21. Mai 2011

Gebacken: Milchreis für den Sonntagskaffee


Ein Wochenende ohne Kuchen, das war in meiner Kinderzeit unvorstellbar. Am Freitag Abend oder Samstag Vormittag wurde gebacken, meistens etwas mit Obst oder ein einfacher, schneller Rührkuchen. Hauptsache aus dem heimischen Backherd. Und wenn wir Glück hatten, kam der Kuchen noch warm zum nachmittäglichen Kaffee oder Tee auf den Tisch.

Diese Tradition habe ich in mein Erwachsenensein mitgenommen. Anfangs wurde jedoch überhaupt nichts gebacken, da waren mir andere Dinge wichtiger - ich sage nur: Studentenleben! Aber hin und wieder vermisste ich schon den kleinen feinen Kuchen, der einfach so herumstand und nur darauf wartete, von mir verputzt zu werden. Gestillt habe ich diesen Appetit in den diversen Cafés am Ort, und davon gab es wahrlich viele.

Inzwischen backe ich öfter, und wer hätte das gedacht: pünktlich zum Wochenende erfasste mich das Backfieber. Da ich noch von der Rhabarber-Sucht gepackt bin, stand der fruchtige Teil von vornherein fest. Beim Blättern im Buch "Atelier tartes - salé + sucré" von Catherine Kluger blieb mein Blick an einem Foto einer Milchreistarte kleben. Die musste es diesmal sein.

Ich habe das Rezept etwas abgewandelt und eine Rhabarber-Himbeer-Milchreistarte gebacken. Wie alle Tartes aus diesem Backbuch braucht auch diese etwas Zeit, die die Bäckerin oder der Bäcker aber gut aufteilen kann.

Zuerst der Boden für eine Springform von 20 bis 22 cm Durchmesser, den ich schon in einem früheren Beitrag ausführlich beschrieben hatte. Hier die Zutaten, die ich dieses Mal verarbeitet habe:
200 g Weizenmehl Type 405
70 g Zucker
25g Mandelpuder (oder gemahlene Mandeln)
1 Messerspitze Salz
120g Butter (sehr kalt und in kleine Stücke geschnitten)
1 Ei (Größe M oder L, ich habe wieder nur Größe L bekommen)

Mehl, Zucker und Mandelpuder sieben und mit dem Salz vermischen. Die sehr kalten Butterwürfel unterrühren, mit der Mehlmischung bedecken und mit den Fingern zu einem sandig-bröseligen Teig verkneten. Nun das geschlagene Ei zugeben und alles schnell zu einem Teig verkneten, möglichst ohne die Butter zu sehr zu erwärmen. Dann in eine Folie einwickeln und für mindestens eine Stunde ab in den Kühlschrank. Danach vorsichtig ausrollen und die Springform auskleiden. Den überstehenden Teig abschneiden und den Boden mit einer Gabel mehrmals stechen. Im Gefrierschrank mindestens 30 Minuten kalt werden lassen.

Mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchten komplett ausfüllen. Blindbacken bei 160 Grad während 30 Minuten. Danach die Füllung herausnehmen und noch 5 bis 10 Minuten fertigbacken. Auskühlen lassen.

Die erste Schicht, der Rhabarber:
200 g Rhabarber (geschält und geputzt gewogen)
1 EL Butter
1 - 2 EL Zucker
1 Schluck Portwein (nicht zu viel, kann man weglassen oder durch z.B. Orangenlikör ersetzen)
etwas Wasser
ggf. ein paar Himbeeren
1 TL Agar-Agar

Den Rhabarber habe ich geputzt, geschält und in ca. 3 cm lange Stücke geschnitten. Die Butter schmelzen lassen, Rhabarber hinein und den Zucker darübergeben. Gut umrühren, der Rhabarber soll nicht anbrennen. Die Herdplatte herunterschalten, damit es nur noch leicht köchelt. Etwas Flüssigkeit zufügen (Portwein und/oder Wasser), damit sich etwas Soße für das Agar-Agar bildet. Ungefähr 10 Minuten köcheln lassen. Nun das Agar-Agar gut unterrühren und 5 Minuten weiterkochen. Vom Herd nehmen und leicht abkühlen lassen. Auf dem erkalteten Tortenboden verteilen und im Kühlschrank vollständig erkalten lassen.

Die nächste Schicht ist der Milchreis:
150 g Milchreis
450 - 500 ml Vollmilch
1 Vanilleschote
3 EL Zucker

Vanilleschote halbieren, auskratzen und das Vanillemark mit der Milch zum Kochen bringen. Wer will, kann auch die Schote mitkochen lassen für ein intensiveres Aroma. Milchreis hineingeben und bissfest kochen (leicht köchelnd während ca. 30 Minuten). Der Milchreis soll die Milch aufsaugen und leicht pappig werden. Kurz vor Ende den Zucker unterrühren. Etwas abkühlen lassen und auf der Rhabarberschicht verteilen. Nun in den Kühlschrank.

Als letzte Schicht kommen die Himbeeren:
150 g Himbeeren (frisch oder tiefgekühlt)
2 - 3 EL Zucker
1 TL Agar-Agar

Tiefgekühlte Himbeeren auftauen lassen. Frische Himbeeren zerdrücken. In einem Topf erhitzen, Zucker zugeben. Dann das Agar-Agar unterrühren. Maximal 5 Minuten leicht köcheln und danach etwas abkühlen lassen. Auf die Milchreisschicht streichen und im Kühlschrank vollständig erkalten lassen.

Vor dem Genuss sollte die Rhabarber-Himbeer-Milchreistarte auf Zimmertemperatur gekommen sein. Bon appétit!

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