25. Juli 2010

Fremdgekiezt: Ein Hoch auf das Geburtstagskind!

Als wir spät nachts in unsere heimischen Betten fielen, lag ein rundum schöner Tag hinter uns. Und das, obwohl sich der Sommer am Tag zuvor in die Sommer-Pause verabschiedet und der Stadt trübes und kühles Wetter hinterlassen hatte. Ausgerechnet an diesem Freitag, als Schokozwerg - seines Zeichens bekennender und bekannter Sommer-Sonne-dreißig-Grad-Anbeter - seinen alljährlichen Ehrentag beging! Das hätte bitter sein können. Wurde es aber nicht. Denn als bekannter und bekennender Sonnenschein ließ er sich nicht die Geburtstagsstimmung verderben. Gemeinsam mit Nyhet hatte er sich einiges Genießenswertes vorgenommen.

Neben der Kultur durfte das Kulinarische nicht zu kurz kommen. In diesem Fall ist es besonders praktisch, wenn sich im Laufe der Zeit die eine oder andere Tradition ins Leben einschleicht, so großbürgerlich und konservativ sich das auch anhören mag. Eine unserer Traditionen ist es, Anlässe zum Anlass zu nehmen, in der höheren Berliner Gastronomie auf Entdeckungsreisen zu gehen, uns inspirieren zu lassen und den eigenen Gourmet-Horizont zu erweitern. Natürlich nicht ohne die Erwartung, ein wenig verwöhnt zu werden, aber immer gewiss, dass es etwas ganz Besonderes, nicht Alltägliches sein sollte. Umso farbiger und wohliger erinnern wir uns des Genusses und harren voller Vorfreude und Neugier der nächsten Eroberung.


Einer kleinen Prozedur gleicht dabei die Auswahl des Ortes, wo wir schlemmen, lachen, strahlen, schwelgen, probieren möchten. Wo man unsere leuchtenden Augen sehen, sprachlose Freude teilen, verzückten Ausrufe ertragen und in unsere charmanten Dialoge einsteigen möchte, dort fühlen wir uns willkommen. Denn wir erleben immer wieder, dass wir meist zu den jüngeren Gästen gehören, bisweilen ist gar niemand jünger als wir! Und noch etwas scheint unseren spitzengastronomischen Streifzügen gemeinsam zu sein: Wir kommen als Erste und verlassen das Lokal als Letzte.

So streiten bei jeder Planungs- und Auswahldebatte zwei Seelen in uns: Probieren wir ein neues Restaurant aus? Oder sollten wir nicht endlich wieder einem unserer Favoriten einen Besuch abstatten? Nach unserer enttäuschenden Erfahrung vor einem Jahr war vor allem Schokozwerg versucht, in diesem Jahr auf Nummer Sicher zu gehen. Ein Blick in die Zeitung ließ ihn jedoch trotzdem nach etwas Unbekanntem Ausschau halten. Warum? Die Nominierten für die Auszeichnung „Berliner Meisterkoch 2010“ und einige andere Titel wurden bekannt gegeben, eine Vorschlagsliste, die uns bereits einige Ideen beschert hat. Ein klein wenig stolz sind wir zudem dann, wenn wir den einen oder anderen bereits kennen. Bevor die ganze Aufmerksamkeit über dem Meister seines Fachs hereinbrach.

In diesem Jahr fiel unsere Wahl auf das Restaurant Hartmanns in Kreuzberg. Wir hatten schon mehrfach überlegt, dorthin zu gehen, liest und hört man doch allerhand Lobendes darüber. Flugs das Menü im Internet studiert, dann wussten wir: das ist es! (Wer Thomas Kurt zu seinen Weggefährten und Freunden zählt, hat bei uns sowieso einen Stein im Brett.) Bei der Online-Reservierung gaben wir an, dass wir einen Geburtstag feiern möchten – mal sehen, ob das Folgen haben würde. Und ab diesem Zeitpunkt zählten wir die Tage und Stunden und Minuten.

Schon war es soweit. An der Eingangstür standen herzlich strahlende Mitarbeiter und fragten uns – die ersten eintreffenden Gäste – sogleich, wo wir sitzen möchten. Es sei überall eingedeckt. Das Restaurant liegt im Souterrain, gleichwohl kann man draußen sitzen, wenn es das Wetter zulässt. In die Kochkunst des Küchenchefs hatten wir Vertrauen, in die klimatischen Verhältnisse des Abends jedoch nicht, deshalb zogen wir nach drinnen. Sofort geklärt wurde, wer denn das Geburtstagskind sei und ob wir mit einem Aperitif starten möchten. Aber natürlich! Der Riesling-Sekt war ein perfekter Einstieg in den Abend, und während er auf unseren Zungen perlte, vertieften wir uns in das Menü. Wie viele Gänge sollten es sein? Mit oder ohne Weinbegleitung? Unsere Entscheidung fiel rasch: Sechs Gänge. Ohne Käse. Keine Weinbegleitung. Mit einem Weiß- und einem Rotwein, die wir uns empfehlen lassen wollten. Alles überhaupt kein Problem.
 
Los ging es nach einem feinen Gruß aus der Küche mit dem ersten Gang, den Schokozwerg sehr skeptisch betrachtete: Zweierlei vom Thunfisch mit Wassermelone, Aubergine und Wasabi. Wo lag das Problem? Thunfisch zählt nicht gerade zu seinen bevorzugten Speisen, noch kritischer war er jedoch beim Gedanken an Aubergine. Aber zu Ausflügen in unbekannte Terrains gehört stets eine Portion Mut, und das geht nicht ohne Neugierde. Offen für Neues, offen für positive Überraschungen. Diese entpuppte sich als so eine! Das Wassermelonen-Süppchen mit Wasabi-Griesnocken war vorzüglich, wie nicht anders erwartet. Und auch der gebeizte Thunfisch auf Thunfisch-Tatar mit Auberginen-Mus überzeugte auf ganzer Länge. Es lohnt sich also.
 
Wir blieben bei Fisch, stand doch als nächster Gang pochierter Saibling an, auf französischem Salat, Petersiliencreme und mit Chorizo. Tja, was sollten wir hierzu anmerken außer: köstlich! Das war auch unser Urteil über die folgenden Gänge: Kaninchenrücken auf Kaninchenschinken mit Kartoffeltortellini und Trompetenpilzen, danach Heilbutt mit Kapernbrotkruste auf einem Weiße-Bohnen-Püree und mit Kapern-Zitronen-Jus. Nun könnte man fragen, welchen Sättigungsgrad wir zu diesem Zeitpunkt erreicht hatten. Vermutlich war dieser bereits recht hoch, aber die Freude am Genuss und die Vorfreude auf das, was uns noch erwartete, ließ uns keine Sättigung wahrnehmen. Der fünfte Gang präsentierte sich als Geschmortes und Gebratenes vom Spanferkel mit grünen Spargelspitzen, Radieschen und Palffyknödel. Ein recht deftiger und überaus würdiger Abschluss des herzhaften Menüteiles. Wir saßen glücklich in unseren Stühlen, strahlten über den Tisch, labten uns am Wein – und dachten sehnsüchtig an das Dessert, das als Variation von der Erdbeere angekündigt war.
 
Die Teller kamen, und mit ihnen ein Fest für die Augen. Sechs verschiedene kleine süße Arrangements. Diese anzutasten erschien uns beim ersten Gedanken fast wie ein Frevel. Wir wollten diesen Augenblick so weit als möglich ausdehnen, ja aushalten, damit wir uns so lange als möglich an diesem Anblick erfreuen können.


Und was hatten wir vor uns? Ein Erdbeersüppchen mit Minze, eine Erdbeercreme auf Schokoladenknusper, einen Erdbeersalat mit Vanilleschaum, eine Erdbeere in Schokolade, ein Erdbeersorbet, eine Erdbeertarte. Schwelgerei hoch Zehn. Es dauerte ein Weilchen, bis das letzte Krümelchen, bis das letzte Tröpfchen von den Tellern verschwunden war.



Bitte noch einmal!

 
Damit waren wir am Ende unseres Menüs angekommen. Das Ende unseres Abends im Hartmanns sollte es jedoch noch nicht sein. Eine Überraschung hatte das Restaurant in petto, die für das Geburtstagskind. Auf einem schwarzen Brettchen balancierte ein kugeliger Schokokuchen in Begleitung von vier kleinen Pralinés, mittendrin eine brennende Kerze in einem erdbeerigen Fuß. Urplötzlich spürten wir, wie gesättigt wir bereits waren. Egal, Schokolade passt immer! So auch dieses Mal. Alles wurde schwesterlich geteilt und schwesterlich vereint gelobt. Ein krönender Ausklang eines wundervollen Tages.


Jetzt hieß es für uns Abschied nehmen von diesem tollen Lokal und den Heimweg ins heimische Charlottenburg antreten. Wie nicht anders zu erwarten, waren wir die Gäste mit dem besten Sitzfleisch. Dafür wurden wir sicher auch am herzlichsten verabschiedet. Wir kommen wieder. Versprochen!

edit: Und mittlerweile hat das Hartmanns auch einen Stern!
 
Wohin: Restaurant Hartmanns. Fichtestraße 31 (Kreuzberg).


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21. Juli 2010

Lecker Pizza

An einem warmen Sommerabend, wie es sie derzeit zuhauf gibt, kann einen schon einmal die Sehnsucht nach Italien überfallen. Bis in die Puppen draußen sitzen, quatschen, Passanten beobachten, lachen, so lässt sich das Leben genießen.

Dies alles im Sinn landeten Schokozwerg und Nyhet kurzerhand in der Pizzeria Roma. Unter einem großen Sonnenschirm lud uns ein Tisch ein. Ganz klassisch mit rot-weiß-karierter Tischdecke rustikalen Charme ausstrahlend. Die große und sehr gut lesbare Tafel an der Fassade listet zu erstaunlich günstigen Preisen Pasta, Pizza und Salate auf, keine Sperenzchen, sondern genau das, was man in einer klassischen Pizzeria hierzulande erwarten kann. Eine kleine Tageskarte gibt es auch, die die kreativeren Speisen enthält.


Unser Appetit verlangte nach Pizza! Dem gaben wir nach und nach einem Blick in die schnell herbeigebrachte Karte hatten wir uns flugs entschieden. Gegen die Pizza mit Spiegelei, auch wenn wir noch so neugierig wissen wollten, wie die wohl schmecken würde. Keine Experimente, lautete die kulinarische Losung des Abends. Pizza Roma (Tomate, Schafskäse, Rucola) und Pizza Prosciutto di Parma (Mozzarella, Parmaschinken, Rucola) sollten es sein.

Hungrig waren wir, und Hunger macht bekanntlich ungeduldig. Aber unser Essen kam gewohnt flott, und wir wurden nicht enttäuscht. Alles frisch zubereitet. Der Boden dünn und von einem knusprigen Rand umgeben. Der Belag üppig und glücklicherweise ohne die andernorts zu beobachtende Tendenz zu Bergen, bei denen man nie so recht weiß, wie man sie erklimmen soll. Also stürzten wir uns auf unsere Pizzen und waren uns einig: lecker!

Wohin: Pizzeria Roma. Schillerstraße 73.


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4. Juli 2010

Wo das Berliner Fußball-WM-Orakel mitfiebert

Viertelfinale. Gegen Argentinien. Ausgerechnet. Was für ein Brocken. Die Hand Gottes verbal bereits an der Klinke der Halbfinaltür.

Eine Schar junger Fußballenthusiasten und solcher, die es noch werden sollen, hatte sich im "Zwiebelfisch" verabredet, um gemeinsam Löws Mannen anzufeuern. Vorherrschende Stimmungslage: eher skeptisch denn optimistisch. Allein Nyhet strahlte Zuversicht in Reinform aus. Es sei ja vollkommen klar, dass unsere Jungs gewinnen und vier Tore schießen werden. Mit dem Tipp 4:0 löste sie bei den Umsitzenden Schmunzeln aus, begründete ihn zugleich völlig logisch und ganz Frau mit dem blauen Pullover des Bundestrainers. Ob diese Kombination aus weiblicher Intuition und mathematischer Logik zum Erfolg führen würde?

Bis zum Anstoß war es indes noch ein wenig hin, genügend Zeit also, sich den langsam eintreffenden Mitguckern zu widmen und die knurrenden Mägen zu füllen.

Der eine oder andere mag sich fragen, warum wir ausgerechnet im "Zwiebelfisch" Fußball schauen, und dies zum wiederholten Male. Wo es in Berlin doch die bombastische Fanmeile und den ein oder anderen größeren Biergarten gibt. Die Antwort ist denkbar einfach: Wir möchten
1) sitzen, während der gesamten Spieldauer,
2) und zwar im Schatten,
3) mit netten Menschen aus unserem Kiez zusammensein,
4) unsere Trinkflaschen nicht abgeben müssen,
5) vernünftig essen und trinken zu ebenso vernünftigen Preisen,
6) die bildliche Übertragung tatsächlich sehen und nicht nur hören,
7) Platz haben,
8) nur selbst schwitzen, wenn es denn sein muss, und nicht fremdgeschwitzt werden,
9) freundliche Bedienung erleben,
10) mit Jutta quatschen,
11) nicht gezwungen sein, bereits ab Vormittag auf unseren Stühlen ausharren zu müssen,
12) uvm.

Natürlich kennen wir die Kneipe nicht erst, seit die derzeitige Ballbegeisterung ausgebrochen ist. Viele lustige und anregende Abende haben wir hier zugebracht, umzingelt von Bildern, Fotos, Ausstellungsplakaten, Notizen, Geldscheinen (!) und noch viel mehr eingerahmtem Papier an den Wänden. (Mit Gedrucktem und Illustriertem haben wir's ...) Hier fühlen wir uns einfach wohl!

Wir wissen die Getränkekarte zu schätzen und futtern uns durch den fixen und flexiblen Teil des Speisenangebots. Keine hohe Kochkunst, aber stilecht, absolut passend und lecker. Ob Chili con Carne oder Brühe mit Maultaschen, Wurstsalat oder Lammkeule, Tomate-Mozzarella oder Kartoffeln mit Kräuterquark. Dazu ein Pils oder ein Wein oder ein Alster oder ein Kölsch oder was die Karte eben so hergibt. Wunderbar.

Und wer kommt außer uns in den "Zwiebelfisch"? Nun, Touristen sind es eher weniger. Oder sie tarnen sich so gut, dass wir sie nicht erkennen. Vielmehr sitzen hier Leute beim Bierchen zusammen, die in der näheren Umgebung wohnen. Und das teilweise bereits seit längerem, worauf das im Vergleich zu uns etwas höhere Durchschnittsalter schließen lässt. Aber nicht nur Charlottenburger trifft man, manch einer kehrt temporär in seinen alten Kiez zurück, andere vermissen so eine Kneipe in ihrer Einflugschneise und kommen extra hierher an den Savignyplatz. Keine Schnösel, kein hippes Volk. Umso besser! Diese gesunde Mischung macht für uns den Reiz aus, immer und so oft als möglich wiederzukommen.

So eben auch in Hochzeiten des runden Leders. Aufgeregt fiebern wir mit, springen auf, lassen uns wieder auf die Stühle fallen, rufen lauthals, wissen alles besser, klagen über den Kommentator, stöhnen über vergebene Chancen und bejubeln die Tore unserer Elf mit allen Umsitzenden zusammen. Grund dafür gab es bei unserem jüngsten Besuch genug - vier Mal. Die Vorhersage unseres Berliner Fußball-WM-Orakels war eingetroffen. Perfekt.

Wohin: Zwiebelfisch. Savignyplatz 7 - 8.


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Lebenszeichen

Ein wenig Ruhe war in letzter Zeit im CharlottenBlog eingekehrt. Sollte er wie unzählige andere Blogs nur von kurzer Lebensdauer sein, solange die Leidenschaft noch lodert, die Ideen sprudeln und Schreiblust spürbar ist? Nein, nein, und nochmals nein. Die Muse küsst uns fortwährend!