich versah, steht mein Frühstückstisch mitten in Südfrankreich. Ich bin natürlich auch dabei. Um mich herum goldener Sonnenschein, Wärme, das Summen von Bienen, flirrende Landschaften und der Duft von Sommer. Hach, traum-haft!

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