4. April 2010

Fremdgekiezt: Ein Hase im Vux-Bau

In Charlottenburg lässt es sich gut leben. Keine Frage. Sich jedoch allein deshalb den Blick über den Tellerrand zu verbieten und in seinem eigenen Kiez zu versumpfen, das ist nicht Schokozwergs und Nyhets Natur. Unsere Neugierde kennt keine Grenzen! Diese Stadt ist so bunt, abwechslungsreich und vielfältig wie die Ostereier, die gerade unter Büschen entdeckt, in Körbchen gesammelt und an Sträuchern präsentiert werden. Ganz zu schweigen von denen, die auf vielerlei Art - ob klopfend oder köpfend, ob rupfend oder aufreißend - ihrer Hülle entledigt werden, um sie daraufhin genüsslich zu verspeisen.

Mit zwei Freunden hatte sich Schokozwerg zum Ostersonntagsbrunch verabredet. Auf der Suche nach der passenden Adresse vernahmen sie diverse Lockrufe aus Neukölln. Also begaben sich die Drei auf den Weg dorthin, der sie schließlich ins Café Vux führte. Wer nun denkt, das sei ihm ein böhmisches Dorf, liegt völlig richtig. Das Lokal befindet sich in der Richardstraße, wo bis zur Vereinigung Rixdorfs im Jahre 1874 die Gemeinde Böhmisch-Rixdorf - auch Böhmisches Dorf genannt - lag. Ein Spaziergang durch dieses unter Denkmalschutz stehende Kulturgut bietet sich an und beeindruckte uns sehr. Die kleinen Häuser und zahlreichen Gehöfte wirken wie eine eigene Welt inmitten der Großstadt Berlin. Für den Erhalt der Bausubstanz wird viel getan, die Gebäude sind bewohnt oder werden u.a. von der Diakonie genutzt.

Dies alles erkundeten wir, nachdem wir uns die Bäuche mit köstlichen veganen, brasilianisch angehauchten Speisen vollgeschlagen hatten. Das kleine, dennoch üppige und zugleich feine Brunchbuffet bot diverse Salate wie z.B Linsen-Birnen-Salat, Apfel-Fenchel-Salat, grüner Kartoffelsalat, Couscoussalat, dazu Aufstriche wie z.B. Weiße Bohnen-Lavendel, geräucherte Pflaume, Ingwer-Mayonnaise, Hummus, Walnuss-Paprika. Was sollte man sich vor Schreck zuerst auf den Teller laden, den man an der Theke erhält?! Offensichtlich würden mehrere Gänge nötig sein.

Ohne Süßes kann der Schokozwerg jedoch nicht leben! Zum Glück musste er im Vux nicht darauf verzichten, sondern griff beherzt bei Kokosmilchreis, Obstsalat und Mini-Muffins zu. Die Kuchen in der Vitrine entpuppten sich als Sachertorte, Schokoladenkuchen mit Chili, Grüner-Tee-Torte oder Latte-Macchiato-Kuchen. Ein Stück Erdbeerkuchen - wie alles andere natürlich absolut vegan - wurde an unserem Tisch probiert. Und überzeugte uns zutiefst davon, dass Obstkuchengenuss mit Sojamilch und ohne Gelatine keine Fantasievorstellung ist.

Wir blieben lange, unser Sitzfleisch hielt allen stand, die mit uns gemeinsam in das Café strömten, als sich seine Pforte öffnete. Kein Wunder, so angenehm es sich dort sitzen und plauschen und schauen und essen lässt. Zwei nicht sehr große Räume mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten, weiß und skandinavisch anmutend oder Retro-Tische mit Clubsesseln und Holzklappstühlen oder runde Familien-Freunde-Tische mit einer gemischten Stühleschar. Weiß sind die Wände, die Dekoration ist recht zurückhaltend. Farbe bringen vor allem die Besucher in das Café und verleihen ihm eine herrlich unaufgeregte Wohlfühlatmosphäre. Ei, was war das schön!

PS: Und der Hase? Ganz "unvegan" aus Milchschokolade und in Gold gekleidet, konnte er sich gegenüber dem Vux in Sicherheit wähnen. Aber da ist ja noch der Schokozwerg ...

Wohin: Café Vux. Richardstraße 38 (Neukölln).


Größere Karte anzeigen

3. April 2010

Vorösterliche Schnitzeljagd

Seit mehreren Jahren führen Nyhet und Schokozwerg diverse kulinarische Bestenlisten. Natürlich völlig subjektiv dem eigenen Geschmacksempfinden unterworfen, ohne objektiv nachvollziehbare oder gar wissenschaftliche Standards einhaltende Bewertungskriterien und mehr oder weniger konsequent. Neben dem in den Freundeskreisen legendären Crème-Brulée-Test gehört auch die Kür des köstlichsten Schnitzels dazu. An Karfreitag wurde die Schnitzelliste um ein neues Mitglied bereichert.

Ausgerechnet am Hohen Freitag, werden manche vielleicht einwenden. Da isst man doch Fisch, wenn schon nicht so streng gefastet wird. Man sehe es uns bitte nach, dass wir uns diesen Traditionen nicht unterworfen fühlen. Am Fisch liegt es übrigens keinesfalls, wir essen ihn sehr gern und hatten in der Schnitzelei in der Röntgenstraße sogar verschiedene Fischschnitzel zur Auswahl. Der vorangegangene Genuss der Matthäuspassion hatte in uns jedoch Appetit auf etwas Rustikales und dennoch Feines geweckt. Wir dachten beide sofort an Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffel-Gurken-Salat. Oh ja!

Bloß wohin? Ein neues Lokal in unserer Kante musste es sein. Da erinnerten wir uns des Tipps eines Freundes, der von der Schnitzelei nur so schwärmt. Groß, golden, knusprig, hervorragend, günstig, so sein Urteil. Und Nyhet wusste zu erzählen, wann immer sie dort vorbeilief, ist der Laden proppenvoll. Ob nachmittags, ob abends, voll. Unser Ziel war ausgemacht. Ein kurzer Anruf - geöffnet ist und Platz für uns ebenfalls. Also, auf auf zum fröhlichen Jagen!

Wie sollte es auch anders sein, das Restaurant brummte, was wir unschwer durch die Fenster erkennen konnten. Hier sollte es für uns beide Spontanentschlossene tatsächlich einen Tisch geben? So recht mochten wir dies nicht glauben, aber aller Skepsis zum Trotz hatten wir sogar die Wahl der Sitzgelegenheit. Wir entschieden uns für einen Tisch im hinteren, abgetrennten Bereich. Sofort wurden zwei kleine Pils auf's Haus ausgegeben, die Kerze erneuert und die Karten gebracht. Da wir uns schon im Internet angesichts des breiten Schnitzelangebots die Münder wässrig gemacht und unisono für den Klassiker gestimmt hatten, schauten wir uns in Ruhe um. Die Atmosphäre ist sehr angenehm. Etwas düsteres Licht, das von warmem Kerzenschein aufgelockert wird. An den Wänden parkettartig angebrachtes rohes dunkles Holz. Dazu Spiegel, von unserer niedrigen Warte aus gesehen über Kopf angebracht, die Weite in die Räume brachten. Einzig der stete Windhauch, den die Klimaanlage verbreitete, behagte uns nicht. Möglicherweise ein Tribut an die gebratenen Köstlichkeiten, die allerorten aufgetischt wurden.

Schnitzelgelage beginnen wir stets mit einem prickelnden Aperitif. Warum? Wir wissen es nicht, vermuten aber, dass am Anfang unserer Erkundung der Berliner Schnitzellandschaft ein österreichischer Sekt mit Hollerblütensirup gestanden haben muss. Der schmeckt uns nämlich vorzüglich. In der Schnitzelei gab es ihn nicht. Kein Anlass zur Trauer! Denn der Muskateller-Sekt vertrat ihn ebenbürtig mit seinem typischen würzigen Duft, der in uns Bilder erweckte von - Holunderblüten. Wir schwärmten! Und plötzlich standen zwei Teller vor uns, darauf Schnitzel von der Größe Nordamerikas. Zugegeben, im Maßstab verkleinert und in der Form daran erinnernd. Auf jeden Fall üppig, dünn, zart, schmackhaft. Nicht ganz so wellig wie anderswo, und beim ersten Happen ein kurzer Hauch von Frittieröl in der Nase. Kein Grund für einen schwankenden Daumen. Dieser zeigt ganz klar nach oben.



An den Resten können wir uns noch heute laben. Wie nicht anders zu erwarten, waren unsere Augen groß und unser Appetit nicht minder. Das Fassungsvermögen unserer Mägen hatten wir in unserer jugendlichen Leichtigkeit erneut völlig überschätzt. Wenige Augenblicke, nachdem die Teller fortgetragen waren, landeten zwei silberne Tauben vor uns.

Wohin: Schnitzelei. Röntgenstraße 7.


Größere Karte anzeigen