1. Mai 2010

Mitglieder in Genießer-Fraktion gesucht!

Gewundert haben wir uns über so einiges, als wir an einem der ersten lauen Frühlingsabende des Jahres zu Dritt im L'Olivo einfielen. Zunächst darüber, dass wir trotz der späten Stunde die ersten waren. Kennt etwa niemand dieses bezaubernde toskanische Lokal mitten in Charlottenburg? Auch im Netz der Netze waren nicht gerade viele Informationen hängen geblieben. Also auf zum Selbstversuch.

Immer wieder war Schokozwerg daran vorbeigeschlendert, mit tropfendem Zahn und sehnsuchtsvollem Blick. Toskana! All die kulinarischen Köstlichkeiten! Er hatte es schon lange auf seine To-visit-Liste gehoben und wartete nur auf die passende Gelegenheit. Diese war gekommen, als er einem Kurzurlaub in der Toskana nachhing und beschloss: Den verlängere ich, auch wenn ich gar nicht mehr dort bin! Und das in fröhlicher Gesellschaft! Gedacht, getan. Urlaubsfotos eingesteckt, Erinnerungen auf Stand-by - buona sera.

Eine positive Überraschung ist die Einrichtung. Keine terracotta- oder apricotfarbenen Wände, kein Trattoria-Rustikal-Stil mit den ewig gleichen rot-weiß-karierten Tischdecken, aufdringlichen Fotos des Padrone mit mehr oder weniger bekannten Gästen und all dem Interieur, das wir Touristen dort angeblich zuhauf kaufen. Das ganze Gegenteil im L'Olivo. Alles schön zartgelb mit dezenter Dekoration. Dazu dunkle, bequeme Möbel. Etwas verwinkelt angelegt und nicht zu groß. Wunderbar auch der Service: keine laute, überfallartige, potenzstrotzende Kumpelbedienung, wie man sie zu oft hier erlebt, sondern unaufgeregt, freundlich, zurückhaltend. Die Atmosphäre ist also rundum wohltuend.

Ein Blick in die Karte ließ uns schmunzeln: "Heute zum Empfehlen" stand über der Tageskarte. Daraus wurde ein (vor)freudiges Strahlen über unser aller Gesichter, als wir uns darein vertieften. Wie sollten wir uns je entscheiden können?! Es klang alles zu verführerisch, als dass wir es hätten unberührt lassen können. Aber auch der menschliche Magen besitzt nur ein begrenztes Fassungsvermögen, deshalb galt es, eine Wahl zu treffen. Den Einstieg in unser kulinarisches Vergnügen bildete die gemischte Vorspeisenplatte, die auf der normalen Karte für 2 Personen angekündigt wurde. Sie reichte locker für uns drei Leckermäuler. Was waren wir begeistert! Vitello tonnato, verschiedene eingelegte Gemüse, Frittiertes, rote Beete mit feinen, geräucherten Fischstreifen und einiges mehr, der Anfang unserer Schlemmerei war getan. Weiter ging es mit Pasta. Schokozwerg hatte Spaghetti mit Spargel und Großgarnelen bestellt und machte große Augen, als ihm auf seinem Teller ebensolche entgegenblickten. Gut, in ihnen war kein Lebensfünkchen mehr zu erhaschen, aber an diesen Anblick konnte er sich grundsätzlich noch nicht so recht gewöhnen. Was tun? Er kniff die eigenen zusammen und schob die anderen verschämt auf die Seite. Zum Glück war seine Aufmerksamkeit sehr schnell woanders: frische Zutaten, die Garnelen auf den Punkt gegart, die Spargelstücke knackig, die Nudeln bissfest, stimmig gewürzt. Ein Traum! Die Geschmacksknospen jubelten. Vorsichtiger Blick auf die umstehenden Teller - geht's denn den anderen beiden genauso gut wie mir? Ma certo! Pasta mit Rinderfiletspitzen und Steinpilzen und Lammfilet auf einem Pappardelle-Bett wurden genüsslich verspeist, mit etwas Parmesan verfeinert, der auf unser Bitten hin anstandslos gebracht wurde. Glasige Augen, glückliche Gesichter, und immer wieder dieses "Mmh". Wie kann Essen nur so zufrieden machen.

Als Nachtisch gab es Urlaubsfotos. Denn in uns passte absolut nichts mehr hinein, obgleich der zaghafte Ausruf eines Tischgenossen angesichts des vermeintlich übersichtlichen Hauptganges anderes erwarten ließ. So labten wir uns an süßen Reiseerinnerungen und zauberhaften Reiseansichten und waren uns einig, dass wir auf jeden Fall diesem Abend im L'Olivo weitere werden folgen lassen. Die Genießer-Fraktion hat wieder einen Volltreffer gelandet.

Wohin: Ristorante L'Olivo. Leibnizstraße 74.


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